Wenn ich mir was wünschen dürfte

Es geht auf den Muttertag zu, und da werde ich tatsächlich gefragt, was doch gleich meine, unsere Forderungen zum Muttertag waren? Das haben wir ja schön zusammen gefasst, Christine Finke, family unplugged und ich. Da sind sehr wichtige Forderungen dabei, bei der Aktion Muttertagswunsch, und ich kann auch 1 Jahr später alles nochmal unterschreiben.

Aber für mich ist etwas hinzugekommen. Was ich mir als Mutter, speziell als Alleinerziehende, wünsche? Und zwar nicht nur zum Muttertag.

Dass nie wieder eine andere (verheiratete) Mutter zu mir sagt, ich würde die Kur nur wegen des Alleinerziehenden-Bonus‘ bekommen.

Dass nie mehr jemand zu mir sagt, ich würde ja nur jammern, weil ich sagte ich sei müde, denn ich hatte in einer Woche drei Abendtermine bis 24 Uhr und muss trotzdem jeden Morgen um 6.30 Uhr aufstehen.

Dass nie mehr eine andere Alleinerziehende zu mir sagt, wir müssten unbedingt mal ein Glas Wein zusammen trinken und sich dann 6 Monate nicht mehr meldet.

Dass nie mehr jemand zu mir sagt „wird schon“ wenn ich an dem Zwiespalt verzweifle, dass ich weniger arbeiten und mehr Zeit für die Kinder haben sollte, aber dann die Kohle leider nicht mehr reicht.

Dass nie mehr jemand zu mir sagt, ich würde ja nur von meinen Kindern rede, nur weil ich im beruflichen Kontext gewagt habe zu erwähnen, dass ich überhaupt Kinder habe.

Dass ich nie wieder gefragt werde, warum ich den Termin um 17 Uhr nicht wahrnehmen kann.

Dass nie wieder jemand zu mir sagt, ich müsste halt mal entspannen, auch mal an mich denken und zum Yoga gehen.

Dass ich nie mehr meiner Tochter erklären muss, dass ihr regelmäßiges Date mit der Freundin ersatzlos gestrichen ist, weil diese jetzt in an dem Tag etwas Besseres vorhat.

Dass ich nie wieder anderen Eltern hinterher telefonieren muss, weil sie die Verabredungen unserer Söhne ständig hin- und herverschieben.

Dass nie wieder jemand zu mir sagt „der eine Abendtermin geht ja wohl, oder?“

Was sind das für Wünsche und vor allem: wer soll die erfüllen?

Das sind alles Wünsche, die was mit der Gesellschaft und den Beziehungen der Menschen miteinander zu tun haben. Die Wünsche hören sich alle nach Einzelfällen an, haben aber einen gesamtgesellschaftlichen Hintergrund:

Wie kommt eine verheiratete Frau auf die Idee, Alleinerziehende bekämen einen Bonus? Kommt das aus diesem „mir geht’s aber auch schlecht“-Denken, aus diesem Verdacht, die Alleinerziehende könnte ungerechtfertigterweise etwas bekommen, was der verheirateten Frau nicht mindestens auch zustünde? Die Frau, die das zu mir sagte, hat auf Nachfrage natürlich gleich zurück gerudert und beeilte sich zu erklären, das sei in Anführungszeichen gemeint gewesen. Aha, dann geht’s natürlich.

Warum wird mir Jammerei vorgeworfen, wenn ich sage dass ich müde bin? Was ist denn Jammern und wenn überhaupt: warum darf man das nicht? Weil wir alle immer tapfer, stark, schön und selbstbewusst sind und unser Leben im Griff haben? Schwäche wird nicht zugegeben, weil sie nicht akzeptiert ist? Gruselig. Ich werde weiter jammern und sagen wie es ist und wie es mir geht, in guten wie in schlechten Tagen. Schon allein deshalb, um den ganzen Durchhalte-und Grinse-Figuren etwas entgegenzusetzen.

Warum ich so selten andere Alleinerziehenden treffe? Wann denn? Wir liegen doch alle abends halbtot im Bett und haben nur die Hälfte geschafft.

Wieso sagt jemand angesichts realer und ziemlich unlösbarer Probleme zu mir „wird schon“? Da ist ignorant! Gar nix wird, wie denn, die Lösung fällt doch nicht vom Himmel? Ich sehe ein, dass meine Probleme bei anderen Menschen Hilflosigkeit auslösen, aber einfache und echte Empathie wäre wirklich schöner („Du Arme, das ist wirklich hart!“) als so bescheuertes Durchhalte-Getöne.

Warum wird im Gespräch mit beruflichen Kontakten die Familie komplett raus gehalten? Wir haben Kinder, wir sind Familie, das bereichert uns und schränkt uns ein und deshalb müssen wir unser Berufsleben an der Familie orientieren, nicht umgekehrt! Ich bin doch keine Maschine, will man da schreien (ausgerechnet Tim Bendzko, schlimm)! Und deshalb kann ich verdammt nochmal Termine nach 17 Uhr nicht wahrnehmen, auch nicht ausnahmsweise diesen einen. Davon gibt’s pro Monat nämlich 4-5 Stück, alles Ausnahmen, ausnahmslos!

