Unter Müttern. Über Mutter-Kind-Kuren

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Drei Wochen all inclusive, mit Massagen, Sportprogramm, Kinderbetreuung, Freizeitangeboten, ärztlicher Versorgung und psychologischer Unterstützung für 220 Euro. Wer berufstätig ist, bekommt diese 3 Wochen sogar zusätzlich zum Jahresurlaub, denn sie gelten als Krankschreibung. Der Hammer!

Man glaubt es kaum, aber das bieten die deutschen Krankenkassen, und es nennt sich Mutter-Kind-Kur. Wird bewilligt, wenn Frau entsprechende Atteste vom Arzt vorlegt und sich durch die Formulare der Krankenkasse arbeitet. Aber den Aufwand macht man doch gerne für DIE Leistung, oder?

Und wer kriegt so eine Kur?

Mütter, die fix und fertig sind. Fix und fertig von Alltag, Job, Haushalt, Kinder. Manche Frauen bringen noch eigene körperliche Symptome mit, aber bei den meisten liegen tiefgreifende chronische Erschöpfung, Anpassungsstörungen, Burn out, Schlafstörungen, Belastungsstörungen etc. vor. Das Müttergenesungswerk hat die Kuren erfunden, um die Frauen aus dem Hamsterrad des Alltags heraus zu holen, Symptome zu lindern und hilfreiche Angebote zu machen, die die Frauen darin unterstützen sollen, künftig mit ihren Belastungen besser klar zu kommen.

Man könnte auch sagen: die Kuren flicken die Mütter soweit zusammen, dass sie wieder 2-4 Jahre funktionieren. Denn alle 4 Jahre gibt es so eine Kur, viele Krankenkassen gewähren bei „außergewöhnlichen“ oder „neu hinzugekommenen“ Belastungen auch alle 2 Jahre eine Kur.

Und warum sind die Mütter so im Arsch?

Das hat strukturelle, gesellschaftliche und politische Gründe. An denen wird aber nicht so gerne was geändert. Man könnte die Betreuungssituation verbessern, man könnte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, man könnte das Steuerrecht für unverheiratete Paare und Alleinerziehende gerechter gestalten, man könnte präventiv Haushaltshilfen verordnen, man könnte bessere Netzwerke für Familien spannen, man könnte bezahlbaren Wohnraum für Familien schaffen, man könnte Familienzeit einführen, man könnte Unterhaltspreller verknacken, man könnte pflegende Angehörige entlasten – ach, man könnte so viel, und es würde so sehr helfen!

Statt dessen hetzen die Frauen sich kaputt und werden alle paar Jahre liebevoll wieder aufgepäppelt, aber das ist ja auch schön.

Weil die Zeiten moderner werden, gibt es inzwischen auch Vater-Kind-Kuren und sogar Vater-Mutter-Kind-Kuren. Das ist toll. Noch toller wäre es, wenn nicht nur die Mütter, sondern die ganze Familie nicht regelmäßig vom eigenen Familienleben so im Arsch wäre, dass sie komplett zur Kur muss.

Aber so ist es nun mal, und so mache ich mein Ding daraus: ich engagiere mich einerseits für eine Verbesserung der Situation von Familien und speziell von  Alleinerziehenden. Und ich fahre andererseits so oft in Kur wie es geht, weil auch ich so tierisch erschöpft bin, dass ich regelmäßig zusammen klappe. Hier drei Monate Schwindel, dort 3 Monate Tinnitus, was meinem Körper halt so einfällt, wenn er nicht mehr kann. Ich würde sehr viel lieber meinen Alltag und mein Leben mit den Kindern besser gebacken kriegen, als alle 2 Jahre im Schwarzwald Unterwassergymnastik zu machen, aber so ist es halt.

Und deshalb fahre ich bald wieder in Kur, zum dritten Mal in den letzten 6 Jahren. Ich bin nämlich alleinerziehend, habe eine eigene orthopädische Geschichte mit versteifter Wirbelsäule und entfalte regelmäßig oben genannte Erschöpfungssymptome. Meine Kinder sorgen für zusätzlichen Input bei den Attesten, und so kommt bei uns alle zwei Jahre „was neues hinzu“, wie meine Sachbearbeiterin bei der Krankenkasse erfreut feststellte.

