Wehrt Euch vernetzt Euch, bildet Banden!

All die erschöpften Mütter und Väter, die eine erfülle Zeit mit ihrer Familie verbringen wollen. All die Eltern, die ihre Kinder beim Groß werden begleiten wollen. All die Frauen und Männer, die ihren Job gut machen, ihre Familie ernähren, sich persönlich und beruflich weiter entwickeln wollen. Ihre Freundschaften und Hobbies pflegen wollen, sich ehrenamtlich in unserer Gesellschaft engagieren wollen, für ihr Alter vorsorgen und nicht nur eine Wohnung, sondern auch frische Luft und weite Felder für ihre Kinder brauchen. All die Eltern, die ihre Kinder gut versorgt wissen wollen, wenn sie arbeiten und die Unterstützung brauchen, wenn sie krank werden oder wenn jemand in der Familie pflegebedürftig wird.

All die Frauen und Männer, die sich um krude Erwartungen an Mutterschaft und Vaterschaft nicht mehr scheren wollen, die ihr eigenes Bild vom guten Leben und glücklicher Familie leben, egal wie viele Frauen und Männer und Kinder in dieser Familie leben. Die sich nicht in starre Arbeits- und Schulzeiten pressen lassen wollen, die mit 30 Stunden Arbeit in der Woche ausgelastet und sehr produktiv sind, die sich nicht dumm & dusslig an Steuern zahlen wollen, nur weil sie nicht verheiratet sind.

All diese Menschen, die müssten sich zusammen tun und eine Revolution anzetteln. Gegen die Strukturen in der Politik und in der Gesellschaft, gegen familienfeindliche Strukturen, die von einigen patriarchalischen Machthabern krampfhaft aufrecht erhalten werden. Auf dem Rücken der Menschen, die Kinder haben, an erster Stelle von Alleinerziehenden. Denn Alleinerziehende haben dieselben Probleme wie Familien, nur trifft es sie härter, alternativloser und sie sind wehrloser. Und sie haben noch ein paar Extra-Probleme obendrauf, wie Stress mit dem Kindsvater, Diskussionen mit Ämtern, kein Job, keine Rente, keine Kinderbetreuung und abgrundtiefe Einsamkeit, um nur einige zu nennen.

Wie schaffen wir das, uns und diese Revolution zu organisieren?

Man stelle sich vor, es gäbe einen Ort, wo all diese erschöpften Familienmenschen sich träfen. Nicht gleichzeitig, aber nach und nach und irgendwann waren alle mal da. An diesem Ort gibt es zunächst gutes Essen und Trinken, keine beruflichen Verpflichtungen und eine gute Kinderbetreuung. Dann gibt es ein paar Angebote, damit wieder Luft zum Atmen entsteht. Sport, Massagen, Kreatives, bissl Meditation.

Wenn wir dann nach ein paar Tagen den Kopf wieder ein bisschen freier haben, hören wir ein paar inspirierende Vorträge von klugen Menschen aus Soziologie, Philosophie, Kultur und Politikwissenschaft. Mit frischem Kopf und voller neuer Ideen setzen wir uns in Gruppen zusammen und planen die Revolution. Was wir wollen, ist klar und das haben wir mit Aktionen wie dem Muttertagswunsch bereits gesammelt. Wenn die Politik es nicht umsetzt, kümmern wir uns halt drum: Wo wollen wir ansetzen, wen wollen wir treffen und mit welchen Mitteln? Arbeitskampf, Streik oder online-Petition? Gründen wir eine Partei oder legen wir außerparlamentarisch den Bundestag lahm? Wer kümmert sich um die Website, um die Medien und um die Kinder?

Und was könne das für ein Ort sein?

Richtig: die Mutter-Kind-Kliniken! Es gibt diese Strukturen bereits, wir müssen sie nur für uns nutzen! Hundertausende Frauen und ein paar Männer fahren jedes Jahr in diese Mutter-Kind-Kuren, bekommen drei Wochen lang einen all inclusive-Urlaub mit Kinderbetreuung und Massagen. Sie lernen in den psychologischen Gruppengesprächen, sich zu entspannen, sich selber weiter zu optimieren, sich besser zu organisieren und auch mal zu delegieren (besonders hilfreicher Tipp bei Alleinerziehenden!), kurzum: sie werden wieder zusammen geflickt, damit sie nach der Kur wieder ins System passen und hübsch weiter funktionieren. Künftig werden sie in der Kur lernen, wie sie das System verändern können, denn der Staat ist für die Menschen da, nicht umgekehrt, nicht wahr?! Diese Psycho-Grüppchen, zu denen uns die Krankenkasse in den Kliniken verdonnert, werden unsere revolutionären Keimzellen. Statt Nordic Walking gibt’s „politische Wellen machen“ mit Christine Finke, statt Beckenbodentraining gibt’s juristische Basics des Arbeitskampfes mit Nina Straßner, statt Perlenketten auffädeln gibt’s Crash-Kurse von Robert Franken in Feminismus und statt dieser ulkigen „Mutter-Kind-Interaktion“ lehrt uns Susanne Mierau, dass eine liebevoll gebunde Kindheit der Grundstein für die einander zugeneigte und diskursfreudige Gesellschaft der Zukunft sein kann. Das Team der Blogfamilia unterstützt uns in PR und Sponsorensuche, Patricia Cammarata gibt Input zur Medienkompetenz auf allen Kanälen und Barbara Vorsamer erklärt uns, wie wir die Medien unterwandern. Wenn ich noch 5 Minuten länger überlege, fallen mir noch zig weitere Angebote ein. Vor allem aber lernen die Frauen und Männer hier voneinander, denn alle Familienmenschen sind Organisationsprofis und gewohnt, 10 Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Wir müssen uns nur miteinander vernetzen und voneinander lernen. Das Beste an alledem: die Krankenkasse bezahlt unser 3wöchiges Revolutionscamp sogar – perfekt!

