Ich habe Kinder, aber ich habe keine Familie

Und wieder dieses beschissene „Ich habe Kinder aber ich habe keine Familie“-Gefühl.
Weil Familie wäre ja, wenn wir alle füreinander da wären. Jeder jedem mal Halt gibt, Rat gibt, Trost spendet, mitfühlt, wieder zum Lachen bringt. Aber meine Familie ist eine Einbahnstraße: ich gebe Halt, spende Trost, fühle mit, bringe wieder zum Lachen. Ich bekomme das nicht, von niemandem. Weil kein Familienmitglied außer mir erwachsen ist. Sie sind Kinder. Ich kann mich nicht an sie anlehnen, meinen Kopf auf ihre Schultern legen mit dem guten Gefühl, dass da noch jemand anderes ist außer mir, der an alles denkt, der sieht und sorgt, der mit mir die Verantwortung und die ganzen Gefühle teilt. Wenn ich meinen Kopf auf ihre Schultern lege, dann eher physisch: weil wir beim Schmusen halt so gelandet sind. Und wenn sie mich zum Lachen bringen, dann eher aus ihrer kindlichen Komik heraus, aber nicht weil sie mir helfen wollen, den Kopf wieder zu heben. Sie sind Kinder und das sollen sie sein, ich kann und darf von ihnen überhaupt nicht erwarten, dass sie hier die Rolle des fehlenden Erwachsenen einnehmen. Was sie sicher eh schon zu oft tun.

Gerade jetzt, in den Ferien wo beide Kinder unterwegs sind, ist dieses beschissene „keine Familie“-Gefühl riesig. Denn ich bin allein. Ich höre die Nachbarskinder draußen spielen. Ich schaue in den Garten. Die Schaukel, der Hase, das Ringelblumenfeld. Im Flur die Wasserpistole, der Schulranzen, überall Lego. Wofür hab ich den ganzen Kram überhaupt? Manchmal denke ich: wir leben doch überhaupt nicht richtig zusammen. Wir sind so viel unterwegs. In der Schule, im Hort, auf der Arbeit. Wären hier zwei Erwachsene, könnten wir es besser teilen, wir würden vielleicht nicht beide Vollzeit arbeiten und die Kinder wären auch mehr zu Hause. Aber ich arbeite Vollzeit, der Sohn ist im Hort, die Tochter hat ständig Mittagsschule. Hier lebt keine Familie, hier sind ab und zu Leute, die hier schlafen und essen, und manchmal ist hier eine Erwachsene ein paar Tage allein. In einer viel zu großen Wohnung für 1 Person, in einer Familienwohnung ohne Familie. Ich weiß, stimmt alles gar nicht, hier tobt zwischendurch fettes Familienleben, alle sind da und wir haben wunderbare glückliche Zeiten zusammen. Aber dann sind hier wieder diese viel zu stillen Zeiten in der viel zu leeren Wohnung.

Ich wollte keine kinderfreien Wochenenden und kinderfreie Ferien. Ich wollte eine Familie.
Eine Familie, in der mir auch mal jemand Halt gibt, Trost spendet, mich zum Lachen bringt. Eine Familie, wo ich auch nach Feierabend mal mit einem Erwachsenen ein Gespräch führen kann. Macht aber keiner, keiner da.
Ich führe in meiner Wohnung ausschließlich Gespräche mit Kindern. Und wenn den Kindern die Gefühle platzen, dann halte ich sie fest, sammel sie wieder ein, rücke sie wieder gerade. Bis sie lernen, es alleine zu tun. Das dauert noch ein bisschen.
Ich bin hier die Starke, die Stabile, ich gebe und gebe und gebe. Mir platzt hier nix, kein Gefühl, weil dafür kein Raum ist. Mich fängt ja eh mich keiner auf und zudem irritiert es die Kinder im höchsten Maße. Natürlich bekommen die Kinder meine Stimmungen und Launen mit, aber immer in einem von mir noch kontrollierten Ausmaß.

