Wie schaffst Du das bloß?

Es ist still. Mucksmäuschenstill. Nur die Heizung rauscht und stündlich blökt das Schaf in der Wanduhr vom Sohn. Ich mache nichts. Gar nichts. Ich putze nicht, ich gehe nicht ins Kino, ich rufe niemanden an, ich ziehe keine Betten ab, ich treffe niemanden, ich räume nicht auf. Schon gar nicht gehe ich tanzen oder date potentielle Lebensgefährten.

Ich tue nichts von dem, was man denkt, das Alleinerziehende tun, wenn sie mal kinderfrei haben. Vor 1,5 Jahren hab ich auf die nervige Frage, was ich an den kinderfreien Zeiten eigentlich mache, noch salopp geschrieben: Ich vögel bis ich wund bin, dann mach ich mir die Nägel und geh Tanzen. 

Haha.

Inzwischen bleibt mir der lustige Zynismus im Halse stecken. Ich brauche diese Zeiten ohne Kinder komplett, um mich zu erholen. Ich kommuniziere nicht, ich rödel nicht durch die Wohnung. Ich wasche einmal alles, was rumliegt und bestelle online den Großeinkauf, das wars. Dann sitze ich auf dem Sofa und häkel irgendwas, gucke irgendwas im Fernsehen, schreibe ein bisschen, schlafe.

Ich war jetzt 8 Wochen krank geschrieben und war davon die letzten 8 Tage ohne Kinder allein zu Hause. Krank werden ist ja so ein no-go bei Alleinerziehenden: das geht eigentlich gar nicht. Wer soll mich pflegen, wer soll sich um die Kinder kümmern, um den Haushalt, die Elternabende, die Lehrergespräche, die vorpubertären Sorgen der Tochter und das Tobebedürfnis des Sohnes? Genau: ich. Ich hab’s einfach weitergemacht, das alles. Denn ich hatte eine Krankheit, die man nicht so sieht und mit der man ganz gut auch einfach weitermachen kann: komplette Erschöpfung, Rauschen und Fiepen im Kopf, Vergesslichkeit, Kopfweh, Schwindel. Nach zwei Wochen kam noch ein durchgedrehter Nerv im Arm hinzu mit unterirdischen Schmerzen von der Schulter bis in den Finger. Orthopädische Altlasten kombiniert mit akuter Verspannung. Da nimmt man dann hochdosierte Schmerzmittel und macht ebenfalls weiter, geht doch. Nach drei Wochen wurden beide Kinder krank mit einem Infekt, und so waren wir zu Dritt 10 Tage lang zu Hause. Ich war inzwischen bei drei verschiedenen Schmerzmitteln, samt Zeug für den Magen, damit der das mitmacht, und diverses homöopathisches Gedöns, um dieses FiepenRauschenBurnOutDings in meinem Kopf runter zu fahren.

Für die Kinder habe ich Tee gekocht, Körnerkissen erwärmt, getröstet und gekuschelt. Wer nicht schlafen kann vor lauter Bauch- und Kopfweh, der darf natürlich zu Mama ins Bett, im Zweifel also beide. Wir haben zusammen Weihnachtsgeschenke gebastelt und ich habe mehrere Stunden täglich unseren neuen Entertain-TV-Anschluss gepriesen. Nebenbei gabs natürlich FrühstückMittagessenAbendessen, Wäsche zu waschen, das Klo zu putzen und den verzweifelten Versuch, die Wohnung bewohnbar zu halten. So wurden die Kinder langsam gesund, ich nicht.

Gibt’s da keine Unterstützung? Klar!

Als die Kinder krank wurden, hat meine Hausärztin gesagt „jetzt reichts!“ und hat mir ein Attest für eine Haushaltshilfe geschrieben. 6 Stunden am Tag sollte jemand zu uns kommen und einkaufen, kochen, putzen, waschen, kümmern. Hach, ein Traum! Ich habe alle fünf Familienpflegedienste in Stuttgart durchtelefoniert, alle waren ausgebucht, „vielleicht in 2-3 Monaten wieder“. Dann hat mir eine Freundin immerhin ihre Putzfrau vermittelt, eine Seele von Mensch! Ich habe einen Antrag auf bescheidene 3 Stunden/Tag samt Attest an die Krankenkasse geschickt, und die haben mir die Hilfe dann für 10 Stunden pro Woche  bewilligt. Für 9€/Stunde, aber die Putzfrau nimmt 12€. Und natürlich abzüglich Eigenanteil von 10%. Und natürlich mit ausdrücklichem Verweis darauf, dass das eine Ausnahme sei, immerhin seien die Kinder schon so groß, die könnten ja helfen. Dass die Krankenkasse damit Werbung macht, dass sie eine Haushaltshilfe bewilligen, wenn Kinder unter 12 im Haushalt leben und die haushaltführende Person krank ist, hat die Sachbearbeiterin nicht interessiert. Kinder von 10 und 11 Jahren sind, da bin ich mir ganz sicher, unter 12 Jahren, und kranke Kinder helfen recht selten im Haushalt, aber was weiß ich schon? Wahrscheinlich ein eklatanter Erziehungsfehler meinerseits. Aber immerhin kam dann 2x diese nette Frau, die hier geputzt und gewischt hat, als ob’s kein Morgen gäb, toll!

Da ich gottlob fest angestellt bin, konnte ich wenigstens die Arbeit weglassen und noch 6 Wochen lang Lohnfortzahlung bekommen. Ich weiß, dass das ein großes Glück ist, denn die wenigstens Alleinerziehenden haben eine Vollzeitstelle. Seit 2 Wochen ist mit der Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber für mich Schluss, das Krankengeld der Krankenkasse kommt auf ca. 80% vom Gehalt und wird leider nicht überwiesen, weil die Ärztin einen Formfehler gemacht hat. Blöd, und sie hat nun natürlich Urlaub. Aber das wird sich ja nächste Woche klären, und dann bekomme ich bestimmt rückwirkend mein Krankengeld. Bis dahin bezahle ich einfach keine Rechnungen….

Auch sonst ist das mit längerer Krankschreibung finanziell kein Spaß: unzählige Arzt- und Physiotherapie-Termine, zu denen ich fahren musste. Ich habe kein Auto,  weil ich alles im Stadtteil zu Fuß erledige, aber diese Termine waren leider außerhalb meines Radius‘, nur mit zahlreichen Bustickets zu erreichen. Zuzahlung zu Medikamenten & Physiotherapie, Heilmittel die nicht übernommen werden, aber doch so sehr helfen sollten und letztlich gestiegene Energiekosten, weil ich ja ausgerechnet im Winter krank werden musste. Alles Kleinkram, kann man doch irgendwie noch finanzieren, ausgerechnet im kostenintensiven Dezember mit Geschenken, Tannenbaum, Adventskalender, oder?

Überhaupt sind November und Dezember die denkbar bescheuertesten Monate, um krank zu werden: unzählige Laternenfeste und Weihnachtsfeiern, bei denen die Kinder was aufführen. Zusammen mit Arzt und Facharztterminen, Physiotherapie und MRT und Diskussionen mit Apotheken, die Medikamente nicht rausrücken, hatte ich in den acht Wochen ca. 5 Vormittage, die ich wirklich allein zu Hause war, um zu versuchen gesund zu werden. Dann kamen die Weihnachtsferien mit allen Feierlichkeiten die dazu gehören, und schlussendlich habe ich erst so richtig meine Ruhe seit dem 1. Januar. Da wurden die Kinder vom Vater abgeholt, um bis zum Schulbeginn am 9.1. dort zu bleiben.