Und dann? Wohin?

Es gibt Krankenkassen die schicken die Frauen in eine bestimmte Klinik. Ich hab das umgekehrt gemacht: ich hab mir eine Klinik gesucht, gefragt ob der Platz zu meinem Wunschzeitraum frei ist und habe dann genau diese Klinik zu diesem Zeitpunkt in den Antrag der Krankenkasse geschrieben. Die Krankenkasse hat dann gesagt: Nö, zu teuer, such Dir was anderes aus, was aus unserm Katalog. Ich hab dann gesagt: Nö, ich will dahin und nirgends anders! Weil die Klinik aus diesen und jenen Gründen genau richtig für mich ist. Und dann haben die das bewilligt, irre!

Ob das bei allen so geht? Keine Ahnung, aber es gibt Beratungsstellen für Mutter-Kind-Kuren, einfach mal hingehen.

Und wie hab ich die richtige Klinik gefunden?

Ich hab den Tipp gekriegt, dass die Häuser in Caritas-Trägerschaft ziemlich gut sein sollen. Dann noch bissl googeln, in Foren lesen, andere Frauen fragen. Bei der ersten Kur ist das voll in die Hose gegangen, beim zweiten Mal war’s super.

Beim ersten Mal wollte ich halt unbedingt ans Meer, auf eine autofreie Insel. Spitzenidee, wenn man in Stuttgart wohnt, sind ja bloß 8 Stunden mit dem Zug, samt Kindern und Gepäck. Die Insel Wangerooge war wunderschön, die Klinik nicht. Später habe ich erfahren, dass das Haus zu der Zeit (2013) ohne Leitung war und entsprechend chaotisch war’s dort, aber das kann ja mal passieren. Also haben die Kinder und ich die drei Wochen auf der Insel genossen, sind viel Fahrrad gefahren, haben heißen Kakao am kalten Strand (es war März) getrunken und hatten viel Zeit für uns, bar jeglichen Konzeptes einer Mutter-Kind-Kur, aber sei’s drum.

Beim zweiten Mal hab ich mir die S-Klasse unter den Mutter-Kind-Kliniken rausgesucht, das Caritas-Haus am Feldberg, in 2 Stunden zu erreichen. Hammer, der Laden! Keine Ahnung, was die ihren Mitarbeitern geben, aber ich habe noch nie so nette, freundliche, kompetente und motivierte Menschen getroffen, von der Küchenfee über die Anheizerin bei der Unterwassergymnastik bis zu den Erziehern. In allen Abteilungen gut aufgehoben, wirklich toll! Das Ganze im Ronja-Räubertochter-Schwarzwald, wunderschön.

Und was macht man so bei einer Mutter-Kind-Kur?

Tja, es gibt Anwendungen für die Mütter und Betreuung für die Kinder. Ich hab’s in beiden Kuren so gehalten, dass ich möglichst wenig Anwendungen habe, denn für mich ist es die größte Erholung, wenn ich einfach nur viel schlafe und esse, an die frische Luft gehe und Zeit mit meinen Kindern verbringen kann. Es gibt für alle eine Eingangsuntersuchung, darauf basierend gibt’s eine Programm mit Anwendungen. Mit diesem Heftchen stiefel ich dann ins Sekretariat und lasse 2/3 streichen, denn ich bin ja in Kur, nicht auf der Arbeit. So mache ich das, aber das kann ja jede machen wie sie mag. Es gibt Massagen (niemals Massagen streichen!), Gesprächsgruppen (kann man sich ja mal angucken), Gymnastik mit und ohne Wasser, Psycho-Einzelgespräche, Mutter-Kind-Interaktion (sehr lustig!), Kochkurse und kreative / meditative Angebote und was weiß ich. Ich hatte sogar Physiotherapie wegen der Schrauben in meinem Kreuz.

