Weihnachten beim Ex – herrlich!

„Wie war Dein Weihnachten?“ fragte mich gestern ein Freund, und ich dachte nur daran, wie lange das schon wieder her ist. Genau 3 Wochen, aber es fühlt sich an wie ein halbes Jahr. Als ich ihm erzählte, wie’s war, hab ich gemerkt: es war perfekt, und DAS hätte ich im Vorfeld niemals gedacht!

Weihnachten mit den Kindern beim Ex und seiner neuen Familie zu Hause: wie kann das perfekt sein? Ganz einfach: die letzten 6 Jahre seit der Trennung kam der Kindsvater am 24.12. zu uns. Ich hatte Weihnachtsbaum und Krippe besorgt, Essen vorbereitet, Geschenke gekauft, eine angemessene Choreografie für den Abend ersonnen (erst essen oder erst Geschenke oder erst oder überhaupt Kirche?). Er hat sich da immer vornehm zurück gehalten, kam am Abend zu uns, setzte sich an den gedeckten Tisch, überreichte großzügige Geschenke und ging, noch ehe die Kinder im Bett waren. Einkaufen, Kochen, die ganze Vorbereitung, das Wohnzimmer voller Kartons und Geschenkpapier, halb aufgebautem Lego und fliegenden Helikoptern, die überdrehten Kinder – also die Verantwortung für alles, lagen jedes Mal komplett bei mir. Einmal kam er sogar mit seiner Freundin, ein Patchwork-Versuch, der katastrophal in die Hose ging

Nun haben die beiden aber ein Baby und familiäres Glück steht ganz oben auf der Wunschliste. Mutter & Kind wollten verständlicherweise zwecks Stillen und kleinen Schläfchen lieber in vertrauter Umgebung bleiben, und so wurden wir zu ihnen nach Hause eingeladen. Meine Kinder haben mich vorher genauestens instruiert: Mama, nicht singen und nicht rülpsen. Aber gerne, ihr Süßen, ich werde natürlich die Contenance wahren, schließlich ist ja Weihnachten. Und so kamen wir Drei fein herausgeputzt mit einem Wäschekorb voller Geschenke bei der heiligen jungen Familie an und bewunderten das Baby im Stall auf Papis Schoss. Ich setzt mich an den gedeckten Tisch, lobte ausführlich die erlesenen Zutaten fürs Raclette und rülpste nicht. Meine Tochter nickte mir wohlwollend zu. Es wurden feierlich Geschenke überreicht, alle waren freudig überrascht und beglückt. Ich hob ab und an elegant mein leeres Rotweinglas in die Höhe und es wurde neu gefüllt. Das zerrissene Geschenkpapier und die leeren Kartons habe ich dezent mit dem Fuß hinter den Weihnachtsbaum geschubst. Die Erwachsenen haben sich freundlich unterhalten, die Kinder haben sich ausgiebig gefreut und das Baby hat niedliche Babygeräusche gemacht. Meistens jedenfalls, manchmal wurde es auch gestillt, hat geschrieen oder geschlafen, ich konnte das nicht so genau verfolgen vom Sofa aus. Als wir zum Nachtisch wieder an den Tisch kamen, war der wie von Zauberhand aufgeräumt, toll!

Gegen 23 Uhr habe ich die Geschenke, die uns besonders zusagten, eingepackt und die anderen nach Konsultation meiner Kinder im dortigen Wohnzimmer belassen. Es soll ja dort auch etwas zum Spielen geben. Ich habe die Kinder, die Geschenke und meine inzwischen gespülte Tiramisu-Schale eingepackt und wir sind nach Hause gefahren. In eine gelüftete und aufgeräumte Wohnung. Mit von der Heimfahrt gelüfteten und glücklichen Kindern. Der Sohn hat noch bis tief in die Nacht sein neues Lego aufgebaut, die Tochter ist selig mit der Katze im Arm eingeschlafen.

Ich hab ein letztes Glas Rotwein getrunken, habe mich gefreut dass nach sechs Jahren so ein entspannter Abend möglich ist und ich faktisch keinen Finger gerührt habe. Dann habe ich gerülpst, mir selbst ein Weihnachtslied gesungen und bin zufrieden ins Bett gegangen.

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Weihnachten beim Ex – herrlich!

Sinnvoll schenken

Bea Beste vom Kreativblog Tollabea wollte wissen, ob und wie wir zu Weihnachten sinnvoll schenken. Und ob es nicht nicht viel zu viel ist, was da hin- und hergeschenkt wird. Nun, unser Geschenkeberg hält sich eh in Grenzen, weil ich alleine mit zwei Kindern bin und es finanziell gar nicht drin ist, haufenweise Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu stapeln. Und die Geschenke der Kinder an mich spielen sich in recht überschaubarem Rahmen ab.

Aber es gibt ja noch die Verwandschaft, wir fahren zu Tante, Onkel, Oma, Nichten & Neffen, wir feiern auch mit dem Kindsvater samt seiner neuen Familien. Ich habe weder Fantasie noch Geld, für alle Beteiligten Geschenke zu besorgen und ich finde es auch nicht sinnvoll. Bestenfalls kommen ein paar Staubfänger oder ulkige Designobjekte dabei heraus. Und angesichts der Katastrophe in Aleppo finde ich es geradezu geschmacklos, meine Ex-Schwiegermutter irgendein Buch zu schenken, das sie entweder schon hat oder nicht liest, weil ich zu wenig von ihr weiß, während man für 30€ ein syrisches Kind einen Monat lang mit Nahrung, Medikamenten und Hygiene versorgen kann.

Deshalb sieht mein „Geschenkekonzept“ dieses Jahr so aus: die Kinder basteln sowieso schon seit Wochen Geschenke aus Naturmaterialien, da weiß ich schon gar nicht mehr, wie ich diese Kunstwerke transportieren soll. Diese Geschenke kommen vom Herzen und werden sicher allen Verwandten eine große Freude machen. Meine Kinder bekommen von mir ein (1) sinnvolles Geschenk, eins, das sie sich sehnlich gewünscht haben und von dem ich weiß, dass es sie lange beschäftigen wird. Also kein fernsteuerbaren Hubschrauber, der nach 3 Runden gegen die Wand knallt und kaputt ist, sondern ein Lego-Set mit vielen raren Steinen und Figuren für den Sohn und ein Bildband zur Entstehung des neuen Harry-Potter-Films für die Tochter. Alle anderen (Kinder und Erwachsene) bekommen eine kleine selbstgebastelte Aufmerksamkeit und ein Kärtchen mit der Info, dass ich 10€ an Ärzte ohne Grenzen gespendet habe. Das hört sich nicht viel an, aber es sind insgesamt neun Leute und das ist dann schon eine Menge Geld.

Als Organisation habe ich Ärzte ohne Grenzen ausgesucht, weil die viele sinnvolle Projekte und einen geringen Verwaltungsaufwand haben. Und neben dem Notstand in Aleppo gibt es leider noch andere Krisengebiete, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Ärzte ohne Grenzen wählen hier klug aus und engagieren sich nachhaltig.

Frohe Weihnachten!

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meine selbstgebastelte Kleinigkeit
Sinnvoll schenken