Über große und kleine Kinder

Es ist früh, irgendwas vor Morgengrauen, der Kleine wird wach. Ich stille ihn, wir schlafen beide wieder ein. Eine Stunde später wird die Große wach und steht auf. Ich höre sie, schleiche mich aus dem Schlafzimmer und frühstücke mit der Großen. Von wegen groß, sie ist keine zwei Jahre alt, aber sehr viel größer als der Kleine, der ist zwei Monate alt. Der Mann ist auf Dienstreise. Während die Große sich die Zähne putzt, wird der Kleine wach. Gottseidank, ich bringe es nie übers Herz, den Kleinen zu wecken, muss aber die Große in die Kita bringen. 9.15 Uhr sollen wir dort sein, damit die um 9.30 Uhr mit dem Morgenkreis starten können.

Die Große kaspert im Bad rum und macht sowas ähnliches wie Zähneputzen, ich wickel den Kleinen und stille ihn nochmal. Dabei unterhalte ich mich mit der Großen, was sie heute anzieht. Der Mini ist nach 10 Minuten fertig mit seinem Milchfrühstück, ich lege ihn die die Wiege und helfe der Großen beim Anziehen. Um 9 Uhr sind wir in der Kita, ich sitze in der Kuschelecke mit dem Kleinen auf dem Arm und lese der Großen noch ein Buch vor, sämtliche Kinder kommen mal vorbei, um unser Baby zu bestaunen, ihm ein Lied vorzusingen oder über das weiche Köpfchen zu streichen. Um 9.15 Uhr verabschieden wir uns, der Kleine ist komplett gerockt und pennt im Auto ein.

Er wird jetzt 20 Minuten schlafen und dann 2 Stunden wach sein, soviel weiß ich über sein kleines Leben schon. In diesen 2 Stunden macht er eigentlich recht fröhlich alles mit, was ich so mache: Haushalt, Wäsche, Einkaufen, Aufräumen, Bewerbungen schreiben, im Internet nach Jobs suchen, an einem freiberuflichen Auftrag schreiben. Gegen Mittag hat der Kleine Hunger, ich stille ihn und er pennt in seinem Bett im stockdunklen Zimmer zwei bis drei Stunden. Das ist einerseits toll, andererseits etwas unpraktisch, denn er schläft nur dort, nur in seinem Bett, nur wenn’s ruhig und leise ist. Die Große hat in dem Alter überall im Kinderwagen geschlafen und ich war mobil. Ich weiß, das ist ein Luxusproblem, andere Kinder schlafen nie, aber dieses Kind hier schläft sehr gerne, und zwar bitte im Dunkeln, allein und in Ruhe.

Immerhin kann ich in dieser Zeit duschen, weiter am PC arbeiten und mich um den Haushalt kümmern, drum sind das recht entspannte zwei Stunden. Wenn der Mini wach wird, holen wir die Große ab. In der Kita vespern sie um 15 Uhr, um 15.30 Uhr ist der perfekte Slot für den Abschied. Sie hat dort zu Mittag gegessen, geschlafen, ist gewickelt und hat ein Vesper im Bauch. Mit diesem nahezu perfekt präpariertem Kind sowie dem gestillten und gewickelten Mini mache ich mir einen schönen Nachmittag. Meistens gehen wir einfach mit der halben Kita auf den nächsten Spielplatz, die Kinder sind im Rudel unterwegs und ich erfülle hier die Funktion der Bademeisterin: aufpassen, dass nix passiert, ab und zu Nahrung und Getränk reichen, auf eine Schramme pusten und ansonsten das Kind in Ruhe spielen lassen. Jedenfalls das große, das kleine liegt im Kinderwagen und grinst die Wolken an. Wenn ihm das zu langweilig wird, hole ich ihn raus, er lümmelt auf meinem Arm rum und schaut sich das Gewusel und Gebrüll auf dem Spielplatz an. Ich stille ihn zwischendurch, wickel erst das eine und dann das andere Kind auf der Tischtennisplatte, hole mir einen Kaffee beim Bäcker, bringe Brezel für die Große mit, unterhalte mich mit anderen Eltern, passe mal auf diese und mal auf jede Kinder mit auf und fange gegen 17.30 Uhr an, ein sehr dreckiges großes und ein sehr müdes kleines Kind einzupacken.

Zu Hause liegt der Kleine auf dem Teppich und die Große spielt um ihn herum. Zeigt ihm ihre Bücher, singt ihm was vor, erklärt ihm in ihrer umwerfend komischen Kindersprache wichtige Sachverhalte aus der Puppenküche. Manchmal setzt sie ihn in ihren Puppenwagen und schiebt ihn durch die ganze Wohnung. Ich räume die verdreckte Nachmittagstasche mit Windel, Spielzeug und Brezeln auf, versuche das prostestierende Kleinkind umzuziehen und zu waschen, während der Kleine anfängt sich die Augen zu reiben und müde zu meckern. Die Sache wird hier langsam unentspannt, denn die Große ist müde, hungrig und dreckig, der Kleine ist müde und hungrig, ich bin ebenfalls müde und hungrig. Also schnell das Essen auf den Tisch und den Mini an die Brust. Das Spiel vom Morgen geht jetzt rückwärts, vom Rumkaspern im Bad bis zum Umziehen für die Nacht. Irgendwann ist es 19.30 Uhr, der Kleine hängt völlig in den Seilen auf meinem Arm, ich sitze mit der Großen in ihrem Bett und lese ich eine Gute-Nach-Geschichte vor. Dann kommt der kniffeligste Teil des Tages: die Große hätte gerne 60-90 Minuten Mama am Bett sitzen, der Kleine findet das natürlich total kacke, ist aber noch nicht müde genug, um schon schlafen zu gehen. Also den Kleinen auf dem Arm und zur Großen setzen. Die kann aber nicht einschlafen, wenn der Kleine da ist. Ich lege ihn in die Wiege im Wohnzimmer, erkläre ihm dass ich in 10 Minuten wieder da bin. Er findet das eher so mittel. Ich erkläre der Großen, dass wir genau 10 Minuten haben und sie dann alleine schlafen muss, sie findet das ebenfalls blöd. Es geht eine Weile hin und her, mal mit Baby auf dem Arm, mal ohne. Irgendwann kommen die Tränchen beim ersten Kind, ich weiß, dass auch das zweite gleich weinen wird und dann ist es mir zu doof, dieses Verhandeln und Diskutieren, die sind doch beide noch zu klein. Ich ziehe mir mein Nachthemd an, hole beide Kinder in mein Bett. Die Große schläft selig an meiner Seite ein. Der Kleine wird nochmal gestillt und ich lege ihn vorsichtig auf die andere Seite. Er kotzt einen hübschen Milchsee auf die Matratze und ratzt auf der Stelle ein. Ich wage es nicht, mich nochmal zu bewegen oder gar aufzustehen, also liege ich in einem warmen Milchsee und merke, wie unfassbar glücklich es macht, zwischen zwei schlafenden Kindern zu liegen.

