Weil ich hier bleiben muss

Mein Herz ist schwer.

Es war fast wie eine neue Liebe. Erst nur zögerlich, nur mal hingeblinzelt. Berührungsängste. Überwunden. Rückzieher gemacht und doch nicht davon lassen können. Nochmal hingeschaut. Faszinierend, spannend, aufregend, schön. Ja, das könnte was werden. Ja, ich glaub ich will das. Ja, ich lass mich drauf ein. Eine tiefe Sehnsucht wurde geweckt. Die Vorfreude wuchs auf das, was da kommen kann. Nochmal gezögert, in mich gehorcht und dann beschlossen: ich mach das das. Ich wage das. Das wird ein großes Ding und ich freu mich tierisch drauf. Ja, ich lass mich drauf ein! Und genau an dem Punkt, als meine Entschlossenheit mutig auf 100% war, sagt der andere: nö.

Ende. Aus. Vorbei.

Verdammt. Das tut weh. So weit war ich noch nie. Ich war schon so weit, ich war doch eigentlich schon da, es hat sich wirklich gut angefühlt. Aber es hat nicht gepasst.

Ich lebe seit 14 Jahren in einer Stadt, in der ich nur eine Woche bleiben wollte. Ich komme mit der Landschaft nicht klar, weil es hier keinen Rhein gibt. Und weil ich hier nicht Fahrrad fahren kann, jedenfalls nicht so unbeschwert wie zu Hause. Da wo ich her komme, ist der Rhein und das Herz weit wie das Meer, das Land flach wie ein Pfannkuchen und die Menschen mediterran aufgeschlossen, um nicht zu sagen: penetrant gut drauf.

rhein

Hier, wo ich jetzt wohne, tröpfelt ein Bächlein draußen vor der Stadt, wir sind eingeschlossen von Hügeln und man ist stolz darauf, dass es heißt „7 Jahre hier: 1 Freund“, oder „nicht geschimpft ist schon gelobt genug“. Ich finde das nicht witzig, ich finde das engherzig und ich komme mit dieser Einstellung nicht klar.

In 14 Jahren habe ich hier alles gefunden, was ich zum Leben brauche, nur nicht mein Glück. Ich habe zwei wundervolle Kinder, eine Wohnung mit sonnigem Garten, einen erfüllenden, kreativen und flexiblen Job mit großartigen Kollegen und eine üppige Liste an Kontakten im Smartphone. Wenn was ist, kann ich eine Menge Leute anrufen, die mir helfen. Wenn nix ist, kann ich anrufen wen ich will, es hat niemand Zeit. Und mich ruft alle Jubeljahre mal jemand an, um mich zu fragen, wie es mir geht und ob wir am Wochenende zusammen mit den Kindern ins Freibad gehen. Oder in den Urlaub fahren. Oder ein Glas Wein zusammen trinken. Wenn ich zur Party einlade, freuen sich alle und kommen gerne, aber ich werde nicht eingeladen. Die meisten Leute haben hier leider nie Geburtstag, die wenigsten alle paar Jahre mal, krass. Zeit haben sie sowieso nicht. Oder die tun alle nur so nett und in Wahrheit bin ich total scheiße, nervig, doof und lästig. Das muss es sein.

Ich hab Herzeleid. Ich will nach Hause. Mit dem Rad den Rhein lang fahren, kilometerlang, stundenlang. Ohne erst drei Räder in die S-Bahn hieven zu müssen, am Ziel tut der Aufzug nicht und ich muss mich, zwei Kinder und drei Räder aus dem Untergrund bugsieren. Ich will meine Kinder von der Arbeit aus anrufen und sagen können „geht heute Nachmittag bei Oma vorbei, die hat einen Erdbeerkuchen gebacken, ich komm später dazu“. Hallo Ponyhof, ich weiß.

Vor 14 Jahren kam ich schwer verliebt in diese Stadt, arbeitslos, und blieb erst mal: Geh wohin Dein Herz Dich trägt. Zwei Wochen später war ich schwanger. Dahin trägt das Herz also. Das Kind wurde geboren, der Mann war viel unterwegs, ich hatte keine Freunde, keinen Job, keine Kontakte, war allein mit diesem zauberhaften Baby. Ich lief mit dem Kinderwagen weinend durch den Wald, einsam bis zum Anschlag und habe dem Kind und mir tröstend vorgesungen.

Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein‘ Fuß. Hat ein Zettel im Schnabel, von der Mutter einen Gruß. Lieber Vogel, fliege weiter, nimm ein‘ Gruß mit und ein‘ Kuss, denn ich kann Dich nicht begleiten, weil ich hier bleiben muss.