Ich war bereits dreimal in Mutter-Kind-Kur und weiß, dass die Strukturen dieser Kuren sich perfekt eignen, um die Mütter und Väter zu erreichen, also: wehrt Euch, vernetzt Euch, bildet Banden!

So wird unsere Revolution vielleicht nicht nach 3 Wochen zum Erfolg führen, aber Stück für Stück, nach und nach erreichen wir sehr große Teile der Elternschaft, jedes Jahr so um die 160.000, die zu Hause, im privaten und beruflichen Umfeld, anfangen sich zu wehren, die neuen Ideen umzusetzen und die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.

Wir müssen nur noch das System infiltrieren, und dafür setzen wir einfach ganz oben an, bei Elke Büdenbender, der Schirmherrin des Müttergenesungswerkes, der Frau des Bundespräsidenten: liebe Frau Büdenbender, Sie wünschen sich, dass Mütter für ihre Leistung mehr Wertschätzung erfahren (Zitat von der Homepage des MGW): ich habe eine Idee, und ich hätte gerne einen Termin mit Ihnen!

Wehrt Euch vernetzt Euch, bildet Banden!

Schule? Bitte nicht so früh!

Die Schule macht uns fertig.

Mich und meine Kinder. Nein, nicht das Lernen, die Hausaufgaben, die Elternabende oder die Schulfeste. G8 oder G9, Klassenarbeiten, Vokabeltest, Jahresprojekte sind es auch nicht.

Es ist die Uhrzeit: 8 Uhr Beginn. Bei uns heißt das, dass ich um 6:30 Uhr aufstehe und um 6.40 Uhr stehen die Kinder auf. Aber was heißt hier Aufstehen? Ich kratze die Kinder buchstäblich von den Matratzen. Wenn ich um 6.40 Uhr erstmals die Tür öffne und „Guten Morgen“ flöte, liegen beide im absoluten Tiefschlaf, wälzen sich langsam seufzend tiefer unter die Decke, kuscheln noch 5-10 Minuten im Bett, stehen dann murmelnd auf und erscheinen völlig zerstört am Frühstückstisch. Ich beobachte, wie die Zufuhr von Zucker und Kohlehydrate beim Frühstück ganz langsam die Lampen in den Gehirnen meiner Kinder anschaltet. Etwas später verlassen sie müde das Haus, ich schätze sie werden im Bus langsam wach, um dann in einem Zustand innerer Mitternacht in der Schule zu hocken.

Ich selber bin ebenfalls sturzmüde, weil mein Beruf es erfordert, dass ich pro Woche 1-2 Abendtermine bis ca. 24 Uhr oder auch 1 Uhr habe, und es mag an meinem Alter liegen, dass ich meinen Rhythmus nicht einfach so umgestellt kriege: an freien Abenden um 21 Uhr ins Bett, an Arbeitsabenden um 1 Uhr ins Bett. Denn immer ich bin allein ich es, die um 6.30 Uhr aufsteht. Immer, keine Ablösung, seit 8 Jahren. Wenn der erste Abendtermin in der Woche schon am Dienstag ist, kriege ich die Müdigkeit bis zum Wochenende nicht mehr weggepennt, die steckt mir in den Knochen und da hilft kein Mittagsschlaf (wann denn?) und kein frühes ins Bett gehen.

Frühes ins Bett gehen hilft übrigens auch nicht bei den Kindern. Sie liegen zwar um 21 Uhr im Bett, aber wer noch nicht schlafen kann, darf noch lesen. Der „Kleine“ mit seinen 11 Jahren legt meist das Buch um 21.15 Uhr weg und schläft, die Große (13) schläft oft erst um 22 Uhr oder später ein. Vorher sind die beiden vielleicht erschöpft, aber nicht müde genug zum Einschlafen. Und ich kann sie ja schlecht k.o. schlagen.

Sie sind einfach Spätaufsteher und Späteinschläfer, und sie schlafen wirklich lange und gern. Als Babys haben sie nach 10 Wochen ihre 12 Stunden durchgeschlafen und zu Kita-Zeiten hatten wir Mühe, auf 10 Uhr zum Morgenkreis aufzukreuzen. Nicht weil wir so getrödelt haben, sondern einfach weil sie von 20 Uhr abends bis 9 oder halb 10 tief und fest geschlummert haben. Alle haben mich beneidet um meine schlaffreudigen Kinder. Dann kam die Schule, seitdem ist Schluss mit lustig.

In den Ferien, wenn die beiden mal ein Ferienprogramm ab 9 oder 10 Uhr besuchen, merke ich, wie entspannt und fröhlich es hier zugeht. Die Kinder sind ausgeschlafen, beim Frühstück herrscht gute Laune und sie starten aufgeräumt in den Tag. Die Schule mit ihrem Beginn um 8 Uhr passt weder zum Biorhythmus von meinen Kindern oder mir, noch passt sie zu meinem Job, aber wir sind dem alternativlos ausgeliefert und entsprechend dauermüde bis an die Grenze der Erschöpfung.

Es gibt genügend Studien, die aufzeigen, dass der frühe Schulbeginn dem Lernerfolg der Kinder nicht zuträglich ist. Einige belegen sogar, dass er aktiv schadet. Natürlich gibt es einige Kinder, zu denen 8 Uhr perfekt passt. Aber es gibt mindestens genauso viele Kinder (und in der Pubertät noch sehr viel mehr), für die 8 Uhr eine echte Qual ist. Warum in aller Welt fängt dann die Schule so früh an? Sie ist doch für die Kinder da, die eine Menge lernen sollen, warum geht dann das Angebot so krass an Zielgruppe vorbei?

Weil die Eltern zur Arbeit müssen?