***

Es ist früh, irgendwas vor Morgengrauen, und der Wecker klingelt. Ich wecke die Große aus dem Tiefschlaf und schleiche in die Küche, um Frühstück zu machen. Während der Kaffee kocht, gehe ich zur Großen und helfe ihr beim Anziehen. Sie ist zwar schon ein großes Schulkind, aber trotzdem erst sieben Jahre alt. Wir frühstücken zusammen, und während sie anschließend Zähne putzen geht, wird der Kleine wach. Obwohl er meist anderer Meinung ist, ist man mit fünf noch ein relativ kleines Kind. Er schlurft in die Küche und frühstückt, während die Große zwar inzwischen fertig ist, aber nicht in die Schule gehen mag. Wir wohnen nämlich leider so, dass sie kein anderes Kind findet, das mit ihr zur Schule läuft. Der Mann ist nicht da, wir sind seit einem Jahr getrennt, also erkläre ich dem Kleinen, dass ich in 10 Minuten wieder da bin und begleite die Große bis zur dritten Straßenecke. Ab da läuft sie alleine, ab dort trifft sie auch manchmal andere Kinder. Kinder, mit deren Eltern ich x-mal versucht habe, einen festen Lauftreff zu verhandeln, aber die anderen Familien halten sich leider nicht dran, und so bleibt es dem Zufall überlassen, mit wem die Große morgens geht.

Als ich zurück komme, ist der Kleine ins Lego vertieft und bemerkt mich nicht einmal. Ich räume die Küche auf, mache mich fertig und versuche dann vorsichtig, das Kind vom Lego zu lösen. Nicht ganz einfach, aber irgendwann marschiert er ins Badezimmer, putzt sich die Zähne und ich helfe ihm beim Anziehen. Dann geht er in die Kita, denn die ist direkt gegenüber. Ich schaue noch aus dem Fenster, ob an der Fußgänger-Ampel alles ok ist, aber er schaut brav trotz grün nach links und rechts, macht zu den Autofahrern eine Obi-Wan-Jedi-Ritter-Geste und überquert die Straße. Wer würde da wagen, loszufahren?! Ich hole das Fahrrad aus dem Hof und radel zur Arbeit. Um 14 Uhr mache ich Feierabend, radel zurück und hole den Kleinen ab. Der hat heute Fußball und will den Weg noch einmal mit mir üben, ab nächster Woche geht er alleine. Das Komplizierteste am Fußball ist die Schleife an den Fußballschuhen, die übt er jetzt fleißig, damit die peinliche Mutter nicht immer mitkommt. Während wir beim Kicken sind, ruft die Große aus dem Hort an, sie geht noch eine Freundin besuchen. Ok, komm bitte um 17.30 Uhr nach Hause, denn um 18 Uhr kommt der Babysitter. Ich hänge eine Stunde frierend auf dem Fußballplatz ab, bewundere mein Kind, rufe Mails auf dem smartphone ab, bestelle online Faschingskostüme für die Kinder und gehe irgendwann mit dem glücklich schwitzenden Kind nach Hause. Die Fußballklamotten kommen in die Waschmaschine, das Kind unter die Dusche und die Große trudelt ein. Wir essen zusammen und da kommt auch schon die Babysitterin. Ich verabschiede mich und fahre wieder zur Arbeit, weil ich an der Hochschule eine abendliche Vorlesung zu betreuen habe.

Als ich spätabends nach Hause komme, guckt die Babysitterin fern und beide Kinder liegen in meinem Bett. Das tun sie immer, wenn ich abends nicht da bin, drum schlafe ich auch als Single in einem 180cm breiten Bett. Und die Katze liegt auch dabei, wie kuschlig! Ich verabschiede mich von der Babysitterin, lasse die Katze in die Nacht hinaus, räume die Küche auf, decke den Frühstückstisch, stecke die Wäsche in den Trockner, lege mich zu den Kindern, lausche ihrem tiefem, ruhigen Geschnarche und merke wieder, wie unfassbar glücklich es macht, zwischen zwei schlafenden Kindern zu liegen.

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Es ist früh, irgendwas vor Morgengrauen, der Wecker klingelt. Ich raffe mich auf, gehe die Große wecken und dann den Kleinen. Groß trifft es wirklich, denn sie ist zwar erst 12 Jahre alt, aber stolze 174cm groß. Der Kleine ist satte 20 cm kleiner, der Schwester mit seinen 11 Jahren aber auf der Spur, um sie noch um Längen zu schlagen. Ich mache beiden Kindern das Radio an, sonst werden sie überhaupt nicht wach. Kaffee kochen, Katzen reinlassen, Kinder nochmal rufen und zusammen frühstücken. Ich schmiere Vesperbrote, den Kindern kann man buchstäblich zugucken, wie der Zucker langsam im Gehirn ankommt. Die Große hat sich ihr Outfit bereits am Vortag zurecht gelegt, dem Kleinen ist das wurscht, denn er zieht an, was ihm aus dem Schrank entgegen fällt. So oder so, die beiden sind flott beim Anziehen und 30 Minuten nach dem Wecken verlässt erst Nummer eins, dann Nummer zwei das Haus. Es ist 7.20 Uhr, ich gehe ins Bad, ziehe mich an und laufe zur Arbeit. Um 16 Uhr mache ich Feierabend, kaufe noch fix was ein und komme einigermaßen müde nach Hause. Die Kinder sitzen beide auf dem Sofa und machen Hausaufgaben. Jedes Kind hat eine Katze auf dem Schoss, ein Buch vor der Nase und übt, ab und zu fragen sie sich gegenseitig ab. Das machen die echt großartig! Ich gehe in die Küche und räume die Mittagessen-Spuren der beiden weg, sie haben sich Maultaschen mit Rührei und MIT SALAT (!) gemacht. Ich räume die Einkäufe ein, fütter die Katzen und den Hasen, mache die Wäsche und setze mich samt Laptop zu den Kindern aufs Sofa. Ich muss dringend ein paar Rechnungen überweisen, Mails von Eltern, Schule und Sportvereinen beantworten und eine Ferienbetreuung organisieren. Ich mache nix davon, denn der Kleine möchte, dass ich ihn die unregelmäßigen Verben abfrage, und die Große möchte, dass ich ihrem Vortrag über die Holzgasgewinnung lausche. Wir „arbeiten“ eine ganze Weile zusammen, dann hat der Sohn keine Lust mehr und fährt ein Autorennen auf der xbox und die Große checkt ihre whatsapps. Ich klappe den Laptop zu, verschiebe das auf später und mache Abendessen. Das Abendessen dauert fast eine Stunde, denn wir erzählen uns gegenseitig unseren Tag, die beiden streiten fast und vertragen sich fast. Der Sohn bekommt Bauchweh, ich ahne Schlimmes und suche schon mal das Körnersäckchen. Nach dem Abendessen packen beide ihre Schulranzen, der Sohn verzieht sich samt Comic und Körnersäckchen ins Bett, die Tochter will noch reden. Wir hocken auf ihrem Bett und besprechen Streitigkeiten mit ihrem Lehrer, Verrücktes mit ihrer Freundin und Komisches mit den Jungs. Ich gehe rüber zum Sohn, der inzwischen formidables Bauchweh hat und arg jammert. Ich tröste ihn ein wenig, sag er solle sich in mein Bett legen, ich würde in 20 Minuten dazu kommen.

Der Kleine flitzt in mein Bett und kuschelt sich wimmernd ein, ich räume fix die Küche auf, stecke die Wäsche in den Trockner, gucke nach, ob ich morgen wichtige Termine habe und lege mich zum Sohn. Zwei Minuten später steht die Tochter vor meinem Bett und fragt, was los sei und sie habe Bauchweh. Ach herrje, da hat wohl beide was erwischt? Sie bekommt ebenfalls eine Wärmeflasche und legt sich zu uns. Sie schlafen beide erst mal ein, der Kleine schnell und die Große erst nach vielen geflüsterten Gesprächen mit mir. Soviel Nähe haben wir nicht mehr oft, und im Dunkeln reden ist auch ganz schön schön. Irgendwann ist auch auf dieser Seite Ruhe, das Bauchweh scheint auf beiden Seiten nachzulassen und ich merke wieder, wie unfassbar glücklich es macht, zwischen zwei schlafenden Kindern zu liegen.

