Das Spiel des Lebens, einsam und alleinerziehend.

Ob ich bereit wäre, zum Thema Einsamkeit und Alleinerziehende vor die Kamera zu treten? Hm, ja hab ich erst mal gesagt. Denn vor die Kamera ist eigentlich immer gut: im Auftrag der Alleinerziehenden PR zu machen, macht Sinn, denn Alleinerziehende und ihre strukturellen und politisch fabrizierten Probleme brauchen dringend Öffentlichkeit, damit sich mal was ändert.

Und gerade Einsamkeit ist ein strukturelles Problem bei Alleinerziehenden. Alleinerziehende sind die gelebte Dialektik: sie sind nie allein und mit allem allein.

Sie sind nie allein, weil da ja immer die Kinder sind. Bei jedem Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Sonn- und Feiertags, Kinder haben nie geschlossen. Ich bin oft den ganzen Nachmittag mit den Kindern zu Hause und kann mich trotzdem keine 20 Sekunden gedanklich auf etwas einlassen. Einer kommt um 14 Uhr, einer kommt um 15 Uhr von der Schule, jeder hat Hunger. Einer braucht Hilfe bei den Hausaufgaben, dem anderen fehlt ein Heft, ein Stift, ein Buch. Die Küche muss aufgeräumt und die Wäsche aufgehängt werden, ich muss Zahnarzttermine machen und einkaufen, ich muss das eine Kind ermahnen, dass die Medienzeit zu Ende geht und das andere Kind möchte sich mit mir unterhalten, über den Tag, die Freunde und die Welt. Dann muss das andere Kind zum Sport und braucht mal kurz meine Hilfe beim Tasche suchen, Sportsachen suchen und vergiss die Trinkflasche nicht. Wir trinken Tee und quatschen, wir spielen das Spiel des Lebens, es wird Abendessen-Zeit und wie: Du musst jetzt noch Vokabeln lernen? Wie war’s beim Sport, geh bitte Duschen, ja mit Haare waschen, Deine Freundinnen wollen am Freitag hier übernachten, ok wo sind die Matratzen, bin ich überhaupt zu Hause oder muss ich Freitag Abend arbeiten, wie Du findest das cool wenn ich nicht da bin, was wollt Ihr denn gucken und hast Du auch an Deinen Bruder gedacht?

Natürlich gibt es kinderfreie Zeiten. Die Kinder sind in der Schule und ich auf der Arbeit. Die Kinder sind bei Freunden und ich beim Einkauf. Die Kinder sind sogar manchmal beim Vater und ich allein zu Hause. Was bleibt, ist die Verantwortung. Und zwar nicht für das allernächste, für das Abendessen oder die sauberen Ohren. Sondern für die Kindheit, die Gesundheit, das Wachsen, die Zukunft dieser Kinder. Da sind immer so 2-10 Sachen, die in meinem Kopf rumtanzen und mehr oder weniger Aufmerksamkeit von mir fordern. Wenn ich arbeite, denke ich daran, dass ich auf dem Rückweg noch Salat kaufen und die Schuhe beim Schuster abholen muss. Wenn ich arbeite, weiß ich dass ab 14 Uhr das erste Kind allein zu Hause ist und mich bald anrufen wird. Natürlich kann ich dem Kind sagen, dass es den Salat kauft und die Schuhe beim Schuster abholt, das ist eine Erleichterung. Aber dran denken, dass das getan werden muss, das muss ich. Und ich bin die einzige, die an etwas denkt. Mit ihren 12 und 13 Jahren fangen die Kinder erst langsam an, das gesamte komplexe Konstrukt unseres Familienalltages zu überblicken.

In meinem Kopf ist ein permanentes Grundrauschen, die Kinder sind immer präsent. Mental load nennt sich das, hab ich gelernt, aber im Gegensatz zu verpartnerten Frauen mit mental load, die mit ihrem Partner diskutieren wie sie die Verantwortlichkeiten besser und paritätischer aufteilen können, kann ich nix abgeben. Keiner da.

Gleichzeitig zu der Tatsache, dass ich nie allein bin, bin ich immer allein. Allein mit allem. Weil da kein zweiter Erwachsener ist, der sich kümmert und sorgt, der organisiert und vorliest, der die Steuererklärung und den Haushalt macht, der dem Probevortrag des Referates im Wohnzimmer lauscht, während in der Küche die Nudeln überkochen. Ich kann nix teilen, nix abgeben, nix delegieren.