Nein: Schule ist keine Kinderbetreuung. Schule ist dazu da, den Kindern was beizubringen. Nicht, um sie aufzubewahren – okay: zu betreuen, während die Eltern arbeiten. Abgesehen davon trifft das ja auch gar nicht auf alle Eltern zu. Wenn ich zum Beispiel arbeite, ist auch keine Schule. Und nicht nur ich: sämtliche Dienstleistungs-/Schichtdienstberufe und Freiberufler, vom Krankenpfleger über die Busfahrerin, den Webdesigner bis zur Politikerin: in das 8 – 14 Uhr-Schema passen die alle nicht. Eine kleine Blitzumfrage von mir auf Twitter und facebook hat ergeben, dass ca. 35%-40% der berufstätigen Eltern flexible Arbeitszeiten haben. Immerhin haben sich fast 1000 Menschen an der Umfrage beteiligt.

Weil die Kinder noch was vom Tag haben sollen?

Nun, mein 6. Klässler auf dem bilingualen G8-Gynasium (gibt’s ne stressigere Schulform?) hat 3x/Woche um 13.10 Uhr Feierabend, 1x um 15.40 Uhr und alle 14 Tage ein zweites Mal um 15.40 Uhr. Ich würd mal sagen: da ist noch Luft nach oben, ohne dass die Kinder erst zur Tagesschau nach Hause kommen. Aber weil man ja nie von sich auf andere schließen soll, hab ich mal ins Netz geguckt: die Gymnasien in Baden-Württemberg haben 32-34 Wochenstunden, in der 9. und 10. Klasse 35. Das sind pro Tag 6,8 Schulstunden, sagen wir großzügig 7. Bei Beginn um 9 Uhr wäre mit Pausen um ca. 15.45 Uhr Schluss. Täglich von 9 – 15.45 Uhr in der weiterführenden Schule finde ich machbar. Und wir reden hier von der Stundentafel eines G8-Gymnasiums, alle anderen (G9, Real-/ Waldorf-/Gemeinschaftsschule etc) liegen eher bei 29 -32 Wochenstunden, die Grundschule kommt oft mit putzigen 22 Stunden aus. Über den Sinn und Zweck von Hausaufgaben konnte man dann im dem Aufwasch auch gleich verschärft nachdenken. Natürlich müssen Vokabeln gepaukt oder Bücher gelesen werden. Aber den überwiegenden Teil der Hausaufgaben halte ich für Mumpitz, worin mich verschiedene Studien unterstützen.

Kein Kind braucht übrigens fünf Hobbys. Meine Kinder kommen fast völlig ohne aus, aber bissl Sport oder Musik schadet ja nicht. Man kann allerdings auch um 17 Uhr noch 30 Minuten Klavierunterricht absolvieren und um 18 Uhr zum Basketball gehen. Selbst für dieses völlig aus der Mode gekommene „Freunde treffen“ oder „Langeweile“ ist zwischen 16 und 20 Uhr noch Zeit. Denn der Witz ist ja: die Kids müssen nicht mehr um 20 Uhr in der Falle liegen, wenn sie morgens ein Stündchen länger schlafen können. Der gesamte Rhythmus verschiebt sich nach hinten, weil (jetzt kommts!): die Stunde, die die Kinder später Schule haben, wird gar nicht von der Lebenszeit abgezogen!

Und ja: natürlich IST die Schule auch eine Betreuung für die Kinder, wenn die Eltern arbeiten. Da die Arbeitszeiten der Eltern aber sowieso alle total unterschiedlich sind, fände ich es sinnvoll, wenn es zu den Randzeiten vor und nach der Schule vernünftige und flexible Betreuung gäbe, damit ALLE Eltern ihrer Berufstätigkeit nachgehen können, ohne im burn-out zu landen. Und nicht nur die, deren Arbeitszeiten sich zufällig mit den aktuellen Schulzeiten deckt, während alle anderen Familien sich ein Bein ausreißen und mit privaten Ressourcen die Vereinbarkeit von Familienleben und Berufstätigkeit abfedern.

Denn aktuell reißen sich alle ein Bein aus: zu allererst die Familien, die sich um Kopf und Kragen organisieren, um ihren Job zu erfüllen, die Kinder in die Schule zu schicken und den Nachmittag kindgerecht zu gestalten. Ob durch elterliche Anwesenheit, durch Hort oder Kita, durch Vereine, Freunde, Nachbarschaft, Tagesmutter etc. Es gibt viele Möglichkeit, und alle haben mit Kraft, Zeit und Geld zu tun, um es irgendwie hinzukriegen. Nicht in allen Familien ist genug Kraft, Zeit und Geld vorhanden, und so bleibt bei vielen was auf der Strecke. Die Schulen bleiben davon unberührt, die verkünden spontanen Unterrichtsausfall, machen Ausflüge die früher zu Ende sind als an dem Tag Unterricht gewesen wäre, die händigen am 1. Schultag einen fixen Stundenplan für die nächsten 12 Monate aus und die Familien können gucken, wie sie das gebacken kriegen.

Inzwischen haben gottlob endlich einige Arbeitgeber damit angefangen, die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben zu ermöglichen. Flexible Arbeitszeiten, flexible Arbeitszeitmodelle, Firmen-Kitas ect. Politik und Wirtschaft engagieren sich mehr oder weniger erfolgreich für Vereinbarkeit, für eine angenehme work-life-balance und für glückliche Arbeitnehmer. Nur die Schule machen da nicht mit: sie bleiben seit zig Jahren starr bei ihren Zeiten und Systemen, während alle um sie herum wie die Blöden ihren Alltag, ihre Familie und ihren Job jonglieren.

Die Schule ist für die Kinder da, und deshalb sollte die Schule sich in erster Linie an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Kinder brauchen nicht nur frische Luft, Bio-Gemüse und ein niedliches Kuscheltier, sondern auch ausreichend Schlaf und entspannte Eltern.

