#muttertagswunsch corona version

Muttertag? Wagt es bloß nicht!

Ich bin nämlich echt sauer!

Das einzige, was ich zum Muttertag am 9. Mai akzeptiere, ist die Liebe und Anerkennung meiner Kinder. Die bekomme ich aber das ganze Jahr, dafür brauchen die Kids keine Bügelperlen. Sie sind eh nun langsam aus dem Kita-Grundschul-Bastelalter raus und eher in dem Alter, wo wir zusammen einen Sekt aufmachen.

Was ich zum Muttertag garantiert nicht brauche: hohle Phrasen der Politik, kitschige Versprechen der Wirtschaft, Staubfänger aus dem Einzelhandel.

Was ich von der Politik im 2. Jahr der Pandemie erwarte, ist glasklar: das Ende der Pandemie. Wir wären damit ja längst fertig, wenn man sich denn mal zu beherztem Eingreifen entschlossen hätte, sprich: alles, aber auch wirklich alles (außer das absolut Nötigste um das Land am Leben zu erhalten) dicht machen, runter mit der Inzidenz, mit den Neuinfektionen, rauf mit dem Gesundheitsschutz, fett investieren in Digitalisierung, Bildung und Forschung. Ob Schule oder Gesundheitsamt, die Zeit der Faxgeräte und Overhead-Projektoren ist vorbei, wir brauchen Glasfaser, WLAN, digitale Lernsysteme, ein Stromnetz, an der die Schulen das anschließen können und vernünftige home office-Ausstattung für jedes Kind. Gut, auch für die Eltern.

Bereits 2016 haben wir (Christine Finke, family unplugged und ich) mit einer fetten social media-Aktion versucht, den Muttertag dahin zurück zu bringen wo er herkommt: in den Bereich der politischen Forderungen. Muttertag ist weder eine Erfindung der Nazis noch der Blumenindustrie, es ging bereits in den 1890er Jahren um Anerkennung der Leistung von Müttern und bessere Bildungschancen für Mädchen. Was besonders Mütter, aber auch was alle Eltern heute fordern und brauchen, haben wir 2016 gesammelt, waren damit in den Tagesthemen und bei der Familienministerin, und einige Forderungen wurden tatsächlich umgesetzt. Nicht ausschließlich durch unsere Aktion, aber auch, denn wir haben mit gerüttelt an den gesellschaftlichen und politischen Strukturen und dadurch den Druck erhöht.

2017, zur Bundestagswahl, haben wir das zusammen mit Sonja Lehnert nochmal gemacht und die Forderungen an die Parteien geschickt, ist alles nachzulesen hier im Blog.

Die Kernforderungen waren 2017:

  • Steuergerechtigkeit für Familien, Familiensplitting statt Ehegattensplitting, Familie ist da wo Kinder sind, nicht wo ein Trauschein ist
  • gesellschaftliche Akzeptanz jeglicher Familienform, Respekt und Anerkennung der Erziehungsleistung, Wertschätzung und besonderer Schutz von Familien
  • vollwertige und unbegrenzte Anerkennung der Familienzeit bei den Rentenpunkten
  • ganz besondere Unterstützung Alleinerziehender im Steuerrecht und auf dem Arbeitsmarkt. Massive Senkung des Armutsrisikos Alleinerziehender, besonders auch im Alter
  • finanzielle Grundsicherung für Familien, voller Lohnausgleich bei Krankheit und Betreuungspflichten
  • kostenlose Krippen-Kita-Hortplätze, massive Verbesserung der Qualität in der Kinderbetreuung und der Schule, längere und flexiblere Betreuungszeiten, Betreuungsangebote (Mittagessen, Hausaufgaben, Ferien) auch für größere Kinder bis 16 Jahre
  • an die Arbeitgeber: mehr Flexibilität in der Arbeitszeit, Kündigungsschutz, Erleichterung beim Wechsel Vollzeit-/Teilzeit

Daran hat sich nichts geändert, aber nach 14 Monaten Pandemie, geschlossenen Schulen und Kitas, homeschooling und homeoffice-Hölle und einer dritten Welle, die nicht hätte sein müssen, liest sich das nochmal gänzlich anders. Besonders beim Thema finanzielle Grundsicherung für Familien, voller Lohnausgleich bei Krankheit und Betreuungspflichten brennt bei den meisten Familien inzwischen die Luft.