Mich beschleicht das Gefühl, dass ich in der Hälfte der Zeit gesund geworden wäre, wenn ich Unterstützung gehabt hätte. Wenn z.B. bei der Krankschreibung einer Alleinerziehenden von mehr als 14 Tagen eine Alarmlampe in der Krankenkasse aufleuchtet: Achtung Achtung, kostenintensiver Fall rollt auf uns zu, sofort Gegenmaßnahmen ergreifen. Zack: Haushaltshilfe! Ohne Antrag, Telefonieren, Diskutieren. Und die Kur gleich hinterher, die haben doch meine Befunde, Krankmeldungen, Verschreibungen, das können die sich doch zusammen reimen was hier los ist? Übrigens fände ich eine ambulante Kur viel besser für mich und die Kinder, und kostenschonender für die Krankenkasse: 3 Wochen lang kommt täglich eine Haushaltshilfe zu uns und ich hab Zeit für Anwendungen und Ruhe. Aber so ticken Krankenkassen nicht, die reagieren erst, wenn alles zu spät ist.

Der Nerv im Arm hat sich inzwischen beruhigt, das Getöse im Kopf geht zwar nicht weg, wird aber leiser und ich lerne, dass es jetzt zu mir gehört. So langsam habe ich das Gefühl, ich könnte mein Leben weiter führen, ohne vor Erschöpfung gleich nächste Woche wieder zusammen zu klappen. Am Montag kommen die Kinder wieder und ich gehe wieder arbeiten. Der Antrag für die Kur läuft, ebenso der Plan, ab Sommer von 100% auf 80% zu gehen, weil dann der Sohn auf die weiterführende Schule kommt und dann beide Kinder ohne Hort sind. Auch das: finanziell kein Spaß, aber ich brauche einfach mehr Zeit für mich und die Kinder, und es wird schon irgendwie gehen. So wie es immer irgendwie geht. Ich werde immer wieder mal krank werden, nicht mehr können und keinen Ausweg sehen in diesem Hamsterrad. Und ich werde immer wieder gesund werden, auch wenns dauert.

Aber ich werde mich nicht runterziehen lassen. Nicht von diesen unzähligen Widrigkeiten, ungerechter Steuerklasse, fehlender Unterstützung, blöder Krankenkassen-Bürokratie. Ich werde die Zeit mit meinen Kindern genießen und bei allem Stress werde ich diese Zeit niemals runterzählen, denn die Kinder sind das Großartigste in meinem Leben. Ich werde wieder arbeiten, und zwar nicht irgendwie, sondern mit Kreativität, Ideen, Gestaltungswille und Humor. Ich werde nicht aufhören, darüber zu schreiben, damit mal deutlich wird, wie das ist, das Leben als Alleinerziehende. Das kann sich nämlich niemand vorstellen, der’s nicht jahrelang selbst erlebt hat. Konnte ich ja vorher auch nicht. Und ich werde nicht zynisch werden, sondern ich werde mir bei alledem eine heitere Gelassenheit bewahren, denn mit einem Scheiß-Karma kann ich nicht einschlafen.

Wenn mal wieder jemand fragt: Wie schaffst Du das bloß alles? Dann sage ich: gar nicht, ich machs einfach. Wie sonst?

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dem Schicksal mal die Zunge rausstrecken

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Wie schaffst Du das bloß?

Ich habe Glück – offener Brief an Winfried Kretschmann

Lieber Winfried Kretschmann,

ich wünsche Ihnen ein glückliches, erfolgreiches und gesundes neues Jahr! Ich persönlich starte mit großem Glück in das neue Jahr, davon möchte ich Ihnen berichten:

Zunächst sind wir uns hoffentlich mit dem Duden einig: Glück ist ein besonders günstiger Zufall, eine erfreuliche Fügung des Schicksals. Glück ist also etwas, das ich nicht direkt beeinflussen oder aus eigener Kraft erreichen kann.

Ich habe so ein Glück, denn es betrifft mich nicht, dass gestern, am 1.1.2017 die Änderung zum Unterhaltsvorschuss nicht in Kraft getreten ist. Bislang hat das Jugendamt den Kindern, deren unterhaltspflichtiger Elternteil nicht gezahlt hat, einen Vorschuss auf den Unterhalt gewährt. Allerdings maximal 6 Jahre und nur bis zum vollendeten 12. Lebensjahr des Kindes. Die geplante Änderung sah vor, die Bezugsdauer zu entfristen und bis zum 18. Geburtstag des Kindes auszuweiten.

Ich bin seit genau 6 Jahren getrennt und mein erstes Kind wird im März 12 Jahre alt. Bekäme ich Unterhaltsvorschuss, wäre damit aus zwei Gründen (Alter des Kindes & maximale Bezugsdauer) jetzt Schluss. Dann könnte ich es mir nicht mehr leisten, meinen Job auf 80% zu reduzieren. Ich habe nämlich Glück, weil ich einen großartigen, kreativen und flexiblen Job habe, in dem ich seit 6 Jahren Vollzeit und unbefristet beschäftigt bin. Das hat mich allerdings gesundheitlich inzwischen so weit runter gerockt, dass ich im 2-Jahres-Abstand Schwindelanfälle oder Tinnitus oder beides entwickel und dann wochenlang krank geschrieben bin. In Kombination mit der alleinigen und vollen Erziehungsverantwortung für zwei Kinder ist ein Vollzeitjob nämlich ganz schön anstrengend. Ich habe mit meinem verständnisvollen Arbeitgeber aber Glück, denn er erlaubt mir, meinen Job zu behalten und die Arbeitszeit zu reduzieren, um mich etwas mehr um die Kinder und um mich kümmern zu können. Und überhaupt habe ich mit meinem Job irres Glück, denn ich bin fest beschäftigt und bekomme Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Ich habe Glück, denn der Vater meiner Kinder zahlt Unterhalt, und zwar nicht den Mindestbetrag, sondern den seinem Einkommen nach angemessenen Betrag. Weil er das zuverlässig tut, bin ich nicht auf vergleichsweise mageren und zudem befristeten Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt angewiesen. Ich blicke in eine finanziell relativ gesicherte Zukunft und kann es mir deshalb erlauben, meinen Job zu reduzieren und versuchen, gesundheitlich wieder auf die Beine zu kommen.

