Jeden. Verdammten. Tag.

Mein Alltag ist ein einziges Hamsterrad. Ich komm zu nix, weil ich immer dasselbe tue.

Immer. Immer. Immer.

Am Schlimmsten ist es während der Schulzeit.

6.30 Uhr aufstehen, 6.45 Uhr frühstücken. 7 Uhr ums Bad streiten, 7.20 Uhr Kinder aus dem Haus. Küche aufräumen. Fürs Mittagessen decken weil die Tochter mittags alleine ist. Arbeiten.

Zwischen 16 / 17 Uhr nach Hause kommen. Einkaufen, Haushalt, Wäsche, Hausaufgaben.

18.45 Uhr Abendessen, 19.20 Uhr Kinder gucken Kika, ich räum die Küche auf. Ich setz mich später zu den Kindern. 20 Uhr bettfertig machen, Ranzen einräumen, Sachen vergessen, um’s Bad streiten, Mathetest unterschreiben, Klamotten suchen, scheiße die Sportschuhe sind weg!

Die Kinder lesen, ich decke den Frühstückstisch. Mache den Rest vom Haushalt. 20.45 Uhr letzte Runde, quatschen, schmusen, Licht aus.

21.30 Uhr, nix mehr übrig vom Tag, nix mehr übrig von mir, mein Hirn ist leer. Von einer Versicherung ist ein Brief gekommen, den ich lesen, verstehen und auf den ich reagieren muss. Ich bin todmüde. Emails lesen, oha: eine Mahnung. Ein bisschen im Internet rumgurken, lesen, kommentieren. Es reicht nicht mal zum selber schreiben. Oder ein Buch zu lesen. Keine Luft mehr, sich Gedanken zu machen, die Gedanken einfach fließen zu lassen. Kein Nerv, einer zusammenhängenden Geschichte zu folgen. Den Kopf voller Gedanken und keine Kapazitäten, die Gedanken zu sortieren.

22 Uhr, noch die Wäsche in den Trockner und Backmischung in die Brotbackmaschine. Jeden Abend übrigens. Jeden Abend Wäsche. Jeden Abend ein Brot backen. Vesperdosen aus den Ranzen holen, Spülmaschine anstellen.

Nicht schlafen können, der Film läuft weiter.

6.30 Uhr aufstehen. Alles von vorne.

Einzige Variation: ich habe noch weniger Zeit. Also Elternabend. Vorstandssitzung. Termin. Infoabend Gymnasium. Irgendwas ist immer. 1-2x pro Woche. Dann bin ich ca. 22 Uhr zu Hause. Oder ich hab ne Veranstaltung und gehe nochmal los zur Arbeit, dann kommt der Babysitter um 18 Uhr und ich komme gegen 23 / 24 Uhr nach Hause. 1-2x pro Woche. Decke dann eben erst um 24 Uhr den Frühstückstisch, backe das Brot, mache die Wäsche, stehe um 6.30 Uhr auf. Jeden Abend, den ich unterwegs bin, bleibt was vom Haushalt liegen. Wenns zwei Tage in Folge sind, ist schon die Küche nicht mehr nutzbar, das Bad nicht mehr betretbar, der Wäsche-Kreislauf aus dreckig – sauber – nass – trocken durchbrochen und das Chaos bricht aus. Kann hier bitte mal jemand staubsaugen?

Am Wochenende wird alles aufgeräumt, was liegen geblieben ist. Mehr aber auch nicht. In den Ecken sammeln sich Sachen, die niemand mehr braucht, von denen ich einfach nicht weiß wohin. Kann hier bitte mal jemand ausmisten?

Ich bin so kaputt von der Woche, dass ich das Wochenende brauche, um wenigstens mal auszuschlafen. Dann kriegen die Kinder Besuch oder gehen Freunde besuchen, wir machen einen Ausflug, gehen ins Kino oder Besuchskinder übernachten hier. Es sieht so unbeschwert aus und es macht auch Spaß. Aber eigentlich müsste ich 1000 andere Dinge tun (Putzen? Steuererklärung? Klamotten ausmisten?) Aber eigentlich würde ich auch gern ein Buch lesen oder schreiben. Mir mal Gedanken machen. Ein Beet bepflanzen. Oder einfach mal LANGEWEILE haben, ha!

Wenn es mal eine willkommene Abwechslung gibt, sind wir alle zu kaputt dafür. Mein Cousin hat seinen 40. gefeiert, mit einer fetten Familienparty, nachmittags samt aller Kinder. In 400km Entfernung. Die Kinder wollten nicht weg und ich hab gewusst, dass wir das nicht packen. Samstag hin, Sonntag zurück, Montag wieder 6.30 Uhr aufstehen. Der Sohn eh erkältet, der wär zusammen geklappt. Also Party abgesagt, Familie nicht getroffen, Herzeleid bei mir und Sehnsucht nach Kontakten.

Ich würd echt gerne mal mit Menschen die ich mag, feiern, tanzen, quatschen. Unbeschwert. Endlos. Ohne die Gedanken an die Müdigkeit am nächsten Tag, in der nächsten Woche. Abgesehen davon: wegfahren heißt, Tasche einpacken, Tasche auspacken, Wäsche sortieren. So wie eh jedes 2. Wochenende, wenn die Kinder beim Papa sind: Tasche einpacken, Tasche auspacken, Wäsche sortieren. Dieses Tasche-packen-Wäsche-sortieren macht mich wahnsinnig. In unserem Flur stehen IMMER irgendwelche Taschen. Sporttaschen. Wochenend-Taschen. Übernachtungstaschen. Vergessene Taschen. Taschen.