Wenn die Kinder nicht da sind, gibt es eine kurze Pause von der Selbstkontrolle und ich starre in das Vakuum meiner Seele. Die Abwesenheiten der Kinder sind zu kurz, um mir was anderes aufzubauen. Netzwerk, Freunde, Hobbies. Und sie sind zu lang, um diese Leere auszuhalten. Wenn die Kinder da sind, habe ich keine Zeit, mir ein parallel-Leben aufzubauen für die kinderlosen Zeiten. Also sitze ich nun einfach auf dem Sofa, höre den Nachbarskindern zu, gucke die Katzen an, schreibe diesen Text und häkel Monster. Und zwar eine ganze verdammte Familie. Die Mutter ist schon fertig.

Monstermutter
Die Mutter ist mal wieder völlig neben der Spur
Ich habe Kinder, aber ich habe keine Familie

Familienurlaub auf Lanzarote

Letztes Jahr waren wir in der Türkei, was wir dieses Jahr aus politischen und sicherheitstechnischen Gründen nicht wiederholen wollten. Der Anbieter Renatour hat aber noch andere tolle Familienurlaube im Programm und so habe ich mich darauf verlassen, dass es auch dieses Mal wieder schön und erholsam wird.

Es war meistens schön und meistens nicht erholsam. Ich war mit Rechnen und Geld zählen beschäftigt, was mir den Urlaub echt verleidet hat. Ich habe wirklich ein Jahr lang für den Urlaub gespart und ich bin sicherlich nicht so blauäugig zu denken, dass vor Ort nicht noch weitere Kosten anfallen. Aber mit diesen Summen hatte ich nicht gerechnet, und ich habe sie auch nicht. Ich werde also noch viele Monate dem Urlaub hinterher sparen. Ich habe natürlich vorher Preise verglichen: andere Unterkünfte waren nicht billiger, hatten aber oft schlechte Bewertungen auf Kundenportalen. Renatour hingegen hat gute Bewertungen und achtet auf Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Reisen, was mir gut gefällt.

Ich kann mir das eigentlich nicht leisten, einen Urlaub zu machen, der mir nicht ein Mindestmaß an Erholung bringt. Jetzt sind die Sommerferien vorbei und ich bin müde, erschöpft und pleite.

Natürlich hatten wir auch tolle Erlebnisse, die Kinder und ich. Wir waren in den Feuerbergen von Lanzarote, haben winzige Albino-Krebse gesehen und Höhlen besichtigt, wir haben viel gelesen, gespielt, gequatscht und die Kinder haben auch viel geschlafen (ich nicht, es war zu laut und zu hell). Wir hatten lange tolle Strandtage an einem wirklich umwerfenden Strand. Ich war streckenweise sehr einsam, weil ich erst ganz zum Schluss eine nette Frau kennen gelernt habe, und auch die Kinder hatten eher oberflächliche bis gar keine Freunde, aber die haben sich ja gegenseitig.

Für den Veranstalter Renatour, den ich eigentlich empfehlen kann, habe ich den Urlaub zusammen gefasst, weil die eine Rückmeldung haben wollten. Ich weiß nicht, ob sie es auf ihrer Website veröffentlichen. Nächstes Jahr fahre ich in ein gemütlich großes Haus am Meer mit vielen Freunden und Kindern – wer kommt mit?