Die Kinder werden altersgemäß in Gruppen zur Betreuung eingeteilt. Wer in seinem Bundesland Ferien hat, geht in die Betreuung, die anderen zur Schule. Ja genau: Schule! Dieses Haus am Feldberg hat eine staatlich anerkannte Klinikschule. Die Kinder bringen Material von ihrer Heimatschule mit und bearbeiten es dort, außerdem gibt eigenen Unterricht vom Haus. In dieser Klinik gibt es nämlich auch eine Reha für unbegleitete Jugendliche und deshalb haben die da die komplette Logistik für große Kinder. Das ist echt toll, denn viele Kliniken nehmen Kindern nur bis 12 Jahren auf, hier jedoch können alle mit und sind super betreut und beschäftigt. Es gibt Geo-caching, Klettern am Berg, viel Sport, Yoga, Ausflüge und Kreativ-Angebote. Und in allen Altersklassen viele andere Kinder. Meine Kinder sind es gewohnt, betreut zu werden, und gehen freundlicherweise gerne in solche Gruppen, aber sie sind ja inzwischen auch schon 10 und 12. Mütter mit sehr kleinen Kindern hatten da ganz anderen Stress während der Kur. Ich lege die Kur immer extra so, dass möglichst viel Schulferien dabei sind, dann verpassen die Kinder zu Hause nicht so viel und in der Kur haben sie auch Urlaub.

Für meine Kinder und mich ist eine Kur echte Qualitätszeit! Wir haben frei und Zeit für uns, und das genießen wir sehr. Was von der Klinik selber geboten ist, ist da fast nebensächlich. Schön ist es natürlich, wenn wir uns in dem Haus wohl fühlen und nicht durch die Kur noch Stress verursacht wird. Das war beim ersten Mal leider so, bis ich es einfach ignoriert habe und die Kur gedanklich von „Kur“ zu „Urlaub“ umgebucht habe. Im Schwarzwald am Feldberg ist es auch für mich wirklich eine Kur, weil die paar Anwendungen, die ich mir raus suche, mir auch wirklich gut tun. Und den Kindern ihre auch.

Was uns nervt, ignorieren wir einfach. Dass zum Beispiel jeden Abend nacheinander zwei Filme für die Kinder gezeigt werden in einem offen zugänglichem Raum. Soviel Glotze war selten, und ich hab mich anfangs tierisch drüber aufgeregt. Denn viele Mütter haben ihre Kinder einfach chips-fressend vor die Glotze gepflanzt, um in Ruhe rauchen zu gehen, total bescheuert! Aber irgendwann hatten meine Kinder gar keinen Bock mehr auf diese Filme in so ätzender Atmosphäre und sind lieber bis zur Dunkelheit durch den Wald gerannt. So lange, dass es mir am Ende fast lieber gewesen wäre, sie säßen sicher vor der Glotze.

Oder dass bei der Begrüßungsrunde eine Frau sagt, dass sie völlig damit überfordert ist, ihr eines Kind (5) mit Hilfe ihrer nebenan wohnenden Eltern zu betreuen, nicht zu arbeiten, ihrem Mann die Hemden zu bügeln und auch noch das Moos zwischen den Gartenplatten zu entfernen. Ich weiß, persönliche Belastungsgrenzen sind sehr verschieden, aber da kommt meine Empathie schnell an ihre Grenzen und ich übe mich verzweifelt im Klappe-halten. Sehr anstrengend, aber Klappe-halten-Üben ist ja auch mal gut, für mich allemal.

Dieses Mal hab ich die Schwerpunkt-Kur für Alleinerziehende erwischt. Da gibt’s keine besonderen Anwendungen (Alleinerziehenden-Massagen?), aber es sind eben vorwiegend Alleinerziehende da, womit die Anzahl der Burn-Out-Ladies durch Moos-Entfernen sich in Grenzen halten dürfte. Und hoffentlich auch die Tipps zur Haushaltsführung und Selbstoptimierung. Denn natürlich sind die Träger der Kuren daran interessiert, dass die Frauen bitte mal länger als 2 Jahren durchhalten. Drum will man ihnen beibringen, wie sie noch mehr aus sich heraus holen und noch besser alles organisieren können. Löblicher Ansatz, aber bei Alleinerziehenden vergebliche Liebesmüh. Da gibt’s nix zu optimieren. Ich kenne keine effektiveren Menschen als Alleinerziehende, denen ist nix mehr beizubringen. Da wärs eher an der Zeit, Strukturen zu ändern, siehe oben, aber wem sag ich das?

