Quasi alleinerziehend

 

Da war er wieder, der Aufreger schlechthin: Alleinerziehende schreien bei so einer Aussage laut auf, verpartnerte Frauen versinken vor Scham im Boden ob dieser Frechheit: eine Frau in einer Beziehung bezeichnet sich als alleinerziehend. Dabei hat sie ja im Grunde recht, wenn man’s mal wörtlich nimmt: sie erzieht die Kinder alleine, den lieben langen Tag, weil der Gatte wegen seines Jobs abwesend ist.

„Alleinerziehend“ ist aber kein Wort, dass man einfach so wörtlich nehmen kann, alleinerziehend ist ein gesellschaftlich und politisch mehr oder weniger definierter Status. Im Steuerrecht gibt’s für Alleinerziehende einen Entlastungsbeitrag. Ja gut, der ist mickrig, aber er ist da. Und wenn das erste Kind 18 wird und noch zu Hause lebt, dann fällt der weg. Dann ist Mutti nämlich nicht mehr alleinerziehend, weil das Kind ja jetzt erwachsen ist. Wenn das 18jährige Kind Erwachsener noch zur Schule geht, dann hat es wahrscheinlich kein eigenes Einkommen. Und so mitten im Abi sinkt der Bedarf an mütterlicher Zuwendung auch nicht schlagartig mit dem 18. Geburtstag, aber egal: der Entlastungsbeitrag wird gestrichen, weil wenn mehr als 1 Erwachsener im Haushalt leben, dann ist man eben nicht alleinerziehend.

Die Dame aus dem Zitat oben mit dem abwesenden Mann ergo also auch nicht.

Warum sagt sie das dann?

In den 7 Jahren meines Lebens, die ich inzwischen alleine mit meinen Kindern lebe, sind mir viele solcher Aussagen begegnet. Wie die einer guten Freundin, bei der ich mich ausheule und die dann sagt, ihr Mann sei ja auch oft unterwegs. Wieso „auch“, wundere ich mich?

„Wenn Alleinerziehende nur halb soviel kochen müssen, dann meine Frau auch, ich bin ja so viel beruflich unterwegs“ sagte beim Kita-Elternabend der Porsche-Fahrer anlässlich der Verteilung der Eltern-Kochdienste. Da kann man schon mal würgen, wenn sehr gut verdienende Ehemänner ihre eigene Frau als alleinerziehend bezeichnen.

„Ich bin jetzt mal für 4 Tage alleinerziehend“ kokettieren Väter, die für ein paar Tage die Abwesenheit der Partnerin zu bewältigen haben.

Was ist da los? Warum bezeichnen sich Menschen, die in Beziehung leben, als alleinerziehend? Ist das jetzt ein mehr oder weniger schickes Label, das man sich aufpappt, ist das am Ende hip, alleinerziehend zu sein? Ich hab mal rumgefragt im weltweiten Netz, weil ich es verstehen wollte, und die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Menschen die das sagen, fühlen sich eben allein mit der Erziehung ihrer Kinder. Auch der Porschefahrer ist voller Empathie und (hoffentlich) Bewunderung und Liebe für seine Frau, die er mit den Kindern alleine lässt.

Da sind Menschen tagtäglich alleine mit der Erziehung ihrer Kinder, benutzen unreflektiert das falsche Wort und kriegen die komplette Empörung  der „echten“ Alleinerziehenden ab.

„Echte“ Alleinerziehende? Was ist das jetzt?