Familienurlaub auf Lanzarote

Ich war im August 2016 mit meinen beiden Kindern (9 und 11 Jahre) auf Lanzarote im Centro de Terapia Antroposofica.
Wir haben uns tierisch auf diesen Urlaub gefreut, weil wir 2015 mit Renatour bereits sehr gute Erfahrung in dem Familiencamp Odysseus in der Türkei gemacht haben.
Hier auf Lanzarote war es jedoch etwas anders als im Familiencamp, denn alle reisen irgendwann an und irgendwann ab, was Ferienfreundschaften der Kinder nicht unbedingt unterstützt. Aber wir waren auf Anhieb von der schönen ruhigen Anlage und den beiden tollen Pools im liebevoll angelegten und sehr gepflegten Garten begeistert! Die Kinder haben die ersten Tage praktisch komplett im Pool verbracht.
Das Apartment ist sehr schön eingerichtet mit gemütlichem Sofa und Sessel, großer Terrasse, kleiner, gut eingerichteter Küche und sogar einer Badewanne. Sage und schreibe 3x pro Woche wurde gereinigt, das war für uns der Luxus pur, toll! Als einzige Erwachsene mit zwei Kindern haben die Kinder das Schlafzimmer mit zwei zusammen gestellten Betten bekommen, während ich auf dem Sofa vor einem ordentlich lauten Kühlschrank schlafen durfte. Obwohl wir ein 3-Personen-Appartment gebucht hatten, ist das Wohnzimmer nicht wie das Schlafzimmer verdunkelbar, so dass ich pünktlich mit der Morgensonne wach geworden bin. Das und der laute Kühlschrank standen leider recht konträr zu meinem Erholungsbedürfnis.
Am vierten Tag sind wir das erst Mal an den Strand gegangen, und das hat mich dann negativ überrascht: Der Weg zum Strand war 1km, nicht wie von Renatour angegeben 900m. Klingt kleinlich, aber 100m machen mit Kindern einen gewaltigen Unterschied, zumal der Weg vom Strand zurück 1km BERGAUF ging! Alleine mit zwei müden Kindern bei 30 Grad den Berg hinauf laufen samt Strandgepäck macht wahrlich keinen Spaß. Es war auch kein netter Bummel durch ein hübsches Fischerdörfchen, wie die Beschreibung suggerierte, sondern einfach eine karge heiße Straße bergauf. Wir sind in den folgenden Tagen dann einfach lange am Strand geblieben samt Abendessen, so daß wir erst in der kühlen Abendluft den Aufstieg gewagt haben.
Im Centro lagen Listen mit hauseigenen Kreativ- und Kultur-Angeboten aus sowie Prospekte für Inselausflüge. Diese Angebote waren für uns leider viel zu teuer: Inselspaziergang auf Lanzarote für 35€/Person, Kindertauglichkeit stand gar nicht erst nicht dabei. Selbst mit 50% Kinderermäßigung gehe ich nicht für 70€ mit zwei Kindern spazieren.
Labyrinth-Malen, Origami-Falten, Puppen filzen, Malen mit Pflanzenfarben etc. sah alles wunderschön aus, bei 15-30€/Person für mich als Alleinerziehende mit 2 Kindern allerdings unbuchbar. Der günstigere Poesieabend für 5€ war offensichtlich nur für Erwachsene und auch Eurythmie in der Gruppe für 8€ sah nicht nach Familienveranstaltung aus. Insgesamt war das Angebot eher auf Erwachsene als auf Familien mit Kindern zugeschnitten.
Für das Puppenfilzen haben wir einen Freundschaftspreis bekommen, so dass wir wenigsten EIN Angebot wahrnehmen konnten.
Die Inselausflüge der Firma „First Minute“ lasen sich ganz interessant, waren aber für uns drei mit 67€ für die Südtour zum Nationalpark Timanfaya und „Gratis-Weinprobe“ (spitze: mit zwei Kindern, und bei 33Grad trinke ich um 14 Uhr keinen Wein) zuzügl. Mittagessen und Dromedar-Reiten auch nicht billig. Andere Ausflüge waren noch teurer.
Sämtliche medizinischen und therapeutischen Angebote des Therapiehauses sind für uns ebenso nicht finanzierbar.