Es wurde noch ein Kind geboren, ich war glücklich mit meiner Familie, und ebenso beschäftigt. Das Heimweh ließ nach, ich war nur noch müde, habe gestillt, gewickelt, den Haushalt geschmissen, Bewerbungen geschrieben. Der Mann war viel unterwegs. Sehr viel. Ich war allein, fand erst Kontakte, als die Kinder in die Kita kamen.

Die Ehe zerbrach, ich zog mit den Kindern aus. Blieb aber in der Stadt, weil ich den Kindern den Vater nicht nehmen wollte und dem Vater nicht die Kinder. Weil wir eine tolle Kita, viele Freunde, eine schöne Wohnung direkt gegenüber der Kita und ich endlich einen kleinen Job gefunden hatte. Wenn schon keine Familie mehr, dann sollte wenigstens alles andere für die Kinder stabil bleiben.

Ein Jahr später wechselte ich den Job in Richtung „Vollzeit aber Traumjob“, das erste Kind kam in die Schule. Schlechter Zeitpunkt, um die Stadt zu verlassen. Und so verpasste ich Jahr um Jahr das Zeitfenster, nach Hause zurück zu kehren. Mal kam ein Kind in die Schule, mal wechselte ein Kind die Schule. Das Heimweh wurde immer größer und irgendwann setzt ich mir selber die Pistole auf die Brust: entweder ich finde einen Job in der alten Heimat oder hier eine Wohnung mit sonnigem Garten. Die aktuelle Wohnung war zwar groß und günstig, aber dunkel und feucht.

Ich fand keinen Job in der Heimat, aber eine schöne Wohnung mit sonnigem Garten gleich um die Ecke. Das Schicksal hatte also für mich entschieden: wir bleiben in dieser Stadt. Ich arrangierte mich damit, zog um und genoss den Garten, immerhin.

Das Heimweh kommt aber immer noch, in Wellen, am schlimmsten ist es, wenn ich zu Besuch in der Heimat war. Ich schiele immer wieder nach dem passenden Zeitpunkt für den Absprung, aber der kommt nie. Erst war es die Kita, dann die Schule, jetzt die Pubertät. Die Kinder sind hier geboren, hier ist ihr Universum, hier verlieben sie sich. Sie wären längst groß genug, den Kontakt zum Vater selbstständig zu halten, auch mit 400km dazwischen, und ich glaube, der Opfer sind genug gebracht für eine glückliche Kindheit. Nach 14 Jahren habe ich das verdammte Gefühl: jetzt bin ich dran, Leute. Und ich will nach Hause.

Mir flattert ein Angebot ins Haus, ein spannender Karriereschritt: besser bezahlt, keine Abenddienste bis 2 Uhr und obendrein in der Heimat. Wow. Ich will nicht nur nach Hause, ich habe auch große Lust auf diese Arbeit, ich weiß dass ich das kann und dass ich das gut machen werde. Ich hab schon eine Menge Ideen und bin voller Tatendrang und Neugier.

Das schlechte Gewissen zu den Kindern bringt mich dabei fast um, ich verbringe viele schlaflose Nächte. Der Gedanke, ihnen sagen zu müssen dass wir wegziehen, ist schlimmer als die Verkündung der Trennung vor acht Jahren. Angst, den Kindern nach der kaputten Ehe nun endgültig die Kindheit zu versauen, sie aus ihrem Umfeld zu reißen. Angst, dann vielleicht gar nicht arbeiten zu können, weil die Kinder Schwierigkeiten mit den neuen Schulen, Umfeld, Freunden, Lehrern kriegen. Angst, dass ich alles zerstöre, was ich aufgebaut habe. Und dass nur, weil ich mit dem Rad den Rhein lang radeln will? Wie egoistisch kann man sein?

Alle Familien, die ich kenne, die umgezogen sind, waren mit zwei Erwachsenen ausgestattet. Da hat einfach mal einer (meistens die Frau) nicht oder nur wenig gearbeitet, bis die Kinder sich umgewöhnt hatten. Ich bin jedoch allein. Wie immer. Ich muss nicht nur diese Entscheidung alleine treffen, ich muss auch alle Konsequenzen alleine tragen. Eine Wohnung suchen, ein neues Netzwerk für uns aufbauen. Neue Schulen finden. Und natürlich arbeiten, und zwar volle Kanne ab dem ersten Tag, weil neuer Job.