Es ist schön, so viel Glück zu haben. Und es ist eine Katastrophe. Denn nicht meine eigene Willens- oder Arbeitskraft, mein Studium, meine Berufserfahrung oder mein Netzwerk bringen mich in diese Position, sondern pures Glück. Und auch nicht die staatlichen Vorsorge- und Unterstützungsmaßnahmen für Alleinerziehende retten mich vor der Armut, sondern allein das Verantwortungsbewusstsein meines Exmannes. Denn als Alleinerziehende den Unterhalt vom Vater einzuklagen, ist in Deutschland unmöglich. Wenn ein Vater nicht zahlen will, dann findet er Wege und in einschlägigen Männerforen auch ausreichend Tipps für das „Kavaliersdelikt Unterhaltsprellen“. Als Alleinerziehende eine unbefristete Vollzeitstelle zu finden samt befriedigender und kreativer Tätigkeit, verständnisvollem Arbeitgeber und einem großartigem Team: das ist absolutes Glück! Die Bertelsmann-Studie hat gezeigt, wie viele Alleinerziehende an der Armutsgrenze dümpeln, wegen mangelnder Betreuungsplätze keinen Job finden und wegen fehlender Beschäftigung keine Aussicht auf eine lebenserhaltende Rente haben. Wenn sie dann tatsächlich mal in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung kommen, bleibt ihnen dank unseres ehefreundlichen Steuersystems netto auf dem Konto fast dasselbe wie dem kinderlosen Single, der nach Feierabend seinen Drink auf der Terrasse genießt, während die Alleinerziehende beim ALDI drei Paar Kinderschuhe sucht, nebenbei dem Jüngsten das Bruchrechnen erklärt und das Klo putzt.

Dass eine Alleinerziehende in diesem Land sich nur aus purem Glück nicht finanziell und gesundheitlich komplett zugrunde richtet, ist eine Katastrophe.  Es wäre ein Wimpernschlag für Bund und Länder, zumindest mal am Unterhaltsvorschuss etwas zu ändern, aber man konnte sich nicht auf die Finanzierung einigen und die Länder bräuchten zudem mehr Zeit, um sich darauf vorzubereiten. Ja sicher, auf dem Rücken der Alleinerziehenden kann man sich ruhig Zeit nehmen, um seine Verwaltung zu optimieren. Verzeihen Sie mir bitte an dieser Stelle meinen Sarkasmus, es geht gleich wieder.

Ich fasse zusammen: Ich habe großes Glück, dass mich die gestern nicht eingetretene Reform des Unterhaltsvorschusses nicht betrifft. Mein Glück, also mein besonders günstiger Zufall, besteht aus einem freiwillig zahlenden Exmann und einer vernünftig bezahlten Vollzeitstelle, beides zusammen trifft wahrscheinlich auf 1% der Alleinerziehenden zu, wenn überhaupt. Alle anderen sind am Arsch (sorry).

Ist das Ihr politischer Wille, Herr Kretschmann? Dass eine Alleinerziehende es dem puren Glück zu verdanken hat, dass sie nicht ausgebrannt, finanziell und gesundheitlich am Boden in die Altersarmut wankt, nachdem sie die künftigen Steuerzahler großgezogen hat? Nein, das glaube ich einfach nicht von Ihnen. Ihre Neujahrsansprache klingt noch in meinem Ohr: Ich habe die Hoffnung, dass Baden-Württemberg ein Vorbild für ein gutes Miteinander bleibt. In dem alle mitgenommen werden und niemand abgehängt wird. Das gilt ja sicher auch für Alleinerziehende und ihre Kinder. Sie sind mein Ministerpräsident, und Sie werden sich sicher mit all Ihrer Kraft und Leidenschaft für eine zügige und rückwirkende Reform des Unterhaltsvorschusses einsetzen, gelle?!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und für Ihr Engagement und ich freue mich auf Ihre Antwort!

Ihre

Mutterseelesonnig

 

P.S.  Es gibt zu dem Thema eine online-Petition, die Sie sicherlich bereits kennen. Mit der Verbreitung dieser Petition und mit jeder einzelnen Unterschrift stärken wir Ihnen den Rücken bei Ihren Verhandlungen für die Sache der Alleinerziehenden und ihrer Kinder. Vielen Dank!

Ich habe Glück – offener Brief an Winfried Kretschmann

Sinnvoll schenken

Bea Beste vom Kreativblog Tollabea wollte wissen, ob und wie wir zu Weihnachten sinnvoll schenken. Und ob es nicht nicht viel zu viel ist, was da hin- und hergeschenkt wird. Nun, unser Geschenkeberg hält sich eh in Grenzen, weil ich alleine mit zwei Kindern bin und es finanziell gar nicht drin ist, haufenweise Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu stapeln. Und die Geschenke der Kinder an mich spielen sich in recht überschaubarem Rahmen ab.

Aber es gibt ja noch die Verwandschaft, wir fahren zu Tante, Onkel, Oma, Nichten & Neffen, wir feiern auch mit dem Kindsvater samt seiner neuen Familien. Ich habe weder Fantasie noch Geld, für alle Beteiligten Geschenke zu besorgen und ich finde es auch nicht sinnvoll. Bestenfalls kommen ein paar Staubfänger oder ulkige Designobjekte dabei heraus. Und angesichts der Katastrophe in Aleppo finde ich es geradezu geschmacklos, meine Ex-Schwiegermutter irgendein Buch zu schenken, das sie entweder schon hat oder nicht liest, weil ich zu wenig von ihr weiß, während man für 30€ ein syrisches Kind einen Monat lang mit Nahrung, Medikamenten und Hygiene versorgen kann.

Deshalb sieht mein „Geschenkekonzept“ dieses Jahr so aus: die Kinder basteln sowieso schon seit Wochen Geschenke aus Naturmaterialien, da weiß ich schon gar nicht mehr, wie ich diese Kunstwerke transportieren soll. Diese Geschenke kommen vom Herzen und werden sicher allen Verwandten eine große Freude machen. Meine Kinder bekommen von mir ein (1) sinnvolles Geschenk, eins, das sie sich sehnlich gewünscht haben und von dem ich weiß, dass es sie lange beschäftigen wird. Also kein fernsteuerbaren Hubschrauber, der nach 3 Runden gegen die Wand knallt und kaputt ist, sondern ein Lego-Set mit vielen raren Steinen und Figuren für den Sohn und ein Bildband zur Entstehung des neuen Harry-Potter-Films für die Tochter. Alle anderen (Kinder und Erwachsene) bekommen eine kleine selbstgebastelte Aufmerksamkeit und ein Kärtchen mit der Info, dass ich 10€ an Ärzte ohne Grenzen gespendet habe. Das hört sich nicht viel an, aber es sind insgesamt neun Leute und das ist dann schon eine Menge Geld.

Als Organisation habe ich Ärzte ohne Grenzen ausgesucht, weil die viele sinnvolle Projekte und einen geringen Verwaltungsaufwand haben. Und neben dem Notstand in Aleppo gibt es leider noch andere Krisengebiete, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Ärzte ohne Grenzen wählen hier klug aus und engagieren sich nachhaltig.

Frohe Weihnachten!

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meine selbstgebastelte Kleinigkeit
Sinnvoll schenken

Kirmes im Kopf

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Ich bin krank.

Ich habe nicht den Fuß verknickt oder Fieber, sondern in meinem Kopf sind Geräusche. Es fiept und piept und tutet, manchmal brummt und rauscht es. Kirmes im Kopf. Die Geräusche lassen mich nicht schlafen, ich bin unkonzentriert, vergesslich und gereizt. Das geht schon seit Wochen so, aber ich hatte ein, zwei oder auch drei fette Projekte auf der Arbeit, die ich unbedingt noch abwickeln wollte.

