Elterntaxis und die persönliche Verkehrswende. Für Fritz Kuhn.

Ich hab nix gegen Elterntaxis. Ich hab was gegen überflüssige Autofahrten. Egal ob Eltern oder nicht. Der Unterschied zwischen sinnvoller und überflüssiger Autofahrt ist ein schmaler Grad und führt zu hitzigen Diskussionen. Es ist schlichtweg nicht zu beurteilen oder zu bewerten, ob eine Autofahrt jetzt unabwendbar oder überflüssig war, denn jeder führt mehr oder weniger überzeugende Argumente an.

Was meiner Meinung nach jedoch kein überzeugendes Argument ist, ist die Folgen des Autofahrens auszublenden und über Alternativen gar nicht erst nachzudenken. Weil man das Auto ja eh hat und weil jeder denkt „ach, die eine Autofahrt“.

Was mich nervt, ist die Tatsache, dass unsere Städte (und meine: Stuttgart ganz besonders) für den Autoverkehr optimiert sind, nicht für Fußgänger, Radfahrer oder öffentliche Verkehrsmittel. Ein Umdenken bei Politik und Stadtplanung kommt recht schwerfällig in Gang und ist nach jahrzehntelanger Fokussierung auf individuelle Verbrennungsmaschinen sehr mühsam.

Was mich nervt, ist die Tatsache, dass in den Köpfen immer noch das Auto als die optimale Bewältigung einer Strecke betrachtet wird:

  • Eingekauft wird mit dem Auto, obwohl der Supermarkt zu Fuß in 10 Minuten erreichbar ist. Mit dem Einkaufswägelchen ist es sogar praktischer, denn ich packe die Sachen von der Kasse im Laden in meinen Wagen, und ziehe den zu Hause bis vor den Kühlschrank. Die Autofahrer packen zig mal um, in den Wagen, ins Auto, fahren 5 Minuten, parken in 2. Reihe, packen aus und schleppen die Sachen in die Wohnung, gehen eine Parkplatz suchen. Wenn ich zu Fuß einkaufe, treffe ich meine Nachbarn, die denselben Weg mit dem Auto bewältigen. Warum, frage ich mich?
  • Zur Arbeit gefahren wird mit dem Auto, weil man das Glück hat, in der Innenstadt einen Betriebsparkplatz zu haben. Obwohl zu Hause vor der Tür die Bahn abfährt und bis auf 300 Meter an die Arbeitsstätte heranreicht. Warum, frage ich mich?
  • Das Kind wird vom Fußball mit dem Auto abgeholt, obwohl es mit dem Auto (dank Einbahnstraßenchaos) ein riesiger Umweg ist und es erst am Fußballplatz und dann zu Hause keinen Parkplatz gibt. Zu Fuß wären es ein paar Minuten gewesen, es ist hell, die Kinder laufen im Rudel und sind allesamt über 10 Jahre alt. Warum, frage ich mich?
  • Das Kind (12 Jahre alt) wird in die Schule gefahren, obwohl es 2km ebene Strecke zur Schule sind: es gibt einen Bus (2 Haltestellen), es gibt einen Radweg und es gibt alle 6 Wochen eine Mail aus der Schule, die Kinder BITTE BITTE nicht mit dem Auto zu bringen. Warum, frage ich mich?

Es geht auch noch krasser:

  • meine Tochter fährt jeden Tag mit dem Bus von der Schule nach Hause. 10 Minuten dauert das, Fußweg zur Haltestelle jeweils ca. 400m. Als eine Freundin sie mittags besuchte, kam die Mutter extra mit dem Auto zur Schule und hat die beiden 12jährigen zu uns gefahren. Quasi dem Bus hinterher. Warum, frage ich mich?
  • Der Sohn besucht einen Freund einen Stadtteil weiter. Da fährt eine Bahn. Auf dem Hinweg nimmt die Mutter vom Freund beide aus dem Hort mit dem Auto mit. Den Rückweg soll er alleine machen, er kennt den Weg, er kennt die Bahn. Trotz dieser Absprache bringt die Mutter meinen Sohn mit dem Auto nach Hause. Warum, frage ich mich?

Mich ärgern daran zwei Dinge: jede überflüssige Autofahrt ist eine Autofahrt zu viel. Und die pädagogischen Folgen: den Kindern wird vermittelt, dass eine Autofahrt IMMER die bessere Alternative ist. Auch wenn es länger dauert, mehr Dreck macht und anders besprochen war: Autofahren ist besser.