Und warum wissen alle, dass die Ursache des Problems bei mir liegt? Ich bin gestresst, weil ich nicht zum Yoga gehe? Zur Massage? Zum Kegeln? Ich soll mir auch mal Zeit für mich nehmen? Ich verrate mal ein Geheimnis: das Problem liegt gar nicht bei mir! Ich bin nicht gestresst, weil ich zu doof zum Entspannen bin, sondern weil ich seit 6 Jahren zwei Kinder alleine erziehe und dabei Vollzeit arbeite. Weil ich unter dem täglichen Organisationsstress, dem finanziellen Druck und der alleinigen Verantwortung für das Seelenheil meiner Kinder immer mal wieder zusammen breche. Jeder, der meint, das kriegt man mit ein bissl Me-Time in den Griff, darf gerne ein 4wöchiges Praktikum bei mir machen. Danach zum Yoga, ich bleib natürlich hier, und zwar noch die nächsten 8 Jahre.

Ich versuche immer wieder und sehr erfolglos, ein Netz für meine Kinder und mich zu spannen. Und kaum habe ich zum Beispiel einen Mittagessen-Termin für die Tochter bei der Freundin arrangiert, damit das Kind wenigstens 1x/Woche nicht alleine zu Hause isst, da platzt der Termin, weil irgendeine AG wichtigter ist. Warum machen diese anderen Kinder immer so viele organisierte Sachen (Tanzen, Musizieren, Kicken, Blabla?) und habe keine freien Nachmittage? Und warum wird so eine beknackte Zirkus-AG höherwertig angesiedelt als das Date mit der Freundin? Meine beiden Kinder haben 1-2 Mal Mittagsschule und ein Kind geht noch zum Sport, der Rest ist frei: Spielen, Chillen, Malen, Zocken, Kichern, Katze schmusen oder Badezimmer verwüsten. Was Kinder halt so machen, wenn sie nicht geigen müssen.

A propos andere Familien: auch wenn ich nicht alleinerziehend wäre, fände ich es schlicht unhöflich, Termine mit anderen Menschen zu verschieben, zu vergessen oder zu spät zu kommen. Bei meinem Alltag und Organisationsgrad ist es allerdings noch schlimmer. Ich frage mich ernsthaft, warum sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, dass es respektlos ist, mit der Zeit anderer Menschen dermaßen lax umzugehen?

Es wird eben nicht so genau hingeguckt.

Es wird auch nicht so genau zugehört. Es wird einfach was daher gesagt. Es wird milde drüber gelächelt. Es wird halt mal ein Witz gerissen. Die meisten Menschen haben nicht die leiseste Ahnung, wie anstrengend das ist, Kinder alleine zu erziehen. Schmieren aber ihren Senf dazu, urteilen, wissen es besser und geben völlig utopische Ratschläge. Ich geb mal einen zurück: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten“ (ausgerechnet Dieter Nuhr, herrje). Wie man übrigens wirklich die Alleinerziehende von nebenan unterstützen kann, hat Anne Matuscheck hier aufgeschrieben.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre das nicht nur Steuergerechtigkeit für alle Familienformen, bezahlbare Betreuungsplätze für Kinder bis 14 Jahre, ermäßigte Mehrwertsteuer für Windeln und Schulranzen statt für Blumen und Katzenfutter und noch einiges mehr.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre es auch mehr Aufmerksamkeit, Zuhören und Hinsehen. Mehr Respekt und Mitgefühl. Besonders für Familien und ganz besonders für Alleinerziehende. So einfach ist das.

Wenn ich mir was wünschen dürfte

Jeden. Verdammten. Tag.

Mein Alltag ist ein einziges Hamsterrad. Ich komm zu nix, weil ich immer dasselbe tue.

Immer. Immer. Immer.

Am Schlimmsten ist es während der Schulzeit.

6.30 Uhr aufstehen, 6.45 Uhr frühstücken. 7 Uhr ums Bad streiten, 7.20 Uhr Kinder aus dem Haus. Küche aufräumen. Fürs Mittagessen decken weil die Tochter mittags alleine ist. Arbeiten.

Zwischen 16 / 17 Uhr nach Hause kommen. Einkaufen, Haushalt, Wäsche, Hausaufgaben.

18.45 Uhr Abendessen, 19.20 Uhr Kinder gucken Kika, ich räum die Küche auf. Ich setz mich später zu den Kindern. 20 Uhr bettfertig machen, Ranzen einräumen, Sachen vergessen, um’s Bad streiten, Mathetest unterschreiben, Klamotten suchen, scheiße die Sportschuhe sind weg!

Die Kinder lesen, ich decke den Frühstückstisch. Mache den Rest vom Haushalt. 20.45 Uhr letzte Runde, quatschen, schmusen, Licht aus.

21.30 Uhr, nix mehr übrig vom Tag, nix mehr übrig von mir, mein Hirn ist leer. Von einer Versicherung ist ein Brief gekommen, den ich lesen, verstehen und auf den ich reagieren muss. Ich bin todmüde. Emails lesen, oha: eine Mahnung. Ein bisschen im Internet rumgurken, lesen, kommentieren. Es reicht nicht mal zum selber schreiben. Oder ein Buch zu lesen. Keine Luft mehr, sich Gedanken zu machen, die Gedanken einfach fließen zu lassen. Kein Nerv, einer zusammenhängenden Geschichte zu folgen. Den Kopf voller Gedanken und keine Kapazitäten, die Gedanken zu sortieren.

