26 Stunden Paris

Geht’s noch? Nie Zeit, mit der Energie am Ende, auf dem Konto ausnahmsweise einen gaaaanz leichten Puffer, und was mach ich: fahre mit den Kindern für 2 Tage & 1 Nacht nach Paris.

Das mußte sein!

Der Sohn ist seit 3 Wochen auf einem bilingualen französischen Gymnasium (fragt nicht) und er ist das einzige Kind in der Klasse, das noch nie in Frankreich war. Das geht natürlich nicht! Fixe Recherche ergab: Herbstferien in Paris kann ich nicht bezahlen. Aber morgens hin, 1 Nacht mit airbnb und am nächsten Abend zurück, das geht. Mit Bahncard 25 und ein bisschen Glück fährt uns der Zug der großen Geschwindigkeit, wie wir den TGV liebevoll und wörtlich übersetzen, für knapp 100€ hin + her. Und dann ist man mitten drin in der schönen Stadt!

Um 15 Uhr in Paris am Bahnhof, um 16 Uhr Unterkunft gekapert, um 17 Uhr waren wir bei unseren Dame, der Notre Dame. Das ist faszinierend (fast so schön wie der Kölner Dom, denkt sich die Rheinländerin), aber was die Kinder total fasziniert hat, waren schwerst bewaffnete Grüppchen von Militärs, die gemütlich durch Paris schlendern. Hier 10, da 5, dort wieder welche. Das Maschinengewehr lässig im Arm verschönern sie das Stadtbild. Am Anfang dachte ich, wir wären in einen Staatsbesuch geraten, dann wurde klar: das ist hier Standard. Außerdem immer und überall Taschenkontrollen und Leibesvisitation. So normal wie Atmen, krass. Und es wirkt, jedenfalls auf uns schlichte Gemüter: wir waren irgendwann ergriffen von einem enormen Sicherheitsgefühl.

Und wenn doch was passiert? Als wir im Café saßen, bemerkte die Tochter, daß es ja genauso ein Café war, wo so viele Menschen beim Anschlag erschossen wurden. Genau da wo wir jetzt sitzen, also fast. „Aber wenn wir jetzt erschossen werden, dann haben wir wenigstens ein schönes Leben gehabt und noch im Café gesessen. Besser als wenn wir drinnen geblieben wären und uns versteckt hätten, gell?“. Schluck. Das, was Erwachsene einfach verdrängen, um unbeschwert weiter zu leben, sprechen die Kinder offen und drastisch aus. Aber sie haben recht, und so sind wir weiter in dem schönen Café sitzen geblieben und haben weiterhin ein sehr schönes Leben.

Natürlich haben wir den Eiffelturm angeschaut, gleich am ersten und einzigen Abend. Nur in die Spitze hoch hätten mich keine 10 Pferde gekriegt. Ich war vor 20 Jahren mal da oben und fand es toll, aber inzwischen bin ich Schwindelpatentin und habe altersgerechte Höhenangst. Und ich sehe immer nur meine Kinder da runter stürzen. Also sind wir „nur“ in den 2. Stock, der hat mir auch schon gereicht. Der Sohn wollte unbedingt hoch, die Tochter hat sich noch mehr als ich in die Hose gemacht, also haben wir noch an Ort und Stelle dem Vater eine whatsapp geschickt, was sein nächster Job ist: einmal Eiffelturm-Spitze für den Sohn, bittedanke! Grandios war natürlich, dass während unserer Zeit auf dem Turm die Lichter an gingen und es Nacht wurde in Paris: Dringende Empfehlung: Eiffelturm in der Dämmerung besuchen!

Im Anschluss ist der Sohn beim Croque Monsieur schier eingeschlafen, während die Tochter eine Elefantenportion von diesem unglaublich gesunden, mit Käse überbackenen Toast samt Pommes gegessen hat. „Mama die haben ein Date“ – „Das heißt hier Rendez-vous“: Während der Sohn auf meinem Schoß sanft in seine Träume glitt, habe ich ein herrliches Bier getrunken und mit der Tochter das verliebte Pärchen am Tisch nebenan beobachtet. Das war wirklich sehr französisch, der Abend in dieser Bar!

In der Unterkunft hat es angemessen nach Zigarettenqualm gestunken, die Kinder haben Brüstebilder und Raupengarderoben bewundert und ich hab mir ca. 23mal den Schädel im Hochbett gestoßen. Nach Notre Dame und Eiffelturm waren die Kinder am nächsten Morgen immer noch durch und wollten erstmal lesen, ich hingegen wollte Kaffee, also ab ins nächste Café zum petit dejeuner. Da hätten wir im Stile der großen Philosophen den ganzen Tag bleiben können, aber vor der Abfahrt um 18 Uhr wollte ich wenigstens noch zum Centre Pompidou. Dass auf dem Weg dorthin die örtliche Lego-Filiale lag, konnte ich ja nicht wissen….

Nur Stunden später sind wir die coolen Aussenrolltreppen hochgefahren, haben lustige Kunst angeschaut, Crepe mit Zitronen und Zucker gegessen, sind durch kleine Strassen gebummelt und schließlich an der Seine gelandet. Noch’n bissl übers Wasser kutschiert, einen Blick auf den Champs Élyseés geworfen und dann ab zum Gare de L’Est. Um 23 Uhr lagen alle in ihrem heimischen Betten und waren fix & fertig.

Was war das Schönste?

K2: „Der Eiffelturm!“

K1: „Lesen im Café!“

Ich: Das Bier am Abend (sorry)

Fazit: das ist schon toll, so ein 26-Stunden-Gig mit großen Kindern. Sie haben eifrig im Stadtführer gelesen, sich begeistern lassen, sich beeindrucken lassen. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen! Aber es war natürlich unfassbar teuer. Unser kleines Polster ist futsch, jetzt heißt es wieder sparen sparen sparen, wenn hier irgendjemand was zu Weihnachten haben will. Und es war für alle anstrengend: ständig Kompromisse im müden und hungrigen Zustand, dazu kalt und Regen. Ich will hierin, Du willst dorthin, ich will da nicht hoch, ich will hier runter. Einer rechts, einer links lang. Es war nicht einfach, die ganze Zeit ausgleichend auf beide Kinder einzuwirken, es gab auch Tränen. Dabei habe ich mir echt Mühe gegeben, kein straffes Programm durch zu ziehen, sondern zu bummeln, zu chillen und uns gemeinsam von den Ideen der Kinder leiten zu lassen, wo es nur geht. Wir haben es genossen, wir haben eine wunderbare Erinnerung geschaffen und am Ende sind wir drei uns alle gegenseitig dankbar, dass wir diese Tour gemacht haben!

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