Und ich kann nix besprechen, mich nicht austauschen, mich nicht ausheulen. Probleme besprechen oder gar mal reflektieren, was bei dem Mordskrach eben hier so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist. Ich hab auch niemandem, der mich fragt wie es auf der Arbeit war und mit dem ich meinen Tag auf Augenhöhe besprechen könnte. Gottseidank habe ich sehr empathische Kinder, die mich tatsächlich fragen, wie mein Tag war, und dann fällt mir auch was ansatzweise altersgerechtes ein, was ich erzählen kann. Was echt schön ist. Aber Stress in der Vorstandssitzung? Personalangelegenheiten? Der Haushaltsplan fürs nächste Jahr? Wohl kaum ein Thema für Teenies. Und mein persönlicher Kram? Ich werde die Schmerzen am Auge nicht los, eine Freundin meldet sich nicht mehr oder gar: die Eltern von Freunden meiner Kinder gehen mir schlichtweg auf die Nerven: das kann ich nicht mit den Kindern besprechen. Das bleibt hübsch in meinem Herzen verschlossen und gräbt sich da alles tief rein. Damit bin und bleibe ich alleine.

Aber halt: ich kann doch Freunde treffen! Ja genau, aber wann? Um Freunde zu treffen, muss ich meine Kinder allein lassen. Nein, an den kinderfreien Wochenenenden arbeite ich. Klar sind die Kinder alt genug, aber ich lasse die Kinder bereits wegen meines Jobs 1-2 Abende / Woche alleine, ich lasse sie Sonntags tagsüber alleine weil ich arbeite und oft genug mittags, weil ich erst gegen 16 Uhr nach Hause komme. Mein Kontingent an „Kinder alleine lassen“ ist mit meinem Job gänzlich ausgefüllt, und dann war ich noch auf keinem Elternabend.

Und WENN ich dann mal Zeit hätte, müssen die anderen ja auch Zeit haben. Die, die ich treffen will. Ich mach’s kurz: die haben auch nie Zeit. Und zwar völlig egal, ob die alleinerziehend oder in Partnerschaft leben: Familien haben nie Zeit.

Das ist das strukturelle Problem: Familien haben nie Zeit. Weil alle immer arbeiten und Termine für und mit den Kindern haben. Hätten wir eine 30-Stunden-Woche bei Vollzeitgehalt für Eltern, hätten wir alle etwas mehr Luft. Wäre Wohnraum günstiger, dann müssten wir nicht so viel arbeiten und wir hätten alle etwas mehr Luft. Würden Familien und besonders Alleinerziehende gerecht besteuert, hätten sie netto mehr Kohle auf dem Konto und etwas mehr Luft. Gäbe es mehr, besserer und flexiblere Kinderbetreuung, hätten wir alle etwas mehr Luft.

Das haben wir aber alles nicht, und deshalb rödeln Eltern sich dumm und dusslig im Vereinbarkeitstanz um Kinder, Job und Haushalt. Paare sind dabei wenigstens noch zu zweit, Alleinerziehende kommen bei dem Theater nicht mehr vor die Tür. Oder nur, um zu arbeiten oder mit den Kindern zum Schwimmen zu gehen. Ich verlasse die Wohnung eigentlich nur zum Arbeiten, zum Einkaufen oder für kindbedingte Wege und Termine. Oder um den Müll rauszubringen. Das macht einsam. Einsam und alleine.

Daran würde übrigens auch ein neuer Partner so schnell nix ändern. Eine Beziehung würde zunächst nur an der einen Seite der Einsamkeit etwas ändern: ich hätte jemand Erwachsenes zum Austausch, zum Reden und zum zusammen nicht-kindertaugliche-Serien-gucken. Jemand, mit dem ich nicht ca. 1 Jahr brauche, um einen Termin zu finden, sondern der einfach da ist. Das wär schon cool. Schritt zwei wäre allerdings die Verantwortung, mit der ich hier alleine bin, die nimmt mir so schnell keiner ab. Denn zwischen „zusammen Pizza essen“ und „ich geh mit K1 morgen zum Kinderarzt“ oder „ich übernehme das Elterngespräch mit dem Klassenlehrer“ liegen nochmal Welten. Meine letzten Patchwork-Versuche haben es ja nicht mal geschafft, den Müll raus zu bringen. Und so ein neuer Partner müsste sich hier im Rudel auch erst mal hinten anstellen, denn die Kinder haben hier ganz klar die Priorität. Oder wie mein letztes Date so schön sagte: „Ich weiß sowieso nicht, wo in Deinem Leben noch Platz für einen Mann und seine Ansprüche Platz ist.“. Seine Ansprüche. Ich lache immer noch.