Autofahren ist nicht besser.

Es gibt gute Gründe, selber oder die Kinder mit dem Auto zu fahren, aber die Beispiele, die ich hier genannt habe, gehören meiner Meinung nach nicht dazu. Wenn ich die Autofahrer darauf anspreche, sagen sie „ist doch bequemer“, „dann hat sie es gemütlicher“, „ach das eine Mal“, „dann kann er 5 Minuten länger spielen“, „mein Kind kennt den Weg nicht“ oder auch einfach „ich fahr halt gerne Auto“. Das sind meiner Meinung nach verdammt schwammige Gründe für die Autofahrt in einer Stadt, die im Autoverkehr versinkt.

Nora Imlau hat in ihrem Text einige Gründe angeführt, die die Grundlage für Elterntaxis bilden können:

  • „Manche Eltern müssen mehrere Kinder an verschiedene Orte bringen, bevor sie selbst zur Arbeit gehen, und schaffen es nicht, all diese Wege zu Fuß oder mit dem Rad zu bewältigen.
  • Manche Kinder leiden unter Schulangst, und ein Moment der Ruhe mit Mama oder Papa im Auto hilft ihnen, Kraft und Mut für den Tag zu sammeln.
  • Es gibt Kinder, für die sind die zehn Minuten im Auto morgens die einzige Wachzeit unter der Woche, die sie mit ihrem Papa verbringen.
  • Manche Kinder haben einen langen Schulweg, weil sie nicht die Regelschule ums Eck besuchen, sondern eine andere Schule, die ihre Eltern meist aus sehr guten Gründen für sie ausgewählt haben.
  • Manche Eltern fahren jeden Tag 60 Kilometer einfache Strecke über die Autobahn, um ihr Kind zu der einzigen Schule in der Umgebung zu bringen, an der ihr Kind sein darf wie es ist.“

Ich finde das ok, mir fehlt hier allerdings der Punkt, radikaler über Alternativen nachzudenken, denn meiner Meinung nach ist das Auto immer die schlechtere Wahl. Wenn es nur diese 10 Minuten mit dem Papa im Auto gibt: kann man da am Familienalltag was drehen? Wenn das Kind Schulangst hat: kann man Kraft und Mut für den Tag wirklich nur im Auto sammeln, nirgendwo sonst?

Ich finde das Umdenken wichtig: geht es vielleicht auch ohne Auto? Können wir uns anders organisieren? Der Gedanke ist vielleicht ungewohnt und oft unbequem, aber er lohnt sich immer. Das Bewusstsein, dass ein Verbrennungsmotor, der eine Tonne Stahl und Eisen bewegt, nicht die umweltschonendste Variante der Fortbewegung ist, hat sich noch nicht durchgesetzt. Es wird als individuelles Recht gesehen, soviel Auto zu fahren wie man Lust hat. Ich finde jedoch, jeder Mensch hat mit seinem Handeln auch eine gesellschaftliche Verantwortung. (Das Private ist politisch. Immer) Und wenn ich durch eine Änderung meines persönlichen Verhaltens eine Verbesserung für alle erreichen kann, dann sollte ich es nach Möglichkeit auch tun. Und nicht einfach auf Kosten Aller meiner persönlichen Bequemlichkeit den Vorrang gewähren. Wenn ich mich entscheide, aus welchen Gründen auch immer, das nicht zu tun, dann habe ich hoffentlich wenigstens gründlich drüber nachgedacht, die Sache reflektiert und bin zu einer Entscheidung gekommen, die ich guten Gewissens rechtfertigen kann. Aber einfach nur zu sagen „ach es ging halt schneller“, „Es ist eben bequemer“ oder „Im Auto können wir so schön Musik hören“ (alles schon gehört), ist meiner Meinung nach kein valider Grund, die Luft- und Lebensqualität aller Stadtbewohner weiter zu ruinieren.