22 Uhr, noch die Wäsche in den Trockner und Backmischung in die Brotbackmaschine. Jeden Abend übrigens. Jeden Abend Wäsche. Jeden Abend ein Brot backen. Vesperdosen aus den Ranzen holen, Spülmaschine anstellen.

Nicht schlafen können, der Film läuft weiter.

6.30 Uhr aufstehen. Alles von vorne.

Einzige Variation: ich habe noch weniger Zeit. Also Elternabend. Vorstandssitzung. Termin. Infoabend Gymnasium. Irgendwas ist immer. 1-2x pro Woche. Dann bin ich ca. 22 Uhr zu Hause. Oder ich hab ne Veranstaltung und gehe nochmal los zur Arbeit, dann kommt der Babysitter um 18 Uhr und ich komme gegen 23 / 24 Uhr nach Hause. 1-2x pro Woche. Decke dann eben erst um 24 Uhr den Frühstückstisch, backe das Brot, mache die Wäsche, stehe um 6.30 Uhr auf. Jeden Abend, den ich unterwegs bin, bleibt was vom Haushalt liegen. Wenns zwei Tage in Folge sind, ist schon die Küche nicht mehr nutzbar, das Bad nicht mehr betretbar, der Wäsche-Kreislauf aus dreckig – sauber – nass – trocken durchbrochen und das Chaos bricht aus. Kann hier bitte mal jemand staubsaugen?

Am Wochenende wird alles aufgeräumt, was liegen geblieben ist. Mehr aber auch nicht. In den Ecken sammeln sich Sachen, die niemand mehr braucht, von denen ich einfach nicht weiß wohin. Kann hier bitte mal jemand ausmisten?

Ich bin so kaputt von der Woche, dass ich das Wochenende brauche, um wenigstens mal auszuschlafen. Dann kriegen die Kinder Besuch oder gehen Freunde besuchen, wir machen einen Ausflug, gehen ins Kino oder Besuchskinder übernachten hier. Es sieht so unbeschwert aus und es macht auch Spaß. Aber eigentlich müsste ich 1000 andere Dinge tun (Putzen? Steuererklärung? Klamotten ausmisten?) Aber eigentlich würde ich auch gern ein Buch lesen oder schreiben. Mir mal Gedanken machen. Ein Beet bepflanzen. Oder einfach mal LANGEWEILE haben, ha!

Wenn es mal eine willkommene Abwechslung gibt, sind wir alle zu kaputt dafür. Mein Cousin hat seinen 40. gefeiert, mit einer fetten Familienparty, nachmittags samt aller Kinder. In 400km Entfernung. Die Kinder wollten nicht weg und ich hab gewusst, dass wir das nicht packen. Samstag hin, Sonntag zurück, Montag wieder 6.30 Uhr aufstehen. Der Sohn eh erkältet, der wär zusammen geklappt. Also Party abgesagt, Familie nicht getroffen, Herzeleid bei mir und Sehnsucht nach Kontakten.

Ich würd echt gerne mal mit Menschen die ich mag, feiern, tanzen, quatschen. Unbeschwert. Endlos. Ohne die Gedanken an die Müdigkeit am nächsten Tag, in der nächsten Woche. Abgesehen davon: wegfahren heißt, Tasche einpacken, Tasche auspacken, Wäsche sortieren. So wie eh jedes 2. Wochenende, wenn die Kinder beim Papa sind: Tasche einpacken, Tasche auspacken, Wäsche sortieren. Dieses Tasche-packen-Wäsche-sortieren macht mich wahnsinnig. In unserem Flur stehen IMMER irgendwelche Taschen. Sporttaschen. Wochenend-Taschen. Übernachtungstaschen. Vergessene Taschen. Taschen.

So wie ich immer abends noch ein Brot backen, die Wäsche machen und den Tisch decken muss.

Jaja, binde die Kinder mit ein, sie sind doch groß genug. Nichts leichter als das! Der Sohn, der mit seinen 10 Jahren jeden Tag von 7.20 – 17 Uhr aus dem Haus ist, hat voll Bock, statt Lego zu spielen die Wäsche zu sortieren, die Küche aufzuräumen und das Bad zu putzen. Die Tochter, die mit ihren 12 Jahren jeden 2. Tag alleine Mittagessen kocht, isst, Hausaufgaben macht, hat voll Bock, danach noch zu staubsaugen, den Müll rauszubringen und einkaufen zu gehen. Statt mit ihren Freundinnen zu telefonieren oder mit der Mama zu quatschen. „Mama komm, wir trinken zusammen Tee“. Natürlich nehme ich mir dann Zeit für die Tochter, die eh so viel alleine ist, und fege nicht mit dem Staubsauger jedes Gespräch zur Seite. Der Haushalt wird auf eine Minimum reduziert, oft holen wir uns die saubere Wäsche einfach aus dem Wäschekorb, was soll der Umweg über den Kleiderschrank? Feucht wischen braucht kein Mensch, die Fenster hab ich seit dem Einzug vor 2,5 Jahren noch nie geputzt, gebügelt wird hier nie.

Natürlich helfen die Kinder mit. Sie räumen die Wäsche ein und bringen den Müll raus. Sie kümmern sich um die Haustiere und decken den Tisch. Aber hey: 90% bleiben bei mir hängen, die anderen 10% „Mithilfe der Kinder“ klappen entweder oder ich muss sie mir erdiskutieren. Meistens diskutieren. Das macht keinem Spaß, weder mir noch den Kindern.