Und die anderen Mütter?

Da ich im restlichen Leben permanent kommuniziere und vernetze, bin ich nicht sonderlich wild drauf, Freundinnen zu finden, lange Gespräche zu führen und mich auszutauschen. In der letzten Kur war ich jeden (!) Abend mit den Kindern um 21 Uhr im Bett, habe 1,5 Stunden Harry Potter vorgelesen und dann haben wir geschlafen. Aber jede wie sie mag: andere Frauen haben stundenlang in der Teeküche gequatscht, ihr Leben besprochen und Freundschaften fürs Leben geschlossen. Und das ist ja auch schön, aber eben nicht so meins, ich bin ja eher der stille Typ (haha).

Unter so vielen Müttern ist es allerdings auch oft anstrengend, den jede hat ihr eigenes Erziehungskonzept, und nicht jedes ist gut auszuhalten, auch nicht aus der Ferne. Da sind die Chips-Kinder vor der Glotze noch die harmloseren Fälle. Warum viele Frauen am 2. Kurtag mit Plastiktüten beladen vom Lidl kamen, hab ich anfangs gar nicht begriffen: in der Klinik gibt’s doch was zu essen? Ach so, aber eben keine Chips, Cola etc. Andere Mütter schnauzen ihre Kinder an, dass man sich schützend dazwischen werfen möchte. Andere betütern ihre Kinder dermaßen, dass man sie anschreien will „jetzt lass doch mal das Kind in Ruhe!“. Da ist wieder Klappe-halten-Üben angesagt, aber man sieht eben auch mal, dass das Leben nicht aus den eigenen Wertvorstellungen und der eigenen Filterblase besteht. Und so erweitern die Kinder und ich unseren Horizont ob der Vielfalt menschlicher Persönlichkeiten. Ob wir uns in der Kur mit anderen zusammentun für eine kleine Wanderung oder einen Ausflug zum Freibad, dürfen wir ja gottlob selber entscheiden.

Für meine Kinder und mich ist so eine Mutter-Kind-Kur die pure Erholung, aber es kann leider auch ganz anders laufen. Wenn ein Kind krank wird zum Beispiel. Blöder noch: ansteckend krank. Dann hockt man mit dem Kind in Quarantäne auf dem Zimmer, um den Rest der Klinik nicht zu infizieren. In meiner ersten Kur ist eine Mutter nach 10 Tagen Quarantäne abgereist, ohne eine einzige Anwendung oder auch nur einen normalen Kur-Tag gehabt zu haben. Die Arme! Manche Mütter haben sehr kleine Kinder, die nicht in die Betreuung wollen. Die schlecht schlafen. Die die Essensräume in eine Arena verwandeln. Ich würde sogar behaupten, dass eine Kur erst mit Kindern ab ca. 5 Jahren erholsam ist, aber da ist ja jedes Kind und jede Mutter anders.

Richtig schlimm fand ich nur die Frauen mit dem absoluten Service-Anspruch. Die, die jeden Tag an der Rezeption stehen und was zu meckern haben. Denn hey: Ihr kriegt das hier faktisch geschenkt, und das ist kein Hotel, sondern eine Klinik!

Drei Wochen unter Müttern zu sein, ist vielleicht die größte Herausforderung an der Kur, aber ich finde es insgesamt eine großartige Sache und ich werde es für mich nutzen, so lange wie ich es brauche und darf. Und anderem, damit ich weiter die Kraft habe, mich für eine Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen zu Gunsten von Familien und besonders Alleinerziehenden zu engagieren, damit es diese Kuren nicht mehr braucht.

*****

Diesen Text will ich seit 2 Jahren schreiben. Nun hat Cosima Stawenow von der Landfamilia die Blogparade „Meine Kur“ gestartet und ich bin dabei.

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Unter Müttern. Über Mutter-Kind-Kuren

32 Gedanken zu “Unter Müttern. Über Mutter-Kind-Kuren

  1. Frische Brise schreibt:

    Sehr guter Text. Danke!
    Vor allem die Einleitung gefällt mir sehr gut.