Ich arbeite nämlich gerne, ich liebe meinen Job. Ich habe ständig neue Ideen und habe einen Job, in dem ich meine Ideen umsetzen kann und darf. Drum habe ich neben der Dringlichkeit, die Projekte durchzuziehen, natürlich auch lange genug die Kirmes in meinem Kopf ignoriert, weil ich dachte, dass das schon wieder weggeht, wenn ich nur mal ordentlich ausschlafe.

Nun haben meine Belastung und meine Erschöpfung leider einen Grad erreicht, wo es mit ein oder zweimal Ausschlafen nicht mehr getan ist. Das sieht meine Ärztin genauso und hat mich erst mal „aus dem Verkehr gezogen“, wie sie so schön sagt, und eine umfassende Therapie ausgeklügelt.

Ich bin seit 6 Jahren alleinerziehend und arbeite seit 5 Jahren Vollzeit (davor 50%), morgens mittags abends nachts und am Wochenende. Natürlich nicht durchgehend, ich habe auch mal frei und versuche relativ erfolglos, nicht mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. In meinem Job kann man das leicht überschreiten, denn neben der eigentlichen Arbeit (Kulturveranstaltungen erfinden und umsetzen) könnte man ständig auf andere Veranstaltungen gehen, Netzwerke weiter pflegen, man könnte Bücher und Zeitschriften lesen, Sponsoren und Stiftungen akquirieren und überlegen, wie man die analoge Tontechnik im Club auf digitale umstellt. Es gibt IMMER was zu tun.

Wenn man zwei Kinder alleine großzieht, gibt es allerdings auch IMMER was zu tun. Dafür muss sich nicht einmal ein Kind den Fuß brechen, aber auch das hatten wir dieses Jahr schon. Die Große hat seit einem Jahr keinen Hort mehr, weil sie auf die weiterführende Schule gewechselt ist. Statt bis 17 Uhr biologisch und pädagogisch wertvoll betreut zu sein, ist sie nun ab 14 Uhr allein zu Hause, wärmt sich vorbereitetes Mittagessen auf und macht, was 11jährige so machen, wenn sie alleine zu Hause sind. Ich versuche, so oft es geht, früher nach Hause zu gehen, mit ihr zusammen zu essen und dann noch im home office zu arbeiten, während sie Hausaufgaben macht. Das erzeugt Druck in meinem Kopf, denn ab 14 Uhr läuft der Ticker „wie viel Arbeit lasse ich liegen vs. wie lange lasse ich mein Kind alleine zu Hause?“. Andererseits merke ich, wie wichtig es ist, dass ich da bin, denn sie hat massiven (vor-)pubertären Redebedarf.

„Mama, wie schön, dass Du jetzt immer da bist, dann können wir mittags quatschen!“ jubelt sie über meine Krankschreibung. Und so bin ich täglich von 7.30-14 Uhr krank, dann bin ich für meine Tochter da. Der Sohn bleibt nach wie vor bis 17 Uhr im Hort, denn er liebt es, dort mit seinen Jungs Lego zu bauen. Aber er genießt es ebenfalls, keine abgehetzte, sondern eine entspannte Mutter vorzufinden, und mit mir erst mal Tee zu trinken, Kekse zu essen und zu quatschen. Soviel Zeit hatte ich noch nie für meine Kinder, und es tut ihnen sichtlich gut. Aber ich bin ja nicht krank geschrieben, um mehr Zeit für meine Kinder zu haben, sondern um gesund zu werden und danach wieder zu arbeiten.

Wie kann ich das lösen? Klar, ich reduziere meine Arbeitszeit! Dann habe ich aber logischerweise weniger Geld zur Verfügung. Das könnte ich zum Teil auffangen, indem ich meine private Altersvorsorge zurück stelle. Die ich eigentlich abgeschlossen habe, weil durch meine Erziehungszeiten und Teilzeitbeschäftigungen die Rente eh schon dürr ausfällt. Das bisschen Ehe in meinem Leben sichert mich auch nicht ab, denn der Gatte war sozialversicherungsfrei in der eigenen Firma beschäftigt und hat so wenige Rentenpunkte gesammelt, dass ich beim scheidungsbedingten Ausgleich fast noch Ansprüche hätte abgeben müssen. Obwohl er sehr viel mehr verdient hat als ich. Wenn ich also nun im Sinne meiner Gesundheit und meiner Kinder meinen Job reduziere, gibt das Minuspunkte auf 3 Ebenen: jetzt weniger auf dem Konto, ich sammel weniger staatliche Rentenpunkte und meine private Altersvorsorge fällt ebenfalls magerer aus. Na toll.

Das habe ich unserem großartigen Steuersystem zu verdanken, denn von meinem fleißig verdienten Geld bleiben mir netto ca. 40 Euro mehr als einem kinderlosen Single. So hoch ungefähr fällt der Entlastungsbeitrag aus, den der Staat in der Steuerklasse 2 für Alleinerziehende vorsieht. Wäre ich verheiratet, hätte ich eine günstigere Steuerklasse, egal ob ich Kinder habe oder nicht. Freundlicherweise wurde der Steuerfreibetrag für Kinder jüngst hochgesetzt, da kommen dann sicher nochmal ein paar Euro zusammen. Auch sonst hagelt es Vergünstigungen von allen Seiten: das Jugendamt erstattet mir 2€/Monat der Betreuungskosten für den Sohn, ich bekomme mit der Familiencard in Stuttgart 60€/Kind pro Jahr, um damit Eintritt in Schwimmbäder und den Zoo zu bezahlen und mit der Landesfamilienkarte komme ich sogar günstiger in den Märchengarten. Wow!

Das ist also das federweiche staatliche Netz, in das sich Alleinerziehende fallen lassen, wenn sie den Steuerzahler für ihr selbstgewähltes Lebensmodell löhnen lassen. Dieser Satz ist kein Zynismus, das ist exakt die Reaktion, die Alleinerziehenden in Kommentaren des sozialen Netzes entgegenschlägt, wenn sie ihre Missstände benennen.

Ich hab mich so gefreut, als ich von den Plänen unserer Familienministerin hört, ein Familiengeld für Eltern einzuführen, die vollzeitnah arbeiten! Dann hätte ich auf 35 Stunden reduziert und hätte einen Ausgleich dafür bekommen. Aber nein: das Familiengeld ist nur für Kinder bis 8 Jahren geplant. Warum das? Familie hört beileibe nicht auf, wenn die Kinder 8 sind. Aber eigentlich brauche ich keine Extra-Leistungen wie Familiengeld oder höheres Kindergeld, mir würde es völlig reichen, wenn der Staat nicht von vorneherein soviel von meinem Bruttoverdienst abziehen würde, dass ich hinterher auf staatliche Vergünstigungen angewiesen bin. Dieses System ist doch krank!

A propos krank: es ist nicht das erste Mal, dass ich so krank werde. Vor nicht einmal zwei Jahren wurde mir schwindelig und übel, ich lief von meinem Arzt zum anderen und war wochenlang krank geschrieben. Das einzige, was ohne Beschwerden ging, war stundenlang im Garten zu sitzen und die Kaninchen anzuschauen. Auch damals: Stress, Verspannungen, Erschöpfung. Lange Therapien und schließlich eine Kur. Keine zwei Jahre später klappe ich wieder zusammen.