Dazu musste ich interessante Erfahrungen machen, zu diesem „echten alleinerziehend“. Denn statt sich gegenseitig zu unterstützen, verfallen Menschen, die sich alleine um Kinder kümmern, leider allzu oft in eine Art Wettbewerb, wer am alleinerziehendsten ist. Ich bin das schon mal nicht, das kann ich gleich verraten. Als ich den Text „48 Stunden Alleinerziehend“ veröffentlicht habe, wurde ich gleich angegriffen: Echte Alleinerziehende können sich keine Haustiere leisten! Krass, die Haustierhaltung als Kriterium des alleinerziehens? Zudem zahlt der Vater meiner Kinder Unterhalt: eine weiteres k.o.-Kriterium, denn es gibt viele, die es nicht so gut haben. Und der Vater kümmert sich alle 14 Tage so gut um die Kinder, dass ich in dieser Zeit wirklich mal abschalten kann. Außerdem habe ich einen Job, der meine kleine Familie gut ernährt und ich kann mir eine private Altersvorsorge leisten: ich bin eindeutig zu privilegiert für eine Alleinerziehende! Klingt komisch, ist aber so, ist mir in zahlreichen Kommentaren so begegnet. (So heftig übrigens, dass mir kurzfristig die Lust vergangen ist, mich jemals wieder für Alleinerziehende zu engagieren.)

Es gibt also „zu privilegierte“ Alleinerziehende. Dann es gibt es neu verpartnerte Alleinerziehende. Es gibt Familien mit Wechselmodell (da wechseln die Kinder 50/50 ihren Wohnsitz), es gibt Familien mit Nestmodell (Kinder wohnen in der Familienwohnung, Eltern fliegen ein und aus), es gibt so irre Typen wie Jochen König, der alles Dagewesene auf den Kopf stellt und mit seiner Familienbezeichnung „2 Kinder von 3 Müttern“ für Verwunderungen sorgt: ist der alleinerziehend?

Es gibt zwischen „Paar mit Kindern“ und „Alleine mit Kindern“ so dermaßen viele Grauzonen, Zustände und Familienkonstellationen, dass es inzwischen fast unmöglich erscheint, „Alleinerziehend“ trennscharf zu definieren.

Dabei bleibt es dann doch relativ einfach: Eine alleinerziehende Person ist eine Person, die ohne Hilfe einer anderen erwachsenen Person mindestens ein Kind unter 18 Jahren großzieht. Sagt Wikipedia.

Von Haustieren steht da nix, auch nix von wirtschaftlichen Verhältnissen, dem Fließen von Unterhalt oder der Berufstätigkeit. Von Abwechseln übrigens auch nicht, demnach wären die Wechselmodell-Eltern zwar zwischenzeitlich allein, aber nicht alleinerziehend. Nennt sich ja auch getrennt erziehend, nicht allein erziehend. Ob das zutreffend ist, sei mal dahin gestellt. Und so ganz allein erzieht natürlich kein Mensch seine Kinder. Da sind noch Lehrer und Erzieher, Nachbarn und Freunde, Verwandte und Busfahrer, Judolehrer und Bäckereiverkäufer, sie alle üben Einfluss auf unsere Kinder aus. Aber sie tragen nicht ansatzweise die Verantwortung, die die Eltern tragen. Oder eben nur ein Elter.

Wikipedia-like alleinerziehend zu sein, also ohne Hilfe einer anderen erwachsenen Person, ist übrigens sehr sehr anstrengend. Denn das heißt ja nicht nur, alleine Frühstück Mittagessen Abendessen zu machen, alleine Kita-/Schulprobleme zu bewältigen, alleine jeden Wut-/Trotz-/Pubertätsanfall auszugleichen, alleine putzen waschen einkaufen und für Bewegung an der frischen Luft zu sorgen. Das heißt auch, alleine die Familie finanziell abzusichern, alleine fürs Alter vorzusorgen, alleine die Existenzängste auszuhalten, wenn Kinder oder Mutter krank werden, weil das den Jobverlust nach sich ziehen kann. Denn auch wenn ich einen guten Job habe: ich muss die Krankentage von drei Leuten wegorganisieren und ich muss 12 Wochen Schulferien mit einem Vollzeitjob vereinbaren. Das ist nicht trivial, und soviel Geld, um das alles outzusorcen, habe ich bei weitem nicht. Abgesehen davon WILL ich mich ja um meine Kinder kümmern, wenn sie krank sind, und ich will sie auch nicht die ganzen Schulferien vor der Glotze parken.