Ich habe Angst, dass ich das nicht packe und mir endgültig alles um die Ohren fliegt. Ich bin in den acht Jahren des Alleinseins mit den Kindern drei Mal in Kur gewesen und zwei Mal monatelang arbeitsunfähig gewesen wegen kompletter Erschöpfung. Seit 1-2 Jahren läuft hier nun endlich alles etwas stabiler, die Kinder sind größer, im Job hat sich einiges entspannt. Und genau an dem Punkt will ich nochmal alles umreißen?

Ja, ich will. Ich habe meine Familie in der Heimat, alte Freunde und ich werde rasch neue finden, die Kinder sowieso. Ich packe das, das weiß ich. Ich will hier nicht bleiben und nicht alt werden, das merke ich bis in die Haarspitzen. Nie hätte ich gedacht, dass Heimat so wichtig für mich ist, wie schmerzhaft Heimweh sein kann. Es reißt Dir das Herz raus. Ich bin entschlossen, das nicht mehr auszuhalten.

Aber nein, siehe oben: Es hat nicht geklappt. Ich war 1mm davor und dann hat es nicht gepasst. Mein Schicksal hat zum zweiten Mal entschieden, dass ich nicht nach Hause gehe. Das tut weh. Ich bleibe also hier, in der Schwabenmetropole, und werde natürlich mit aller Leidenschaft das weiter machen, was ich mache. Weil ich keine halben Sachen mache, und weil ich es gerne mache. Ich habe einen großartigen, Sinn stiftenden Job, ich werde natürlich ab und zu doch zu Geburtstagen eingeladen, ich kann keine 500 Meter durch den Stadtteil laufen ohne Bekannte zu treffen, und wenn man mal den Schmerz in den Waden überwunden hat, klappt’s auch mit dem Fahrrad fahren. Aber mein Herz ist woanders. Geh wohin Dein Herz Dich trägt, aber ich kann nicht gehen.

Das Ganze ist jetzt fast ein halbes Jahr her und ich werde wohl hier bleiben, bis die Kinder aus dem Haus sind. Ich kann inzwischen nicht mehr sagen, ob ich es wirklich getan hätte, denn die Kinder hätten sich mit Händen und Füßen gegen einen Umzug gewehrt, und sie sind einfach das Wichtigste in meinem Leben. Ich fühle mich ja wohl hier, wo ich jetzt bin, trotzdem habe ich Heimweh, immer wieder, Bilder vom Niederrhein kann ich ohne Wehmut überhaupt nicht anschauen. Und so sitze in meinem schönen sonnigen Garten und schaue den Vögeln im Baum zu.

Lieber Vogel fliege weiter, nimm ein‘ Gruß mit und ein‘ Kuss. Denn ich kann Dich nicht begleiten, weil ich hier bleiben muss.

garten

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Weil ich hier bleiben muss

12 Gedanken zu “Weil ich hier bleiben muss

  1. Eva schreibt:

    Komm zurück. Ist eh nie der richtige Zeitpunkt, wie beim Kinder kriegen.
    Schulenberatung (2×Gymnasium, 1x Realschule) in der schönsten Stadt am Rhein kann ich Dir gerne geben, und Wein hab ich eigentlich auch immer im Haus. Einzig die Wohnsituation ist echt Kacke in Düsseldorf, aber ich hatte auch Glück und bekam eine als ae.
    Es ist nie zu spät nach Düsseldorf zurück zu kommen ♡
    Liebe Grüße von Eva

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  2. Ich habe jahrelang unter Heimweh gelitten. Ich glaube, bei mir war es die Sehnsucht nach einer längst verlorenen Zeit, meiner Kindheit und Jugend, meine Sehnsucht nach weniger Verantwortung und Unbeschwertheit. Als ich erkannte, dass ich mit dem Vater meiner Kinder nicht mehr leben kann, habe ich überlegt. Zurück zu Mama, aber 100 km einfache Fahrt zu meinem Arbeitgeber (bin da recht eingeschränkt, kann und will aber nichts anderes) erschienen mir utopisch. Und der Mann hätte mich nicht gelassen, wegen der Kinder.
    Als im Sommer vor zwei Jahren mein Vater starb und ich mein Elternhaus ein zweites Mal und endgültig verlor, als ich nur 5 Wochen später hier in 30 km Entfernung meinen Traummann traf, als ich auch durch ihn die Gegend mehr und mehr ins Herz schloss, meine Arbeitsstelle nicht mehr hergeben wollte und den Kindern ihr Zuhause nicht nehmen wollte, hörte auch mein Heimweh auf. Es würde ja eh nie mehr wie früher. Ich bin da nach über 20 Jahren auch eine Fremde, habe nur Mutter und Bruder noch dort, und Erinnerungen.