Was das kostet! Was ich koste!

Das System ist doch krank: ich klappe vor lauter Belastung immer wieder zusammen, dabei würde ich die Krankenkasse nicht so viel Geld kosten, wenn ich nicht so viel arbeiten müsste für das, was mir anschließend aufs Konto überwiesen wird.

Im Antrag für die nächste Kur findet sich die Frage, was ich persönlich für meine Gesundheit tue. Haha, was denn? Wann denn und wovon denn? Welche Hobbys ich früher hatte: Was sind denn Hobbys? Wie oft ich in der letzten Zeit Kontakt zu Freunden oder Angehörigen hatte? Ich sehe meine Kinder jeden Tag, das wars dann auch schon. Neulich traf ich eine Mutter aus der Kita, die mich fragte wie es mir geht. Als ich ehrlich geantwortet habe, kam eine ermunterndes „wird schon werden“. Schönen Dank auch. Kontakte helfen auch nicht immer.

Es ist verdammt anstrengend, alleine mit zwei Kindern und einem vollen Job. Und wenn ich vom Geld mal absehe, bleibt die Sorge und die Verantwortung, die mir keiner abnimmt und die ich mit niemandem teilen kann. Da kann und will ich den Staat auch gar nicht in die Verantwortung ziehen, aber es würde wahnsinnig helfen, wenn es mehr Unterstützung und Verständnis im Alltag gäbe!

Zum Beispiel: Als die Tochter sich den Fuß gebrochen hat, kam sie nicht mehr in die Schule und ich habe kein Auto. Weder Schulamt noch Krankenkasse springen hier ein. Ja, ich habe alle Eltern gefragt und ja: ich habe viel Hilfe bekommen, für die ich sehr dankbar bin! Im Detail sah das so aus, dass ich 6 Wochen lang täglich 1-3 Telefonate hatte, wer das Kind bringt und wer es abholt. Und dann wieder rückgängig machen, weil sie manchmal solche Schmerzen hat, dass sie gar nicht ging. Natürlich lässt sich das organisieren, aber es hat mich den letzten Nerv gekostet! Der in derselben Stadt wohnende motorisierte Vater hat übrigens keinen einzigen Fahrdienst übernommen, zu schade. Fahrdienste der Wohlfahrtsverbände gibt es nur für chronisch kranke Kinder. Keine Ausnahme, auch nicht für Alleinerziehende, nix. Direkt vor meiner Tür fährt übrigens ein Fahrdienst ab, der hätte das Kind glatt mitnehmen können…

Die von Christine Finke schon viel beschworene Haushaltshilfe: 2x/Woche für ein paar Stunden Hilfe im Haushalt würde massiv entlasten und wäre genauso teuer wie eine 3wöchige MutterKindKur. Da wäre das Geld wesentlich sinnvoller angelegt für die Krankenkasse.

Schließlich bleibt noch mein „Luxusproblem Lebensqualität“: ich gehe ja nicht nur arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern weil es mir sogar Spaß macht. Und ich habe nicht nur Kinder, um sie möglichst effizient und störungsfrei durch die Kinderjahre zu schaukeln, sondern wir wollen als Familie auch eine schöne Zeit miteinander haben. Ja, ich habe sogar noch Ansprüche an mein Leben, ich will es nicht einfach bloß schaffen.

Sprich: ich würde mich gerne mal beruflich weiter entwickeln. Keine 3tägige Weiterbildung, sondern eine längere Fortbildung, vielleicht sogar ein berufsbegleitendes Aufbaustudium, das mir zukünftig neue Perspektiven eröffnet. Ich habe aber weder Zeit noch Geld für eine längere Fortbildung. Vier bis sechs Wochenenden pro Jahr plus eine ganze Woche nicht zu Hause? Undenkbar! Also bleibt es beruflich beim Status Quo. Weiterentwicklung oder gar Karriere ist nicht vorgesehen.

Und die Kinder: ich hätte sehr gerne sehr viel mehr Zeit für die Kinder! Wir würden gerne zusammen öfter Siedler spielen und Herr der Ringe hören, Ausflüge machen und im Garten wurschteln, zusammen Tee trinken, uns was erzählen oder gar zusammen den Keller ausmisten. Egal, aber Hauptsache zusammen. Statt dessen sind wir von 7-17 Uhr aus dem Haus, treffen erst spätnachmittags alle aufeinander, dann müssen noch der Haushalt und Hausaufgaben gemacht werden, ich bin total erledigt vom Job und vom auf-dem-Heimweg-Einkauf, die Wäsche ist noch im Keller und der Sohn mault, dass wir immer noch nicht sein Star-Wars-Risiko-Spiel ausgepackt haben. Ich bin froh, wenn wir hier den Status Quo aufrecht erhalten: es gibt was zu essen im Kühlschrank, wir haben saubere Klamotten an, ich habe alle Zettel aus der Schule unterschrieben und das Klo ist geputzt. Mehr ist nicht drin. Die Fenster kann ich ja putzen, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Ich halte den Status Quo in einem Hamsterrad aus Alltag, Job und Kindern, und das macht mich auf Dauer krank. Durchhalteparolen wie „wird schon werden“ brauche ich ebenso wenig wie gutgemeinte Ratschläge á la „Du musst Dir Ruheinseln schaffen“. (Das ist ungefähr so beknackt wie „Schlafen Sie, wenn Ihr Baby schläft“. Nur Eltern verstehen den Witz). Es ist nicht das eine Projekt im Job oder der gebrochene Fuß vom Kind, es sind nicht die xten Läuse und die teure Klassenfahrt. Es sind die sechs Jahre, die ich das alles bereits alleine mache, das zehrt mich langsam aber sicher aus. Da sammelt sich eine Erschöpfung und Müdigkeit an, die man an keinem Wochenende mehr wegpennen kann.

Also werde ich werde erst mal versuchen, wirklich ganz gesund zu werden, bis die Kirmes im Kopf Ruhe gibt, denn auf der Arbeit bin ich ersetzbar, für meine Kinder nicht. Und dann tue ich das, was eigentlich nicht geht, um der erneuten bodenlosen Erschöpfung entgegen zu treten: ich werde meine Arbeitszeit reduzieren. Um das zu finanzieren, werde ich meine Altersvorsorge zurück stellen und im Alltag (noch mehr) sparen wo es nur geht. Das Loch in der Rente fange ich einfach dadurch auf, dass ich irgendwann wieder auf 100% gehe, ein Aufbaustudium mache und einen neuen, hochbezahlten Job finde, der das alles ausgleicht.

Nix leichter als das, oder?

Kirmes im Kopf

Familienurlaub auf Lanzarote

Letztes Jahr waren wir in der Türkei, was wir dieses Jahr aus politischen und sicherheitstechnischen Gründen nicht wiederholen wollten. Der Anbieter Renatour hat aber noch andere tolle Familienurlaube im Programm und so habe ich mich darauf verlassen, dass es auch dieses Mal wieder schön und erholsam wird.