Da hilft übrigens auch keine Mutter-Kind-Kur und kein Mandala-Malen, denn das ist massiver psychischer und finanzieller Druck, der jahrelang auf Alleinerziehenden lastet, zusätzlich zu dem täglichen Jonglieren mit 2-4 Terminkollisionen und 1000 Dingen, an die man gleichzeitig denken muss, weil da einfach niemand ist, mit dem man sich besprechen und abwechseln kann. Und by the way zusätzlich zu den Diskussionen über kinderrelevante Themen mit einem Menschen, den man nicht nur nicht mehr liebt, sondern den man ev. auch überhaupt nicht mehr mag oder mit dem es sogar gerichtliche Auseinandersetzungen gibt (und dann sind wir noch lange nicht beim Thema familiärer Gewalt). Von alledem ist die Frau des Porschefahrers relativ weit entfernt. Und auch der Vater, der mal 4 Tage allein mit den Kids ist. Und auch die Freundin, deren Mann beruflich so viel unterwegs ist.

Aber trotzdem fühlen auch diese Menschen sich allein. Allein gelassen, allein in ihrer Beziehung, allein mit dem Alltag und mit den Kindern. Und das muss man ernst nehmen, denn das ist wirklich traurig! Und noch beschissener ist es, wenn sich ein Mensch, der in einer Beziehung lebt, nicht mal mehr traut zu sagen, dass er sich entsetzlich allein und überfordert fühlt, aus lauter Angst, den Alleinerziehenden (denen es ja per se viel beschissener geht) damit zu nahe zu treten. Oder wenn ein allein gelassener Mensch, der sich darüber beklagt, zu hören bekommt: Quatsch, Du bist gar nicht allein! Du hast doch jemanden, ich bin viel alleiner, mir geht’s viel dreckiger, weißt Du überhaupt, was Du für Privilegien hast?!

Das ist wahrlich kein schönes Argument, dieses „mir geht’s aber viel schlechter!“. Wenn ich mich allein fühle in meiner eigenen Familie, nutzt mir die Information nichts, dass nach dieser oder jener Studie soundsoviel Prozent der Alleinerziehenden nicht nur allein, sondern sogar von Altersarmut bedroht sind. Das ist schlimm, aber da hat der allein gelassene Mensch in dem Moment nichts von.

Das einzige, was diesem allein gelassenen Menschen hilft, ist genau das, was Alleinerziehende permanent (und zu recht!) für sich einfordern: Respekt, Empathie, Anerkennung. Gesehen zu werden. Ernst genommen werden. Denn auch ein Mensch mit Partner kann sich NATÜRLICH alleine fühlen. Und nur wenn ich als Alleinerziehende das sehe, ihre Leistung würdige und ihrem Alleinsein mit Empathie begegne, kann ich das auch für mich einfordern.

Und deshalb ist es eigentlich scheißegal, ob ich alleinerziehend bin oder nicht. Wir sollten uns fragen, warum sich so viele Menschen in ihrer eigenen Familie, gleich welche Konstellation, so allein und überfordert fühlen. Warum es so verteilt ist, dass permanent einer unter der Last zusammen bricht. Familien brauchen innerhalb ihres Systems eine bessere Verteilung der Sorge um Kinder, Geld, Arbeit und Haushalt. Und von außerhalb braucht es viel mehr Unterstützung für Familien und und es braucht Strukturen, die eine paritätische Aufteilung der Familienarbeit ermöglichen und aktiv unterstützen. Damit meine ich nicht den ermäßigten Eintritt meines Kindes ins Planetarium oder einen Monat Väterzeit fürs Baby, sondern damit meine ich eine bedingungslose Grundsicherung für alle Familien, damit Eltern und Kinder mehr Zeit füreinander haben, ohne finanziell, physisch und psychisch vor die Hunde zu gehen.

Ich möchte einfach weg von diesem „Wettbewerb“, wer sich als alleinerziehend bezeichnen darf und wer nicht. Du nennst Dich alleinerziehend, weil Dein Mann Vollzeit arbeitet? So allein gelassen fühlst Du Dich? Was würde Dir helfen, was kann ich für Dich tun?