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Drei Momentaufnahmen aus dem Leben mit meinen Kindern. Als Babys, als Kita-/Grundschulkinder und jetzt, mit beiden auf der weiterführenden Schule. Vom Weckerklingeln bis zum Einschlafen. Man kann diese drei Momentaufnahmen nicht miteinander vergleichen und sie sind bei Weitem nicht vollständig, so wenig wie man sagen könnte, das Leben mit so großen Kindern sei einfacher als mit den Kleinen. Was heißt überhaupt einfacher, ist es denn so schwer?

Dass ich Kinder habe, beansprucht mich, mein Leben, mein Denken, Fühlen, meinen Alltag und meine Arbeit in jeder Sekunde. Und zwar in jeder Lebensphase anders. Die Bedürfnisse der kleineren Kinder waren basaler: die Windel war voll, der Bauch war leer, die Augen müde und die Toleranzschwelle gleich Null. Da hieß es für mich als Mutter: Prozesse voraus sehen, schnell handeln, trösten, füttern, wickeln, dabei zwei Kinder im Blick haben und nicht vergessen, die Wäsche in den Trockner zu stecken und was fürs Abendessen zu kaufen.

Die Kita-/Grundschulkinder waren schon sehr selbständig, waren glücklich in der Ganztageskita und im Hort, haben ihre Wege selber erledigt und konnten auch mal ½-1 Stunde alleine bleiben. Dafür hatten Sie entweder unzählige Sport-/Musiktermine oder haben sich mit Freunden verabredet, heute auf den Spielplatz, morgen beim Freund zu Hause, übermorgen alle bei uns. Heute zum Ballett, morgen zum Fußball, übermorgen zum Schlagzeug und Capoeira macht mir übrigens keinen Spaß mehr, Mama. Beinahe jeden Tag wurde telefoniert, verschoben und überlegt, wer wann wo ist und ob der Weg wirklich klappt oder ob ich das organisiert kriege. Ich habe zwar nur 50% gearbeitet, war aber bereits getrennt und hatte mit Job und Familienleben mehr als genug zu tun. Und natürlich damit, die Wäsche rechtzeitig in den Trockner zu stecken.

Jetzt habe ich zwei große Kinder, von denen alle sagen, dass ich doch jetzt zwei so große Kinder habe und sicher alles einfacher ist. Wieso eigentlich? Die andere Binsenweisheit lautet doch „Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen“? Ich weiß nicht, ob es kleiner oder größer ist, ob man das in Größe und Wertigkeit „aufrechnen“ kann. Aber tatsächlich hat mich früher die Frage umgetrieben, ob die Kleine eigentlich wegen des Kümmeltees soviel pupst, während ich mich jetzt frage, ob die Schulwahl die richtige war – eine vielleicht doch etwas nachhaltigere Entscheidung. Die Organisation, der Alltag mag mit großen Kindern einfach(er) sein. Denn sie bleiben in der Tat auch alleine zu Hause, ich brauche keinen Babysitter mehr und sie kochen sich selber was zu essen. Mit Salat! Aber die Verantwortung für diese beiden Menschen, die noch lange nicht erwachsen sind, ist dieselbe geblieben, und die liegt hier ganz allein bei mir.

Wenn die Kinder jetzt bereits die Verantwortung für sich übernehmen würden, wären wir hier auf dem falschen Weg. Ich sehe diese Gefahr durchaus, denn die Kinder wissen, dass ich sehr beansprucht und oft erschöpft bin und sie versuchen schon viel zu oft, mich zu entlasten. Es mag ja auch toll sein, wenn die großen Kinder mal die Eltern umsorgen. Das muss aber eine Ausnahme bleiben und darf nicht zur Gewohnheit werden, denn mit 11 und 12 Jahren ist man eben noch lange nicht reif genug, die Mutter zu ersetzen. Christine Finke gab all jenen, die denken, große Kinder könnten alles mögliche übernehmen, den Rat, mal Parentifizierung zu googeln. Und das tue ich hiermit auch: Eine Parentifizierung findet statt, wenn sich das Kind aufgefordert und/oder verpflichtet fühlt, seinerseits die nicht-kindgerechte, überfordernde und seine weitere Entwicklung blockierende „Eltern-Funktion“ gegenüber einem oder beiden Elternteil(en) wahrzunehmen, sagt Wikipedia. Die Kinder sollen altersgerecht Pflichten übernehmen und im Haushalt mit anpacken und gerne auch mitdenken. Aber sie sollen nicht die Verantwortung übernehmen, die ich tragen sollte. Das ist manchmal ein schmaler Grat, aber während vielleicht andere Eltern versuchen, die Kinder stärker mit einzubeziehen, versuche ich hier oft, ihnen ihre Kindheit zu bewahren und sie nicht unnötig früh mit der Verantwortung für ihr junges Leben oder gar für mich zu überfordern.

Ich bin für ihre körperliche und geistige Gesundheit verantwortlich. Ich bin ihre Ansprechpartnerin, wenn sie wütend, traurig, glücklich, besorgt, verliebt sind oder sich ungerecht behandelt fühlen. Sie suchen und brauchen immer noch Grenzen und jemanden, der sie daran entlang oder drüber begleitet, und da ich hier die einzige Erwachsene im Haus bin, bin ich das nun mal. Immer. Und ich bin sehr froh darüber!

Wenn die Kinder sich mir jetzt bereits verschließen würde, könnte ich wahrscheinlich in ein bis zwei Jahren, wenn die Pubertät ihrem Höhepunkt entgegen steuert, hier die Rollläden runter lassen. Aber ich bin da, höre zu, sorge mich um sie, diskutiere und freue mich mit ihnen. Wie an jedem einzelnen Tag, seit ihrer Geburt. Das ist anstrengend und das geht auch noch mindestens 7-8 Jahre so weiter. Das wird nicht weniger, das wird nicht leichter, das wird nur immer wieder anders, und für mich ist das völlig in Ordnung. Denn es macht unfassbar glücklich, nicht nur zwischen zwei schlafenden Kindern zu liegen, sondern mit ihnen zu leben, jeden Tag.

Foto von Porapak Apichodilok
Über große und kleine Kinder

Mama, bist Du glücklich?

„Mama bist Du glücklich?“

fragte mich meine Tochter. Wir saßen auf einer sonnigen Wiese im Wald, hatten gerade eine kleine Fahrradtour gemacht, der Sohn war mit dem Freund im Gehölz verschwunden und wir zwei saßen mit Kaffee & Kuchen unterm Baum. Ein wunderschöner Moment, ein glücklicher Moment. Und trotzdem habe ich mit der Antwort kurz gezögert.

Ich bin müde, ich bin einsam und ich arbeite zu viel. Ich bin gerade nicht sehr zufrieden mit meinem Leben, nicht glücklich. Aber will ich das in diesem Moment meinem Kind sagen? Sie hat mich das gefragt, weil sie in diesem Moment sehr glücklich war und weil sie sich vergewissern möchte, ob es mir auch so geht. Oder DASS es mir auch so geht? Meine Tochter ist ein sehr mitfühlender Mensch, sie freut sich mit mir und sie leidet mit mir. Wenn es mir nicht gut geht, übernimmt sie schnell Verantwortung, um mich zu entlasten. Dann räumt sie nicht nur die Küche auf, sie versucht auch, mich so wenig wie möglich zu belasten und den kleinen Bruder gleich noch mit zu erziehen. Damit ist sie dann natürlich überfordert, denn sie ist 12, nicht 20.