Es war meistens schön und meistens nicht erholsam. Ich war mit Rechnen und Geld zählen beschäftigt, was mir den Urlaub echt verleidet hat. Ich habe wirklich ein Jahr lang für den Urlaub gespart und ich bin sicherlich nicht so blauäugig zu denken, dass vor Ort nicht noch weitere Kosten anfallen. Aber mit diesen Summen hatte ich nicht gerechnet, und ich habe sie auch nicht. Ich werde also noch viele Monate dem Urlaub hinterher sparen. Ich habe natürlich vorher Preise verglichen: andere Unterkünfte waren nicht billiger, hatten aber oft schlechte Bewertungen auf Kundenportalen. Renatour hingegen hat gute Bewertungen und achtet auf Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Reisen, was mir gut gefällt.

Ich kann mir das eigentlich nicht leisten, einen Urlaub zu machen, der mir nicht ein Mindestmaß an Erholung bringt. Jetzt sind die Sommerferien vorbei und ich bin müde, erschöpft und pleite.

Natürlich hatten wir auch tolle Erlebnisse, die Kinder und ich. Wir waren in den Feuerbergen von Lanzarote, haben winzige Albino-Krebse gesehen und Höhlen besichtigt, wir haben viel gelesen, gespielt, gequatscht und die Kinder haben auch viel geschlafen (ich nicht, es war zu laut und zu hell). Wir hatten lange tolle Strandtage an einem wirklich umwerfenden Strand. Ich war streckenweise sehr einsam, weil ich erst ganz zum Schluss eine nette Frau kennen gelernt habe, und auch die Kinder hatten eher oberflächliche bis gar keine Freunde, aber die haben sich ja gegenseitig.

Für den Veranstalter Renatour, den ich eigentlich empfehlen kann, habe ich den Urlaub zusammen gefasst, weil die eine Rückmeldung haben wollten. Ich weiß nicht, ob sie es auf ihrer Website veröffentlichen. Nächstes Jahr fahre ich in ein gemütlich großes Haus am Meer mit vielen Freunden und Kindern – wer kommt mit?

Familienurlaub auf Lanzarote

Ich war im August 2016 mit meinen beiden Kindern (9 und 11 Jahre) auf Lanzarote im Centro de Terapia Antroposofica.
Wir haben uns tierisch auf diesen Urlaub gefreut, weil wir 2015 mit Renatour bereits sehr gute Erfahrung in dem Familiencamp Odysseus in der Türkei gemacht haben.
Hier auf Lanzarote war es jedoch etwas anders als im Familiencamp, denn alle reisen irgendwann an und irgendwann ab, was Ferienfreundschaften der Kinder nicht unbedingt unterstützt. Aber wir waren auf Anhieb von der schönen ruhigen Anlage und den beiden tollen Pools im liebevoll angelegten und sehr gepflegten Garten begeistert! Die Kinder haben die ersten Tage praktisch komplett im Pool verbracht.
Das Apartment ist sehr schön eingerichtet mit gemütlichem Sofa und Sessel, großer Terrasse, kleiner, gut eingerichteter Küche und sogar einer Badewanne. Sage und schreibe 3x pro Woche wurde gereinigt, das war für uns der Luxus pur, toll! Als einzige Erwachsene mit zwei Kindern haben die Kinder das Schlafzimmer mit zwei zusammen gestellten Betten bekommen, während ich auf dem Sofa vor einem ordentlich lauten Kühlschrank schlafen durfte. Obwohl wir ein 3-Personen-Appartment gebucht hatten, ist das Wohnzimmer nicht wie das Schlafzimmer verdunkelbar, so dass ich pünktlich mit der Morgensonne wach geworden bin. Das und der laute Kühlschrank standen leider recht konträr zu meinem Erholungsbedürfnis.
Am vierten Tag sind wir das erst Mal an den Strand gegangen, und das hat mich dann negativ überrascht: Der Weg zum Strand war 1km, nicht wie von Renatour angegeben 900m. Klingt kleinlich, aber 100m machen mit Kindern einen gewaltigen Unterschied, zumal der Weg vom Strand zurück 1km BERGAUF ging! Alleine mit zwei müden Kindern bei 30 Grad den Berg hinauf laufen samt Strandgepäck macht wahrlich keinen Spaß. Es war auch kein netter Bummel durch ein hübsches Fischerdörfchen, wie die Beschreibung suggerierte, sondern einfach eine karge heiße Straße bergauf. Wir sind in den folgenden Tagen dann einfach lange am Strand geblieben samt Abendessen, so daß wir erst in der kühlen Abendluft den Aufstieg gewagt haben.
Im Centro lagen Listen mit hauseigenen Kreativ- und Kultur-Angeboten aus sowie Prospekte für Inselausflüge. Diese Angebote waren für uns leider viel zu teuer: Inselspaziergang auf Lanzarote für 35€/Person, Kindertauglichkeit stand gar nicht erst nicht dabei. Selbst mit 50% Kinderermäßigung gehe ich nicht für 70€ mit zwei Kindern spazieren.
Labyrinth-Malen, Origami-Falten, Puppen filzen, Malen mit Pflanzenfarben etc. sah alles wunderschön aus, bei 15-30€/Person für mich als Alleinerziehende mit 2 Kindern allerdings unbuchbar. Der günstigere Poesieabend für 5€ war offensichtlich nur für Erwachsene und auch Eurythmie in der Gruppe für 8€ sah nicht nach Familienveranstaltung aus. Insgesamt war das Angebot eher auf Erwachsene als auf Familien mit Kindern zugeschnitten.
Für das Puppenfilzen haben wir einen Freundschaftspreis bekommen, so dass wir wenigsten EIN Angebot wahrnehmen konnten.
Die Inselausflüge der Firma „First Minute“ lasen sich ganz interessant, waren aber für uns drei mit 67€ für die Südtour zum Nationalpark Timanfaya und „Gratis-Weinprobe“ (spitze: mit zwei Kindern, und bei 33Grad trinke ich um 14 Uhr keinen Wein) zuzügl. Mittagessen und Dromedar-Reiten auch nicht billig. Andere Ausflüge waren noch teurer.
Sämtliche medizinischen und therapeutischen Angebote des Therapiehauses sind für uns ebenso nicht finanzierbar.
Was sehr schön war und uns großen Spaß gemacht hat, war das Klangtheater, quasi eine Märchenstunde, bei dem sämtliche Kinder mitspielen durften, sowie das Singen und der Folklore-Abend. Von solchen Gemeinschaftserlebnissen, bei denen wir gerne eine Spende gegeben haben (aber eben nicht 15€/Person) hätten wir uns mehr gewünscht.
Wir hatten Übernachtung und Frühstück gebucht und wollten spontan entscheiden, ob wir selber kochen oder im Restaurant des Centro oder im Städtchen essen. Die Organisation des Essens im Restaurant war allerdings kompliziert: bis 16 Uhr sollte angemeldet werden, was wir essen. Das war dann z.T. trotzdem nicht da. Spontan zu Abend essen ging nicht, außer Tiefkühlpizza, die gabs immer, lecker… Tapas gabs nicht, obwohl überall angepriesen (oder war das die Tiefkühlpizza?).
Zu Mittag gab es Kanarische Kartoffeln oder Pommes, alles andere waren Hauptgerichte ab 9€ aufwärts, also hier auch keine Tapas. Und natürlich die Tiefkühlpizza, abwechselnd mit Ravioli aus der Tüte. Das ist unser Notfall-Essen zu Hause, wenn ich arbeiten muß und die Kinder alleine sind, für den Urlaub hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich war mit den Kindern mal im Hafen von Puerto del Carmen in einer Tapas-Bar: für 20€ hatten wir einen Tisch voller Köstlichkeiten für drei Leute, das hätte ich mir für das Centro sehr gewünscht!
Die Bedienung im Restaurant sprach teilweise kein Wort Englisch oder Deutsch, was bei 80% Deutschen und 20% Engländern und diesem komplizierten System extrem ungünstig ist.
In der Folge sind wir dann einfach lange am Strand geblieben (Aufstieg tagsüber zu heiß, Angebote im Centro eh zu teuer, Essen kompliziert und nicht lecker). Allerdings ist auch ein Strandtag in Puerto del Carmen nicht billig: wenn man nicht im glühenden Sand liegen möchte, ist man für 3 Liegen und 2 Schirme schon 20€/Tag los, dazu Mittag- und Abendessen, dazwischen ein Eis. Also auch ohne Ausflug oder Kreativ-/Kultur-Angebot wird man ohne groß Nachzudenken täglich 50-80€ los, es sei denn wir kaufen beim Lidl um die Ecke ein und kochen sämtliche Mahlzeiten täglich selber. Ohne Spülmaschine im Appartment, beschäftigt mit Einkaufen, Kochen und Abwaschen sinkt dann der Erholungswert weiter ins Minus.
Sämtliche Mitarbeiter des Centro waren sehr freundlich und hilfsbereit! Es wurde geplaudert und beraten und wir haben uns dort gut aufgehoben gefühlt. Die anderen Gäste waren durchweg nette Menschen und die Kinder haben ein paar Freunde gefunden. Das Zielpublikum einer anthroposophischen Ferienanlage ist eben per se wesentlich angenehmer als in einer Pauschal-Ferienanlage vom Billiganbieter. Das Wetter war toll und die Insel ist faszinierend, der Strand ist umwerfend (es gab sogar eine Hüpfburg im Wasser) und der Hafen gemütlich.
Aber durch die beschriebenen Umstände war ich sehr mit Nachrechnen unseres Ferienbudgets beschäftigt bei gleichzeitiger Wahrung eines Ferienerlebnisses (ich möchte mich erholen, gut essen und nicht finanziell zu Grunde richten). Wer nicht aufs Geld schauen muss, kann ganz sicher einen großartigen Urlaub im Centro de Terapia Antroposofica erleben, mit Massagen, therapeutischen Gesprächen, Malen auf Lavasteinen, unvergesslichen Wanderungen über die Insel und weiteren Ausflügen. Dem Anbieter Renatour würde ich dringend raten, die anfallenden Kosten für örtliche Späße wie Ausflüge, Kreativ-/Kulturangebote und auch die Preise im Restaurant näher zu beziffern, damit man eine Entscheidungsgrundlage hat, bevor man solch eine Reise bucht.