Anna Karenina

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Quasi alleinerziehend

28 Gedanken zu “Quasi alleinerziehend

  1. Ein guter Text. Und vieles stimmt. Aber ein Aspekt kommt mir zu kurz. Alleinerziehende wird man nicht einfach mal so. Viele Frauen entscheiden sich gegen materielle Sicherheit und für ein Leben ohne Vollzeit-Mann, der sie nicht unterstütz, sondern wenn’s um die Sorgearbeit geht, abtaucht. Das ist ein gewagter Schritt der oft teuer bezahlt wird mit materieller Not und/oder Raubbau an der Gesundheit. Es steht jeder Frau heute zum Glück frei, einen Mann , der nix anderes als Geld beiträgt, zu verlassen. Dann ist halt das Häuschen weg. Ich finde es schon vermessen, wenn man sich als alleinerziehend bezeichnet, obwohl man mit dem Kindsvater zusammenlebt. Besonders gegenüber den Frauen, die für sich entschieden haben, mit so einem Pseudo-Erzieher nicht mehr das Heim zu teilen und nun keinerlei Aufgaben mehr teilen können.
    Einsam, ja. Aber was bitte hat das mit den Kindern zu tun?

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  2. SilkeAusL schreibt:

    Danke für Deinen Text!
    Dieses „Alleinerziehend in der Partnerschaft“ kann ich gut nachvollziehen, da es bei mir genauso war, deshalb ärgere ich mich nicht darüber. Sicher ergeht es diesen Müttern/Vätern wohl finanziell besser, als Müttern, die noch nicht einmal Unterhalt bekommen.
    Wo wir beim Aufrechnen wären. Da traut man sich ja gar nicht mehr zu sagen, „Ich bin alleinerziehend.“, wenn man regelmäßig Unterhalt für die Kinder bekommt und der Vater sich mehr oder weniger regelmäßig(wie es ihm eben so passt) am Wochenende die Kinder nimmt. Sind wir also gar nicht alleinerziehend, sondern getrennterziehend?
    Ich hänge das erst gar nicht an die große Glocke,uns geht es gut so wie es ist (sicher könnte es an einigen Stellen noch besser sein…). Also brauche ich bei dem Wettbewerb, ob ich denn noch alleinerziehender bin, zumindest momentan nicht mitmachen. Vielleicht wächst mir hier auch irgendwann alles über den Kopf mit 2 PuberTieren, vielleicht läuft es aber auch viel besser.
    Ich weiß nur, dass der Vater, ob wir jetzt noch zusammen wären oder nicht, keine große Hilfe ist. (Ich sag nur „Ist jetzt nicht irgendwann der erste Elternabend?“ Ääähh, der war schon längst. Überspitzt ausgedrückt: das Kind hat schon längst den Führerschein…)

    LG Silke

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  3. Mia schreibt:

    Ein sehr schöner Beitrag – auch ich hab mir darüber schon so meine Gedanken gemacht. Und dann frage ich mich, warum wir bei Erwachsenen einen so anderen Maßstab ansetzen, was die „Beurteilung“ (dieses Wort schon!) angeht, als bei unseren Kindern. Wenn diese traurig sind, weil sie sich alleine fühlen, würden wir doch (hoffentlich) auch nicht auf die Idee kommen, ihnen zu sagen, dass sie falsch sind, sich zusammenreißen sollen und dass es dem Nachbarskind ja so viel schlechter geht. Darüber hinaus gestehen wir Kindern viel mehr Individualität hinsichtlich ihres Gefühlslebens zu (Jedes Kind ist anders, das eine Kind weint schneller als das andere etc). Ab welchem Alter tun wir das eigentlich nicht mehr? Warum ist es bei Erwachsenen plötzlich nicht mehr ok, dass der eine sich schneller allein – und damit vielleicht schlecht bzw. überfordert – fühlt, als der andere? Und warum vergleichen wir uns überhaupt in sämtlichen Lebenslagen immer wieder, wenn es uns damit doch offensichtlich eher schlechter als besser dabei geht?

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  4. Wendulinde schreibt:

    Ich bin davon überzeugt, dass wir in einem falschen Gesellschaftsmodell leben.

    Wir alle leben in „fremden“ Familien, anstatt matrifokal bei der Sippe unserer Mutter.