Was sehr schön war und uns großen Spaß gemacht hat, war das Klangtheater, quasi eine Märchenstunde, bei dem sämtliche Kinder mitspielen durften, sowie das Singen und der Folklore-Abend. Von solchen Gemeinschaftserlebnissen, bei denen wir gerne eine Spende gegeben haben (aber eben nicht 15€/Person) hätten wir uns mehr gewünscht.
Wir hatten Übernachtung und Frühstück gebucht und wollten spontan entscheiden, ob wir selber kochen oder im Restaurant des Centro oder im Städtchen essen. Die Organisation des Essens im Restaurant war allerdings kompliziert: bis 16 Uhr sollte angemeldet werden, was wir essen. Das war dann z.T. trotzdem nicht da. Spontan zu Abend essen ging nicht, außer Tiefkühlpizza, die gabs immer, lecker… Tapas gabs nicht, obwohl überall angepriesen (oder war das die Tiefkühlpizza?).
Zu Mittag gab es Kanarische Kartoffeln oder Pommes, alles andere waren Hauptgerichte ab 9€ aufwärts, also hier auch keine Tapas. Und natürlich die Tiefkühlpizza, abwechselnd mit Ravioli aus der Tüte. Das ist unser Notfall-Essen zu Hause, wenn ich arbeiten muß und die Kinder alleine sind, für den Urlaub hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich war mit den Kindern mal im Hafen von Puerto del Carmen in einer Tapas-Bar: für 20€ hatten wir einen Tisch voller Köstlichkeiten für drei Leute, das hätte ich mir für das Centro sehr gewünscht!
Die Bedienung im Restaurant sprach teilweise kein Wort Englisch oder Deutsch, was bei 80% Deutschen und 20% Engländern und diesem komplizierten System extrem ungünstig ist.
In der Folge sind wir dann einfach lange am Strand geblieben (Aufstieg tagsüber zu heiß, Angebote im Centro eh zu teuer, Essen kompliziert und nicht lecker). Allerdings ist auch ein Strandtag in Puerto del Carmen nicht billig: wenn man nicht im glühenden Sand liegen möchte, ist man für 3 Liegen und 2 Schirme schon 20€/Tag los, dazu Mittag- und Abendessen, dazwischen ein Eis. Also auch ohne Ausflug oder Kreativ-/Kultur-Angebot wird man ohne groß Nachzudenken täglich 50-80€ los, es sei denn wir kaufen beim Lidl um die Ecke ein und kochen sämtliche Mahlzeiten täglich selber. Ohne Spülmaschine im Appartment, beschäftigt mit Einkaufen, Kochen und Abwaschen sinkt dann der Erholungswert weiter ins Minus.
Sämtliche Mitarbeiter des Centro waren sehr freundlich und hilfsbereit! Es wurde geplaudert und beraten und wir haben uns dort gut aufgehoben gefühlt. Die anderen Gäste waren durchweg nette Menschen und die Kinder haben ein paar Freunde gefunden. Das Zielpublikum einer anthroposophischen Ferienanlage ist eben per se wesentlich angenehmer als in einer Pauschal-Ferienanlage vom Billiganbieter. Das Wetter war toll und die Insel ist faszinierend, der Strand ist umwerfend (es gab sogar eine Hüpfburg im Wasser) und der Hafen gemütlich.
Aber durch die beschriebenen Umstände war ich sehr mit Nachrechnen unseres Ferienbudgets beschäftigt bei gleichzeitiger Wahrung eines Ferienerlebnisses (ich möchte mich erholen, gut essen und nicht finanziell zu Grunde richten). Wer nicht aufs Geld schauen muss, kann ganz sicher einen großartigen Urlaub im Centro de Terapia Antroposofica erleben, mit Massagen, therapeutischen Gesprächen, Malen auf Lavasteinen, unvergesslichen Wanderungen über die Insel und weiteren Ausflügen. Dem Anbieter Renatour würde ich dringend raten, die anfallenden Kosten für örtliche Späße wie Ausflüge, Kreativ-/Kulturangebote und auch die Preise im Restaurant näher zu beziffern, damit man eine Entscheidungsgrundlage hat, bevor man solch eine Reise bucht.