Alleinerziehende sind einer tief sitzenden Einsamkeit ausgeliefert. Manche haben Glück und ein gutes Netzwerk, andere (ich) haben einen Job, in dem sie wenigstens unter Leute kommen. Aber berufsbedingte Kontakte sind für das private Gefühlsleben nur eher so mittelgut geeignet und ersetzen echte Beziehungen nicht. Das Hamsterrad aus Job, Kindern, Geldproblemen, Haushalt, Stress mit dem Ex und Ämtern sowie mangelnde Kinderbetreuung lassen den wenigsten Alleinerziehenden die Luft, um Freundschaften zu pflegen und Beziehungen aufzubauen. Wenn man dann noch, so wie ich, des Mannes wegen in eine andere Stadt gezogen ist und dort sofort Kinder bekommen hat, hat man nicht mal mehr die Kontakte aus der Zeit vor dem Familienleben. Meine privaten Kontakte sind allesamt aus Kindergedöns und Berufsumfeld erwachsen. Als wir die Kita und den Hort verlassen haben, sind 95% der Kontakte eingeschlafen, auf der weiterführenden Schule wird sich unter Eltern eher gesiezt als das Herz ausgeschüttet. Ich kriege maximal noch whatsapp-Anfragen von ehemaligen Kita-Eltern, ob ich einen DJ organisieren könne, ohne auf selbige Party eingeladen zu werden – schwäbische Herzlichkeit, so schön.

Das Klischee der Alleinerziehenden, die sich abends treffen, die Kinder zusammen ins Bett bringen und sich mit einem Gin Tonic auf dem Sofa kichernd einen schönen Abend machen, ist Mumpitz. Sobald die Kinder in der Schule oder gar Teenies sind, kann ich die nicht einfach irgendwo hin schleppen. Die wollen ihren Abend selber gestalten und früh ins Bett, die müssen nämlich am nächsten Morgen ihre gepackten Ranzen haben und ziemlich früh in die Schule, am Wochenenden wollen sie ausschlafen bis zum get-no. Die brillante Idee „zieht doch zusammen“ ist genauso Quatsch: es gibt keine bezahlbaren Wohnungen, die groß genug sind für zwei Alleinerziehende und mehrere Kinder. Im Gegensatz zu einem Paar wollen die beiden Alleinerziehenden nämlich nicht in einem Zimmer schlafen, für 2 x 2 Kinder, braucht man ebenfalls mehr Raum als für vier Geschwisterkinder. Nachdem mir mal ein Makler trotz meines unbefristeten Geschäftsführerinnen-Vertrages ins Gesicht sagte, bei mir als Alleinerziehender käme dann ja wohl die Miete nicht, stehen die Chancen für zwei Alleinerziehende samt Kinder und Katzen kaum besser. Es ist im Übrigen auch ein Gerücht, dass alle gleichaltrigen Kinder sich gut verstehen, ebenso wenig wie alle Alleinerziehenden beste Freundinnen sind. Es müsste also nicht nur räumlich, finanziell und geographisch passen, sondern auch zwischenmenschlich. Deshalb finde ich dieses „gründe doch eine WG“ ziemlich übergriffig, weil es gleichbedeutend ist mit dem Verlust von Privatspähre für Mütter und Kinder. Ich habe als Studentin jahrelang in WGs gelebt und stelle es mir verdammt spaßig vor, mit 2-4 pubertierenden Teenagern und zwei berufstätigen Müttern zusammen zu leben.

Nein, es bleibt der Fakt: als Alleinerziehende bin ich nie allein, denn da sind immer meine Kinder. Und ich bin immer allein, denn ich habe weder Zeit noch Kapazitäten, um Freundschaften und Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Und das macht das Ganze so verdammt schwer, denn für ein oder zwei Jahre, oder auch drei, geht das alles mal. Ich bin jetzt seit 8 ½ Jahren alleine mit den Kindern, und es zehrt mich aus. Ich habe viel Energie in Freundschaften und Beziehungen gesteckt, und sie versacken trotzdem alle langsam im Sand. Meine Gesundheit ist dahin, ich werde ständig krank und die wunderlichen Symptome, die ich habe, sind am Ende immer auf Stress und Verspannung zurück zu führen. Mein Alltag ist geprägt von Kommunikation und Rödelei, ich habe den Kopf voll mit Tausend Dingen und ich komme zu nix. Schon gar nicht dazu, abends noch ein Glas Wein trinken zu gehen. Mit wem auch, sind ja alle so beschäftigt.