    Und dann kommen ganz viele Gründe, warum ich für mich keine Mutter-Kind-Kur in Erwägung ziehen würde. Ich wünsche Dir und Deinen Kindern (trotzdem) die maximale Erholung!

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  2. Wendula Strube schreibt:

    Was mich stört, ist die Tatsache, dass erst eine Erkrankung vorliegen muss. Vor allem die ständige Psyhologisierung von ganz normalen Erschöpfungserscheinungen durch den Alltagsstress, die finden sich fast nur bei Frauen wieder. Das muss aufhören!

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  3. Anja schreibt:

    Danke für diesen schönen Text. Ich habe auch schon zweimal eine MiKiKu gemacht – die erste mit 1,5jährigem Kind in ner tollen Klinik (tolle Kur!), die andere mit 5jährigem Kind (halt vier Jahre später) in einer für mich/uns völlig unpassenden Einrichtung und mit wenig guten Erinnerungen. Nach diesen Erfahrungen würde ich sagen: mit kleinem Kind kann auch gut gehen. Aber am wichtigsten, da gebe ich dir recht, ist wohl die Klinik selbst.

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  4. Claudia schreibt:

    Ich, mutterseelenalleinerziehend, 2 Kinder würde auch so gerne mal eine solche Kur machen. Leider bin ich privat versichert und da müsste ich die Kinder selbst bezahlen. Die sind gesund und der Amtsarzt prüft das wohl auch ….
    Hat jemand vielleicht Tipps? Würde mich freuen 😊

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      1. Claudia schreibt:

        Danke. Zur Beratungsstelle habe ich schon Kontakt zu aufgenommen. Die hatten leider keine Idee – außer selbst zahlen. Das kostet pro Kind je nach Ort zwischen 60-110 Euro. Das KANN ich nicht aufbringen… Das ist der Mist mit der privaten Versicherung (die ich nie wollte): Haushaltshilfe gibt es z.B. auch nicht, wenn ich mal was habe…. Also muss ich schauen, dass ich so aufrecht bleibe.

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  5. Ich habe auch nur positive Erfahrungen mit Mutter und Kind Kuren gemacht! Ich war in den letzten 2 Jahren auch 2 x ur Kur, habe mich erholt, neu aufgestellt und für mich entwicklungstechnisch neue Wege gefunden. Ich hatte viel Familiendrama mit dem Vater, was mich überforderte.
    Ich denke auch, dass diese Kuren erst einmal nur Symptome kruieren und nicht an dei Ursache der Mütter-ERschöpfung gehen. Dennoch möchte ich betonen, dass ich auf diese Kur auf keinen Fall verzichten möchte. Ich weiß auch, dass insbesondere Mütter mit mehreren Kleinkindern – insbesondere an der Zahl 2-3 Kinder – die Kur oft nicht erholsam erleben, weil ihre Infrakstruktur bei Erkrankungen der Kinder oder selbst, im Kurumfeld nicht gegeben sind. Mütter mit Kleinkindern um die 2 Jahre sind endlos genervt, wenn sie dieses Kleinkind plötzlich auch irgendweöchen Gründen nicht in die Betreuung der Kur abgeben können – dennoch für mich als Alleinerziehende mit einem Kind, hat die Kur mich „gerettet“ und ich konnte wieder einige weitere Schritte undHerausforderungen meistern. Das wäre nicht gegeben gewesen, wenn ich diese Erholung nicht bekommen hätte.

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  6. Hat dies auf marasgedanken rebloggt und kommentierte:
    Ich lese viel und gern bei Mutterseelesonnig https://mutterseelesonnig.wordpress.com/
    weil sie so viele Dinge einfach ganz genau auf den Punkt bringt. Sie schreibt aus der Sicht einer alleinerziehenden Mutter und zeigt unaufhörlich die Probleme auf, mit denen insbesondere Alleinerziehende zu kämpfen haben. Nun hat sie einen Beitrag über Mutter-Kind-Kuren verfasst, den ich sehr lesenswert finde und freundlicherweise rebloggen darf. Auch ich habe schon öfter über das Beantragen einer Mutter-Kind-Kur nachgedacht, aber noch nie eine gemacht. Insbesondere auch deshalb, weil ich Angst davor hatte, dass mich so eine Kur mehr stresst als dass ich erholt wieder nach Hause komme. Der Beitrag von Mutterseelesonnig beleuchtet das Thema sehr umfassend und enthält viele Tipps. Auch die Kommentare sind sehr interessant.