Wenn ich ihr jetzt sage, dass ich eigentlich grad gar nicht glücklich bin, macht das diesen sonnigen kleinen Moment zwischen uns kaputt und sie wird obendrein anfangen, sich Sorgen um mich zu machen. Das möchte ich nicht. Weder den Moment kaputt machen noch das Kind in Sorge bringen.

„Klar Süße“ sage ich also, und blinzle in die Herbstsonne.

Für den Moment stimmt das, für meinen generellen Seelenzustand nicht. Sie lächelt glücklich und genießt ihren Himbeerkuchen und ich bin mit einer Notlüge davon gekommen.

Will ich mein Kind denn wirklich anlügen, ist nicht diese „authentische Elternschaft“ so irre wichtig? Ich fand in dem Moment ihren kindlichen Seelenfrieden wichtiger, als ihr meine Unzufriedenheit mit meinem Leben aufzutischen. Ich soll authentisch sein als Mutter, aber ich habe auch Verantwortung als Mutter. Verantwortung dafür, was meine Kinder aushalten können und was nicht. Und sie halten eine Menge aus. Seit sieben Jahren leben wir drei alleine, in den sieben Jahren bin ich 2x mit burn out zusammen geklappt und wir waren 3x in MutterKindkur. Die Kinder wissen sehr genau warum, sie wissen, dass ich viel arbeite und sie wissen, dass ich oft sturzmüde bin, weil ich abends berufliche Termine habe und trotzdem immer und ausnahmslos um 6.30 Uhr aufstehe, um mit ihnen vor der Schule zu frühstücken und dann auch selber zur Arbeit zu gehen. Sie sind abends manchmal alleine, wenn ich arbeite, und sie sind mittags oft alleine, weil ich arbeite. Dann machen sie sich selber was zu essen, machen vielleicht nicht die Hausaufgaben, gehen vielleicht nicht zeitig ins Bett und vergessen vielleicht die Katzen zu füttern. Aber irgendwie kriegen wir drei das schon hin. Ich habe großartige, selbständige, kompetente und fröhliche Kinder, auf die ich sehr stolz bin!

Ich bin sehr glücklich mit meinen Kindern, ich habe meinen Traumjob und wir haben keine finanziellen oder gesundheitlichen Sorgen. Ich hätte die Frage meiner Tochter auch ohne zu zögern mit JA beantworten können.

Aber ich habe gezögert, denn es sind genau diese drei Dinge, die mein Glück trüben: ich bin müde, ich bin einsam und ich arbeite zu viel. An der Müdigkeit ist die Schule in Kombination mit meinem Job schuld – ist halt blöd, wenn man abends Kulturveranstaltungen organisiert und Schulkinder hat. An der Einsamkeit ist die Kombination aus Arbeit und Familienleben schuld: mein Kontingent an „abends ausgehen“ ist durch meinen Job und die üblichen Elternabende komplett ausgeschöpft. Ich habe ausschließlich berufliche oder kindbedingte Termine und Kontakte, für mehr ist keine Zeit und auch keine Energie da. Und dass ich zu viel arbeite, liegt in der Natur der Sache: 100% arbeiten und sich alleine um zwei Kinder samt Haushalt kümmern ist halt stressig. Um es mal charmant auszudrücken.

Ich bin unzufrieden, denn ich hätte gerne mehr Zeit für meine Kinder. Und ich würde gerne entspannter im Job meinen Kram zu Ende machen und nicht immer die Hälfte liegen lassen. Ich bin unzufrieden, weil ich gerne noch irgendwas anderes machen würde außer mich um Familie und Job zu kümmern. Zum Beispiel Freunde treffen, zum Yoga gehen, eine spannende Fortbildung oder gar ein Aufbaustudium, aber daran bin ich schon so oft gescheitert, dass ich das auf „wenn die Kinder aus dem Haus sind“ verschoben habe. Ich kriege das zur Zeit weder organisiert noch finanziert. Und ich bin unglücklich, weil ich immer und für alles alleine die Verantwortung trage in unserer kleinen Familie. Das macht mich auf Dauer fertig. Bevor ich jetzt wieder Tipps für Alleinerziehenden-Single-Börsen bekomme: ein neuer Partner reisst’s nicht raus. Bevor ein neuer Mensch in meinem Leben hier nicht nur grinsend mit am Frühstückstisch sitzt, sondern auch den Müll raus bringt, die Kinder zum Arzt begleitet, kindliche Wutanfälle auffängt und abends im Bett eine Stunde lang Schulprobleme diskutiert statt andere lustige Dinge zu tun, muß der schon verdammt gut in die Familie integriert sein. Ich hab dieses Level mit meinen zwei Patchwork-Versuchen nie erreicht. Und für eine zur Familie rein additive Partnerschaft fehlen mir Zeit und Energie. Also bleibt die Verantwortung bei mir allein, immer.

Dinge die man nicht ändern kann, muss man akzeptieren, das sollte ich in meinem Alter mal gelernt haben. Akzeptieren ist ja nicht resignieren, sondern einfach nur „so ist es halt“ und immer den wachsamen Blick darauf, ob sich nicht doch was ändert oder ändern lässt in unserem System.

So hadere ich mit meinem Glück, und deshalb werde ich vielleicht immer kurz zögern, wenn mein Kind mich fragt, ob ich glücklich bin. Dabei sollte ich mich auf den Augenblick besinnen und ihn genießen, dann ist es auch komplett authentisch wenn ich sage: Ja Süße, mit Dir und dem Himbeerkuchen und Kaffee und in der Herbstsonne bin ich glücklich!

herbstsonne

Mama, bist Du glücklich?

Muttertagswunsch 2017 – Fragen an die Parteien zur Bundestagswahl

Zum Mutter- und Vatertag 2017 haben Christine Finke (www.mama-arbeitet.de), das Team von family unplugged (www.familiy-unplugged.de), Sonja Lehnert (www.mama-notes.de), die Redaktion von FrauTV und ich (Annette Loers auf www.mutterseelesonnig.de) Familien aufgefordert, ihre Wünsche und Forderungen abseits von Blumen, Schokolade und Bollerwagenbesäufnis zu formulieren. Die Aktion Muttertagswunsch ist hier ausführlich beschrieben. Es sind neben einer bundesweiten Berichterstattung viele hundert Tweets zusammen gekommen, die wir nun in einen Fragenkatalog zusammen gefasst haben.

Anlässlich der anstehenden Bundestagswahl senden wir den Bundestagsparteien diesen Fragenkatalog und bitten um eine Beantwortung bis zum 15. Juli 2017. Die Antworten werden wir in den sozialen Medien und auf unseren Blogs verbreiten sowie per Pressemitteilung veröffentlichen. Wir hoffen, dass wir allen Familien damit eine Entscheidungshilfe zur Bundestagswahl geben und dass wir den kandidierenden Parteien wichtige und mahnende Kriterien für ihre Politik auch für die Zeit nach der Wahl liefern. Denn nicht vergessen: wir sind Familie, und wir sind viele!