Ich bin verdammt einsam, aber ich bin nie allein. Ich hab ja meine Kinder, und wir spielen zusammen das Spiel des Lebens. So oder so.

img_0104

 

P.S. Ich habe dem Fernsehsender abgesagt, denn es sollte eine recht persönliche Geschichte erzählt werde. Die Geschichte von mir und meinen Kindern, mit Babyphotos, Bildern aus der Zeit der Trennung und mit mir als Talk-Gast im Studio. Die einsame Alleinerziehende und der schlagfertige Moderator, der in 5 Minuten mein Seelenleben einem Millionenpublikum darlegt. So wichtig war mir die Sache im Namen der Alleinerziehenden dann doch nicht. Aber wichtig genug, hier darüber zu schreiben, wo ich jedes Wort wenigstens nochmal lesen kann, bevor es veröffentlicht wird.

26 Gedanken zu “Das Spiel des Lebens, einsam und alleinerziehend.

  1. Liv schreibt:

    Liebe Mutterseelesonnig, vielen Dank für die Worte, die genau meine Gefühlslage, den Alltag wiedergeben. Immer die Verantwortug, immer den Kopf voll, es gibt einfach kein Abschalten. Kein Verbündeter im Alltag, mit dem man mal zusammen jammern kann…oder lachen kann…
    Immer allein…
    Klar, es hilft letztlich nicht im Alltag, aber zu lesen, dass man mit diesen Gedanken nicht alleine ist…hilft eben doch.
    Ganz liebe Grüße

    Gefällt mir

  2. kathinka65 schreibt:

    Hallo Elise,
    wunderbar beschreibst du auch meine Realität!
    Meinen Sohn ziehe ich jetzt seit 19 Jahren alleine groß. Er fliegt dieses Jahr im Oktober aus dem Nest.
    Ich bin jetzt 53. Ich habe ein paar alleinerziehende Freundinnen, die ihren eigenen Stress bewältigen müssen und denen ich daher mit meinen Problemen nicht zur Last fallen möchte.

    In den 19 Jahren hatte ich meinen Sohn jedes Wochenende und auch in allen Ferien. Unterhalt gab es so gut wie keins. Finanziell bin ich mit Freiberuflichkeit, befristeten Festanstellungen und Zeiten der Arbeitslosigkeit über die Runden gekommen.

    Nach den Zeiten der Festanstellungen war ich jedes Mal extrem erschöpft.

    Mein Sohn und ich haben ein sehr gutes Verhältnis. Er wird Köln, wo wir wohnen, für ein Studium verlassen. Er geht jetzt schon regelmäßig weg und trifft sich mit Freunden aus seiner Schulzeit, was ich super finde.
    Als ich noch kein Kind hatte, war ich mindestens genauso viel unterwegs wie er jetzt.
    Ich frage ich mich, wie und mit wem ich je wieder guten Anschluss finden kann. Es kommt mir vor, als wäre meine Lebenswirklichkeit der letzten beiden Jahrzehnte so ganz anders gewesen als die der meisten anderen Menschen.

    Ich weiss z. B. gar nicht, wen ich anrufen könnte, um mal spontan ins Kino zu gehen u.ä., was alles vor kurzem ja auch noch gar nicht möglich gewesen wäre. Nach ca. 18 Jahre nicht abends ausgehen, habe ich mich ganz schön an meine Bude / Kette gewöhnt.

    Tja, Mission Kind accomplished!

    Aber wie geht es weiter im Beruf und privat? Für beide Lebensbereiche stehe ich quasi von Neuem in den Startlöchern.

    Ins Fernsehen hätte ich auch nicht gewollt mit meiner Geschichte. Wer möchte schon Mitleid?
    Ich bin stolz auf meine Leistung.
    Herzliche Grüße und schreibe weiter so!
    Juliette

    Gefällt mir

  3. Dass Sie einerseits beklagen, dass es zu wenig Wohnraum gibt und auch keine guten Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie das aktuelle Steuersystem anprangern und andererseits auf Twitter davon reden, dass Sie auf Follower, die die AfD liken, verzichten können, zeigt einmal mehr die Verblendung vieler Mütter auf. Es müsste doch so langsam klar sein, dass die aktuelle Politik keine Lösungen hat und schon gar keine für Ein- und Zwei-Eltern-Familien. Im Gegenteil: durch die aktuelle Politik wird die heutigen Kinder und Jugendlichen eine Zukunft erwarten,die mehr als schwarz ist. Dies zu überreißen ist allerdings Sache der vielen Blogger-Mamas nicht. Im Übrigen haben wir mehrere Veranstaltungen des Landesfamilienverbandes Sachsen mit allen im sächsischen Landtag vertretenen Parteien zum Thema: „Vereinbarkeit & Alleinerziehende“ begleitet, vor Jahren schon. Ergebnisse der Altparteien in Sachen der auf der Veranstaltung besiegelten Forderungen bis heute: keine! Ansonsten ist der Text sehr gut geschrieben, wir wollten ihn schon auf unsere FB-Seite stellen, aber im Vorab haben wir uns auf Ihrem Twitter-Account umgesehen. Und da wir manchmal Beiträge der AfD liken, können Sie sicher auch auf unsere FB-Reichweite verzichten. Insofern haben wir vom Teilen abgesehen. Herzlichst, das Team von Frauenpanorama.de!