Immer wieder Grundsatzdiskussionen. Wie vermeiden wir den täglichen Streit ums Bad? Wer übernimmt welche Aufgaben? Wie teilen wir uns unseren gemeinsamen Haushalt gerechter untereinander auf? Denn: erziehen muss ich die Kinder ja auch noch. Ihnen was beibringen, Grenzen setzen, Grenzen verschieben. Sie motivieren, trösten, zuhören. Ganz viel zuhören.

Und Medienzeiten kontrollieren. Das Bescheuertste überhaupt: diskutieren zu müssen wie lange man sich auf youtube anschaut, wie andere Menschen Battlefront spielen. Oder eine Challenge darin veranstalten, wie man Hosen anzieht ohne die Hände zu benutzen. Wenn die Kinder malen, lesen oder spielen, sage ich irgendwann „Essen ist fertig“ und sie trudeln ein. Wenn sie mit Medien beschäftigt sind, ist die Reaktion immer Wutschnauben, Genöle und genervtes Stöhnen. Muss das so? Ich weiß es nicht, wahrscheinlich ein eklatanter Erziehungsfehler meinerseits.

Ich versuche, die Waage zu halten aus Über- und Unterforderung der Kinder, aus Verständnis und dem Anspruch an ein Mindestmaß an Höflichkeit.

Jaja, natürlich gibt es hier ganz wunderbare Abende. Abende, an denen wir zusammen lachen, tanzen, schmusen und toben. Einen schönen Film zusammen sehen und noch lange drüber reden. Ein Spiel zusammen spielen oder einfach zusammen unseren verrückten Katzen zuschauen. Lange zusammen im Bett liegen und reden (Kinder) und zuhören (ich).

Aber danach muss ich halt immer noch den Frühstückstisch decken, ein Brot backen und die Wäsche machen.

Jeden. Verdammten. Abend.

Jeden. Verdammten. Tag.

Wochenende in Bildern 25./26.2.17

Mein kinderfreies Wochenende habe ich mit ca. 80 Kindern, einem ausverkauften Konzert, einer wunderschönen Lesung und einer ordentlichen Ladung Grippostad verbracht.

Seit Tagen habe ich Ohrenschmerzen und versuche, bis zum Wochenende gesund zu werden. Drum habe ich auch Samstag nix gemacht außer Schlafen, bis ich um 15 Uhr das Kulturzentrum aufgeschlossen habe, in dem ich arbeite. Die Kinder sind wegen der Faschingsferien schon seit Freitag bei ihrem Vater.

Ich habe mich noch gefragt, warum die Band SO früh mit dem Aufbau anfängt? Die haben tatsächlich ihre eigene Tonanlage mitgebracht (obwohl wir natürlich eine haben). Bassboxen, in denen ein Kind wohnen kann, werden in den Saal geschoben, und als um 18 Uhr der Soundcheck über die Bühne geht, fallen die Gläser aus den Regalen.

Ein großartiger, glasklarer, aber schweinelauter Sound, und mir sinkt das Herz in die Hose, denn im 2. Stock übernachten während des Konzertes Susanne und Caspar Mierau mit ihren 3 Kindern, weil Susanne am Sonntag Vormittag aus ihrem Buch „Geborgen Wachsen“ lesen wird. Na wenn das mal gut geht!

Es geht gut: der Saal ist ausverkauft, das Publikum feiert, die Band hat verdammt viel Spaß und über uns schlafen drei Kinder selig ein, puh! Leider dauert der Abbau genauso lange, und ich muss nach dem Konzert noch umbauen für unseren Familiensonntag, und so wird es 2 Uhr, bis ich ins Bett falle. Wenn man tiefer schläft, braucht man nicht so viel zu schlafen, erklärt mir noch der Kollege, aber mein Kater hatte einen anderen Plan, denn um 4 Uhr werde ich wach, weil er den Faschings-Berliner vom Sohn futtern will, verdammt! Um 9 endgültig wach, eine heiße Dusche und um 9.30 Uhr wieder auf der Arbeit. Immerhin gibt es Kaffee und diese fantastischen Nutella-Stängele, das hilft. Es kommen sehr viele Familien, die Kinder und Väter gucken die Sendung mit der Maus, die Mütter (fast alle mit Baby im Tuch) gehen zur Lesung von Susanne, die ebenfalls ihr schlafendes Baby im Tuch trägt. Es ist eine wuselige, entspannte und wirklich schöne Atmosphäre im Haus. Susanne hat die Lesung übrigens live auf ihrer facebook-Seite gestreamt.

Nach der Lesung ist noch kurz Zeit für einen Plausch mit Christine Finke, die extra aus Konstanz gekommen ist, und dann müssen alle auch schon wieder abreisen. Ich bleibe noch, denn wir haben noch einen kleinen Termin mit den Mitarbeitern. Als ich um 15 Uhr nach Hause gehe, streiken meine Füße und ich fahre die 800 Meter mit dem Bus. Jetzt kann ich aber auch echt nicht mehr!

Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen im Garten, gieße Blümchen, füttere unsere ganzen Haustiere und falle ich einen 3 stündigen Nachmittagsschlaf. Was für ein anstrengendes, bereicherndes, aufregendes und schönes Wochenende: Ich habe mich total gefreut, Susanne und ihre Familie nach den ganzen digitalen Begegnungen persönlich kennen zu lernen, ich hab mich tierisch gefreut, dass mein Konzept mit dem Familiensonntag aufgegangen ist und ich habe die Ohrenschmerzen weggearbeitet. Ich wusste gar nicht, dass das geht?

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Durchhalten! Mit Mittelohrentzündung durchs Wochenende
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Samstag nachmittag: Soundcheck mit Alphorn
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Abends ausverkauftes Haus mit dem Loisach Marci
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Nach dem Konzert noch ab- und umgebaut für die Lesung
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Susanne Mierau liest
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Kinder tauschen Bücher
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Bushaltestelle: ich kann die 800 Meter nicht mehr laufen
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Der Himmel über meinem Garten
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Zum Schluss um die kleine Anzucht der Tochter kümmern

Noch mehr Wochenenden in Bildern gibt’s bei Susanne Mierau auf Geborgen Wachsen. Dort findet Ihr auch Ihre Version des Wochenende. So ist das mit dem digitalen Dörfchen 😉

Wochenende in Bildern 25./26.2.17

Wochenende in Bildern 28./29.1.17

Ein kinderfreies Wochenende. Warum, steht in diesem Text.

Samstag habe ich mich durch die Wohnung gearbeitet, keinen freien Tisch gefunden, Altpapier entsorgt, Betten abgezogen, die Wohnung geputzt und den neuen Wäschekorb vom Sohn gepriesen: jetzt wird endlich die dreckige Wäsche reingepfeffert! Abends war ich auf einem Konzert, eher beruflich, aber es war ein großartiges Konzert und ich hatte angemessen Kopfschmerzen anschließend.

Sonntag musste ich arbeiten und war gegen 16 Uhr wieder zu Hause. Heute war ich  Kassenfrau, Ansagerin, Spülfrau, Moderatorin, Protokollantin und ein bisschen Chefin. Zu Hause habe ich mich gefragt, ob ich irgendwann mal die Zeit und den Nerv finde, Waschmaschine und Trockner anders herum hinzustellen, denn die falschrummen Türen sind echt lästig. Ich habe die Betten frisch bezogen und die Katzen haben sich ausgiebig überlegt, ob sie mal wieder spazieren gehen, immerhin friert es ja nicht mehr.

Jetzt fleze ich mich aufs Sofa, schaue den Tatort, freue mich nicht auf Montag, aber auf meine Kinder morgen!

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Mehr Wochenenden in Bildern gibts bei Susanne Mierau auf Geborgen Wachsen.

Wochenende in Bildern 28./29.1.17

Egal und allein. Ein Wochenende ohne Kinder.

Für die Kinder heißt es Papa-Wochenende, für mich heißt es kinderfreies Wochenende, im Trennungsjargon heißt es Umgangswochenende. Das Wochenende, an dem die Kinder, die bei der Mutter wohnen, bei ihrem Vater sind. „Umgang haben“.

Wir machen das jetzt seit sechs Jahren. Seit sechs Jahren sind die Kinder 12 Tage am Stück bei mir und 2 Tage beim Vater. Bei uns in der extended version: er holt sie Freitag ab und bringt sie Montags zur Schule. Das war uns wichtig bei der Trennung, dass es so lange wie möglich geht, denn drei Übernachtungen sind was anderes als nur eine, da kommt mehr Alltag auf, mehr Gemeinsamkeit, mehr Zusammen leben, mehr Nähe für Vater und Kinder.

Das ist toll und das ist anstrengend, für alle Seiten. Am anstrengendsten ist es glaube ich für die Kinder. Raus aus dem Zuhause, rein ins Wochenende, wo alles anders ist. Am Anfang, als der Kleine noch 4 war, hat er am Wochenende nach mir geweint. Während der Woche hat er nach dem Papa geweint. Die Große hat sich beherrscht. Jetzt ist der Kleine 10 und die Große 11, und jetzt ist sie es, die mich zwischendurch anruft, weil sie mich vermisst. Dann reden wir ein bisschen und dann geht es wieder.

Wir Eltern haben uns irgendwann mit der Situation arrangiert. Die Kinder jedoch bekommen die Trennung jedes 2. Wochenende neu vor Augen geführt. Was das an emotionaler Flexibilität und Stärke fordert und zugleich gebildet hat, das wage ich kaum zu erahnen. Was ich sehe ist: sie machen es verdammt gut, die Kinder. Sie freuen sich jedes Mal auf ihren Papa, und sie kommen entspannt zu mir zurück. Eine Zeit lang gab es Montags regelrechte Anpassungsstörungen, die Kinder fanden nur schwer wieder zu mir zurück und es gab Krach und Tränen. Seit etwa einem Jahr ist selbst das überwunden, und dafür bewundere ich sie.

Wir haben in den sechs Jahren eine ziemlich Routine entwickelt, auch wenn sich die Umstände immer mal wieder geändert haben. Die Routine ist mir vor ein paar Tagen aufgefallen, als ich angefangen habe, das Wochenende vorzubereiten und ein bisschen dazu getwittert habe. Der Sohn wird Freitags um 17 Uhr im Hort abgeholt, die Tochter geht nicht mehr in den Hort und ist mal bei einer Freundin, mal zu Hause, mal bei mir auf der Arbeit. Also 10 Rückfragen mit der Tochter, wo sie denn nun ist und wo der Papa sie abholen soll. Das Ergebnis dem Vater kommunizieren. Da wir Freitag um 7.20 Uhr das Haus verlassen, muss Donnerstag Abend alles gepackt sein. Oh, Du willst Deinen Lieblingspulli am Wochenende anziehen? Dann wasch ich den noch schnell und pack ihn morgen früh ein.