Grundlegend für unsere Fragen ist unser Verständnis von Familien in der Gesellschaft, welches sich in den vielen Tweets und Texten, die uns erreicht haben, widerspiegelt:

  • Familie ist da, wo zwei Generationen füreinander sorgen. Dazu gehören Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Eltern, Adoptiv- und Pflegefamilien, pflegende Angehörige quer über alle Generationen und natürlich auch die klassische Vater – Mutter – Kind-Familie.
  • Familien gehören mitten in die Gesellschaft. Die zunehmende gesellschaftliche Isolierung von Familien muss gebremst werden und wir müssen wieder zu einem gesellschaftlichen Miteinander von Kinderlosen und Familien kommen.

Es wäre schön, von den Parteien zu erfahren, ob Sie diese grundsätzliche Einstellung teilen und wie Sie dies künftig fördern möchten.

Unsere Fragen an die Parteien zur Bundestagswahl:

  1. Viele Familien scheitern an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Was sind Ihre Konzepte, um Eltern die Vereinbarkeit von erfülltem Familienleben und existenzsichernder Berufstätigkeit zu erleichtern?
  2. Eltern leisten mit der Erziehung ihrer Kinder nicht einen, sondern DEN existentiellen Beitrag für die Gestaltung unserer zukünftigen Gesellschaft. Was wollen Sie tun, um die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung und Würdigung dieser Leistung zu steigern, und was sind Ihre Konzepte, um Eltern besser zu unterstützen und deutlich zu entlasten?
  3. Familie braucht Zeit, Geduld und Flexibilität: was wollen Sie tun, um Eltern Zeit für ihre Kinder zu geben, ohne sie in den finanziellen Ruin und später in die Altersarmut zu treiben?
  4. Wie stehen Sie zum bedingungslosen Grundeinkommen/einer Kindergrundsicherung und was wollen Sie tun, um Steuergerechtigkeit zu Gunsten von allen Familien herzustellen und ganz besonders Alleinerziehende deutlich steuerlich zu entlasten?
  5. Ein Großteil der Alleinerziehenden erhält keinen Unterhalt vom anderen Elternteil. Was wollen Sie tun, um dies wirksam und sofort zu beenden?
  6. Viele Eltern, meistens Mütter, steigen nach der Elternzeit in Teilzeit wieder in den Beruf ein, um später wieder auf Vollzeit aufzustocken. In der Realität wird dies aber von Arbeitgeberseite verwehrt und die Frauen stecken in der sogenannten Teilzeitfalle fest, die oft auch das Karriereende bedeutet. Nachdem ein Gesetzesentwurf zum Rückkehrrecht auf Vollzeitstellen gescheitert ist: was wollen Sie tun, um diese Frauen aus renten- und karriereschädlichen Teilzeitfalle zu holen? Bzw. was sind Ihre Konzepte, damit ein Teilzeitjob nicht schädlich für Rente und Karriere ist?
  7. Es fehlen massiv Betreuungsplätze für Kinder aller Altersgruppen. Die Betreuungsplätze, die da sind, sind oft zeitlich nicht flexibel und qualitativ unzureichend. Was wollen Sie tun, um Kinderbetreuung in Deutschland für alle Kinder bis mind. 14 Jahren flexibel, qualitativ hochwertig und bezahlbar zur Verfügung zu stellen? Sehen Sie überhaupt einen Bedarf?
  8. Schule und Bildung leiden an vielen Stellen unter schlechten Bedingungen. Wie wollen Sie die Qualität der schulischen Bildung und die Freude der Kinder an der Schule und am Lernen spürbar steigern?
  9. Familien brauchen Unterstützung, Berufe rund um Familie sind jedoch schlecht bezahlt und leiden unter mangelndem Nachwuchs. Wie wollen Sie die Attraktivität und Bezahlung von Berufen wie Erzieher*innen, Pädagog*innen, Hebammen, Familienhelfer*innen, Sozialarbeiter*innen etc. spürbar steigern?
  10. Kinder zu bekommen ist eine private Entscheidung. Dass Kinder gesund und in Frieden aufwachsen, um kreativ und intelligent die Zukunft zu gestalten, ist eine gesellschaftliche Aufgabe: wie wollen Sie dazu beitragen, dass sich diese Erkenntnis durchsetzt?

Wir freuen uns auf die Antworten der Parteien!*

 

*Die Bundestagsparteien haben die Fragen per Mail bekommen und können direkt auf diese antworten, oder an die Kontaktdaten im Impressum dieses Blogs

Muttertagswunsch 2017 – Fragen an die Parteien zur Bundestagswahl

Wie schaffst Du das bloß?

Es ist still. Mucksmäuschenstill. Nur die Heizung rauscht und stündlich blökt das Schaf in der Wanduhr vom Sohn. Ich mache nichts. Gar nichts. Ich putze nicht, ich gehe nicht ins Kino, ich rufe niemanden an, ich ziehe keine Betten ab, ich treffe niemanden, ich räume nicht auf. Schon gar nicht gehe ich tanzen oder date potentielle Lebensgefährten.

Ich tue nichts von dem, was man denkt, das Alleinerziehende tun, wenn sie mal kinderfrei haben. Vor 1,5 Jahren hab ich auf die nervige Frage, was ich an den kinderfreien Zeiten eigentlich mache, noch salopp geschrieben: Ich vögel bis ich wund bin, dann mach ich mir die Nägel und geh Tanzen. 

Haha.

Inzwischen bleibt mir der lustige Zynismus im Halse stecken. Ich brauche diese Zeiten ohne Kinder komplett, um mich zu erholen. Ich kommuniziere nicht, ich rödel nicht durch die Wohnung. Ich wasche einmal alles, was rumliegt und bestelle online den Großeinkauf, das wars. Dann sitze ich auf dem Sofa und häkel irgendwas, gucke irgendwas im Fernsehen, schreibe ein bisschen, schlafe.

Ich war jetzt 8 Wochen krank geschrieben und war davon die letzten 8 Tage ohne Kinder allein zu Hause. Krank werden ist ja so ein no-go bei Alleinerziehenden: das geht eigentlich gar nicht. Wer soll mich pflegen, wer soll sich um die Kinder kümmern, um den Haushalt, die Elternabende, die Lehrergespräche, die vorpubertären Sorgen der Tochter und das Tobebedürfnis des Sohnes? Genau: ich. Ich hab’s einfach weitergemacht, das alles. Denn ich hatte eine Krankheit, die man nicht so sieht und mit der man ganz gut auch einfach weitermachen kann: komplette Erschöpfung, Rauschen und Fiepen im Kopf, Vergesslichkeit, Kopfweh, Schwindel. Nach zwei Wochen kam noch ein durchgedrehter Nerv im Arm hinzu mit unterirdischen Schmerzen von der Schulter bis in den Finger. Orthopädische Altlasten kombiniert mit akuter Verspannung. Da nimmt man dann hochdosierte Schmerzmittel und macht ebenfalls weiter, geht doch. Nach drei Wochen wurden beide Kinder krank mit einem Infekt, und so waren wir zu Dritt 10 Tage lang zu Hause. Ich war inzwischen bei drei verschiedenen Schmerzmitteln, samt Zeug für den Magen, damit der das mitmacht, und diverses homöopathisches Gedöns, um dieses FiepenRauschenBurnOutDings in meinem Kopf runter zu fahren.