Natürlich habe ich nicht die perfekte Lösung parat, und natürlich gibt es an jeder Schule, in jeder Gemeinde und in jeder Familie Ausnahmefälle und Unmöglichkeiten. Da muss man sich halt hinsetzen und Lösungen erarbeiten. Ich wette, dass das geht!

Denn, so schreibt Nina Straßner alias Die Juramama in ihrem sehr guten Text zum selben Thema: „Wenn man einfach so ein ganzes Schuljahr streichen kann, von G9 auf G8, dann kann mir keiner sagen, dass sowas eine „unmögliche Reform“ wäre.“. (Bitte lest unbedingt den gesamten Text von Nina, er ist sehr klug und witzig und behandelt das Thema nochmal viel gründlicher und politischer als ich hier!)

Der frühe Schulbeginn macht nicht nur mich und meine Familie fertig. Er ist ungesund für die Kinder und er boykottiert mit seiner Sturheit jede Bestrebung von Politik und Wirtschaft in Richtung Vereinbarkeit.

Wie in aller Welt konnte sich so etwas so lange halten und wie in aller Welt kriegen wir das abgeschafft? Ich hätte längst eine online-Petition gestartet, aber ich bin immer so müde.

aufstehen

Schule? Bitte nicht so früh!

Dreckige Wäsche

„Vergiss nicht, dass die Kinder bei Dir wohnen und damit Du verantwortlich bist.“

Ach so. Ich Idiotin.

Acht Jahre seit der Trennung war ich davon ausgegangen, dass wir ein gutes und kooperatives Verhältnis miteinander haben. Der Exmann und Vater meiner Kinder wohnt keine 5km entfernt und ich habe immer betont, wie wichtig ich die Vater-Kind-Beziehung finde und wie sehr ich es unterstütze, dass er die Kinder so oft sieht wie nur irgendwie möglich.

Es ist leider nur wenig möglich. Es gibt fest vereinbarten Umgang, Ausnahmen ausgeschlossen. Es sei denn, der Exmann wünscht eine Ausnahme. Wie z.B. Urlaub zu machen am Kinder-Wochenende. Natürlich ohne die Kinder. Ich hatte eine Fortbildung gebucht und mich darauf verlassen, dass die Kinder beim Vater gut aufgehoben sind. Sind sie nicht, denn er hat ohne weitere Rückfrage Urlaub gebucht und auf meine Frage, ob ich jetzt die Fortbildung absagen soll: siehe oben. Hätte ich die Fortbildung besucht, hätte er die Kinder alleine gelassen.

Ich bin verantwortlich für die Kinder. Immer. Auch wenn sie beim Vater sind. Er übernimmt keine Verantwortung. Endlich habe ich es schriftlich und muss mich jetzt nicht mehr wundern, dass er das Fieber bei dem einen Kind nicht bemerkt. Dass er große Traurigkeit bei dem anderen Kind übersieht. Dass er weitere Befindlichkeiten der Kinder mit „die haben ja immer irgendwas behandlungsbedürftiges“ abtut. Mir von Behandlungsbedürftigem weder berichtet noch es bei den Kindern ernst nimmt. Alles, was irgendwie nach Erziehungsarbeit aussieht, wird mir überlassen. Die Kinder sind so pfiffig, das längst bemerkt zu haben und halten sich ihre kostbaren Papa-Wochenenden stressfrei, indem sie sich tapfer und unbeschwert geben und bezüglich der Schule gern versichern, dass das alles nicht so wichtig sei und auch nächste Woche noch erledigt werden kann. Wenn ich Kind wäre, würde ich das auch machen. Praktisch, wenn der temporär zuständige Erwachsene das nicht blickt oder es als willkommene Ausrede nutzt: „die haben gesagt, das wäre nicht wichtig“.

Hausaufgaben, Läuse, Fieber, Gitarre üben. Mit so was versaut man sich nicht das Wochenende.

Ich bin verantwortlich. Für alles. Immer. Egal wo die Kinder sind.

Wenn die Kinder beim Vater sind, ist das für mich maximal eine logistische Pause, mehr nicht. Die Verantwortung rattert weiter und vermehrt sich sogar, denn Probleme, die am Wochenende nicht behandelt werden, kommen am Montag mit der dreckigen Wochenend-Wäsche gratis frei Haus. Und so wasche ich Montags die dreckige Wäsche des Wochenendes. In jeder Beziehung. Kämme Läuse raus. Reiche das Fieberthermometer. Habe Verständnis für Probleme, für Wut und Verzweiflung. Tröste, höre zu, zeige Grenzen und Geduld und grenzenlose Geduld. Trockne die Wäsche, falte sie zusammen und die Kinder räumen sie in ihre Schränke. Manchmal falten wir sie auch gemeinsam zusammen, so wie wir manchmal auch zusammen unsere Gemütszustände ins Lot bringen, wenn die Nerven nicht zu blank liegen. Wenn die Haut zu dünn ist, dann reicht die Empathie der Kinder nicht fürs Geschwisterkind und ich mache Einzelbetreuung. Ich glätte die Wogen und mach einfach die ganze Wäsche von uns allen. Ich bin ja eh hier für alles verantwortlich. Immer. Auch wenn gar nicht alle da sind.

Endlich hab ich’s kapiert. Ist bin aber auch echt begriffsstutzig manchmal. Hab an Kooperation geglaubt, an gemeinsam Erziehung trotz Trennung, an Austausch und gegenseitige Unterstützung. Aber so, wie er sich seit acht Jahren weigert, die Wäsche der Kinder zu waschen, so übernimmt er auch ansonsten keine Verantwortung.

Wenn ich das gewusst hätte. Dann hätte ich mich erst recht getrennt.

Foto: Pixabay
Dreckige Wäsche

Quasi alleinerziehend

 

Da war er wieder, der Aufreger schlechthin: Alleinerziehende schreien bei so einer Aussage laut auf, verpartnerte Frauen versinken vor Scham im Boden ob dieser Frechheit: eine Frau in einer Beziehung bezeichnet sich als alleinerziehend. Dabei hat sie ja im Grunde recht, wenn man’s mal wörtlich nimmt: sie erzieht die Kinder alleine, den lieben langen Tag, weil der Gatte wegen seines Jobs abwesend ist.