Und deshalb ärgere ich mich wahnsinnig, dass das Schülermonatsticket in Stuttgart zum 1.1.2018 wieder erhöht wurde. Zwar nur um 85 Cent, aber vor 2 Jahren waren es bereits 2€. Und klammheimlich: keine Pressemeldung, kein Newsletter, nix, nur der Blick aufs Konto verrät den Eltern diese Verteuerung. Wenn diese Stadt wirklich ein Umdenken wöllte, dann würde sie das Schülermonatsticket radikal vergünstigen oder gar umsonst anbieten, wie es andernorts ja auch möglich ist. Denn dass Eltern keine Lust haben, für 4 Haltestellen 40€/Monat zu zahlen, kann ich verstehen, und mit diesen heimlichen und ständigen Verteuerungen erreicht man ganz bestimmt kein Umdenken, sondern nur die Zunahme von Elterntaxis. Es kostet mich 964,80€ im Jahr, meine Kinder mit Bus&Bahn in die Schule zu kriegen (Fahrrad ist wegen der Stuttgarter Berg-und-Tal-Fahrt und wegen der absolut miserablen Radinfrastruktur ausgeschlossen: ich schicke keinen 11jährigen durch den fahrradweglosen 4spurigen Autoverkehr mit 7-Kilo-Ranzen quer durch die Stadt). In die Grundschule sind sie noch gelaufen, die Kosten für das Monatsticket kommen seit der weiterführenden Schule halt einfach dazu. Woher die Kohle kommen soll, weiß ich nicht, und Fritz Kuhn, mein grüner Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender des VVS, wird es mir auch nicht sagen können. Auf jeden Fall ist das ganz sicher nicht das Konzept einer familienfreundlichen Stadt, die auf dem Weg in die Verkehrswende ist.

Zurück zum Anfang: Ich habe nix gegen Elterntaxis. Ich gehe davon aus, dass, wie Nora Imlau schreibt, Eltern einen sehr guten und wohl bedachten Grund für jede einzelne Autofahrt haben.

Meine Beobachtungen und Erfahrungen in meinem Umfeld sind, wie beschrieben, leider oft andere. Es wird Auto gefahren, weil es geht. Ich habe was gegen das unbedachte, unreflektierte Autofahren zu Gunsten der eigenen Bequemlichkeit. Denn das kann man, gerade in Städten wie Stuttgart, echt nicht mehr bringen.

Wir müssen umdenken. Auch mal in Kauf nehmen, dass es vielleicht bissl unbequemer ist. Wir müssen unseren Kindern vermitteln und vorleben, dass eine Autofahrt nicht immer die erste und einzige Wahl ist, und dass es von Verantwortungsbewusstsein zeugt, auch mal auf das Auto zu verzichten und gemeinsam zu überlegen, wie wir es anders machen können.

In dem Moment, wo ich ins Auto steige, belaste ich die Luft die ich atme, die mein Kind atmet, und die andere Menschen und deren Kinder atmen. Deshalb finde ich, ist es keine komplett individuelle Entscheidung, ob ich Auto fahre, sondern ich entscheide damit auch über die Lebensqualität meiner Mitmenschen. Dieser Verantwortung sollte sich jeder, der das Auto nutzt, immer bewusst sein.

Von der Politik erwarte ich deshalb, dass sie uns beim Umdenken verdammt nochmal unterstützt und es mal ein paar beherztere Schritte in der Verkehrswende gibt, damit es den Menschen leichter fällt, vom Auto weg zu Alternativen zu kommen. Dass das Firmenticket in Stuttgart bald günstiger ist als das Schülermonatsticket, ist in dem ganzen Spiel wohl nur ein schlechter Witz.

ohneauto
Es geht öfter ohne Auto, als man denkt
Elterntaxis und die persönliche Verkehrswende. Für Fritz Kuhn.

11 Gedanken zu “Elterntaxis und die persönliche Verkehrswende. Für Fritz Kuhn.

  1. sonjamarisa schreibt:

    Du hast so Recht. Wir wohnen im Schulviertel. Grundschule, Realschule, Gymnasium und Kindergarten alle fußläufig erreichbar. Toll für unsere Kinder, aber der Weg durch dieses Viertel zu Fuß ist eine Katastrophe. Um acht Uhr morgens ist so viel los, dass ich mit meinen Kids zu Fuß durch die Nachbarstraße zum Kindergarten laufe. Meine Kinder sollen die 5 Minuten später allein laufen, aber Angst vor den teils echt rücksichtslosen Elterntaxis habe ich schon.

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  2. Sehr fundierter und guter Artikel. Wir leben in Berlin, haben ein Auto, würden es aber gern abschaffen. Allein die Bequemlichkeit und die (fehlenden) Kindersitze für den unter 2-Jährigen in den Leihmöglichkeiten, wenn es denn mal ein Auto sein soll, halten uns bisher ab.