 

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Dieser Bericht ist nicht als Werbung gekennzeichnet, weil es keine Werbung ist. Den gesamten Text habe habe ich für meinen Blog geschrieben, den kursiv gesetzten Teil stelle ich Renatour zur Verfügung. Wenn sie ihn veröffentlichen, bekomme ich 10€ als Dankeschön. Ich würde sagen, daß man das beim besten Willen nicht als Honorar bezeichnen kann.
Familienurlaub auf Lanzarote

Kinderfreie Woche

Vor 134 Minuten hat sie angefangen, die kinderfreie Woche. Die zweite und damit letzte für dieses Jahr.

Es gibt kaum etwas, das so aufgeladen ist wie das Thema „kinderfreie Woche“ im Kosmos der Menschen mit Kindern. Das Spektrum reicht von „hast Du’s gut, ich hab nie kinderfrei“ der seufzenden, glücklich verheirateten, teilzeitarbeitenden Mutter mit Putzfrau, Yoga-Abo, Ganztageskita und beneidenswert engagiertem Ehemann, bis zu „hast Du’s gut, ich hab nie kinderfrei“ der ebenfalls seufzenden, chronisch übermüdeten und überarbeitenden Alleinerziehenden, deren Ex nie Unterhalt zahlt oder gar Kindeskontakt pflegt.

Jeder Seufzer hat seine Berechtigung, jeder Mensch hat andere Belastungsgrenzen, jede Mutter und jeder Vater hat eine andere Geschichte, ein anderes Umfeld, einen anderen Job und andere Variablen in seinem Leben. Unter Eltern, schlimmer noch: unter Müttern, wird leider trotzdem gerne eine Belastungsranking gestartet: wer hat’s schwerer, wem gehts schlechter, wer darf am lautesten Jammern? Zwischen alleinerziehenden und in Beziehung lebenden Müttern ist es manchmal am Schlimmsten, und drum traue ich mich kaum noch zu sagen: „ich hab jetzt eine Woche kinderfrei“. Weil ich, bei aller Empathie, die Reaktion „hätte ich auch mal gerne“ der in Beziehung lebenden Mütter nicht mehr ertrage. Denn die 50 anderen Wochen im Jahr wollen die natürlich nicht haben. Das haben Alleinerziehende mit Lehrern gemeinsam: alle wollen ihre Ferien, keiner will ihren Job.

Schon 156 Minuten kinderfrei. Diese Woche ist so aufgeladen, von mir selber. Seit Wochen, ach: Monaten schiebe ich alles mögliche auf diese Woche: ganz oben auf der Liste: Aufräumen und Ausmisten, und zwar mindestens Kinderzimmer, Keller und Kleiderschränke. Wenns gut läuft, verkaufe ich noch ein paar Sachen auf ebay. Auch gerne: Überprüfen von Versicherungen, Stromtarif und Telefonvertrag. Wo kann ich optimieren, wo kann ich 2€/Monat sparen, wie krieg ich die Mieterhöhung wieder rein? Unterlagen Abheften, Zeugnisse kopieren, Schulranzen ausräumen. Ich könnte eine Woche nur privaten Bürokram machen und eine weitere Woche lang Ausmisten und Aufräumen.

Schon 166 Minuten kinderfrei. Ich arbeite natürlich in der Woche, Vollzeit wie immer, denn der gesamte Urlaub wird für die Kinder und die zu betreuenden Schulferien verbraten. Immerhin kann ich diese Woche endlich mal so arbeiten, wie ich Bock habe. Mein Job lässt nämlich viel Flexibilität zu, die Kinder nicht. Diese Woche kann ich ausschlafen, ins Büro gehen und ohne Druck von Mittagessenkind-alleine-zu-Hause, „Dir ist schlecht? Dann bleib heute zu Hause“ oder Anrufen wie „ich bin umgekippt, kannst Du mich abholen?“ kann ich einfach arbeiten und nach Feierabend nach Hause gehen. Und da hab ich dann tatsächlich FEIERABEND, da ist niemand, es ist ruhig und leer, keiner  bettelt um TV- oder Smartphone-Glotzerei, braucht saubere Wäsche oder heute bitte Bolognese. Ich könnte die ganze Woche damit verbringen, einfach arbeiten zu gehen, mir auf dem Rückweg ein Gürkchen zu kaufen und zum Feierabend in meinem Garten einen Gin Tonic zu trinken. Sonst nix.