Für die Kinder habe ich Tee gekocht, Körnerkissen erwärmt, getröstet und gekuschelt. Wer nicht schlafen kann vor lauter Bauch- und Kopfweh, der darf natürlich zu Mama ins Bett, im Zweifel also beide. Wir haben zusammen Weihnachtsgeschenke gebastelt und ich habe mehrere Stunden täglich unseren neuen Entertain-TV-Anschluss gepriesen. Nebenbei gabs natürlich FrühstückMittagessenAbendessen, Wäsche zu waschen, das Klo zu putzen und den verzweifelten Versuch, die Wohnung bewohnbar zu halten. So wurden die Kinder langsam gesund, ich nicht.

Gibt’s da keine Unterstützung? Klar!

Als die Kinder krank wurden, hat meine Hausärztin gesagt „jetzt reichts!“ und hat mir ein Attest für eine Haushaltshilfe geschrieben. 6 Stunden am Tag sollte jemand zu uns kommen und einkaufen, kochen, putzen, waschen, kümmern. Hach, ein Traum! Ich habe alle fünf Familienpflegedienste in Stuttgart durchtelefoniert, alle waren ausgebucht, „vielleicht in 2-3 Monaten wieder“. Dann hat mir eine Freundin immerhin ihre Putzfrau vermittelt, eine Seele von Mensch! Ich habe einen Antrag auf bescheidene 3 Stunden/Tag samt Attest an die Krankenkasse geschickt, und die haben mir die Hilfe dann für 10 Stunden pro Woche  bewilligt. Für 9€/Stunde, aber die Putzfrau nimmt 12€. Und natürlich abzüglich Eigenanteil von 10%. Und natürlich mit ausdrücklichem Verweis darauf, dass das eine Ausnahme sei, immerhin seien die Kinder schon so groß, die könnten ja helfen. Dass die Krankenkasse damit Werbung macht, dass sie eine Haushaltshilfe bewilligen, wenn Kinder unter 12 im Haushalt leben und die haushaltführende Person krank ist, hat die Sachbearbeiterin nicht interessiert. Kinder von 10 und 11 Jahren sind, da bin ich mir ganz sicher, unter 12 Jahren, und kranke Kinder helfen recht selten im Haushalt, aber was weiß ich schon? Wahrscheinlich ein eklatanter Erziehungsfehler meinerseits. Aber immerhin kam dann 2x diese nette Frau, die hier geputzt und gewischt hat, als ob’s kein Morgen gäb, toll!

Da ich gottlob fest angestellt bin, konnte ich wenigstens die Arbeit weglassen und noch 6 Wochen lang Lohnfortzahlung bekommen. Ich weiß, dass das ein großes Glück ist, denn die wenigstens Alleinerziehenden haben eine Vollzeitstelle. Seit 2 Wochen ist mit der Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber für mich Schluss, das Krankengeld der Krankenkasse kommt auf ca. 80% vom Gehalt und wird leider nicht überwiesen, weil die Ärztin einen Formfehler gemacht hat. Blöd, und sie hat nun natürlich Urlaub. Aber das wird sich ja nächste Woche klären, und dann bekomme ich bestimmt rückwirkend mein Krankengeld. Bis dahin bezahle ich einfach keine Rechnungen….

Auch sonst ist das mit längerer Krankschreibung finanziell kein Spaß: unzählige Arzt- und Physiotherapie-Termine, zu denen ich fahren musste. Ich habe kein Auto,  weil ich alles im Stadtteil zu Fuß erledige, aber diese Termine waren leider außerhalb meines Radius‘, nur mit zahlreichen Bustickets zu erreichen. Zuzahlung zu Medikamenten & Physiotherapie, Heilmittel die nicht übernommen werden, aber doch so sehr helfen sollten und letztlich gestiegene Energiekosten, weil ich ja ausgerechnet im Winter krank werden musste. Alles Kleinkram, kann man doch irgendwie noch finanzieren, ausgerechnet im kostenintensiven Dezember mit Geschenken, Tannenbaum, Adventskalender, oder?

Überhaupt sind November und Dezember die denkbar bescheuertesten Monate, um krank zu werden: unzählige Laternenfeste und Weihnachtsfeiern, bei denen die Kinder was aufführen. Zusammen mit Arzt und Facharztterminen, Physiotherapie und MRT und Diskussionen mit Apotheken, die Medikamente nicht rausrücken, hatte ich in den acht Wochen ca. 5 Vormittage, die ich wirklich allein zu Hause war, um zu versuchen gesund zu werden. Dann kamen die Weihnachtsferien mit allen Feierlichkeiten die dazu gehören, und schlussendlich habe ich erst so richtig meine Ruhe seit dem 1. Januar. Da wurden die Kinder vom Vater abgeholt, um bis zum Schulbeginn am 9.1. dort zu bleiben.

Mich beschleicht das Gefühl, dass ich in der Hälfte der Zeit gesund geworden wäre, wenn ich Unterstützung gehabt hätte. Wenn z.B. bei der Krankschreibung einer Alleinerziehenden von mehr als 14 Tagen eine Alarmlampe in der Krankenkasse aufleuchtet: Achtung Achtung, kostenintensiver Fall rollt auf uns zu, sofort Gegenmaßnahmen ergreifen. Zack: Haushaltshilfe! Ohne Antrag, Telefonieren, Diskutieren. Und die Kur gleich hinterher, die haben doch meine Befunde, Krankmeldungen, Verschreibungen, das können die sich doch zusammen reimen was hier los ist? Übrigens fände ich eine ambulante Kur viel besser für mich und die Kinder, und kostenschonender für die Krankenkasse: 3 Wochen lang kommt täglich eine Haushaltshilfe zu uns und ich hab Zeit für Anwendungen und Ruhe. Aber so ticken Krankenkassen nicht, die reagieren erst, wenn alles zu spät ist.

Der Nerv im Arm hat sich inzwischen beruhigt, das Getöse im Kopf geht zwar nicht weg, wird aber leiser und ich lerne, dass es jetzt zu mir gehört. So langsam habe ich das Gefühl, ich könnte mein Leben weiter führen, ohne vor Erschöpfung gleich nächste Woche wieder zusammen zu klappen. Am Montag kommen die Kinder wieder und ich gehe wieder arbeiten. Der Antrag für die Kur läuft, ebenso der Plan, ab Sommer von 100% auf 80% zu gehen, weil dann der Sohn auf die weiterführende Schule kommt und dann beide Kinder ohne Hort sind. Auch das: finanziell kein Spaß, aber ich brauche einfach mehr Zeit für mich und die Kinder, und es wird schon irgendwie gehen. So wie es immer irgendwie geht. Ich werde immer wieder mal krank werden, nicht mehr können und keinen Ausweg sehen in diesem Hamsterrad. Und ich werde immer wieder gesund werden, auch wenns dauert.

Aber ich werde mich nicht runterziehen lassen. Nicht von diesen unzähligen Widrigkeiten, ungerechter Steuerklasse, fehlender Unterstützung, blöder Krankenkassen-Bürokratie. Ich werde die Zeit mit meinen Kindern genießen und bei allem Stress werde ich diese Zeit niemals runterzählen, denn die Kinder sind das Großartigste in meinem Leben. Ich werde wieder arbeiten, und zwar nicht irgendwie, sondern mit Kreativität, Ideen, Gestaltungswille und Humor. Ich werde nicht aufhören, darüber zu schreiben, damit mal deutlich wird, wie das ist, das Leben als Alleinerziehende. Das kann sich nämlich niemand vorstellen, der’s nicht jahrelang selbst erlebt hat. Konnte ich ja vorher auch nicht. Und ich werde nicht zynisch werden, sondern ich werde mir bei alledem eine heitere Gelassenheit bewahren, denn mit einem Scheiß-Karma kann ich nicht einschlafen.