    Ich finde, man sollte alle Zeit offen bleiben für mögliche Veränderungen. Wer weiß, was noch kommt. Die Kinder werden flügge. Wo werden sie hinfliegen? Und in meinem Fall: was wird aus der Beziehung mit meinem Traummann? Wir werden sehen, es wird sich finden. Ich bin jetzt erst mal hier heimisch.

    Ich wünsche Dir allzeit das richtige Gespür für die richtige Entscheidung.

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  3. Bea schreibt:

    Geh, aber geh richtig. Ich selbst habe „nur“ 450 km in die richtige Richtung geschafft, aus verschiedensten, überwiegend pragmatischen Gründen. Für die Kinder gut, für mich nicht, ich bereue es, dass ich nicht die ganzen 800 km direkt gemacht habe. Aber Mut und Kraft reichten erstmal nur dafür. Am wichtigsten ist aber bei allem, dass es stimmt: Ja, es gibt Heimat, ja, es gibt Verwurzelung, das ist keine Einbildung, der Mensch kann nicht überall gleich glücklich sein. Sich nicht einreden zu lassen, man müsse sich nur etwas mehr anstrengen und Mühe geben, finde ich mitunter sehr anstrengend. Was hilft: zu denken, „für irgendwas ist auch das gut“. Zu wissen, dass es anderen genauso geht. Und meine Hoffnung: noch 5 Jahre, aber dann! Aber wirklich dann? Wenn die Kinder aus dem Haus sind, gehe ich dann wirklich … Die Zweifel bleiben. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft!

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  4. Wow, Ihr Beitrag berührt mich! 🙂 Zum einen habe ich das Lied vom kleinen Vogel, der „hierbleiben muss“ meinem Sohn auch bereits viele Male vorgesungen und die Mischung aus Heiterkeit und Wehmut genossen, die für mich Text und Melodie verbindet. Seit fast zehn Jahren lebe ich jetzt am Rhein, ursprünglich wohnhaft in einer kleinen Stadt im Süden, jetzt, alleinerziehend mit kleinen Kind, hier in der Metropole. Ich kann nur sagen, ich kenne die Sehnsucht – und das Zögern, ihr zu folgen – wie Sie, nur eben in die umgekehrte Richtung… Danke für den schönen Text! 🙂 Herzlichen Gruß, Sunnybee

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  5. Neeva schreibt:

    Heimweh, wie übel. Kann ich als Ostsee-Nordlicht in München gut nachvollziehen. (Wobei wirklich herzzereißend ist es, wenn man dann nach Hause fährt und dort auch nicht mehr hingehört.) Ich habe das „Glück“, dass meine Heimat so viel strukturschwächer ist, dass es praktisch keine Stellen in meinem Beruf gibt.

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  6. Oh, liebe Mutterseelesonnig! Das ist soo schön geschrieben! So viel Liebe zu den Kindern, zu der Welt, zum Leben – auch wenn es für das eigene Leben bedeutet, immer wieder Herzweh und Heimweh zu haben. Danke fürs Teilhabenlassen!
    Mein Papa hat, nachdem unsere Mama verstorben ist, als ich 7 war, es ähnlich gemacht: ich war schon in der Schule, die anderen Großeltern waren da, Bekannte von ihm. Er blieb mit meiner Schwester und mir in der Heimat meiner Mutter, auch wenn er persönlich sich nicht wohl gefühlt hat in der Gegend und seine Familie und Freunde an der Ostsee sehr vermisste. Als wir Kinder dann aus dem Haus waren, wollte er aber auch nicht mehr die Zelte abbrechen, es seien zu viele Jahre der Gewöhnung, neue Freunde, passender Job ect. Er passte für ihn dann, seine Heimat trägt er weiter im Herzen.
    Genug erzählt von mir.
    Nochmal danke fürs Schreiben! Ich wünsche dir das Beste! Egal an welchem Ort!