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  7. Penelopé schreibt:

    Man wie schlecht!
    Was hält dich eigentlich davon ab im echten Urlaub viel zu essen, viel zu schlafen und deinen Kindern täglich 1,5h vorzulesen?
    Ach da war ja die Geiz-ist-geil-Mentalität, die gebietet dieses fantastische Urlaubsprogramm für 220€ (wie geil ist das denn???) so oft wie möglich abzugreifen. Die lästigen Anwendungen kann man ja streichen.
    Sowas ekelt mich wirklich!
    Mach doch mal selbst Urlaub! Gönn dir jedes Jahr Massagen, oder jeden Monat, du sagst ja selbst, dass deine Kinder jetzt so groß und selbständig sind, dass es dir Freiräume eröffnet. Warum soll die Kasse das zahlen? Ach ja, wegen bequem und billig und weil die Kinder sich auch so sehr auf diesen Urlaub freuen!
    Ganz charakterschwach finde ich auch Sätze mit „Chips fressen“ und „Moos“. An wem ist es, über das individuelle Verständnis von Urlaub zu urteilen oder über psychische Erkrankungen zu lästern, die an der Oberfläche klein scheinen?
    Gute Besserung! Arbeite am Alltag!
    Penelopé
    (Mutter dreier Kinder – eines schwerst lebensverkürzend krank, viele Jahre allein erziehend – eine Reha, keine Kur)

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  8. Anja K. schreibt:

    Sicher würde eine Haushaltshilfe das Hamsterrad ein wenig langsamer laufen lassen. Ich hätte nichts dagegen.

    Aber eine Mutter-Kind-Kur nimmt einen komplett aus dem Hamsterrad raus. Durch den Abstand zum Alltag ist es möglich alles in einem neuen Blickwinkel zu sehen. Um richtig Abstand zu haben, war ich auch bereit bei beiden Kuren 12 h Autofahrt auf mich zu nehmen um ans Meer zu kommen. Den Wald haben wir das ganze Jahr (Wir wohnen im Nordschwarzwald). Und die andere Umgebung tat nicht nur mir gut, sondern auch meinen Kindern.

    Auch wenn ich unsere erste Kur nicht wirklich erholsam fand, gab sie mir doch den Anstoß, wenn auch fast ein halbes Jahr später, etwas zu verändern.
    Bei unserer zweiten Kur (in einer anderen Kureinrichtung) habe ich mehr darauf, was gut für mich ist. Aber auch das Personal dort ist mehr auf die Bedürfnisse der Mütter eingegangen und war sehr freundlich. Mit einer Mutter habe ich mich dort angefreundet und wir haben die Abende, meist zusammen mit den Kindern, außerhalb der Einrichtung, z. B. bei Dämmerung am Strand verbracht. So konnten die Kinder herumtoben und wir hatten Zeit uns zu unterhalten. Da wir beide mit den jüngeren Kindern ( beide gleiches Alter) „Probleme“ haben, tat es gut sich auszutauschen. Noch heute nach 2 Jahren sind wir in Kontakt (trotz 600km Entfernung) und bauen uns gegenseitig immer wieder auf.

    Sowas kann eine Haushaltshilfe definitiv nicht leisten!

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  9. SilkeAusL schreibt:

    Ach hör mir auf mit MuKiKu, ich war in den letzten 4 Jahren in zweien. Bei der ersten waren die Kinder zu klein(neun Monate und Zweieinhalb, konnten aber trotzdem in die Betreuung). Bei der jetzigen hatte ich dauernd Angst, die Kinder stecken sich mit Magen-Darm an, was da die ganzen drei Wochen umging. Ausserdem hab ich mich die ganze Zeit gefragt, was ich dort mache. Und letztlich begriffen, dass eine reine Mütterkur das einzig Sinnvolle gewesen wäre. Aber da können wir ja nur von Träumen. Obwohl, 3 Wochen ohne die Kinder..??