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Routiniert habe ich Donnerstag Abend die Vesperdosen, Trink- und Thermosflaschen aus den Schulranzen geholt und gespült. Freitag werde ich nur Einwegflaschen und Brottüten nehmen. Ich habe im Lauf der letzten Jahre derart viele Dosen und Flaschen verloren, dass der Ex damit locker eine ganze Kita versorgen könnte. Wenn ich ihn drauf anspreche, hat er die Sachen nicht, im Schulranzen sind sie aber Montag auch nicht. Hm, dann scheinen die Kinder genau alle 14 Tage die Dosen und Flaschen in der Schule zu verlieren. Verrückt!

Mützen und Handschuhe packe ich kaum noch ein, es wird irgendeinen Ersatz beim Vater geben, sollten die Sachen überhaupt notwendig sein. Denn auch dieser Kleinkram verschwindet einfach. Instrumente gebe ich schon seit Jahren nicht mehr mit, das Üben wird eh vergessen. Montag frage ich besonders gründlich, ob es aus der Schule was zum Unterschreiben gibt, denn am Wochenende wird so was nicht vom Vater erledigt. Die Kinder sagen ihm nichts, er fragt nicht.

Und so werde ich auch am Montag die Taschen wieder auspacken und die ungetragene Unterwäsche wieder in den Schrank legen. Ob er gewaschen hat? Kaum. Ob er selber Unterwäsche angeschafft hat? Keine Ahnung. Bei mir zu Hause ziehen die Kinder ohne Ansage von mir jeden Tag frische Wäsche an, ich weiß nicht, wie das am Papa-Wochenende läuft.

Am Donnerstag Abend schicke ich die Kinder nochmal unter die Dusche, weil so ein Papa-Wochenende offenbar keine Zeit für Körperhygiene lässt. Und Donnerstag bis Montag Abend ist eine lange Zeit, wenn man jeden Tag die Hände überall hat, wo nur 10jährige Jungs sie haben können. Die Tochter achtet inzwischen selber drauf und legt bei mir bereits ganze Wellness-Tage ein, und so geht sie aus eigenem Antrieb auch beim Vater duschen. Warum die Kinder allerdings bei mir immer jammern, dass wir keine Badewanne haben, und dann beim Vater nie baden, erschließt sich mir nicht.

Irgendwann habe ich mal gefragt, ob Kinder & Wäsche am Montag nicht genauso zurück kommen können, wie ich sie abgeliefert habe: sauber. Er hatte eine einfache Antwort: nein. Und so analysiere ich entweder beim Auspacken jede Socke, ob sie getragen wurde, oder ich wasche einfach alles.

Ich nehme das hin, lakonisch, weil es einfach so ist. Ich bin davon überzeugt, dass mein Exmann das alles überhaupt nicht böse meint oder gar tut, um mir zu schaden. Nein, er ist einfach etwas gedankenlos und fühlt sich auch nicht so recht dafür verantwortlich. Letztlich ist es mir egal, ich habe alle Stadien der Auseinandersetzung mit ihm darüber durch, und ich werde meine Lebenszeit und meine gute Laune nicht mehr damit verschwenden, über Trinkflaschen und gewaschene Haare zu diskutieren.

Ich habe es auch aufgegeben, ihn auf Termine hinzuweisen, die irgendwie wichtig wären. Wenn die Kinder auf Geburtstagen eingeladen oder mit Freunden verabredet sind, dann klappt das inzwischen. Ich trage die Termine mit sämtlichen Daten in unseren google-Kalender ein, schicke noch eine Mail oder SMS und mit nur 1-3 Rückfragen in letzter Sekunde (wo ist das? Wann? Welches Geschenk?) haut das dann hin. Aber darüber hinaus? Nö. Ich habe sogar schon Kinderbuchautoren eingeladen (ich bin Veranstalterin, drum kann ich das) an denen echt das Herz der Kinder hing, und unsere komplette Kita samt Schulklasse war bei der Lesung, nur meine Kinder nicht. Vergessen, sie waren im Spaßbad. Die anschließende Enttäuschung der Kinder war bodenlos, aber sie würden niemals ihren Vater kritisieren.

Vergessen, verloren, verpeilt. Das gilt auch für den Rückweg: früher haben die Kinder ihr Kuscheltier beim Papa vergessen, jetzt ist es das Ladekabel. Wenn ich ihn frage, sagt er „die Kinder haben gepackt“. Ja gut, man kann die Verantwortung an die Kinder abgeben. Man kann die Kinder auch dabei unterstützen, es zu lernen, an ihren Kram zu denken. Oder man fährt halt im Laufe der Woche nochmal zur Kindsmutter, um Sachen zurück zu bringen. Jedes Mal. Seit 6 Jahren. Kein Lerneffekt beim Vater. Sehr wohl jedoch bei den Kindern, die inzwischen die Sachen, die ihnen wichtig sind, einfach bei mir lassen. So geht’s auch.