Ich bin so müde nach 14 Monaten Pandemie, denn mein Kulturbetrieb ist seit 6 Monaten geschlossen und meine Kinder waren seit fast 5 Monaten nicht in der Schule. Ich bleibe abends brav daheim, habe meine Mutter seit 1 Jahr nicht gesehen und lebe, wie so viele, mit der ständigen Angst, dass sich ein Mensch, den ich liebe, infiziert und an dem Sch*** stirbt. Ich könnte alle Maßnahmen und Ängste ertragen, wenn ich wüsste, das dies mein Anteil daran ist, die Pandemie zu bewältigen. Inzwischen sind die Verzögerungen und Ignoranz von Politik und Verwaltung aber ganz besonders für Familien eine Katastrophe und ich bin einfach nur noch stinksauer, dass mir und meinen Kindern so viel Lebenszeit und Lebensqualität geraubt wird. Meine Kinder verbringen ihre Jugend seit über einem Jahr auf dem Abstellgleis, während die Wirtschaft ihre Mitarbeitern homeoffice gerade mal nahelegen kann. Meine Kinder dürften die Schule ohne Test nicht mal betreten, während die Wirtschaft ihre Arbeitnehmern Test gerade mal anbieten muss. Jugendhäuser, Schwimmbäder, Sportvereine sind geschlossen, aber Hauptsache Baumärkte, Friseure und Buchhandlungen haben auf und die Deutschen essen ihren bescheuerten Spargel. Politiker, Schulverwaltungsämter und Kulturministerium finden noch die letzte Ausrede, keine Luftfilter in die Schulen zu stellen (zu teuer, zu unsicher, nicht erforscht, Stromnetz kaputt, Pandemie eh bald vorbei, Kinder werden ja kaum krank, laber rhababer), während dieselben Luftfilter in Landtagen und Gemeinderatssälen stehen. Ich weiß nicht, wen ich von dem Verein noch ernst nehmen soll, weder auf Stadt-/Landes- noch Bundesebene, ich habe Mails an Politiker, Ämter und Presse geschrieben und Petitionen gezeichnet. Es nutzt nix, es geht für Kinder und ihre Eltern keinen Millimeter weiter, wir stehen immer hinten an. Und kaum ist die Impfung für Kinder in Sichtweite, wird schon wieder diskutiert, ob sie von den Erwachsenen-Dosen überhaupt „schon“ etwas abbekommen sollen, wenn noch nicht ausnahmslos alle Priorisierten durchgeimpft sind. Auch wenn’s unsolidarisch rüberkommt: vielleicht impfen wir jetzt mal die, die in den ach so wertvollen Präsenzunterricht sollen, dort die meisten Kontakte haben und ihre Eltern infizieren, die dann auf Intensiv landen, bevor die Landtagsabgeordneten dran sind. Wenn ich überhaupt noch vor irgendeinem Politiker Respekt haben soll, dann vor dem, der auf seine Impfung zu Gunsten von Kindern verzichtet und von seinem Jahresverdienst Luftfilter in die nächste Schule stellt.

Und bevor irgendjemand auf die Idee kommt, an Muttertag Blumen, Pralinen und seichte Sprüche zu verteilen, blöde Bildchen ins Internet zu posten, kitschige Kalendersprüche über die alles-ertragenden-immer-lächelnden Mütter zu verbreiten, dem schleudere ich entgegen:

Ich brauch keine Blumen, ich brauche Luftfilter in den Schulen!

Ich brauche kein Parfum, ich brauche eine Corona-Impfung für mich und meine Kinder!

Ich brauch keine Seife, ich brauch eine Inzidenz unter 5!

Ich brauch keine Pralinen, ich brauch das Ende der Pandemie!

#muttertagswunsch #nocovid

#muttertagswunsch corona version

4 Gedanken zu “#muttertagswunsch corona version

  1. […] Obwohl sich viele Mütter im Privaten sicher über die gezeigte und gefeierte Verbindung zwischen ihnen und ihren Kindern freuen, brauchen sie von der Gesellschaft und Politik definitiv anderes als extra geöffnete Blumenläden, kitschige Bekundungen, Prozente für Produkte oder seichte Versprechungen von der Regierung. Sie haben ganz andere Muttertagswünsche. Lest Hier. […]

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  2. […] Millionen von Frauen sind extrem angepisst, weil sie gemerkt haben, welch niedrigen Stellenwert Familien, speziell Mütter und Kinder, in der deutschen Politik haben. Sie sind ausgelaugt und desillusioniert von monatelangem „Homeschooling“ und dem Versuch, dabei weder wahnsinnig zu werden noch den eigenen Job zu gefährden, weil der Chef, so wie die Familienminsterin vor einem Jahr noch, denkt Kinderbetreuung und Home Office ließen sich im Grunde doch ganz passabel miteinander vereinbaren. Dass die Ergebnisse und die Psyche aller unter einer solchen Mehrfachbelastung ganz extrem leiden, haben die Mütter anfangs noch in den Social Media rausgeschrieen, aber mittlerweile sind sie verstummt, die meisten haben nicht einmal mehr Kraft, aufzubegehren. […]

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  3. Nadine schreibt:

    Word!
    Und es ist so ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, dass sich in den letzten 7 Jahren so wenig getan hat :o/
    Mein klitzekleiner Hoffnungsfunken ist ja eine Mutter als Kanzlerin ;o)

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