    Gefällt mir

      1. Auf diese Reichweite kann Annette bestimmt sehr gut verzichten. Sie nimmt lieber die der im Text genannten Aktivistinnen und Bloggerinnen. (Und: Interessante neue Taktik, AfD!)

        Gefällt mir

  4. noxa schreibt:

    Oh man, ich kenne zumindest einen Teil dessen, was hier erzählt wird. Ich war auch ein paar Jahre mit meinem ältesten Sohn alleinerziehend und weiß, dass es Schattenseiten gibt. In meinem Fall nahm alles ein gutes Ende, weil ich einen Mann fand, mit dem ich sehr glücklich bin. Und den leiblichen Vater meines großen Sohnes habe ich auch irgendwann mithilfe meines Mannes und einer Internetempfehlung gefunden (https://www.wiedersehenmachtfreude.de/ < wenn das unerlaubte Werbung sein sollte, bitte löschen, aber ich fand die wirklich super!). Nach 16 Jahren Suche durfte mein Großer seinen Vater treffen und seitdem tun sie es regelmäßig. Auch das wurde gut. Für die, die nicht so viel Glück haben: Ich wünsche euch die Kraft, dieses Problem immer wieder publik zu machen, immer wieder anzuprangern, denn es ist so gar nicht ok, dass sich Väter aus der Verantwortung stehlen und der Staat Alleinerziehende derart im Stich lässt!!!

    Gefällt mir

  5. Tanja schreibt:

    Ein wunderbarer Artikel über ein großes Problem und sehe gut auf den Punkt gebracht. Beim Lesen hat mich jedes einzelne Wort berührt, weil ich alles auch genauso kenne. Bin seit sieben Jahren allein mit drei Kindern, die beiden Großen sind am Beginn ihrer Pubertät. Der Kreislauf aus einsamer und niemals endender Verantwortung, Verpflichtung, aus Sorgen und Ärger (dazu kam noch ein zu pflegender schwerkranker Vater, der einzige mir nahestehende Verwandte) haben bei mir zu einem schlimmen Verkehrsunfall geführt. Bin aus Überlastung und chronischer Übermüdung im Auto regelrecht zusammengesackt – mein Köper hat sich die längst überfällige Auszeit rabiat eingefordert. Dabei habe ich noch wahnsinniges Glück gehabt… Dieser irre Teufelskreis, genug Geld verdienen zu müssen, um einigermaßen über die Runden zu kommen (also extra viel Kraft in den Job zu stecken), den Kindern und allen Verpflichtungen gerecht zu werden, treibt einen oft an den Rand eines Abgrunds aus Verzweiflung, Sorgen, Angst, Einsamkeit, Nervenzusammenbruch, gesundheitliche Folgen… Ich schreibe das hier, um Alleinerziehende darauf aufmerksam zu machen, wohin das Ganze führen kann. Die Leidtragenden sind immer die Kinder. Ich hatte mit meinen viele Nachwirkungen der unumgehbaren Trennung vom Kindsvater zu bearbeiten. Dann noch der Unfall… Also, bitte, unbedingt Augen auf und Konzentration im Straßenverkehr!!! Alles Gute Euch, haltet irgendwie durch und versucht wenigstens, etwas auf Euch selbst zu achten!