Umgang der Kinder mit dem Vater heißt übrigens auch: Umgang der Mutter mit dem Vater. Wir bleiben in Kontakt, ob wir wollen oder nicht. Egal, wie routiniert wir sind, irgendwas gibt es immer zu besprechen. Dank google weiß ich zwar, an welchem Wochenende 2019 die Kinder beim Vater sind, aber ob sie in den Faschingsferien bei ihm sind, hat er mir noch nicht verraten. Ist ja erst in 4 Wochen. Ich arbeite Vollzeit und habe eine 6. Klässlerin ohne Ferienbetreuung. Der Sohn geht gottlob noch bis zum Sommer in den Hort, aber für die Tochter muss ich jedes Mal was organisieren. Da ich finde, dass er sich an der Ferienplanung beteiligen soll, muss ich dann auch mit ihm kommunizieren. Es gibt Kindertermine und Krankheiten zu kommunizieren, Weihnachten zu besprechen, Kindergeburtstage zu planen, Ferien aufzuteilen. Das ist in Summe deutlich mehr Kontakt, als man sich das nach der Trennung wünscht, und es läuft selten reibungslos.

Aber eigentlich ist das alles egal. Das ist lästige Routine und es wird sich auch nicht mehr ändern. Irgendwie ist es ja auch tröstlich, denn ich hatte ja meine Gründe für die Trennung und durch diese ganze Kommunikation werde ich immer wieder an diese Gründe erinnert. Falls ich sie jemals vergessen sollte.

Es ist egal, denn das Wichtigste klappt einwandfrei:

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Die Kinder lieben ihren Papa, sie freuen sich auf das Wochenende beim ihm und es geht ihnen dort gut. Ich kann sie komplett bedenkenlos ihrem Vater überlassen und ich vertraue ihm zu 100%, dass er sich gut um sie kümmert. Es gab in den 6 Jahren keinen einzigen Grund, daran zu zweifeln. Die Wochenenden beim Vater sind die einzigen Zeiten, wo ich nicht IMMER aufs Handy schaue, ob den Kindern was passiert ist. Und wenn, dann kommen nur whatsapps mit süßen Fotos oder lustigen Nachrichten. Es geht ihnen gut mit ihrem Vater, sie sind dort glücklich, das ist unglaublich wertvoll!

Pädagogische Grundsatzdiskussionen führe ich nicht mehr. Der Medienkonsum dort übersteigt den bei mir um Längen, es wird nix geübt und auch nix besprochen, es wird nix unterschrieben und es werden keine Fingernägel geschnitten, aber die Kinder sind glücklich. Was hätte ich von gelüfteten und gewaschenen Kindern, die Mathe und Gitarre geübt haben, aber großen Kummer haben?

Und ich? Bin ich glücklich mit den kinderfreien Wochenenden?

Es sind Tage wie aus der Zeit gefallen: schlagartig sind bestimmte Uhrzeiten unwichtig: 17 Uhr, der Hort ist aus: egal. 19.25 Uhr, auf kika kommt „Wissen macht ah“: egal. Sonntag 11.30 Uhr die Maus: egal. Es ist schon 15 Uhr, wir waren noch nicht an der frischen Luft und es wird bald dunkel: egal. 18.40 Uhr, es wird Zeit fürs Abendessen: egal.

Es ist komplett egal, wie spät es ist, denn ich bin der einzige Mensch, um den ich mich kümmern muss. Irre! Und nicht nur die Zeit ist egal, auch was ich tue und lasse ist total egal. Mitten am Tag Fernseh gucken. Lange schlafen. Den ganzen Sonntag arbeiten. Schokolade im Bett. Aufs smartphone glotzen, twittern, klicken, daddeln: alles egal. Beim „Wochenende in Bildern“ kann man mal reinschauen in mein kinderfreies Wochenende.

umgangswochenende

Es ist alles egal, denn ich bin hier allein und für niemanden verantwortlich.

Meine Seele hat Ruhe, ich darf einfach schlechte Laune haben und bei Bedarf die Katze anschnauzen. Ich muss mich nicht rechtfertigen, ich muss nix diskutieren, ich muss nix entscheiden, nix durchsetzen. Ich muss keinen Rat geben, nicht trösten, ich muss nicht zuhören, ich muss mich nicht unterhalten.

Und das ist vielleicht die größte Erholung für mich am kinderfreien Wochenende: dass meine Seele zur Ruhe kommt.

Dass ich die Betten frisch beziehe, die Wohnung putze, den Kaninchenstall ausmiste, die Steuererklärung machen, das Regal andübel, den Keller aufräume, die Kinderklamotten ausmiste, Rechnungen bezahle, Schulferien plane. Dass ich all die Dinge tue, die man natürlich auch MIT Kindern machen kann, die dann aber ungleich nerviger sind – dass ich all diese Dinge tue, ist nichts gegen die Erholung, die meine Seele am kinderfreien Wochenende findet, weil niemand an ihr zieht und zerrt.

Und natürlich freue ich ich auf den Montag abend, wenn wir alle wieder zusammen sind und reden, zuhören, streiten, trösten und lachen.

Egal und allein. Ein Wochenende ohne Kinder.

Weihnachten beim Ex – herrlich!