 

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Dieser Bericht ist nicht als Werbung gekennzeichnet, weil es keine Werbung ist. Den gesamten Text habe habe ich für meinen Blog geschrieben, den kursiv gesetzten Teil stelle ich Renatour zur Verfügung. Wenn sie ihn veröffentlichen, bekomme ich 10€ als Dankeschön. Ich würde sagen, daß man das beim besten Willen nicht als Honorar bezeichnen kann.
Familienurlaub auf Lanzarote

Deine Kinder sind aber oft krank!

Sowas kriegt man schnell zu hören, wenn man mal eine Woche lang zwei kranke Kinder zu Hause hat. Sogar, wenn man nicht mal zu Hause bleibt, sondern die Kinder stundenweise alleine lässt, um im Büro das Nötigste zu erledigen. Jedenfalls wenn die Kinder den beliebten „zu krank für die Schule, zu gesund für daheim“-Status erreichen. Also Kopf-Bauchweh, schon auch Mama-bedürftig, aber ohne Fieber oder großes Leiden und drum auch stundenweise mit Buch oder Hörspiel zufrieden.

Trotzdem braucht ein krankes Kind Zuwendung, so oberflächlich die Erkrankung sein mag, und das Kind braucht auch was (Gesundes!) zu essen und es braucht die Nacht in Mamas Bett. Meine jedenfalls. Von einer konzentrierten und ausgeruhten Arbeitnehmerin bin ich also meilenweit entfernt, auch wenn ich per home office oder kurzen Einsätzen versuche, den Laden am laufen zu halten. Denn ich leite den Laden, in dem ich arbeite, das bringt zwar viel Flexibilität, aber auch Verantwortung mit sich.

„Deine Kinder sind aber oft krank!“ höre ich dann, und ich versuche es einzusortieren: Erstaunen? Lob? Vorwurf? Empathie? Frechheit? Hilfloser Smalltalk-Versuch? Oder einfach nur scheiße? Denn meine Kinder sind nicht oft krank. Aber wenn, dann beide, selbst bei Knochenbrüchen haben sie eine eigenartige Gleichzeitigkeit. Das prägt sich der Umwelt ein, das wirkt massiv.

Warum kriegt die Umwelt überhaupt mit, dass meine Kinder krank sind? Weil ich dann nicht mehr uneingeschränkt einsatzbereit bin, meine Flexibilität sackt sofort unter null. Denn ich bin die einzige, die sich um meine kranken Kinder kümmern kann. Keine Familie, kein Mann, keine Freunde, die sich um zwei kranke Kinder kümmern könnten, sind greifbar.

Woran merkt eigentlich das Umfeld eines voll berufstätigen Vaters, dass die Kinder krank sind? Ich bin ja seit Jahren raus aus der Vater-Mutter-Kind-Nummer, aber soweit ich das mitbekomme, sind es immer noch die Mütter, die sich frei nehmen, Urlaub nehmen oder gar den Job reduzieren, wenn die Kinder (öfter) krank sind. Die Väter arbeiten weiter, einer muss ja die Kohle verdienen.

Wenn nur eine einzelne Mutter da ist, dann jongliert die sich halt einen Halsbruch, damit die Kohle reinkommt UND die Kinder versorgt sind. Geht auch, irgendwie. Irgendwie scheisse, aber es geht.

„Warum musst Du eigentlich immer arbeiten?“ jammert mich gestern mein Kopfweh-Kind an, und ich bin vor schlechtem Gewissen im Boden versunken. Weil mein Urlaub für die Schulferien drauf geht. Weil ich mir keinen einzigen der 40 mir zustehenden Tage unbezahlten Urlaub leisten kann: mit 70% Gehalt kann ich mein sorgfältiges kleines Familien-Konstrukt nicht aufrecht erhalten („bitte denken Sie daran, 50€ für die Klassenfahrt zu überweisen“, „Bitte geben Sie ihrem Kind 50€ für das Ferienprogramm mit“, Kita-Freizeit für ca. 150€ steht an und Mist: die Hortfreizeit mit ihren ca. 60€ kommt ja auch noch!).