„Alleinerziehend“ ist aber kein Wort, dass man einfach so wörtlich nehmen kann, alleinerziehend ist ein gesellschaftlich und politisch mehr oder weniger definierter Status. Im Steuerrecht gibt’s für Alleinerziehende einen Entlastungsbeitrag. Ja gut, der ist mickrig, aber er ist da. Und wenn das erste Kind 18 wird und noch zu Hause lebt, dann fällt der weg. Dann ist Mutti nämlich nicht mehr alleinerziehend, weil das Kind ja jetzt erwachsen ist. Wenn das 18jährige Kind Erwachsener noch zur Schule geht, dann hat es wahrscheinlich kein eigenes Einkommen. Und so mitten im Abi sinkt der Bedarf an mütterlicher Zuwendung auch nicht schlagartig mit dem 18. Geburtstag, aber egal: der Entlastungsbeitrag wird gestrichen, weil wenn mehr als 1 Erwachsener im Haushalt leben, dann ist man eben nicht alleinerziehend.

Die Dame aus dem Zitat oben mit dem abwesenden Mann ergo also auch nicht.

Warum sagt sie das dann?

In den 7 Jahren meines Lebens, die ich inzwischen alleine mit meinen Kindern lebe, sind mir viele solcher Aussagen begegnet. Wie die einer guten Freundin, bei der ich mich ausheule und die dann sagt, ihr Mann sei ja auch oft unterwegs. Wieso „auch“, wundere ich mich?

„Wenn Alleinerziehende nur halb soviel kochen müssen, dann meine Frau auch, ich bin ja so viel beruflich unterwegs“ sagte beim Kita-Elternabend der Porsche-Fahrer anlässlich der Verteilung der Eltern-Kochdienste. Da kann man schon mal würgen, wenn sehr gut verdienende Ehemänner ihre eigene Frau als alleinerziehend bezeichnen.

„Ich bin jetzt mal für 4 Tage alleinerziehend“ kokettieren Väter, die für ein paar Tage die Abwesenheit der Partnerin zu bewältigen haben.

Was ist da los? Warum bezeichnen sich Menschen, die in Beziehung leben, als alleinerziehend? Ist das jetzt ein mehr oder weniger schickes Label, das man sich aufpappt, ist das am Ende hip, alleinerziehend zu sein? Ich hab mal rumgefragt im weltweiten Netz, weil ich es verstehen wollte, und die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Menschen die das sagen, fühlen sich eben allein mit der Erziehung ihrer Kinder. Auch der Porschefahrer ist voller Empathie und (hoffentlich) Bewunderung und Liebe für seine Frau, die er mit den Kindern alleine lässt.

Da sind Menschen tagtäglich alleine mit der Erziehung ihrer Kinder, benutzen unreflektiert das falsche Wort und kriegen die komplette Empörung  der „echten“ Alleinerziehenden ab.

„Echte“ Alleinerziehende? Was ist das jetzt?

Dazu musste ich interessante Erfahrungen machen, zu diesem „echten alleinerziehend“. Denn statt sich gegenseitig zu unterstützen, verfallen Menschen, die sich alleine um Kinder kümmern, leider allzu oft in eine Art Wettbewerb, wer am alleinerziehendsten ist. Ich bin das schon mal nicht, das kann ich gleich verraten. Als ich den Text „48 Stunden Alleinerziehend“ veröffentlicht habe, wurde ich gleich angegriffen: Echte Alleinerziehende können sich keine Haustiere leisten! Krass, die Haustierhaltung als Kriterium des alleinerziehens? Zudem zahlt der Vater meiner Kinder Unterhalt: eine weiteres k.o.-Kriterium, denn es gibt viele, die es nicht so gut haben. Und der Vater kümmert sich alle 14 Tage so gut um die Kinder, dass ich in dieser Zeit wirklich mal abschalten kann. Außerdem habe ich einen Job, der meine kleine Familie gut ernährt und ich kann mir eine private Altersvorsorge leisten: ich bin eindeutig zu privilegiert für eine Alleinerziehende! Klingt komisch, ist aber so, ist mir in zahlreichen Kommentaren so begegnet. (So heftig übrigens, dass mir kurzfristig die Lust vergangen ist, mich jemals wieder für Alleinerziehende zu engagieren.)

Es gibt also „zu privilegierte“ Alleinerziehende. Dann es gibt es neu verpartnerte Alleinerziehende. Es gibt Familien mit Wechselmodell (da wechseln die Kinder 50/50 ihren Wohnsitz), es gibt Familien mit Nestmodell (Kinder wohnen in der Familienwohnung, Eltern fliegen ein und aus), es gibt so irre Typen wie Jochen König, der alles Dagewesene auf den Kopf stellt und mit seiner Familienbezeichnung „2 Kinder von 3 Müttern“ für Verwunderungen sorgt: ist der alleinerziehend?

Es gibt zwischen „Paar mit Kindern“ und „Alleine mit Kindern“ so dermaßen viele Grauzonen, Zustände und Familienkonstellationen, dass es inzwischen fast unmöglich erscheint, „Alleinerziehend“ trennscharf zu definieren.

Dabei bleibt es dann doch relativ einfach: Eine alleinerziehende Person ist eine Person, die ohne Hilfe einer anderen erwachsenen Person mindestens ein Kind unter 18 Jahren großzieht. Sagt Wikipedia.