    Gefällt mir

  6. Spricht mir aus der Seele.
    Ich denke immer „vllt später, wenn die Kinder erwachsen sind, vielleicht bin ich dann nicht mehr einsam/allein“. Nun sind sie bald 18 und 15, brauchen mich immer noch. Zwischendurch hätte ich mal einen Partner, dem aber eher ich unter die Arme gegriffen habe, während er einer neuen beruflichen Idee, einer neuen Ausbildung oder einem Studium hinter her eierte und währenddessen dann teilw nichts verdiente. Ja aber er war ja da…für uns/für mich und die Kinder und hatte doch Zeit, während ich eine 45-50h/Woche hatte bei der Arbeit um alles bezahlen zu können, was Mr Hirnpfurz so brauchte und eben für uns. Und da war er auch nicht wirklich, weil er hatte ja wichtiges zu tun; außerdem: sind es seine Kinder? 6 Jahre hab ich irgendwie durchgehalten um jetzt dann wieder gänzlich alleine mit allem zu sein seit 4 Jahren. Es ist 1 Verantwortung weniger! Und ich bin finanziell nicht mehr so belastet. Hat er nie verstanden…wenn man sich doch liebt, teilt man. Ja, ich die Frau St. Martin, er, der das geteilte annahm und nie was beisteuerte. Nämlich ich war auch nur für ihn UND die Kinder da, wobei ich das Dasein für die Kinder gerne mache. Er für mich nicht. Dieses Alleinsein jetzt wieder ist anders. Aber ich weiß woran wir sind u weiß wofür ich es tue. Ich schwächele auch an allen Ecken und enden gesundheitlich vor mich hin.
    Und bin einsam.
    Zu dem ist mir aufgefallen, dass meine beste Freundin auch nur da ist, wenn sie mich braucht. Bemerken, wie es mir geht oder mir mal zuzuhören dafür hat sie scheinbar keine Zeit. Andere Freundschaften habe ich nicht. Keine Zeit. Kollegiale Freunde sind da einige, aber da ich so viel arbeite, bleibt das ja nicht aus. Aber die habe ich eben nur während der Arbeitszeit. Allein ist man abends, am Wochenende, schöpft Kraft aus wenigen ruhigen Momenten, um nicht durchzudrehen.
    Einen Vater haben die Kids auch. Der lebt 350km weiter weg, macht Karriere und hat nun 2 neue Kleinkinder-er musste wohl erst erwachsen werden um dann nochmal neu anzufangen. Meine Kinder haben davon nichts. Noch nicht mal nen Wochenend- oder Ferienumgangsvater, den ich Ihnen gerne gewünscht hätte. Aber man kann Väter ja nicht zu Umgang zwingen. Er meldet sich ab und zu per WhatsApp. Das muss reichen als Erziehungsbeitrag. Und, ob man es glaubt oder nicht: er ist der tolle Vater, auf den die Kinder nichts kommen lassen. Ich gönne es Ihnen, auch wenn der große mittlerweile weiß, dass ein Vater doch mehr Präsenz und Interesse zeigen sollte. Und dann auch mal wütend ist. Ich beschwichtige da sogar noch…und rede gut zu.

    Ich habe mir mein Leben auch anders vorgestellt, aber ich gebe mein bestes. Und ertrage das Alleinsein Wacker. Zeit für müßige Gedanken habe ich ja kaum. Und wenn doch, wische ich die Träne kurz weg und schlafe erschöpft ein.
    Vielleicht später, wenn die Kinder erwachsen und aus dem gröbsten raus sind…Vielleicht…

    Gefällt 1 Person

  7. Lena schreibt:

    Auch ich kann mich dem, was du schreibst anschließen und finde Schade, dass man als Alleinerziehende nirgendwo ein „Bonus“ kriegt. Weder steuertechnich, noch durch Sonderarbeitszeitregelung. Man ist mit allem allein und muss jedoch für zwei da sein. Trotz einen Partner (mein Kind wird aus der Beziehung von mir bewusst ausgeschlossen, um nicht verletzt zu werden, falls es doch nicht klaopt. Also sehen wir uns nur, wenn mein Kind „Papawochenende“ hat) und Freunde, mit denen ich zum Glück noch schaffe regelmässig Kontakt zu haben, füllt man sich oft einfach abends auf dem Sofa einsam und eigene Wehwechen bleiben dann auch an dir. Immer stark und munter bleiben heisst es, weil selbst wenn das Kind beim Papa ist, muss DU die nächste Woche planen, musst DU bei Hausaufgsben nachhelfen etc. Es gIbt keine Massnahme und kein Gesetz, dass die Väter verpflichten kann, genauso für die Kinder da zu sein und das zu verantworten, dass es genauso deren Kinder sind. Wie oft hört man das kein Unterhalt bezahlt wird und Wochenendpapa auch keine Erziehung mitmachen mag, denn er kriegt nur 20% dessen, was sein Kind in den letzten zwei Wochen hatte. Er ist nicht in der Lage sich in das Kind zu versetzten und sich in diesen zwei Wochenendtagen mit dem Kind eine Basis aufzubauen um sich an seinem Leben zu beteiligen. Auch diese Akzeptanz unserer Gesellschaft, wenn der Mann Kinder und Frau verlässt, ist es schon ein Klassiker, wenn die Frau dasselbe tut, ist sie eine Rabenmutter, ermöglicht den Männern, dass sie nie in dem Ausmaß, in dem es die Mütter dann immer optionslos müssen, sein Eltern da sein verantworten müssen. Also politisch sowie gesellschaftlich ist noch so viel Luft nach oben!