    Gefällt 2 Personen

  7. Sunni schreibt:

    Hallo, ich habe auch eben erst über Twitter das Blog entdeckt. Da ich 2 Kinder allein mit Vollzeitarbeit aufgezogen habe und gleiches eben bei meiner Tochter Nr. 2 erlebe, rate ich:GEH! GEH und mach endlich, was dein Herz dir sagt. Die Kinder werden streiken, nölen, schimpfen, bocken. Aber sie werden gehen, denn eine traurige Mutter ist eben eine traurige Mutter….Sie sind größer, sie verlieren ihren Vater nicht, man kann reisen, sie werden das tun, öfter oder weniger, das ist egal. Auch mit Kindern hat man ein eigenes Leben und ein Recht auf sich selbst. GEH! Liebe Grüße aus Thüringen, wo ich zwar zuhause bin, aber gar nicht glücklich, nur ich kann nicht mehr gehen,da mein Mann seit 6, 5 Jahren Krebs hat und schon 80 ist. Und ich hab seit 4 Wochen Krebs…GEH! Und lass das endlose Rücksichtnehmen bleiben! LOS! Herzlich, Sunni

    Gefällt 3 Personen

  8. hallo, ich bin auch das erste mal hier auf deinem blog und kann mich nur anschließen: ich verstehe dich total! ich kenne die sehnsucht nach der heimat und manchmal denke ich, dass die menschen, die aus der ecke kommen, etwas mitbekommen haben, was sie woanders nicht finden oder bekommen können. so bleibt dieses heimweh. und ich kann auch nur sagen: ziehe zurück an den niederrhein. nimm die kinder mit. du bist auch wichtig! und du hast jetzt schon so lange durchgehalten und irgendwann ist es mal gut mit durchhalten… die kinder können sich auch in einen zug setzen und zu papa fahren oder umgekehrt. dafür gibt es lösungen, das machen andere auch. du schaffst das. irgendwann werden die kinder sagen: hier ist es aber toll! warum bist du nicht früher mit uns hergezogen, hier an den rhein? liebe grüße und dir mal auf die schulter klopfe. wirklich, ziehe zurück. warte nicht noch zehn jahre. dein herz ruft, ich kann es bis hierhin hören.

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  9. „Wenn ich zur Party einlade, freuen sich alle und kommen gerne, aber ich werde nicht eingeladen. Die meisten Leute haben hier leider nie Geburtstag, die wenigsten alle paar Jahre mal, krass. Zeit haben sie sowieso nicht. Oder die tun alle nur so nett und in Wahrheit bin ich total scheiße, nervig, doof und lästig.“

    Es bleibt also so.

    Ich wusste es.

    Wir stehen jedes Jahr vor so einem „Absprung“, wobei unsere Heimaten unterschiedliche sind und der kleinste gemeinsame Nenner nur lautet: Weg von hier. Weil man hier einfach nicht alt werden kann.

    Aber dann fragen wir uns: vielleicht tut es auch ein Unzug vom (bildhübschen) Kaff in die nächstgrößere Gemeinde?

    Wir nehmen Geld in die Hand aber wir wissen nicht, wo wir uns endgültig ein Haus kaufen sollen. In seiner Heimat? In meiner? In der nächstgrößeren Gemeinde? In irgendeinem Kompromiss, der wenigstens in Baden liegt?

    Vielleicht werden wir es niemals herausfinden.

    Ich bin so traurig und möchte mit dir zusammen weinen.

    #schwaebischesexil

    Gefällt 1 Person

  10. Jessica Gollub schreibt:

    Hallo meine Liebe, ich habe soeben das erste mal deinen Blog entdeckt und bin zutiefst berührt. Ich lebe in Freiburg und komme aus Wesel und Moers. Immer wenn ich hier mit den Leuten spreche fehlt mir die Heimat um so mehr. Ich kann dich so gut verstehen und kann dir nur sagen GEH. Meine Mutter (alleinerziehend mit 4 Kindern) hat diesen Schritt damals zurück in die Heimat mit uns gewagt. Meine Schwester war 14 und hat geflucht und heute will sich nichts mehr missen. Der Niederrhein und das Umfeld prägen ungemein. Wenn du willst das deine Kinder nicht so werden geh den Schritt, manchmal bin ich von dieser Stoigkeit hier schockiert und ich bin ein Macher. Am Wochenende gehts wieder in die Heimat, wann immer ich kann. Die Landschaft ist toll hier aber immer wenn ich an den Rhein komme werfe ich Steine für die Menschen die mir wichtig sind. Das hab ich so von Oma gelernt. Wenn du in meiner Nähe bist, ich würde dich gerne kennenlernen und mit dir am liebsten eine Meet up Gruppe die Himmel und Erd heißt gründen. Ich drück dich, deine neue Abonenntin. PS: was machst du beruflich?

    Gefällt 1 Person

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