Von Haustieren steht da nix, auch nix von wirtschaftlichen Verhältnissen, dem Fließen von Unterhalt oder der Berufstätigkeit. Von Abwechseln übrigens auch nicht, demnach wären die Wechselmodell-Eltern zwar zwischenzeitlich allein, aber nicht alleinerziehend. Nennt sich ja auch getrennt erziehend, nicht allein erziehend. Ob das zutreffend ist, sei mal dahin gestellt. Und so ganz allein erzieht natürlich kein Mensch seine Kinder. Da sind noch Lehrer und Erzieher, Nachbarn und Freunde, Verwandte und Busfahrer, Judolehrer und Bäckereiverkäufer, sie alle üben Einfluss auf unsere Kinder aus. Aber sie tragen nicht ansatzweise die Verantwortung, die die Eltern tragen. Oder eben nur ein Elter.

Wikipedia-like alleinerziehend zu sein, also ohne Hilfe einer anderen erwachsenen Person, ist übrigens sehr sehr anstrengend. Denn das heißt ja nicht nur, alleine Frühstück Mittagessen Abendessen zu machen, alleine Kita-/Schulprobleme zu bewältigen, alleine jeden Wut-/Trotz-/Pubertätsanfall auszugleichen, alleine putzen waschen einkaufen und für Bewegung an der frischen Luft zu sorgen. Das heißt auch, alleine die Familie finanziell abzusichern, alleine fürs Alter vorzusorgen, alleine die Existenzängste auszuhalten, wenn Kinder oder Mutter krank werden, weil das den Jobverlust nach sich ziehen kann. Denn auch wenn ich einen guten Job habe: ich muss die Krankentage von drei Leuten wegorganisieren und ich muss 12 Wochen Schulferien mit einem Vollzeitjob vereinbaren. Das ist nicht trivial, und soviel Geld, um das alles outzusorcen, habe ich bei weitem nicht. Abgesehen davon WILL ich mich ja um meine Kinder kümmern, wenn sie krank sind, und ich will sie auch nicht die ganzen Schulferien vor der Glotze parken.

Da hilft übrigens auch keine Mutter-Kind-Kur und kein Mandala-Malen, denn das ist massiver psychischer und finanzieller Druck, der jahrelang auf Alleinerziehenden lastet, zusätzlich zu dem täglichen Jonglieren mit 2-4 Terminkollisionen und 1000 Dingen, an die man gleichzeitig denken muss, weil da einfach niemand ist, mit dem man sich besprechen und abwechseln kann. Und by the way zusätzlich zu den Diskussionen über kinderrelevante Themen mit einem Menschen, den man nicht nur nicht mehr liebt, sondern den man ev. auch überhaupt nicht mehr mag oder mit dem es sogar gerichtliche Auseinandersetzungen gibt (und dann sind wir noch lange nicht beim Thema familiärer Gewalt). Von alledem ist die Frau des Porschefahrers relativ weit entfernt. Und auch der Vater, der mal 4 Tage allein mit den Kids ist. Und auch die Freundin, deren Mann beruflich so viel unterwegs ist.

Aber trotzdem fühlen auch diese Menschen sich allein. Allein gelassen, allein in ihrer Beziehung, allein mit dem Alltag und mit den Kindern. Und das muss man ernst nehmen, denn das ist wirklich traurig! Und noch beschissener ist es, wenn sich ein Mensch, der in einer Beziehung lebt, nicht mal mehr traut zu sagen, dass er sich entsetzlich allein und überfordert fühlt, aus lauter Angst, den Alleinerziehenden (denen es ja per se viel beschissener geht) damit zu nahe zu treten. Oder wenn ein allein gelassener Mensch, der sich darüber beklagt, zu hören bekommt: Quatsch, Du bist gar nicht allein! Du hast doch jemanden, ich bin viel alleiner, mir geht’s viel dreckiger, weißt Du überhaupt, was Du für Privilegien hast?!

Das ist wahrlich kein schönes Argument, dieses „mir geht’s aber viel schlechter!“. Wenn ich mich allein fühle in meiner eigenen Familie, nutzt mir die Information nichts, dass nach dieser oder jener Studie soundsoviel Prozent der Alleinerziehenden nicht nur allein, sondern sogar von Altersarmut bedroht sind. Das ist schlimm, aber da hat der allein gelassene Mensch in dem Moment nichts von.

Das einzige, was diesem allein gelassenen Menschen hilft, ist genau das, was Alleinerziehende permanent (und zu recht!) für sich einfordern: Respekt, Empathie, Anerkennung. Gesehen zu werden. Ernst genommen werden. Denn auch ein Mensch mit Partner kann sich NATÜRLICH alleine fühlen. Und nur wenn ich als Alleinerziehende das sehe, ihre Leistung würdige und ihrem Alleinsein mit Empathie begegne, kann ich das auch für mich einfordern.

Und deshalb ist es eigentlich scheißegal, ob ich alleinerziehend bin oder nicht. Wir sollten uns fragen, warum sich so viele Menschen in ihrer eigenen Familie, gleich welche Konstellation, so allein und überfordert fühlen. Warum es so verteilt ist, dass permanent einer unter der Last zusammen bricht. Familien brauchen innerhalb ihres Systems eine bessere Verteilung der Sorge um Kinder, Geld, Arbeit und Haushalt. Und von außerhalb braucht es viel mehr Unterstützung für Familien und und es braucht Strukturen, die eine paritätische Aufteilung der Familienarbeit ermöglichen und aktiv unterstützen. Damit meine ich nicht den ermäßigten Eintritt meines Kindes ins Planetarium oder einen Monat Väterzeit fürs Baby, sondern damit meine ich eine bedingungslose Grundsicherung für alle Familien, damit Eltern und Kinder mehr Zeit füreinander haben, ohne finanziell, physisch und psychisch vor die Hunde zu gehen.

Ich möchte einfach weg von diesem „Wettbewerb“, wer sich als alleinerziehend bezeichnen darf und wer nicht. Du nennst Dich alleinerziehend, weil Dein Mann Vollzeit arbeitet? So allein gelassen fühlst Du Dich? Was würde Dir helfen, was kann ich für Dich tun?