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  3. Alles richtig, aber (leider!) nicht immer umsetzbar. Wenn ich mit den Öffentlichen ins Büro fahre, brauche ich 1h26min – da darf dann aber nichts schief gehen – sitze also pro Tag 3 Stunden in der Bahn. Zeit, die ich nicht habe. Also fahre ich Auto: 30 Min / Strecke. Mein Kompromiss: ich arbeite an 2 Tagen/Woche von zu Hause.
    Deine Liste trifft dennoch den Nagel auf den Kopf: jeden Morgen, wenn knapp vor Schulbeginn schwere Autos durch unsere 30er Zone jagen, um Kinder in zweiter Reihe haltend an der Grundschule abzuwerfen (manche/r würde sicher gerne direkt auf den Schulhof fahren), packt mich der Zorn. Wer (mindestens) die letzten 100 Meter alleine zur Schule geht, ist groß und frei. Das sollte jedem Schulkind zugestanden werden.
    Alles Liebe für 2018 und gute Nerven 😉 Carina.

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  4. Ich fahre nach meinen Begriffen viel Auto, und über die Stichhaltigkeit meiner Gründe kann man unterschiedlicher Meinung sein. Aber wie jemand allen Ernstes der Meinung sein kann, ein Auto im Straßenverkehr sei ein Ort, an dem man Kraft und Mut sammeln könne, das will mir nicht in den Kopf.

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  5. Mandy B.-K. schreibt:

    Ach das ist alles sehr verzwickt.
    Hier in Bonn und Umland sind die ÖPNV Preise so unattraktiv, dass sich Autofahren selbst in die Innenstadt noch lohnt. Vergleich letztens zum Weihnachtsmarkt und Shoppen: 2 Erwachsene mit Bahn hin und zurück 14,72€ vs. Auto inkl. Parken (6h) 14€. Das kann es doch auch nicht sein?! Warum sind Öffis soooooooo teuer?
    Mir gruselt es schon vor dem Eintritt der Jungs in die Weiterführende Schule … das Schülerticket kostet 32,50€ pro Monat :-/
    Mit meinem Jobticket fahre ich zur Arbeit und auch in die Innenstadt – sehr bequem und schnell, auch vom Rande Bonns.
    Großeinkauf mit Getränkekästen usw. gibt es einmal die Woche. Wenn möglich direkt verbunden mit dem Schwimmen der Jungs, sodass man nur einmal das Auto bewegen muss. Die Fahrten zur Familie hauen rein – alle 2-3 Monate 900km.

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    1. Fabian schreibt:

      Bzgl. des Weihnachtsmarktes und Shopping: Das ist ja eine Milchmädchenrechnung: Dabei ist ja noch nicht eingepreist was das Auto kostet, die Reparaturen, TÜV, …. und die Zeit, die dabei drauf geht, dass man dort hin fahren muss, warten, …

      U.a. deshalb sind Öffis so teuer …

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  6. Ein sehr schöner Artikel, den ich voll und ganz unterschreibe! Ich kenne zwar nicht viele Eltern mit Autos – hier in Hamburg habe ich manchmal das Gefühl, man muss sich kostentechnisch zwischen Auto und Wohnung entscheiden -, aber deine Argumente finde ich so oder so sehr gut. Auch ich finde manchmal das Auto bequemer, z.B. wenn ich meine Schwester in einem anderen Stadtteil besuche und im ÖPNV dafür zweimal umsteigen muss und 40 Minuten brauche, mit dem Auto aber nur 20 Minuten -, und wenn ich mir was leisten will, nehme ich dann eben ein car2go. Solche Systeme finde ich enorm sinnvoll, weil sie den ÖPNV eben gut ergänzen.
    Hamburg hat im Koalitionsvertrag stehen, dass es zur Fahrradstadt umgestaltet werden soll, aber so richtig voran geht das nicht.
    Lustig wird es immer, wenn z.B. auf ZON mal wieder ein Artikel über die Förderung von Fahrrädern und den ÖPNV erscheint, und dann in den Kommentaren die Autofahrerinnen das Ende ihrer Existenz heraufbeschwören. Dann könne man ja gar nicht mehr zur Arbeit kommen! Und den Wocheneinkauf machen! Und ich immer so: hä? 50% der Haushalte in Hamburg haben gar kein Auto, die verhungern doch nicht alle und schaffen es auch zur Arbeit…Meiner Meinung nach ist das einfach reflexhafte Besitzstandwahrung.