    Ist mir egal, was andere von mir denken, ich erziehe meine Kinder dahin, dass sie ähnlich den Mosuos in China, immer bei mir bleiben können, wenn sie wollen und ich bin davon überzeugt, dass es Sinn macht, bei den Personen zu leben, die einem am meisten bedingungslos lieben. Nun habe ich glücklicherweise einen Mann aus Lateinamerika gehabt, wo diese Lebensweise fast normal ist und unsere Kinder das so auch für völlig normal empfinden. Im Gegenteil, sie verstehen die Biodeutschen mit ihrer Vorstellung von „wir sind erwachsen und müssen aus dem Nest geworfen werden“ nicht. Informiert euch zum Thema am besten selbst.

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  5. eine Mama schreibt:

    Sorry, aber das ist schon ein wunder Punkt. Mein Mann ist gestorben, Lütte ist gerade 4, ich hab nicht jedes 2. Wochenende frei. Ich hab ALLE Verantwortung. Elternabend? Arbeitsessen? Geburtstagsparty? Achja, sowohl seine als auch meine Familie 500km weit weg. Und ja, es gibt eine Definition für alleinerziehend. Und unterstützen können wir uns ja „trotzdem“, oder?

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  6. Was für ein toller Text. Ich gehöre zu der Kategorie, die zwar einen Ehemann hat, sich aber trotzdem alleine gelassen fühlt. Nicht weil mein Mann Vollzeit arbeitet, denn er ist, seit unser Sohn 3 Monate alt ist, krank zu Hause. Mit Rücken. Und seitdem kann er den Kleinen kaum hoch nehmen, nicht mit ihm auf dem Boden spielen ohne dass ihm die Wirbwlnraus springen oder ich ihn gar mit dem Kleinen alleine lassen.
    Ich traue mich trotzdem kaum das laut zu sagen, denn selbst wenn die Frauen denen ich es erzähle nicht alleinerziehend sind, heißt es trotzdem „Aber mein Mann ist auch den ganzen Tag weg und hilft mir nicht.“.

    Es wäre einfach so hilfreich nicht immer Teil eines Vergleichs zu sein, sondern Teil einer Gruppe, die sich gegenseitig hilft. Ganz egal was grad das Probl m ist: kranker Mann, arbeitender Mann, alleinerziehend.

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  7. MM schreibt:

    Ich denke, es ist ein Unterschied, ob alleinerziehend oder „allein“ erziehend. Ich war mit unserer 8 Wochen alten Tochter für 5 Tage allein, da mein Mann ins Krankenhaus musste. Hatte dazu tageweise seine beiden anderen Töchter (6 und 3) noch dabei. Wer das wuppt, sollte wirklich mehr entlastet werden. Wenn jemand sich „einfach nur“ alleine fühlt, hat er doch meist eine gewisse Form von Entlastung in anderer Weise (finanziell z.B. weil einer von beiden Vollzeit arbeiten geht). Nichts desto trotz hat jeder Mensch das Recht auf seine Gefühle und sollte mit diesen Gefühlen ernst genommen werden. D.h. man sollte diesem Mensche Hilfe anbieten („entlasten“) und sei es nur ein offenes Ohr zu haben. Das allein hilft schon immens!

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  8. Ich musste mit Mann an der Seite nie Gedanken darüber machen, wie es wirklich ist, alleinerziehend zu sein. Früher sagte ich es scherzhaft: „Ich bin alleinerziehend“, wenn er mal weg war. Dass allein verantwortlich etwas ganz anderes ist, als alleinerziehend schrieb ich vor einigen Wochen auf (heute veröffentlicht):
    https://mamaskind.de/lifestyle/alltag/allein-verantwortlich-nicht-alleinerziehend/

    Ein Aha-Effekt war die dämliche Aussage eines meiner Ex-Chefs: „Die Kollegin XY hat zwei Kinder und der Mann arbeitet. Damit ist sie alleinerziehend.“ Fand ich damals doof und heute ebenso.

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  9. Danke für diesen tollen Text!

    Genauso ist es!

    Ich habe noch nie gesagt, ich sei „quasi alleinerziehend“, denn ich weiß, ich bin das nicht und ich bin sehr dankbar dafür, meinen Mann zu haben.