    Gefällt 1 Person

  8. Yvonne schreibt:

    Sehr treffend geschrieben. Danke dafür. Und dann sind da noch die Freundinnen, die nicht glauben können, das man keinen Nerv mehr hat am Abend auf Partnersuche (wie sich das schon anhört…) zu gehen. Schau doch mal im Internet- da lach ich mich schlapp. So wie beschrieben wäre toll: sie einfach im Supermarkt kennenlernen und dann einfach da sein…ohne Terminfindungsprobleme und so Kram. Dem Irrglaube es wird besser, wenn die Kinder älter werden war ich auch verfallen. Klar kann man sie mal für ein paar Stunden alleine lassen, aber sie brauchen die Seelennähe zu Eltern, um gut durch die Pupertät zu kommen und das geht nur mit Anwesenheit .
    Danke für das Gefühl nicht alleine mit der Einsamkeit zu sein!

    Gefällt 2 Personen

  9. C. Riedel schreibt:

    Samstag morgen, ich liege im Bett, alle 5-10 Minuten kommt ein Kind gucken ob ich schon wach bin. Ich stelle mich schlafend, weil ich kurz Medienzeit brauche. Kurz den Artikel lesen, Facebook, Instagram.
    Ich bin gerädert von der Woche, mir tut alles weh. Mein WE-Highlight wird sein, meine beste Freundin mit ihren 3 Kindern zu treffen, meine 2 bringe ich mit und wir werden ein Käffchen trinken gehen. Bei einem Bäcker, weil die Mittleren sich das wünschen. Ich bin gespannt.

    Gefällt mir

  10. sosta schreibt:

    Original so ging es mir auch mit dem Vater. Daher habe ich mich getrennt, und somit einen stressfaktor weniger zuhause. Das ganze andere bleibt zwar, aber es geht mir dennoch besser, bzw. habe weniger Stress als mit dem Kindsvater.

    Gefällt 1 Person

  11. Alexandra schreibt:

    Sie sprechen, oder besser gesagt schreiben, mir aus der Seele. Das alleine sein ist für mich das Schwierigste und auch, dass ich meine Kinder immer wieder alleine lassen muss. Mein Neunjähriger ist selbständiger als manch ein Teenie. Alles andere kriegen wir hin, aber das alleine sein, alleine bleiben ist manchmal kaum zu ertragen. Danke für diesen Text. Liebe Grüße aus Aachen

    Gefällt mir

  12. Ja, man ist komplett allein. Wir haben noch nicht mal ein Papa Wochenende. Kein Kontakt, kein Unterhalt, keine Adresse – hat sich in die USA oder sonst wohin verkrümelt. Jungendamt nervt schon mal, weil wir keine Adresse von ihm haben. Seit 3 Jahren haben wir keinen Kontakt mehr. Meine Jungs sind jetzt 4 und 7 Jahre alt. Wegen den Arbeitszeiten in meinem vorherigen Job habe ich nochmal eine Ausbildung gemacht. Da gibt es aber auch kein Entgegenkommen. Die Schule ist knallhart. Man muss einfach klarkommen und alles so hinbekommen wie die anderen. Wozu sind die Nächte da, Und dann gibt es noch die Vorurteile. Alleinerziehende die eine Ausbildung macht – kann sie ja nicht schaffen. Da gibt es Lehrer, denen man es auch noch beweisen muss, die einen immer auf eine schlechtere Note bringen wollen. Jede Schulstunde ist wie ein Test – noch härter als bei den anderen. Ich bin seit diesen Montag fertig. Insgesamt gerade so eine 2. Die gute Frau Lehrerin hat es nicht geschafft mich auf eine 3 zu bringen. Da gehörte ich ihrer Meinung hin.