Wenn mal wieder jemand fragt: Wie schaffst Du das bloß alles? Dann sage ich: gar nicht, ich machs einfach. Wie sonst?

ich-schaff-das-schon

dem Schicksal mal die Zunge rausstrecken
Wie schaffst Du das bloß?

Virenschleuderpreis: der Muttertagswunsch ist nominiert!

Wir (Christine Finke, family unplugged und ich) sind ja schon weiter gekommen, als wir je zu träumen wagten: haben die Aktion Muttertagswunsch gestartet, Hundert Blogbeiträge und Tausende Tweets haben mitgemacht, wir sind von der RTL-Nachrichten über die Tagesthemen bis ins Familienministerium gekommen. Und jetzt das: Candy Bukowski hat uns für den Virenschleuderpreis nominiert, und das auch noch mit einer hinreißenden Begründung:

Meiner Meinung nach, haben die Initiatorinnen damit eine ebenso wichtige, wie kaum zu toppende Aktion auf die Beine gestellt und mit ihrem enormen Einsatz durchgezogen. Sie zeichnen sich durch menschliches & politisches Interesse für alleinerziehende Frauen, wie sich selbst aus. Sie schreiben, veröffentlichen, engagieren sich politisch in einer Form, wie ich sie aktuell nirgends anders sehen kann.

Und sie bewegen und verändern.
Das Netz. Die äußeren Umstände. Menschen, Politik und Gesellschaft.

Das ist ausgezeichnet und sollte ausgezeichnet werden.
Und deshalb nominiere ich sehr gerne drei starke Frauen mit unglaublich viel Engagement und Internet-Power!

Vielen Dank, wir fühlen uns sehr geehrt!

Jetzt freuen wir uns, wenn möglichst viele für uns abstimmen, damit unsere und Eure Aktion zum Muttertagswunsch noch bekannter wird und alle Ideen, Wünsche und Forderungen für eine familiengerechtere Gesellschaft gehört werden. Denn: wir sind Familie, wir sind viele und wir sind laut!

(Hier den Virenschleuderpreis anklicken und gleich unter der Überschrift im eingeloggten facebook-Status auf „gefällt mir“ klicken, danke!)

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Christine Finke, Lisa Ortgies und ich bei Frau Mackroth im Familienministerium
Virenschleuderpreis: der Muttertagswunsch ist nominiert!

Der #muttertagswunsch in Berlin

Ich krieche trotz Schulferien um 6 Uhr aus dem Bett, trinke Kaffee, decke meinen Kindern den Frühstückstisch, küsse die schlafenden Nasen und fahre mit der S-Bahn zum Flughafen. Heute ist der große Tag!

Meine Kinder sind groß genug, um alleine aufzustehen, zu frühstücken und in ihre Ferienprogramme zu gehen. Und ich bin als Bloggerin mit meinem gerade mal 1 Jahr alten Blog groß genug, um mich mit Christine Finke und Lisa Ortgies von family unplugged in Berlin zu treffen, um dem Familienministerium unsere Muttertagswünsche zu überreichen. Wow!

Was bisher geschah:

Anfang Mai 2016 fragte Anne Attersee vom Blog Einer schreit immer „Was wünscht Ihr Euch zum Muttertag?“. Mir war sofort klar, dass ich eher politische Wünsche habe, die meine Situation als Alleinerziehende entspannen: keine Pralinen, kein Frühstück ans Bett, keine Massagen. Sondern eine gerechtere Steuerklasse. Ein Haushaltshilfe wenn die Kinder krank sind. Ermäßigte Mehrtwertsteuer auf Kinderklamotten. Verlässliche Betreuungszeiten. Und noch viel mehr. Mein Netzwerkhirn hat gleich weiter gerattert: damit dürfte ich ja nicht die einzige sein. Und diese oder ähnliche Wünsche haben nicht nur Alleinerziehende, sondern alle Familien. Also habe ich flugs Christine Finke und Lisa Ortgies kontaktet, die waren gleich bei der Sache und wir haben eine konzertierte Aktion gestartet: eine Woche vor Muttertag einen abgestimmten Text und Punkt zehn vor 8, vor’m Tatort, auf facebook & Twitter gepostet: die Aktion Muttertagswunsch! Die Aktion wurde sofort aufgegriffen, es wurde gepostet und gewünscht was das Zeug hält, und zwei Stunden später waren wir auf Twitter mit dem #muttertagswunsch in den topic trends und haben Anne Will überholt.

Bis zum Muttertag entstanden hunderte Tweets und Retweets, 98 Bloggerinnen haben eigene Texte verfassst, die wiederum gepostet, kommentiert, verlinkt und verbreitet wurden: wir hatten echt eine fette Welle losgetreten. RTL hat bei uns im Wohnzimmer gedreht („Mama Du mußt aufräumen!!“), zahlreiche print- und online-Medien haben berichtet und am Muttertag landeten wir damit sogar in den Tagesthemen. Zwar war dieser Bericht inhaltlich dezent daneben, aber es ist angekommen, daß sich was tut bei den Familien im Lande:

Wir sind Familie, wir sind viele und wir sind laut!

Es wurde im Anschluß etwas stiller, wir haben die Texte & Tweets ausgewertet und das Ergebnis in einem offenen Brief an Frau Schwesig, unsere Familienministerin zusammen gefasst. Die hatte auch irgendwann geantwortet und uns nach Berlin eingeladen, und dann kam der gespielte Witz: wir fanden keinen Termin, die Kinder funkten uns dazwischen! Mach mal einen Termin mit zwei Alleinerziehenden, die insgesamt fünf Kinder und ihr Jobs haben und mal kurz nach Berlin jetten sollen. Dazu die Kolleginnen von family unplugged, auch mit Jobs und Kindern gesegnet. Christine wählte die Variante „ich nehm die Kinder einfach mit und bleib ein paar Tage in Berlin“, ich bin fix hin & her geflogen und brauchte nur eine Freundin für die Bereitschaft vor Ort für den Fall von Knochenbrüchen oder Kotzeritis (diese Bereitschaft hätte dann besser Christine in Berlin gebraucht…).

Bei strahlendem Sommerwetter trafen wir uns vor dem Familienministerium, img_6421und obwohl wir uns zu dritt noch nie im real life gesehen hatten, war es wie ein Wiedersehen, toll! Lisa, Christine und ich sprudelten über vor Ideen, die gute Frau vom Radio, Ulrike Jährling, hatte ihren Spaß bei der Aufzeichnung der O-Töne. Frau Schwesig war verhindert, aber Frau Mackroth, Leiterin der Abteilung Familie, hatte Zeit für uns, sehr viel sogar, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Wir haben unsere Forderungen übergeben, uns sehr angeregt über jede einzelne unterhalten, konnten lebhafte Beispiele aus dem echten Leben beisteuern und die ein oder andere politische Ansicht mit Realität untermauern oder widerlegen.