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  10. Danke fürs Mitmachen bei der Blogparade #meinekur! Und wie seltsam: da waren wir Tatsache im selben Haus, haben aber so unterschiedliche Erfahrungen gemacht! Ich bin erstaunt, wie positiv du an die Kur rangehst. Die nicht so besondere Erfahrung an der Nordsee hast du genutzt, um dir beim 2. Mal das Kurhaus selbst rauszusuchen. Diesmal mit Erfolg. Ich selbst ziehe jedoch der Kur, die sich teilweise wie eine „Zwangsentspannung“ angefühlt hat, die Entspannungsmöglichkeiten des Alltags vor. Auch wenn sie noch so kurz sind: aus einem einzigen Abend mit ein paar netten Menschen schöpfe ich so viel mehr als aus 3 Wochen halbseidenen Kontakten mit Menschen, deren Probleme ich (wie Du ja auch schreibst) kaum nachvollziehen kann. Eine gut organisierte, professionelle Physiotherapie wurde in meiner Kur nicht ansatzweise realisiert – das kann ich zu Hause viel schneller und effektiver bekommen. Das sind die Gründe, weshalb ich nicht mehr in Kur fahren werde – obwohl ich nach deinem Bericht schon fast wieder Lust bekommen hätte 😉 – aber nur fast.

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  11. celinaz schreibt:

    Sehr gut geschrieben, mir erging es ähnlich, alleinerziehend, Job, 2 kleine Mädchen. Meine Kur war 2013 und tat mir und meinen Töchtern soooo gut. Ich würde gern wieder eine Mukikur machen, um für die nächste Zeit wieder Kraft zu tanken, aber als Privatversicherte überlege ich es mir vorher genau und muss ordentlich dafür sparen:
    Leider muss man als privat Versicherte sehr viel dazu bezahlen, nicht nur die 10,- pro Tag oder wie hoch der Betrag auch aktuell ist. Ich bekam leider pro Tag ca. 1/3 von meiner privaten Krankenversicherung (ich muss mich privat versichern) bezahlt, die anderen 2/3 musste ich selbst bezahlen… (Der Tagessatz in meiner Klinik lag bei 76,-)

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  12. Meine erste und bisher einzige Kur war alles andere als erholsam. Sie war Anstrengung höchsten Grades. Aber das war meine Schuld. Was fahre ich auch 3 Wochen alleine mit einem 1 jährigen und einem 2,5 jährigen Kind auf unsere Wunschinsel Spiekeroog. Ohne Fernsehen. Weit draußen, etliche Gehminuten entfernt vom Dorf. Im November. Und wir drei waren abwechselnd krank. Wie oft wollte ich die Kur abbrechen, weil alles fremd und ungewohnt war. Ich habe es durchgehalten. Und bin so dankbar dafür. Denn erst seitdem weiß ich was ich alles kann. Auch wenn meine Erschöpfung Monate nach der Kur schlimmer war als vorher. Ich war übrigens auch meistens allein mit meinen Mäusen und das war richtig gut. Ich bin nicht so der Cliquen Mensch.
    Euch alles alles Gute. Ich muss leider noch etwas warten bis zur nächsten Kur. 😦

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  13. Maria schreibt:

    Tja. Den Bericht sollten meine Kollegen und meine Familie lessen 🙂 Wirklich gut zusammen gefasst. Ich fahre im Sommer zum 5.Mal in 9 Jahren. Weil es ist wie es ist. Ich bin nicht alleinerziehend, aber wir haben bisher nicht viel Glück gehabt. Die Kur ist mein Lichtblick :runterkommen, Kraft tanken für danach, nur die Kinder und ich. Ich bin auch nicht so auf Gesellschaft aus und musste jetzt sehr schmunzeln.

