Frage 1: Vereinbarkeit

1. Frage: Viele Familien scheitern an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Was sind Ihre Konzepte, um Eltern die Vereinbarkeit von erfülltem Familienleben und existenzsichernder Berufstätigkeit zu erleichtern?

 

Die Linke:

Wir wollen Arbeitszeitmodelle schaffen, die Müttern und Vätern ermöglichen, ihren Beruf mit Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Statt einer Flexibilisierung von Arbeitszeit, die sich lediglich an den betrieblichen Erfordernissen orientiert, brauchen die Beschäftigten mehr Zeitautonomie. Betriebe brauchen ausreichend Personal, um z.B. den Ausfall durch KindKranktage auszugleichen. Eltern sollen einen besonderen Kündigungsschutz bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres des Kindes erhalten. Und der Wiedereinstieg in den Beruf nach einer schwangerschafts- und erziehungsbedingten Pause muss durch kostenfreie Weiterbildungsangebote erleichtert werden.

 

SPD:

Die SPD will, dass Familie und Beruf als doppeltes Glück und nicht als doppelte Belastung empfunden werden. Damit beides besser zusammengeht, setzen wir in der Familienpolitik auf einen Dreiklang aus Zeit, Geld und Infrastruktur für Familien:

Mehr Zeit durch eine geförderte Familienarbeitszeit, die Eltern eine partnerschaftliche Aufteilung von Beruf und Kindererziehung oder von Beruf und Pflege erleichtert. Und durch einen Kulturwandel in der Arbeitswelt, weg vom „Präsenz-Wettbewerb“. Für familiengerechte Arbeitszeiten, Homeoffice- und Dienstreiseregelungen sind die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Pflicht. Dabei wollen wir den Öffentlichen Dienst zum Vorreiter machen.

Die finanzielle Entlastung von Familien durch moderne Familienleistungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und nicht behindern – z.B. durch einen neuen Familientarif im Steuerrecht und die gezielte Entlastung von erwerbstätigen Alleinerziehenden.

Und eine bedarfsgerechte Infrastruktur mit guten Krippen, Kitas, Horten und Ganztagsschulen – mit einem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kita-und Grundschulkinder und der schrittweisen Abschaffung von Kita-Gebühren.

 

GRÜNE:

Wir wollen dafür sorgen, dass Eltern nicht die Puste ausgeht. Beweglichkeit und ein Abschiednehmen von überholten Mustern sind gefragt, um die Anforderungen der Arbeitswelt mit den Bedürfnissen der Beschäftigten besser in Einklang zu bringen und dafür zu sorgen, dass Arbeit, Aus- und Weiterbildung und Studium besser ins Leben passen. Viele Unternehmen haben dies erkannt und angefangen, Arbeitszeit neu zu denken und innovative Konzepte für ihre Belegschaften zu entwickeln. Solche Wege wollen wir unterstützen: mit einer flexiblen Vollzeit, die es Beschäftigten ermöglicht, freier zu entscheiden, wie innerhalb eines Korridors von 30 bis 40 Stunden ihre persönliche Vollzeit aussieht; mit einem Rückkehrrecht auf die ursprüngliche Stundenzahl nach einer Phase der Teilzeit; mit einem Recht auf Home Office als Ergänzung zum festen Arbeitsplatz und der Mitbestimmung über das Wann und Wo der Arbeitszeit. Außerdem mit einer PflegeZeit Plus, die hilft, die Sorge für einen nahestehenden Menschen mit dem Beruf besser zu vereinbaren. Vor allem aber mit einer gezielten Förderung von Familien durch unsere KinderZeit Plus (siehe Antwort 3). Außerdem brauchen Familien eine sie unterstützende Infrastruktur. Frauen und Männer können ihre Arbeit und ihr Leben mit Kindern nur dann gut verbinden, wenn es gute Betreuungsangebote gibt. Neben einem Rechtsanspruch auf eine ganztägige Kinderbetreuung gehört dazu ganz zentral der flächendeckende Ausbau von Ganztagsschulen, mindestens aber ein Rechtsanspruch auf Hortbetreuung.