Anna Karenina

Quasi alleinerziehend

Muttertagswunsch – die Antworten der Parteien

Aktion Muttertagswunsch? War das nicht im Mai? Ja genau: zum Muttertag am 14. Mai 2017 hatten wir (Christine Finke, Sonja Lehnert und family unplugged) wieder alle Familien dazu aufgerufen, ihre Wünsche an die Politik zu twittern und zu posten. Unter dem Hashtag #muttertagswunsch ist dann auch zum 2. Sonntag im Mai das Netz wieder übergelaufen mit den Forderungen von Familien.

Dieses Jahr haben wir, anlässlich der Bundestagswahl, die vielen Hundert Tweets und Posts gelesen und zu 10 zentralen Fragen zusammen gefasst, die ich im Namen der Initiatorinnen am 3. Juni 2017 an die Bundestagsparteien geschickt habe. Mit der Bitte um Beantwortung bis zum 15. Juli. Wir fanden, 6 Wochen sind eine angemessene Zeit, um auf unsere Fragen zu antworten.

Vier Wochen lang passierte: nichts.

Nun ja, ich habe meine Hausaufgaben auch immer erst auf den letzten Drücker gemacht, aber um nicht in Vergessenheit zu geraten, habe ich am 3. Juli dieselbe Mail mit einer netten Erinnerung nochmal abgeschickt. Übrigens immer an die Mailadressen, die die Bundestagsparteien auf ihren Websites als Kontakt abgegeben haben. Zudem wurde der Fragenkatalog von den Initiatorinnen verbloggt und veröffentlicht sowie auf facebook und Twitter gepostet. Selbstredend mit Markierung sämtlicher angesprochener Parteien. Da diese Texte mannigfach geteilt und geliked wurden, dürfte sich die Leserschaft im oberen 6stelligen Bereich bewegen.

Scheint die Parteien nicht weiter zu beeindrucken, denn bis zum Abgabetermin am 15. Juli hatten wir genau 1 Reaktion: einzig Die Linken haben ohne große Rückfrage oder Bitte um Fristverlängerung einfach auf alle Fragen geantwortet und dies fristgerecht zurück geschickt. Wow!

Die Grünen hatten sich nach der Erinnerung am 7. Juli gemeldet mit der Info, die erste Mail sei im Spam-Ordner gelandet, und baten um Fristverlängerung. Die wurde großzügig gewährt und so erreichte uns am 21.7. die Antworten der Grünen, immerhin.

Die SPD hat nur einen Tag nach der Frist ihre Antworten gesendet, am 16.7., das lassen wir natürlich ebenso großzügig als fristgerecht durchgehen.

Die FDP hatte bereits am 14.7. geantwortet. Allerdings haben sie nicht auf die Fragen geantwortet, sondern ein sehr langes Grundsatzpapier zur Familienpolitik geschickt. Da musste ich um Nachbesserung bitten, denn die Arbeit, sich die Positionen der FDP zu UNSEREN Fragen rauszusuchen, wollte ich der Partei nicht abnehmen. Daraufhin wurde ich mehrfach von der Bundesgeschäftsstelle persönlich angerufen, man bat um Verzeihung und weiteren Aufschub. Wir waren quasi kurz davor, uns zu duzen, da erreichte mich tatsächlich am 8. August die Antwort der FDP. Geht doch.

Und die CDU?

Ich sag mal so: es ist kompliziert. Im Grunde hat die CDU Bundespartei bis heute nicht geantwortet.  Die Bundespartei hatte sich auch nach einer dritten Mail am 28.7. nicht gerührt, obwohl die nun wirklich sehr direkt war:

Als einzige Partei hat die CDU nicht geantwortet, obwohl Sie diese Mail bereits mehrere Male bekommen haben (siehe unten) und wir Sie auf facebook & Twitter mehrfach angesprochen haben.

Hat die CDU keine Antworten zur Familienpolitik? Das können wir uns nicht vorstellen!

Drei Stunden später hatte ich die Antwort von Paul Ziemiak, dem Vorsitzenden der Jungen Union. Wohl auch nur deshalb, weil ich ihn seit der ZDFneo-Produktion „Volksvertreter“ persönlich kenne und er mir damals die Antworten bereits versprochen hatte. Aber ist Paul Ziemiak die Stimme der Bundespartei? Hm.

Ich habe mir dann einfach die Kontaktadresse der Stuttgarter CDU-Bundestagskandidaten rausgesucht und Stefan Kaufmann und Karin Maag mit dem Verlauf dieser Fragen konfrontiert. 10 Minuten später (!) rief das Büro von Herrn Kaufmann an, wie peinlich dies alles sei und man werde sich sofort um Antworten bemühen. Die nach einer weiteren Erinnerung meinerseits dann auch nach 8 Tagen eingetroffen sind. Und nur einen weiteren Tag später auch von Karin Maag: am 15.8., schlappe 10 Wochen nach der ersten Aussendung. Sie hat allerdings nicht auf die Fragen geantwortet, sondern einen allgemeinen Text zur Familienpolitik geschickt.

Lange Rede kurzer Sinn: es ist unfassbar mühselig, als einfache Bürgerin Antworten von den Bundestagsparteien zu bekommen. Auch als Bloggerin, die sich mit anderen Bloggerinnen zusammen tut und die gemeinsam auf eine Reichweite von ca. 15.000-20.000 Menschen (facebook & twitter) kommen, abgesehen von den Zugriffen auf unsere Blogs, wenn wir Texte posten (das geht mal flott über die 100.000) rückt man noch lange nicht in den Aufmerksamkeitshorizont der Parteien. Dass die Parteien dann auch noch gemäß ihrer rechts-links-Orientierung in zeitlicher Abfolge reagieren, und die kanzlerinstellende Regierungspartei sich auf ihre Bodenpersonal verlässt, ist – sagen wir: interessant.