Schon 175 Minuten kinderfrei. Wie immer ganz zum Schluss fällt mir das Wichtigste ein: Ich muss mich entspannen! Das ganze Jahr stehe ich unter Anspannung, muss Dinge zulassen und verbieten, muss reglementieren, diskutieren, einlenken und konsequent bleiben. Diese Woche lasse ich mein Nervenkostüm in weiche Watte sinken und werde selbst die Katze beim leisesten Mauz einfach rausschmeißen. Ich ertrage keinen Streit, keinen Meinungsaustausch, keine Beanspruchung meiner Nerven. Ich werde lesen, Radio hören, Topflappen häkeln und nichts tun, gar nichts. Überhaupt nichts. Ich werde auch keine sozialen Kontakte pflegen oder mich mit Freunden treffen. Ich muss ja schon auf der Arbeit kommunizieren, das reicht mir völlig. Ich werde schweigen, in mich versinken, meine Erschöpfung wegpennen und höchstens, ganz vielleicht, mal im Garten sitzen und einen Text über meine kinderfreie Woche schreiben.

Sie dauert noch 9.958 Minuten.

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Kinderfreie Woche

12von12 im Februar 2016

12 Bilder am 12. fotografiert. Heute: die Rückfahrt vom Urlaub am Rhein. Der Karneval war ausgefallen wegen Sturm, das Kaffeetrinken beim Cousin ausgefallen wegen Sturz von K2, das Kaffeetrinken beim Onkel ausgefallen wegen Sturz vom Onkel. Wir hatten also ganz schön Pech im Urlaub, trotzdem noch eine schöne Zeit und heute ging’s zurück nach Hause.

K2 tönt durchs Großraumabteil „Wo sind die Offenbarungen Mama?“ Das frage ich mich seit Jahren, aber die vom Känguru sind im Rucksack, Süßer. K1 liest zum 10. Mal Harry Potter und der Feuerkelch, jetzt allerdings zum ersten Mal parallel auf Englisch. In Köln steigen wir um: „Mama da gibt’s Kölnisch Wasser, das benutzt Hagrid um Madame Maxime zu beeindrucken!“. Lesen bildet! Die Kinder steigen um vom Buch aufs Hörspiel, ich sehe diese beknackte Parship-Werbung am Bahnhof und frage mich laut, warum schon wieder 11 Minuten vorbei sind, ohne dass sich jemand in mich verliebt? „Weil Du kein Single bist“, belehrt mich der Sohn. Nicht? Was bin ich denn dann? „Mama!“, sagt er, und strahlt mich an. Dann wär das auch geklärt.

In den folgenden Stunden schaue ich auf meinen Rhein, den ich nun wochenlang nicht wiedersehen werden, die Kinder ziehen ein letztes Mal den gestiefelte-Kater-Hut an, der mein Kostüm war. Am frühen Abend kommen wir in Stuttgart an, der Vater holt die Kinder am Bahnhof ab und nimmt sie gleich mit ins Wochenende, tschüss Ihr Lieben!

Ich komme alleine in eine kalte, einsame Wohnung, immerhin sind die Katzen da. Der Tiger ist beleidigt, weil er die ganze Woche nicht raus durfte, die Dame des Hauses erwartet mich geduldig auf dem Sofa. Einer von beiden hat den Katzenbaum geschrottet, die Woche war wohl echt sehr langweilig für die beiden. Ich knalle den Rucksack in die Ecke. Ich brauche Ablenkung, Kontakt mit Menschen, also bringe ich die Bratsche, die meine Tochter nicht mehr lernen will, zu den Nachbarn zurück und nutze die Gelegenheit für einen netten Plausch.