 

FDP:

Wir Freie Demokraten wollen, dass jede Familie passende Rahmenbedingungen vorfindet, um die Vereinbarkeit von erfülltem Familienleben und existenzsichernder Berufstätigkeit zu erleichtern. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Eltern frei entscheiden können, welches Arbeitsmodell sie wählen. Damit Väter und Mütter Beruf und Familie besser vereinbaren können, wollen wir flexible Angebote zur Kinderbetreuung, auch in Betrieben, fördern. Einseitige Modelle, wie die Steuerklasse V, wollen wir abschaffen. Wir fordern einen flexiblen Arbeitsmarkt, der Eltern faire Chancen bietet. Wir setzen wir uns für flexible Arbeitszeitmodelle und digitale Arbeitsplätze ein. So wird zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten möglich, sodass Familie und Job leichter vereinbar sind. Wir wollen Langzeitkonten für Arbeitszeit fördern, um mehr Souveränität in der beruflichen Lebensgestaltung zwischen Beruf und Familie zu ermöglichen und damit insbesondere mehr Luft in der „Rush-Hour“ des Lebens zu schaffen. Ein Langzeitkonto (auch Wertguthaben- oder Zeitwertkonto genannt) funktioniert so: In einer arbeitsintensiven Phase sammeln Arbeitnehmer Überstunden, Boni, Resturlaub und Sonderzahlungen an. Diese werden in ein Wertguthaben auf dem Langzeitkonto umgewandelt. Auch über eine steuerfreie Entgeltumwandlung von Teilen des Gehaltes und Zuschüsse des Arbeitgebers kann man Geld ansparen. Das Langzeitkonto soll unabhängig vom Arbeitgeber werden, damit einfacher als heute übertragbar sein und das Guthaben für alle Formen der Freistellungen genutzt werden können. Bestehende Einschränkungen, etwa in der Kombination mit Elterngeld, sollen beseitigt werden. Seitens der Unternehmen brauchen wir Bürokratieabbau und Vereinfachungen in der Durchführung, etwa bei Berichtspflichten und der Entstehung von Urlaubsansprüchen während der Auszeiten. Zudem sollte es mehr Freiheiten bei der Kapitalanlage geben. Damit schaffen wir einen großen Wurf für mehr Zeitsouveränität und Flexibilität und erleichtern die Umsetzung individueller Vorstellungen in der Lebensführung.

Zusätzlich streben wir Freie Demokraten eine verstärkte Forschung in vielen Bereichen an, um die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu erleichtern. Neue Formen der Mobilität wie autonomes Fahren, E-Mobilität und die sinkende Ortsbindung von Arbeit und Freizeit bieten viele Chancen für Familien. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zum Beispiel erleichtert, wenn Eltern die Zeit für den Transport des Nachwuchses, beispielsweise zum Kindergarten, der Schule oder Sportvereinen, auch anders nutzen können. Daher wollen wir die entsprechenden Technologien und die nötige Infrastruktur weiter erforschen um Deutschland fit für modernes Familienleben zu machen.

 

CDU:

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann nur gelingen, wenn während der Arbeitszeit der Elternteile eine adäquate Kinderbetreuung zur Verfügung steht. Wichtig ist in erster Linie, dass die Eltern im Hinblick auf die Betreuung ihrer Kinder die Wahl haben, ob und in welchem Umfang sie mit Unterstützung des Staats ihr Kind selbst erziehen möchten oder eine Betreuungseinrichtung in Anspruch nehmen wollen. In den vergangenen Jahren wurde unter der Regierungsverantwortung von CDU und CSU bereits ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz und auf einen Kita-Platz eingeführt. Damit dieser Anspruch auch eingelöst werden kann, hat der Bund Länder und Kommunen mit rund 6 Milliarden Euro unterstützt. Mit zusätzlichen 1,1 Milliarden Euro können nochmal 100 000 zusätzliche Kita-Plätze angeboten werden. Die Tatsache, dass inzwischen rund 95 Prozent aller Kinder vor der Schule einen Kindergarten besuchen, spricht dafür, dass grundsätzlich allen Kindern der Zugang zu einer Kita offensteht.

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Diese Frage und die jeweiligen Antworten der Parteien sind ein Teil der Aktion #muttertagswunsch: Fragen an die Parteien zur Bundestagswahl

 

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