Und was haben sie denn nun geantwortet?

Das, liebe Leserschaft, überlassen wir Euch. Die Antworten sind z.T. so umfassend, dass wir als Fragende nun auch gelernt haben, beim nächsten Mal eine Begrenzung zu fordern. Ich bin allerdings weder die Bundeszentrale für politische Bildung, noch habe ich tagelang Zeit, politische Texte zu analysieren und auf Kernaussagen einzustampfen. Ich bin eine vollzeitarbeitende Alleinerziehende, die sich zudem mitten in den Sommerferien befindet (das ist die Zeit, wo die Kinder nicht betreut sind, liebe Parteien, schon gar nicht die Kinder über 10 Jahre), ich kann und will diese Texte nicht zusammenfassen, kürzen oder in appetitliche Häppchen verpacken. Dabei hätte ich wirklich SEHR gerne einen Wahl-o-Mat für Familien erstellt, um es Euch einfach zu machen (vielleicht nächstes Jahr)!

Drum bleibt mir hier nur, Euch die Antworten in ungekürzter Fassung zu präsentieren. Ein Klick auf die Frage, und dann tun sich fünf verschiedene Antworten auf, jeweils in der Reihenfolge, wie ich sie erhalten habe. Ich wünsche, auch im Namen meiner Mit-Initiatorinnen, informative Einsichten!

Und das Wichtigste natürlich: geht wählen!

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Muttertagswunsch 2017: Fragen an die Parteien

1. Frage: Viele Familien scheitern an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Was sind Ihre Konzepte, um Eltern die Vereinbarkeit von erfülltem Familienleben und existenzsichernder Berufstätigkeit zu erleichtern?

2. Frage: Eltern leisten mit der Erziehung ihrer Kinder nicht einen, sondern DEN existentiellen Beitrag für die Gestaltung unserer zukünftigen Gesellschaft. Was wollen Sie tun, um die gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung und Würdigung dieser Leistung zu steigern, und was sind Ihre Konzepte, um Eltern besser zu unterstützen und deutlich zu entlasten?

3. Frage: Familie braucht Zeit, Geduld und Flexibilität: was wollen Sie tun, um Eltern Zeit für ihre Kinder zu geben, ohne sie in den finanziellen Ruin und später in die Altersarmut zu treiben?

4. Frage: Wie stehen Sie zum bedingungslosen Grundeinkommen/einer Kindergrundsicherung und was wollen Sie tun, um Steuergerechtigkeit zu Gunsten von allen Familien herzustellen und ganz besonders Alleinerziehende deutlich steuerlich zu entlasten?

5. Frage: Ein Großteil der Alleinerziehenden erhält keinen Unterhalt vom anderen Elternteil. Was wollen Sie tun, um dies wirksam und sofort zu beenden?

6. Frage: Viele Eltern, meistens Mütter, steigen nach der Elternzeit in Teilzeit wieder in den Beruf ein, um später wieder auf Vollzeit aufzustocken. In der Realität wird dies aber von Arbeitgeberseite verwehrt und die Frauen stecken in der sogenannten Teilzeitfalle fest, die oft auch das Karriereende bedeutet. Nachdem ein Gesetzesentwurf zum Rückkehrrecht auf Vollzeitstellen gescheitert ist: was wollen Sie tun, um diese Frauen aus renten- und karriereschädlichen Teilzeitfalle zu holen? Bzw. was sind Ihre Konzepte, damit ein Teilzeitjob nicht schädlich für Rente und Karriere ist?

7. Frage: Es fehlen massiv Betreuungsplätze für Kinder aller Altersgruppen. Die Betreuungsplätze, die da sind, sind oft zeitlich nicht flexibel und qualitativ unzureichend. Was wollen Sie tun, um Kinderbetreuung in Deutschland für alle Kinder bis mind. 14 Jahren flexibel, qualitativ hochwertig und bezahlbar zur Verfügung zu stellen? Sehen Sie überhaupt einen Bedarf?

8. Frage: Schule und Bildung leiden an vielen Stellen unter schlechten Bedingungen. Wie wollen Sie die Qualität der schulischen Bildung und die Freude der Kinder an der Schule und am Lernen spürbar steigern?

9. Frage: Familien brauchen Unterstützung, Berufe rund um Familie sind jedoch schlecht bezahlt und leiden unter mangelndem Nachwuchs. Wie wollen Sie die Attraktivität und Bezahlung von Berufen wie Erzieher*innen, Pädagog*innen, Hebammen, Familienhelfer*innen, Sozialarbeiter*innen etc. spürbar steigern?

10. Frage: Kinder zu bekommen ist eine private Entscheidung. Dass Kinder gesund und in Frieden aufwachsen, um kreativ und intelligent die Zukunft zu gestalten, ist eine gesellschaftliche Aufgabe: wie wollen Sie dazu beitragen, dass sich diese Erkenntnis durchsetzt?

Zum Schluß noch der Vollständigkeit halber: die Antworten wurden eingesendet von

  • Helge Meves, Bundesgeschäftsstelle DIE LINKE, Bereich Strategie & Grundsatzfragen
  • Volker Nobisrath, Abteilungsleiter Politik, SPD Parteivorstand
  • Donate Hochstein, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Bundesgeschäftsstelle, Referat Öffentlichkeitsarbeit
  • Nicola Beer MdL, Staatsministerin a.D., Generalsekretärin, Freie Demokratische Partei
  • Dr. Stefan Kaufmann, MdB, Rechtsanwalt, Kreisvorsitzender der CDU Stuttgart

Die zusätzlich eingesandten Antworten von Paul Ziemiak sind mit einem Klick auf seinen Namen zu lesen. Wer die allgemeinen Texte von Karin Maag und der FDP zur Familienpolitik lesen möchte, kann diese gerne bei mir anfordern.

Muttertagswunsch – die Antworten der Parteien