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  7. Marika schreibt:

    Sehr gut! Vielen Dank! Auf das dies sehr viele Menschen lesen! Wie im Kommentar auch nochmal erwähnt ist neben den wohl recht verbreiteten individuellen Entscheidungen aus Gewohnheit und Bequemlichkeitauch der Kostenunterschied Auto vs. Öffis eine Hürde: das Autofahren ist so verdammt billig!
    Übrigens: Das Bild am Ende ist wunderbar!

    Gefällt 1 Person

  8. Kai schreibt:

    Danke für den ausführlichen Artikel. Ich kann das praktisch 1:1 unterschreiben. Wir wohnen zwar im Speckgürtel (Ostfildern), sind aber trotz Stadtbahn (3 Minuten Entfernung) und Stadtmobil (3 Stellplätze mit 5 Fahrzeugen im Umkreis von 8 Gehminuten) die einzigen weit und breit, die kein eigenes Auto haben. Wer progressiv ist, hat nur ein Auto, hier im Reihenhausviertel. Die Autofixiertheit ist wohl nur über den Generationswechsel aus den Köpfen zu bekommen. Meine Jungs, da bin ich froh, entscheiden sich immer klar für die Bahnfahrt, wenn die Frage im Raum steht, ob es nach München, Freiburg oder an den Bodensee per Auto oder Bahn gehen soll. Die Bahn ist, so die Jungs, viel bequemer…
    Ärgerlich ist, dass das Schülerticket für alle gleichviel kostet. Von hier aus fährt der 14jährige nach Stuttgart Mitte zur Schule – mit dem gleichen Schülerticket wie auch Deine Kinder. Für uns ist das durch die Netzkartenfunktion sehr praktisch. Aber klar, es summiert sich: 1360 Euro zahlt meine Frau, 1094 Euro zahle ich, 480 der ältere Sohn…
    Es ist ein Trauerspiel, dass sich – man kann offenbar wählen wen man will – verkehrspolitisch nennenswert keine Veränderungen stattfinden.
    Die einzige Änderung, welche ich derzeit beobachte: Der Pedelec-Book führt dazu, dass nun doch einige Leute per Rad in und um Stuttgart zur Arbeit fahren (ich pendel auch 80% des Jahres mit dem Rad die 14km zur Büchsenstraße). Leider eher diejenigen, welche bisher Stadtbahn fuhren.
    Gute Nerven beim Anrennen der elterlichen Windmühlen…

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  9. DEM ist NICHTS mehr hinzuzufügen. Gar nichts. Ich nutze gerne das Fahrrad oder gehe zu Fuß. Ich wohne aufm Dorf mit schlechter Öffianbindung und fahre daher ein paar Mal mehr mit dem Auto, als ich gerne würde. Eine 30 minütige Fahrt mit der SBahn kostet mich nach Hannover 8,30 Euro. Macht 16,60 Euro für beide Strecken. 33,20 Euro für 2 Personen mit Kind. Dreiunddreißig Euro zwanzig. Mit dem Auto fahren wir unter 5 Euro, weil er mit LPG fährt und Benzin nur die ersten 2 Kilometer braucht. Da ist es ne Milchmädchenrechnung, welche Wahl ich treffe.

    Ich habe lange in Hannover gelebt und brauchte kein Auto. Alles ist dort mit dem öffentlichen Netz bestens zu erreichen. Hier? Würde ich gerne den Wagen einmal mehr stehenlassen und die Alternative nutzen. Für mich. Für das Kind. Und viele andere Situationen.

    Ich möchte früher nicht mit heute vergleichen, aber es war nicht falsch, dass mein Vater mich nicht mit dem Auto zum Training gebracht hat. „Du hast ein Fahrrad im Keller. Du musst 2 Kilometer fahren, das wirst du ja wohl schaffen.“ Natürlich habe ich das. Es hatte mir auch viele Freiheiten geschaffen. Zur Schule bin ich mit anderen Freunden gegangen. Unter einem Kilometer gab es auch keine Bustickets. Und die Schulwege? Waren toll. Es war Freiheit.

    Umzudenken und den Alltag anders zu strukturieren, erfordert Mut und Blick aufs Wesentliche. Und die Frage: WARUM muss ich mein Kind fahren? Ich wünsche mir, dass viel mehr Eltern ihren Kindern diese Freiheit geben können, damit sie alleine los können.

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