„Wie war Dein Weihnachten?“ fragte mich gestern ein Freund, und ich dachte nur daran, wie lange das schon wieder her ist. Genau 3 Wochen, aber es fühlt sich an wie ein halbes Jahr. Als ich ihm erzählte, wie’s war, hab ich gemerkt: es war perfekt, und DAS hätte ich im Vorfeld niemals gedacht!

Weihnachten mit den Kindern beim Ex und seiner neuen Familie zu Hause: wie kann das perfekt sein? Ganz einfach: die letzten 6 Jahre seit der Trennung kam der Kindsvater am 24.12. zu uns. Ich hatte Weihnachtsbaum und Krippe besorgt, Essen vorbereitet, Geschenke gekauft, eine angemessene Choreografie für den Abend ersonnen (erst essen oder erst Geschenke oder erst oder überhaupt Kirche?). Er hat sich da immer vornehm zurück gehalten, kam am Abend zu uns, setzte sich an den gedeckten Tisch, überreichte großzügige Geschenke und ging, noch ehe die Kinder im Bett waren. Einkaufen, Kochen, die ganze Vorbereitung, das Wohnzimmer voller Kartons und Geschenkpapier, halb aufgebautem Lego und fliegenden Helikoptern, die überdrehten Kinder – also die Verantwortung für alles, lagen jedes Mal komplett bei mir. Einmal kam er sogar mit seiner Freundin, ein Patchwork-Versuch, der katastrophal in die Hose ging

Nun haben die beiden aber ein Baby und familiäres Glück steht ganz oben auf der Wunschliste. Mutter & Kind wollten verständlicherweise zwecks Stillen und kleinen Schläfchen lieber in vertrauter Umgebung bleiben, und so wurden wir zu ihnen nach Hause eingeladen. Meine Kinder haben mich vorher genauestens instruiert: Mama, nicht singen und nicht rülpsen. Aber gerne, ihr Süßen, ich werde natürlich die Contenance wahren, schließlich ist ja Weihnachten. Und so kamen wir Drei fein herausgeputzt mit einem Wäschekorb voller Geschenke bei der heiligen jungen Familie an und bewunderten das Baby im Stall auf Papis Schoss. Ich setzt mich an den gedeckten Tisch, lobte ausführlich die erlesenen Zutaten fürs Raclette und rülpste nicht. Meine Tochter nickte mir wohlwollend zu. Es wurden feierlich Geschenke überreicht, alle waren freudig überrascht und beglückt. Ich hob ab und an elegant mein leeres Rotweinglas in die Höhe und es wurde neu gefüllt. Das zerrissene Geschenkpapier und die leeren Kartons habe ich dezent mit dem Fuß hinter den Weihnachtsbaum geschubst. Die Erwachsenen haben sich freundlich unterhalten, die Kinder haben sich ausgiebig gefreut und das Baby hat niedliche Babygeräusche gemacht. Meistens jedenfalls, manchmal wurde es auch gestillt, hat geschrieen oder geschlafen, ich konnte das nicht so genau verfolgen vom Sofa aus. Als wir zum Nachtisch wieder an den Tisch kamen, war der wie von Zauberhand aufgeräumt, toll!

Gegen 23 Uhr habe ich die Geschenke, die uns besonders zusagten, eingepackt und die anderen nach Konsultation meiner Kinder im dortigen Wohnzimmer belassen. Es soll ja dort auch etwas zum Spielen geben. Ich habe die Kinder, die Geschenke und meine inzwischen gespülte Tiramisu-Schale eingepackt und wir sind nach Hause gefahren. In eine gelüftete und aufgeräumte Wohnung. Mit von der Heimfahrt gelüfteten und glücklichen Kindern. Der Sohn hat noch bis tief in die Nacht sein neues Lego aufgebaut, die Tochter ist selig mit der Katze im Arm eingeschlafen.

Ich hab ein letztes Glas Rotwein getrunken, habe mich gefreut dass nach sechs Jahren so ein entspannter Abend möglich ist und ich faktisch keinen Finger gerührt habe. Dann habe ich gerülpst, mir selbst ein Weihnachtslied gesungen und bin zufrieden ins Bett gegangen.

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Weihnachten beim Ex – herrlich!

12von12 im Januar 2017

12 Bilder am 12. des Monats.

Wieder ein Tag. Warum auch nicht. Singen Element of Crime. So ein Tag war heute. Irgendwie wie immer und irgendwie sehr schön.

Wir sind alle zusammen um 7.15 Uhr aus dem Haus, ich zur endlich letzten Physiotherapie, dann ein langer Arbeitstag mit einem gemütlichen Mittagessen mittendrin. Die Kinder hatten lange Mittagsschule, um 17.30 Uhr haben wir uns zu Hause wieder getroffen und es gab was Schnelles und was Gesundes und viel Gekicher zum Abendessen. Der Sohn hat auf meinem smartphone Filmchen angeguckt und interessante screenshots gemacht, später im Bett hat er sich möglicherweise für eine Schule entschieden. Die Tochter ist strahlend vor Glück in die Kissen gesunken, sie ist zur Zeit sehr eins mit sich und dem Universum. Ich habe festgestellt, dass mein Heimweg sehr romantisch aussieht, ich meine Wohnzimmerlampe (die älter ist als ich) wirklich sehr liebe und dass ich für das zwölfte Bild nun einfach zu müde bin.

Mehr #12von12 gibts bei http://draussennurkaennchen.blogspot.de/

12von12 im Januar 2017