Wir haben natürlich gemerkt, dass es für ein Bundesministerium nicht einfach ist, uns einfach zuzustimmen und zu versichern, dass das alles umgesetzt wird. Da gibt es politische Partner und Bedarfe von allen Seiten, da gibt es Leute, die was verlieren und die was gewinnen, wenn man was ändert, und da muss auf alle Rücksicht genommen werden, sonst hat am Ende niemand was davon. Aber wir haben deutlich gemerkt, dass das Ministerium inhaltlich voll bei uns ist und sich große Mühe gegeben wird, den Familien im Lande zuzuhören und das Leben mit Kindern immer weiter zu entlasten. Besonders freut mich, dass wir klar machen konnten, dass wir keine Randgruppe sind: die Masse der Familienblogger zeigt, dass wir wirklich viele sind, und das Bloggen gibt vielen Familien die Möglichkeit, sich politisch zu äußern, auch wenn man keine Zeit hat, auf Demos zu laufen oder Sitzstreiks vor dem Ministerium zu veranstalten. Eltern haben wenig Lobby, weil sie mit ihren Kindern, Jobs, Haushalt etc beschäftigt sind, aber Bloggen geht irgendwie immer. Und deshalb sind wir eine starke Stimme, wir werden immer mehr und vor allem: wir werden die Aktion immer wieder wiederholen! Wir wollen das politische Klima zu Gunsten von Familien verändern, da hilft u.a. Hartnäckigkeit.

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Und zack: war 13 Uhr, wir hatten nicht mal mehr Zeit für einen Kaffee, ich musste zum Flughafen zurück, saß um 15 Uhr im Flieger und stand um exakt 17 Uhr im Hort, um meinen Sohn abzuholen. Als ob ich nur mal eben um die Ecke gewesen wäre.

Abends haben wir uns eine Pizza beim Italiener nebenan gegönnt, auf die Niederungen des Haushaltes hatte ich an dem Abend echt keinen Bock mehr. Dann platt ins Bett gesunken und am Sonntag drauf den wundervollen Beitrag im Radio RBB gehört, vielen Dank!

Es war eine tolle Aktion, es war ein aufregende Welle und ich bin dankbar, dass so viele mitgemacht haben! Wir machen weiter, alle zusammen, wir müssen ja was ändern!

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Das: pm-ubergabe-berlin-09092016 ist die Pressemitteilung von family unplugged zu der Übergabe der Forderungen. Die Forderungen, findet Ihr hier in dem offenen Brief an Frau Schwesig.

Der #muttertagswunsch in Berlin

Offener Brief an Frau Schwesig zum #muttertagswunsch

Am 1. Mai haben Christine Finke, das Interviewprojekt family unplugged und ich die Aktion #muttertagswunsch gestartet: wir haben alle Menschen, die Kinder haben, dazu aufgefordert, ihre politischen und gesellschaftlichen Forderungen unter dem Hashtags #muttertagswunsch und #vatertagswunsch zu posten. Die Aktion hat sich zu einer regelrechten Welle entwickelt, viele hundert Menschen haben mitgemacht, die Tweets wurden in Tausendfache geklickt und weiterverbreitet und 90 Leute haben einen kompletten Text dazu geschrieben.

Wir haben inzwischen sämtliche Texte und Tweets gelesen, ausgewertet und nach Häufigkeit und Themen gebündelt. Eine komplette Aufstellung findet Ihr hier. Das Ergebnis wollen wir nun der Familienministerin Manuela Schwesig überreichen und auch sehr gerne mit ihr darüber diskutieren. Da wir auf unsere Bitte nach einem Termin für die Übergabe bislang noch keine Antwort von Frau Schwesig erhalten haben, veröffentlichen wir nun unseren Brief in der Hoffnung, dass viele Stimmen die Dringlichkeit des Themas verdeutlichen. Und deshalb rufen wir noch einmal alle dazu auf, diesen offenen Brief weiter zu verbreiten und an Frau Schwesig zu senden und zu zeigen:

Wir sind Familie, wir sind viele und wir haben etwas zu sagen!

Auf Twitter findet Ihr Frau Schwesig unter @ManuelaSchwesig, das Familienministerium unter @BMFSFJ, auf facebook unter bmfsfj und die Mailadresse ist poststelle@bmfsfj.bund.de. Eine Bitte noch: wenn Ihr den Brief postet und/oder abschickt, dann verlinkt dies hier in den Kommentaren oder hinterlasst dazu eine Nachricht in den Kommentaren, damit wir am Ball bleiben. Danke!

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Sehr geehrte Manuela Schwesig,

Sie haben sicher mitbekommen, dass es rund um den Muttertag am 8. Mai die Aktion #muttertagswunsch in den sozialen Medien gab.
Wir hatten gemeinsam am 1. Mai auf Twitter zur Aktion #muttertagswunsch aufgerufen:
Wir, das sind die zwei Bloggerinnen Christine Finke (www.mama-arbeitet.de) und Annette Loers (www.mutterseelesonnig.de) sowie das Interviewprojekt family unplugged (www.familyunplugged.de). Alle Mütter und Väter sollten auf Twitter und facebook ihre politischen und gesellschaftlichen Forderungen posten und, in Texte gegossen, auf dem Blog http://www.mutterseelesonnig.de verlinken.

Die Aktion hat eine regelrechte Welle ausgelöst, es gab Hunderte Tweets und Retweets, 90 Bloggerinnen haben ausführliche Texte geschrieben. Die Accounts und Blogs der Teilnehmerinnen reichen von wenigen Hundert bis in viele Tausende Follower, so dass die Reichweite der Aktion in die Hunderttausende geht. Wir waren tagelang auf Twitter in den Top Trends, über die Aktion wurde in den RTL-Nachrichten und in den Tagesthemen sowie bundesweit in vielfachen print-/und online Medien berichtet. Den Aufruf zur Aktion und die (vorläufige) Presseschau finden Sie auf dem genannten Blog mutterseelesonnig.
Die Aktion hat gezeigt, dass es für Familien in Deutschland noch massiven Verbesserungsbedarf gibt, und dass Mütter und Väter sehr klare Vorstellungen von einer familiengerechten Gesellschaft haben.

Die wichtigsten und meistgenannten Forderungen sind:

  • Steuergerechtigkeit für Familien, Familiensplitting statt Ehegattensplitting, Familie ist da wo Kinder sind, nicht wo ein Trauschein ist
  • gesellschaftliche Akzeptanz jeglicher Familienform, Respekt und Anerkennung der Erziehungsleistung, Wertschätzung und besonderer Schutz von Familien
  • vollwertige und unbegrenzte Anerkennung der Familienzeit bei den Rentenpunkten
  • ganz besondere Unterstützung Alleinerziehender im Steuerrecht und auf dem Arbeitsmarkt. Massive Senkung des Armutsrisikos Alleinerziehender, besonders auch im Alter
  • finanzielle Grundsicherung für Familien, voller Lohnausgleich bei Krankheit und Betreuungspflichten
  • kostenlose Krippen-Kita-Hortplätze, massive Verbesserung der Qualität in der Kinderbetreuung und der Schule, längere und flexiblere Betreuungszeiten, Betreuungsangebote (Mittagessen, Hausaufgaben, Ferien) auch für größere Kinder bis 16 Jahre
  • an die Arbeitgeber: mehr Flexibilität in der Arbeitszeit, Kündigungsschutz, Erleichterung beim Wechsel Vollzeit-/Teilzeit

Wir würden Ihnen das komplette Ergebnis der Aktion gerne persönlich überreichen und mit Ihnen ins Gespräch kommen.

Wir freuen uns auf Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen,
Christine Finke von mama-arbeitet.de, Annette Loers von mutterseelesonnig.de sowie Lisa Ortgies, Julia Schmidt-Jortzig, Stephan Faber und Susanne Garsoffky von family unplugged

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Offener Brief an Frau Schwesig zum #muttertagswunsch