    Aber auch bei mir gibt es etwas, was nicht gesehen wird: Die Depressionen meines Mannes machen ihn oft sehr antrieblos. Er bekommt zwar seinen Job hin, aber am Wochenende liegt er fast nur im Bett und schläft. Da das niemand sieht, gehen alle davon aus, dass wir Aufgaben für 2 bewältigen können – die ich dann oft allein bewältigen muss.

    Ich weiß, es geht mir trotzdem noch sehr viel besser als vielen anderen – aber ja, ich würde mir auch wünschen, dass alle überlegen, was hinter einer Aussage wie „ich fühle mich allein“ stecken, bevor sie diese verurteilen.

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  10. P.S. Ich habe einen Artikel geschrieben vor 4 Wochen in dem es u. a. auch darum geht, dass alle Eltern ihre Sorgen haben, nachdem ich auf der Mutter-Kind-Kur war. Ich z. B. hätte schlecht zu der Mutter, die ein krankes Kind hat (genetisch bedingt), sagen können, dass das für sie ja nicht so schwierig ist mit der Krankheit von ihrem Sohn, weil sie einen Ehemann hat. Das wäre für mich unmenschlich gewesen. https://mamastreikt.wordpress.com/2017/09/03/muetter-muessen-immer-aber-manchmal-muessen-vaeter-auch/

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  11. Anna schreibt:

    Ich kenne beide Seiten dass alleine und das alleinerziehende. Ich + neuer Partner der zwar mit mir für alles aufkommen darf, aber keinerlei Rechte hat zb. Auf die Tage zu Hause zubleiben, wenn mein Kind krank ist. Kein Urlaub in den Ferien weil es nicht das eigene Kind ist. Er bekommt steuerlich keine Vergünstigungen ( kinderfreibetrag). Gerade die Ferienzeit und Schliesszeit der Schule, da muss ich mir ganz alleine Gedanken machen wie ich das bewältigte,mit meinen paar Urlaubstagen. Mein Mann Arbeit vollzeit, sehr unterschiedlich teilweise jeden Tag, so daß ich meinen tagesablauf planen muss als wäre ich alleinerziehende, da ich tatsächlich keinen hab der mein Kind zu Schule bringen und holen kann und die weitere Betreuung übernehmen könnte. Bleibt mir nur teilzeit Arbeit oder ein sehr kulanter Chef um vollzeit zu arbeiten und mein Familienleben unter einen Hut zubekommen. Ich fühle mich trotz Beziehung alleine, aber nicht allein gelassen von meinen Partner, denn wenn dieser da ist, kümmert er sich rührend um mein Kind und alles weitere. Das funktioniert Hand in Hand. Ich fühle mich alleine gelassen vom familienfreundlichen Staat. Von den Familienfreundlichen Arbeitszeiten, eigentlich hat man fast nur eine Wahl Karriere und Kind „abschieben“ . Oder man kümmert sich um das Kind und muss Arbeitsmässig zurück stecken. Einen Job machen,der einen nicht gefällt oder wo man leider weniger verdient aufgrund der runter reduzierten Stunden. Ich war Jahre wirklich alleinerziehende, und kann sagen das es sich Arbeitsmässig immer noch so anfühlt. Aber ich denke es ist schon ein großer Unterschied ob ich finanziell ganz alleine für mein Kind aufkomme oder mit einen Partner zusammen.

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  12. Noch schlimmer finde ich, wenn so eine Aussage um + 1 Kind erweitert wird, um damit den Mann zu beschreiben (z.B. „Alleinerziehend mit 3 Kindern“ gemeint 2 Kinder plus Mann).
    Grundsätzlich gebe ich Dir absolut recht. Dieses Wettbewerbsverhalten hast Du ja mittlerweile bei allem, warum sollte es vor dem „Status“ (mir fällt grad kein anderes Wort ein) Halt machen? Es muss selbstverständlich mehr Unterstützung für Eltern geben, diese sollte nicht rein finanziell sein, auch wenn es das ist, woran unsere Politiker als erstes denken. Es muss möglich sein Arbeitszeit entsprechend zu gestalten, tatkräftige Unterstützung ohne einen behördlichen Hürdenlauf und das Gefühl komplett unfähig zu sein zu bekommen.