Gestern hatte ich Abenddienst im Job, der Babysitter war bei den Kindern und ging nach Hause, wie besprochen, als die Kinder schliefen. Beim Schlußapplaus meiner Veranstaltung ruft die Tochter an „Ich hab so Ohrenschmerzen!“. Babysitter schon weg, und beim Job niemand da, der übernehmen könnte. Also 120 gutgelaunte Menschen aus dem Biergarten geschmissen, um den Laden abzuschließen und zum Kind zu eilen. Die Gäste fanden’s blöd, das Kind fand’s blöd, ich fand’s blöd. An solchen Tagen denke ich: ich lasse es einfach. Ich kündige. Wir ziehen in ein 2-Zimmer-Loch, ich kündige alle Versicherungen und Renten und wir haben nix, aber ich hab Zeit für die Kinder.

Das ist natürlich Quatsch, denn ich liebe meinen Job und ich liebe meine Kinder. Ein unglückliche arbeitslose Mutter in einem 2-Zimmer-Loch geht den Kindern ganz sicher ziemlich auf die Nerven, und ich sollte mich glücklich schätzen, dass ich diesen Job habe, wir uns eine schöne Wohnung, die nötigen Versicherungen und Rücklagen für meine Rente leisten können (und die Hortfreizeit, das Ferienprogramm, die Klassenfahrt etc.). Ich will mein eigenes Geld verdienen und nicht abhängig sein, weder jetzt noch später. Aber es funktioniert eben alles nur, so lange die Kinder nicht krank sind, denn dann komme ich im Nullkommanix an meine Grenzen.

Was wäre denn, wenn es immer die Väter wären, die sich um die kranken Kinder kümmern (müssen)?  Weil Frauen in ihrem Jobs leider völlig unentbehrlich sind? Ich wette, es gäbe komplett andere Sicherungs- und Sozialsysteme in diesem Land! Es gäbe 10, ach was: 20 Tage pro Kind BEZAHLTEN Urlaub zusätzlich, nicht so wie jetzt: 10 Tage unbezahlten Urlaub. Es gäbe für den Vater Haushaltshilfen, für die Kinder Krankenpfleger und für alle zusammen mobilen gesunden Mittagstisch von der Krankenkasse, unbürokratisch und serviceorientiert. Nicht so wie jetzt: Haushaltshilfe nur, denn die Mutter krank ist, nicht aber wenn die Kinder krank sind. Es gäbe home office mit kompletter Ausstattung vom Arbeitgeber, es gäbe Arbeitszimmer, die ohne komplizierte Auflagen und Nachweise zu 100% von der Steuer absetzbar sind. Es gäbe fette und kostenlose Datenautobahnen direkt ans Krankenbett des Kindes, damit Papi auch ja das Projekt weiter leiten kann. Es gäbe flexible Arbeitszeitgestaltung und Verständnis auf allen Seiten, wenn man allen guten Rahmenbedingungen zum Trotz dann doch einfach mal 3 Tage komplett zu Hause bleibt, unerreichbar für Chef, Kunden, Gäste und Projekt, weil man dem Kind noch ein Zwiebelsäckchen fürs Ohr bereiten und es einfach mal ein paar Stunden im Arm halten muss.

Und es wäre das gesellschaftspolitisch und zwischenmenschlich absolute no-go , einen gedankenlosen Satz rauszulassen wie „Deine Kinder sind aber oft krank!“.

 

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Deine Kinder sind aber oft krank!

Kleingeld

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Meine Tochter hat in den vergangenen Tagen an einem liebevoll selbst gebauten Straßenstand viel altes Spielzeug und Bücher verkauft. Heute wollte sie bei der Bank das Kleingeld in Scheine einwechseln. Wir sind also zu der Bank gelaufen, wo sie ihr Girokonto hat. Der freundliche Mann an der Kasse sagt, er kann das Geld zählen, dann wird es dem Konto gut geschrieben und dann kann sie es abheben. Wir reden hier von ca. 40 €. Ich habe erstaunt nachgefragt: die wechseln nicht einfach das Geld? Das ist doch hier ’ne Bank, wieso wechseln die kein Geld? Die buchen es erstmal ein und wir müssen es dann wieder abheben? Wieso?

Ist so, sagt der Mann an der Kasse. Ach so. Hm, kurz überlegt ob ich in der Tageskasse auf’m Job das Kleingeld meiner Tochter eintausche, aber sie soll das mitunter kompliziert anmutende Bankwesen ruhig mal kennen lernen. Also gut, zählen Sie das Geld, schreiben Sie es dem Konto gut und wir heben es dann ab.

Der Mann nimmt die Münzen. Dann nimmt er ein DIN A4 Blatt und fängt an, das Formular auszufüllen. Name des Kindes. Kontonummer. Datum. Und noch viele weitere Felder, es dauert ewig. Ich frage scherzhaft, ob er noch die Geburtsurkunde vom Kind braucht. Er mag aber wohl keine Scherze. Schade.

Ich muss an zwei Stellen unterschreiben. Dann nimmt er eine große Schere und schneidet das Formular in der Mitte durch. „Willkommen im digitalen Zeitalter, jetzt wird gebastelt, kleben Sie noch Hasenöhrchen dran?“ frage ich lachend. Ich kann’s mir nicht verkneifen, weil ich nicht glauben kann was hier passiert. Er ist findet es aber immer noch nicht witzig.

Er gibt mir eine Hälfte des Formulars, die andere füllt er samt Münzen in einen Plastikbeutel und verschweißt diesen. Er schaut mich an. Ich schaue ihn an. Und? Wieviel ist es?

„Wir zählen das Geld, es wird im Laufe des Tages dem Konto gut geschrieben, Sie können es wahrscheinlich sogar schon heute mittag abheben“.

SCHON heute mittag? Jetzt ist es 9 Uhr, das geht ja flott! Wieso können wir das Geld nicht jetzt mitnehmen? Ach so, weil das bis zu 10 Werktage dauern kann, aber er macht heute mal eine Ausnahme. Wir Glückspilze! Ich erinnere mich dunkel an meine Kindheit, wo wir mit unserem Kleingeld zur Bank gelaufen sind, das Geld in einen großen Apparat geschüttet haben und dann stand da irgendwann eine Zahl und wir haben das Geld „in groß“ gekriegt. Ohne Papier, Schere, Konto, Plastikbeutel.

Ich mache noch eine Bemerkung über die Elfen, die im Keller sitzen und unter sklavenhalterischen Bedingungen das Geld zählen, dann verlasse ich samt Kind böse murmelnd die Bank.

Nach der Arbeit gehen wir wieder hin. Der Mann, der Apparat, die Elfen, wer auch immer, hat das Geld gezählt, es sind 42,36 €. Die Tochter hebt stolze 40€ in Scheinen von ihrem Konto ab. Operation geglückt.

Zu Hause fragt sie mich, ob ich ihr für einen Zehnerschein Münzen geben könnte, die machen sich besser in ihrer schicken neuen Geldkassette. WAAAS??!? schreit es in mir, DU WILLST JETZT MÜNZEN? Natürlich schreie ich mein Kind nicht an, ich breche innerlich kirre lachend zusammen. Dann überlege ich kurz, ob ich sie zurück zur Bank schicke und das Theater rückwärts spule. Da würde er staunen, der Elfenmeister in seinem Kassenhäuschen, und vielleicht würde er dieses Mal sogar verschmitzt lächeln.

Ich gebe ihr seufzend die Münzen und denke an den Text von Christine Finke: Sysiphos war eine Mutter.

 

Kleingeld