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  14. Sandra schreibt:

    Ich fahre dieses Jahr zum zweiten Mal zur Kur. Ich bin Alleinerziehende mit mittlerweile 17&20 jährigen Töchtern. Vor acht Jahren war ich das erstmal mit meiner jüngeren Tochter zur Mutter/Kind Kur. Die drei Wochen haben mir sehr gut getan. Auch ich habe mich abends lieber mit meiner Tochter beschäftigt, als Popstars mit anderen Müttern zu gucken. In diesem Jahr fahre ich alleine. In eine Mütterklinik. Da ich beruflich mit Kindern zu tun hab, brauche ich in der Kur keine. Ich hoffe das ich mich auch diesmal wieder so gut erholen kann wie vor acht Jahren.

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  15. Vielen Dank für den ausführlichen und informativen Text, dem ich nur einige Punkte hinzufügen möchte.
    Eltern-Kind-Kuren haben ihre Berechtigung neben vielen Angeboten!
    Nicht für jede Familie, nicht zu jedem Zeitpunkt und nicht in jedem Kurhaus. Nicht etwa anstelle einer Putzhilfe, Kinderbetreuung o.ä. sondern für sich. Ich habe einige Jahre als Kurleiterin in einem Mu-Ki-Kurheim gearbeitet und mich tatsächlich in manchen Dienstnächten gefragt, ob es richtig ist, was ich da mache. Ob ich nicht, wie Du es schreibst, die Mütter nur wieder fit mache und dann zurück schicke in ihren misslichen Alltag. Doch es gibt Mütter, die nicht so gut vernetzt sind, die nicht so viele Möglichkeiten zur Kommunikation haben, die nicht in der Lage sind, sich selbst durchzukämpfen. Für diese Frauen war die Kur, die Gelegenheit zum Austausch mit anderen Müttern, den Gesprächsangeboten durch uns als Kurleiterinnen und dem Ortswechsel, nicht nur eine kurzzeitige Erholung, ein Luftholen, um dann wieder im Alltagsstreß unterzutauchen. Diese Frauen haben dort Mut gefasst, etwas zu verändern. In ihren Beziehungen, der Familie, der Arbeit, dem Umgang mit den Kindern. Sie konnten dort den Anfang machen, sortieren, ausprobieren und üben. Jeder Kurdurchgang für sich war etwas ganz besonderes und ich durfte viele Frauen und ihre Geschichte kennenlernen, aber oft habe ich mich auch gefühlt wie in einem Frauenhaus. Leider ohne die Anonymität, denn immer wieder kam es vor, dass Männer mitbekamen, wie sich ihre Partnerinnen in der Kur veränderten und tatsächlich anreisten und Frauen und Kinder bedrohten. Auch ein Zeichen für mich, wie wichtig solche Kuren sind und das wir alles dafür tun sollten, dass nicht noch mehr Kurheime geschlossen werden müssen.
    Viele Jahre später habe ich übrigens als alleinerziehende Mutter mit meinen Drillingen dieses Angebot zweimal nutzen können und genauso negativ wie positiv bewertet. Ich finde mich in Deinen Beschreibungen sehr gut wieder.

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  16. Jessy schreibt:

    Es passt genau. Super geschrieben.
    Ich habe 2008 und 2012 eine MKK gemacht. War da aber noch verheiratet. Die letzte Kur war die Hölle. Von 3 Wochen haben wir gute 7 bis 10 Tage auch in Karantäne verbracht ( nein ich bin nicht die Mama aus deiner Story*lach* ) Dass war die Hölle.
    Ich überlege wieder eine zu machen. Mein Sohn wurde jetzt auf ADHS/Autismus getestet und wie es aussieht hat er gleich alles eingesteckt. Ist eine verdammt schwere Zeit..

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  17. „Ich würde sehr viel lieber meinen Alltag und mein Leben mit den Kindern besser gebacken kriegen, als alle 2 Jahre im Schwarzwald Unterwassergymnastik zu machen, aber so ist es halt.“ Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, mal wieder. Danke für diesen Beitrag und die interessanten Informationen. Ich denke auch, dass man den Alltag erträglich machen muss und die Mütter nicht nur immer wieder so hochpäppeln, dass sie halbwegs wieder funktionieren. Aber so eine Mutter-Kind-Kur ist sicher besser als nichts. Ich wünsche Euch eine schöne Zeit.

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