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  13. Alleinerziehende, die es liebt schreibt:

    Ich bin eine sogenannte alleinerziehende: “ Ich bin von „allein“ erziehende, in den Status „alleinerziehende“ ungewollt gerutscht. Mein Ex war Jahre auf Montage und dann als er damit aufhörte ging er 1 Jahr später, da er sich in einer, in dieser Beziehung nicht mehr geborgen fühlte. Ich kenne also beide Seiten und finde trotzdem einen massiven Unterschied, denn trotz das mein Mann 10 Tage nicht da war, war es ein anderes allein. Ich fühlte mich zwar allein, aber trotzdem nicht komplett allein. Ich wusste, wenn er nachhause kommt, dass gab mir Kraft und zusammenhalt. Dies fehlt mir jetzt gänzlich, die Sicherheit meiner Kinder, wenn mir was passiert. Ich möchte meine Kinder dort nicht mehr aufwachsen sehen, denn ein trennender Mensch verändert sich und das meißt nicht zum guten. Meine Mutter einzige Alternative, hält sich nicht an Absprachen, alles was sie macht, arbeitet gegen mich und trotzdem muss ich mein Kind dahin bringen. Wenn ich einen Partner ob, mehr oder weniger hätte, würde ich andere Lösungen finden. Ich sehe gravierende Unterschiede zwischen alleine fühlen und alleinerziehend sein​. Tut mir leid, aber wer sich in einer Beziehung alleine fühlt, kann sich auch trennen, dass heilt nie. Für mich ist das heulen auf hohem Niveau, jeder kann daran was ändern. Ich habe es hin genommen und kämpfe jeden Tag, ohne Sicherheiten und trotzdem bin ich meinen Ex dankbar heute, dass er mich befreit hat. Schönen Tag

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  14. Bg schreibt:

    Das hast du sehr sehr schön aufgeschrieben. Mich hat das früher auch unheimlich aufgeregt. Mittlerweile sehe ich es so wie du. Eigentlich sitzen wir doch alle im selben Boot und die Opfer Olympiade gilt wirklich niemandem weiter.

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      1. Regine Franck schreibt:

        Sorry, habs nur verlinkt, Minusch in der Jugendstilhauptstadt ist die Autorin. Aber das Kompliment hab ich ihr weitergeleitet.
        Gruss
        r

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  15. Sandra Matteotti schreibt:

    Danke! Ich kenne beides. Das allein Erziehen in einer Beziehung und das Leben als Alleinerziehende, wie es die Definition will. Und es ist beides nicht schön. Es ist aber noch viel weniger schön, wenn ständig ein Wettbewerb geführt wird, wer denn nun eigentlich der Ärmste im Lande sei. Schlussendlich leidet ein Leidender immer an seiner Situation. Und keiner kann von aussen wissen, ob das Leiden kleiner oder grösser ist, wir urteilen von unserem Standpunkt aus. Die, welche wirklich allein sind, denken: Immerhin hat die jemanden. Die, welche zu zweit allein sind, denken: Wenigstens hat sie keinen, der sie allein lässt.

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  16. Anonyma Anonym schreibt:

    Du kannst nichts für mich tun, du musst auch nichts für mich tun.
    An den meisten Tagen komme ich gut klar mit Haus, Hof, Job, drei Kindern, zwischen Sportverein und Förderverein und Ferien organisieren.
    Mich würde nur freuen, wenn außer mir ab und zu Mal jemand bemerken würde, WAS ich hier alles leiste, wuppe, koordiniere, schaffe. Und nicht nur das, was liegen bleibt.
    Wenn ich auch Mal erschöpft und müde sein darf – und mir nicht anhören muss, dass ich das so gewollt habe.
    Ich habe ein großes Pensum zu schaffen…und ich finde, ich bin richtig gut darin. Wäre schön, wenn das Mal jemand sieht.

    Guter Text!

    Mein Mann fährt übrigens zur See.

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