    Man hat nie eine Pause. Bin oft am Zusammenbrechen. Aber geht nicht, ist ja sonst niemand da. Also weitermachen. Die anderen in der Klasse hatten nach der Prüfung einen Tag frei. Waren Feiern. Naja, wäre ja sowieso nicht gegangen. Außerdem brauch ich den Job. Meine Mäuse sollen auch zur Musikschule usw. gehen. Also weitermachen. Verdiensttechnisch ist es leider auch nicht das Beste. Also weiter bewerben. Mir wurde schon gesagt als Alleinerziehende kann ich nicht zuverlässig sein. Ich würde ja sagen, Alleinerziehende sind die zuverlässigsten Menschen die es gibt. Schließlich ist ja sonst niemand da der die Last der Verantwortung, der Terminplanung, Termineinhaltung, Alltagsorganisation, Einkommen beschaffen, Trösten, Problemlösen …. usw. teilt. Wenn ich einen Termin mache, vergesse ich den nicht. Bei uns ist alles straff durchorganisiert. Der Alltag ist durchgetaktet. Sonst würde es nicht funktionieren.

    Gefällt mir

  13. Anna Lenk schreibt:

    Selten habe ich einen Text gelesen, der die Problematik von uns Alleinerziehenden dermaßen auf den Punkt bringt. Danke dafür!
    Ich bin auch allein, anfangs mit vier, mittlerweile mit drei Kindern! Mittlerweile seit sieben Jahren. Ich habe zwar einen neuen Partner, auch alleinerziehend mit zwei Töchtern, er lebt aber 130 km entfernt. Wir telefonieren abends und sehen uns an den Wochenenden, wenn es organisatorisch machbar ist. Den Alltag muss aber jeder alleine meistern. Und abends sitzt man doch einsam auf dem Sofa…und hofft, dass irgendwann mal wieder eine Zeit kommt, die in dieser Hinsicht besser ist!!!

    Gefällt mir

  14. Elise schreibt:

    Hallo,
    natürlich kenne ich auch genau all das als Alleinerziehende. Das könnte ich geschrieben haben.
    Aber: oft genug oder nie spreche ich das so in voller Gänze irgendwo bei irgendwem aus, weil eh kein Verständnis und das tut weh. Z.B. von Bekannten mit Partnern folgende Reaktion: „Ich bin ja eigentlich auch alleinerziehend, weil er ja so viel arbeitet…“

    Danke dir fürs Aussprechen, Aufschreiben.
    Ist kein Gejammer, ist anstrengende Realität, die so viel Stärke erfordert, um trotzdem noch Freude und Positives im Alltag zu empfinden und mit den Kindern zu teilen.

    Liebe Grüße aus Dresden

    Gefällt 1 Person

  15. Dennis schreibt:

    Oh man, wenn ich das so lese mache ich mir sorgen. Sorgen um meine Ex. Sie hat sich von mir getrennt und zieht in ein paar Wochen ein paar hundert Meter weiter weg mit beiden Kids. Sie ist damals auch für unsere Beziehung in eine andere Stadt gezogen…

    Was bleibt ist aktuell die Frage, wie kann ich als Vater und als Ex unterstützen ohne meine Gefühle zu sehr zu ignorieren. Ich weiß ich möchte und werde ihr unter die Arme greifen – aber auch meine finanziellen und „seelischen“ Möglichkeiten sind begrenzt…

    Wie hilft man als Ex am besten? Geht es wirklich nur noch um und über die Kinder?

    Gefällt mir

    1. mutterseelesonnig schreibt:

      Wie Ihr zwei das hinkriegt, müßt Ihr schauen, denn Du solltest tatsächlich auf Deine Gefühle Rücksicht nehmen. Aber wenn Du Deine Ex schützen willst: sei (bleibe) verlässlich und übernimm Verantwortung. Erziehe die Kinder auch in den Tagen, die sie bei Dir sind, und mach nicht den Ausnahmepapa und die verantwortungsvolle Erziehungsarbeit bleibt an der Mutter hängen. Denn das ist mit das anstregendste, daß die Kinder zwar physisch weg sind am Wochenende, die ganze Verantwortung aber an mir hängen bleibt. Ich bekomme ungeduschte Kinder mit dreckiger Wäsche zurück, die 7 Std./Tag in Geräte geguckt haben und völlig durch den Wind sind. Ich bin dann die dumme Nuss, die die dreckige Wäsche waschen muss, in jeder Beziehung. Siehe dazu auch meinen Text „Dreckige Wäsche“. Machs besser, und alles Gute!

      Gefällt mir

    2. Ria schreibt:

      Ich will nicht gemein sein, aber ein Elternteil sollte nie dem anderen „unter die Arme greifen“- für mich persönlich hört sich das an wie „es ist ja ihr Job und ihre Verantwortung- ich helfe dann wenn es für mich gerade passt oder nicht zu unbequem ist“. Aber gemeinsame Kinder sind nie die Verantwortung nur eines Elternteils und das andere „hilft aus“. So sehe ich das zumindest für mich.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s