Zum Schluss mache ich, was am besten ohne Kinder geht: Pizza vor’m Fernseher, und erhole mich vom Urlaub. Morgen ist Wochenende und ich gehe arbeiten, heute Nacht schlafe ich ohne Familie im Familienbett. Hat auch was.

Und wer genau hinguckt, sieht natürlich, dass es nur 11 Bildern sind. Sorry, gepfuscht, aber ich kann jetzt echt nicht NOCH ein Katzen-Foto machen!

 

Mehr 12von12 gibt’s bei Draußen nur Kännchen.

12von12 im Februar 2016

Wochenende in Bildern 6./7. Februar 16

Endlich Ferien! Zwar friste ich als Rheinländerin im Schwabenland manchmal ein karges Dasein, aber immerhin gibt’s hier 1 satte Woche lang Faschingsferien. Bissl paradox: kein Karneval feiern können, aber Faschingsferien? Bis ich begriffen habe, dass die hier alle Skifahren gehe – ein Sport, der für mich als Flachländerin überhaupt nicht in Frage kommt.

Aber bevor wir Montag zum Karneval nach Düsseldorf fahren, wird gründlich ausgeschlafen. Das heißt: der 9jährige bis 8.30 Uhr, dann hat er seinen Kumpel angerufen und ist zur Haustür raus, ehe ich richtig wach war. Gegen 12.30 Uhr kam er mit einem anderen Freund wieder und die beiden haben die Rennbahn im Wohnzimmer aufgebaut, was vor allem der Katze großen Spaß gemacht hat. Die 10jährige Vorpubertistin hat bis 10.45 Uhr geschlafen, um dann aufs Sofa zu kriechen und zu lesen. Ich habe Kaffee im Bett getrunken und überlegt, ob ich jemals das EssMalzimmer aufräume? Nö, erstmal das Unumgängliche: Wäsche, Einkaufen, Bad putzen, dann reicht’s mir auch schon wieder. Das hab ich gut gemacht: Eigenlob stimmt!

Nachmittags sind wir in’s Städtchen gegangen, ein Stückchen Kuchen essen und den Buchgutschein einlösen, den die Tochter geschenkt bekommen hat. Ich muss sagen, auf die Wahl bin ich ganz schön stolz: nicht Gregs Tagebuch und nicht Bibi&Tina, nein: ein Buch über die 18jährige Friedensnobelpreisträgerin Malala. Ihre Geschichte und ihr Mut haben meine Tochter sehr berührt!

Auch am Sonntag war wieder ausgiebiges Ausschlafen angesagt. K2 kam um 8.20 Uhr zu mir ins Bett gekrabbelt samt seinem neuen Tierlexikon „Mama ich will bei Dir gucken“. Und so habe ich am Sonntag morgen schon viel über den lachenden Hans gelernt und mich daran erinnert, dass mein wissbegieriger Sohn schon mit 2 Jahren stundenlang in Bildbänden und Lexika schmökern konnte.

Nach dem grotesk verfilmten Sonntagsmärchen haben wir nachmittags gepackt, unsere Katzen und Kaninchen versorgt und sind zur Arbeit gegangen: ich hatte ein wunderbares Konzert zu organisieren, meine Kinder durften dabei sein und wir haben alle zusammen in der Künstlerwohnung übernachtet, um am Montag von dort aus gleich zum Bahnhof zu flitzen, Richtung Karneval zum (inzwischen abgesagten) Rosenmontagszug zu fahren und eine Woche Urlaub bei meiner Mutter zu machen.

 

Dieser Beitrag gehört zu Wochenende in Bildern von Susanne Mierau auf geborgen wachsen.

Wochenende in Bildern 6./7. Februar 16