Frage 9: Sozialberufe

9. Frage: Familien brauchen Unterstützung, Berufe rund um Familie sind jedoch schlecht bezahlt und leiden unter mangelndem Nachwuchs. Wie wollen Sie die Attraktivität und Bezahlung von Berufen wie Erzieher*innen, Pädagog*innen, Hebammen, Familienhelfer*innen, Sozialarbeiter*innen etc. spürbar steigern?

 

Die Linke:

Sozial- und Erziehungsberufe müssen aufgewertet werden. Sie verdienen größere Wertschätzung: bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Dazu gehört auch die Anrechnung von Vor- und Nachbereitungszeiten, Fortbildung und Krankheit auf den Betreuungsschlüssel. Wir wollen die Ausbildung als Erzieherin und Erzieher in der frühkindlichen Bildung auf Hochschulniveau anheben. Aber auch für Frauen und Männer ohne Hochschulzugangsberechtigung wollen wir attraktivere Berufsbilder in der Kindertagesbetreuung schaffen. Das beginnt mit einer Vergütung in der Ausbildung und der Abschaffung des Schulgeldes.

 

SPD:

Wir wollen die sozialen Berufe aufwerten. Künftig soll aus der vollschulischen Ausbildung eine echte duale Ausbildung werden. Dadurch machen wir sie nicht nur gebührenfrei, sondern schaffen zudem eine Ausbildungsvergütung. Ein Anreiz, der dazu führen wird, dass auch Männer diese Berufe verstärkt ergreifen. Das gilt beispielsweise für Erzieherinnen und Erzieher, die wir für eine bessere Betreuung in den Kitas gewinnen wollen. Und es gilt auch für Hebammen, die einen unverzichtbaren Beitrag als Begleiterinnen beim Start ins Leben leisten – vor, während und nach der Geburt. Diese und andere soziale Berufe müssen wir attraktiver machen und die Arbeitsbedingungen verbessern. Der Wert dieser Arbeit muss sich auch in der Bezahlung wiederspiegeln.

 

GRÜNE:

Soziale Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, werden nicht angemessen bezahlt. Sie verdienen mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen, insbesondere durch einen Tarifvertrag „Soziale Dienste“, der dann für alle gelten soll. Außerdem setzen wir uns für bundesweit verbindliche Bemessungsinstrumente bei den Personalbesetzungen u.a. in der Pflege ein. Dadurch wird die Arbeit wieder attraktiver. Um die Qualität der Versorgung zu verbessern, streben wir auch bei Berufsgruppen wie Hebammen im Krankenhaus Regelungen für eine ausreichende Personalbesetzung an.

 

FDP:

Wir Freie Demokraten wollen die Attraktivität und Qualität dieser Berufe durch viele Maßnahmen spürbar steigern. Wir setzen dabei auf vernetzte Teams aus Erzieherinnen und Erziehern, Pädagoginnen und Pädagogen, Hebammen, Familienhelferinnen und -helfern, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und auch ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Dies bedarf einer flächendeckenden Förderung. Wir haben auch die Einführung der Modellklauseln in die Berufsgesetze der Hebammen, Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten ausdrücklich unterstützt. Diese erlauben es den Ländern, für die entsprechenden Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen eine universitäre Erstausbildung zu erproben. Wir verweisen zudem auf unsere Ausführungen zu Frage 7.

Beleg- und freie Hebammen sind für uns Freie Demokraten eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung der gebärenden Mutter. Diese muss adäquat unterstützt werden. Wir halten daran fest, dass Gebärende sich selbst entscheiden dürfen, ob sie in einer Geburtshilfeklinik oder in einem Geburtshaus entbinden möchten, falls keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Das System darf nicht den Idealismus der Menschen weiter ausnutzen, wie dies bei Hebammen und anderen medizinischen Berufe der Fall ist. Wir sind uns des Problems bewusst, dass es aufgrund der steigenden Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen immer schwieriger wird, ihren Beruf finanziell auskömmlich auszuüben. Wir sind der Auffassung, dass die Kostensteigerungen der Berufshaftpflichtprämie von den gesetzlichen Krankenkassen gerade mit Blick auf die Gesamtvergütungslage in angemessener Weise ausgeglichen werden sollte, sodass sich die Anzahl der von den Hebammen durchzuführenden Geburten für die Erwirtschaftung der Versicherungsbeiträge nicht sukzessive erhöht. Eine niedrige Rentabilitätsschwelle ist anzustreben. Darüber hinaus wollen wir Möglichkeiten prüfen, wie einem weiteren Anstieg der Versicherungsprämien entgegengewirkt werden könnte.

 

CDU:

Entscheidend für ein gutes Angebot und die Bewältigung des weiteren Ausbaus der Kindertagesbetreuung sind die Fachkräfte. Bund und Länder wollen deshalb mehr Erzieherinnen und Erzieher für Kindertageseinrichtungen gewinnen, ihre Arbeitsbedingungen dauerhaft verbessern und für mehr Anerkennung dieses Berufsfeldes sorgen. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Fachkräftegewinnung Erzieherinnen und Erzieher“ aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Jugend- und Familienministerkonferenz, der Arbeits- und Sozialministerkonferenz und der Kultusministerkonferenz will Maßnahmen zur Aufwertung und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen des Berufsfeldes erarbeiten.

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Diese Frage und die jeweiligen Antworten der Parteien sind ein Teil der Aktion #muttertagswunsch: Fragen an die Parteien zur Bundestagswahl

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2 Gedanken zu “Frage 9: Sozialberufe

  1. Julie schreibt:

    Spannend, dass nur die FDP auf die Hebammenproblematik überhaupt eingeht. Und ich frage mich, was es bringen soll, den Beruf der Erzieherin als Hochschulausbildung zu machen, das die Linke will?! Noch weiter weg vom Kind und dem Umgang mit ihnen? Interessant find ich das mit dem Tarifvertrag „Soziale Dienste“, wobei ich zu wenig über Tarifverträge generell weiß, um einschätzen zu können, ob das tatsächlich eine Gehaltssteigerung bringen würde.

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