So wie ich immer abends noch ein Brot backen, die Wäsche machen und den Tisch decken muss.

Jaja, binde die Kinder mit ein, sie sind doch groß genug. Nichts leichter als das! Der Sohn, der mit seinen 10 Jahren jeden Tag von 7.20 – 17 Uhr aus dem Haus ist, hat voll Bock, statt Lego zu spielen die Wäsche zu sortieren, die Küche aufzuräumen und das Bad zu putzen. Die Tochter, die mit ihren 12 Jahren jeden 2. Tag alleine Mittagessen kocht, isst, Hausaufgaben macht, hat voll Bock, danach noch zu staubsaugen, den Müll rauszubringen und einkaufen zu gehen. Statt mit ihren Freundinnen zu telefonieren oder mit der Mama zu quatschen. „Mama komm, wir trinken zusammen Tee“. Natürlich nehme ich mir dann Zeit für die Tochter, die eh so viel alleine ist, und fege nicht mit dem Staubsauger jedes Gespräch zur Seite. Der Haushalt wird auf eine Minimum reduziert, oft holen wir uns die saubere Wäsche einfach aus dem Wäschekorb, was soll der Umweg über den Kleiderschrank? Feucht wischen braucht kein Mensch, die Fenster hab ich seit dem Einzug vor 2,5 Jahren noch nie geputzt, gebügelt wird hier nie.

Natürlich helfen die Kinder mit. Sie räumen die Wäsche ein und bringen den Müll raus. Sie kümmern sich um die Haustiere und decken den Tisch. Aber hey: 90% bleiben bei mir hängen, die anderen 10% „Mithilfe der Kinder“ klappen entweder oder ich muss sie mir erdiskutieren. Meistens diskutieren. Das macht keinem Spaß, weder mir noch den Kindern.

Immer wieder Grundsatzdiskussionen. Wie vermeiden wir den täglichen Streit ums Bad? Wer übernimmt welche Aufgaben? Wie teilen wir uns unseren gemeinsamen Haushalt gerechter untereinander auf? Denn: erziehen muss ich die Kinder ja auch noch. Ihnen was beibringen, Grenzen setzen, Grenzen verschieben. Sie motivieren, trösten, zuhören. Ganz viel zuhören.

Und Medienzeiten kontrollieren. Das Bescheuertste überhaupt: diskutieren zu müssen wie lange man sich auf youtube anschaut, wie andere Menschen Battlefront spielen. Oder eine Challenge darin veranstalten, wie man Hosen anzieht ohne die Hände zu benutzen. Wenn die Kinder malen, lesen oder spielen, sage ich irgendwann „Essen ist fertig“ und sie trudeln ein. Wenn sie mit Medien beschäftigt sind, ist die Reaktion immer Wutschnauben, Genöle und genervtes Stöhnen. Muss das so? Ich weiß es nicht, wahrscheinlich ein eklatanter Erziehungsfehler meinerseits.

Ich versuche, die Waage zu halten aus Über- und Unterforderung der Kinder, aus Verständnis und dem Anspruch an ein Mindestmaß an Höflichkeit.

Jaja, natürlich gibt es hier ganz wunderbare Abende. Abende, an denen wir zusammen lachen, tanzen, schmusen und toben. Einen schönen Film zusammen sehen und noch lange drüber reden. Ein Spiel zusammen spielen oder einfach zusammen unseren verrückten Katzen zuschauen. Lange zusammen im Bett liegen und reden (Kinder) und zuhören (ich).

Aber danach muss ich halt immer noch den Frühstückstisch decken, ein Brot backen und die Wäsche machen.

Jeden. Verdammten. Abend.

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Jeden. Verdammten. Tag.

32 Gedanken zu “Jeden. Verdammten. Tag.

  1. Wir haben gar keine Schränke… ehrlich nicht. Wenn große Unternehmen keine Warenlager mehr haben, sondern das Lager der LKW ist, dann kann ich das auch. Ich habe sehr hübsche Wäschekörbe gefunden 🙂
    Oder Socken. Wir haben einen großen Korb, da kommen alle Socken einzeln rein. Der steht auf der Treppe. Wer Socken braucht, holt sich welche aus diesem Korb. Irgendwelche finden sich immer. Weil es einfacher ist, ein Bündel Einzelsocken an einen einzigen Platz zu tragen, als je-des-Mal nach dem Waschen Pärchen zu suchen. (Pärchen sind eh völlig überbewertet!).
    Gegen das Chaos half mir extremes Wegwerfing. Als der Mann auszog, habe ich Berge an Sachen zur Deponie gefahren, weil ich dachte, es hilft ja doch nichts, sie aufzuheben. Entweder ich brauche sie sofort oder nie. Seither kippe ich regelmäßig ganze Schubladen einfach in die Tonne… nie hat jemand gefragt. Außer nach Klebestiften. Aber das ist ein anderes Thema 🙂
    Brot backe ich auch abends, das kenne ich auch sehr gut.
    Das Genöle mit den Medien und dem Essen… allein davon habe ich 700 graue Haare bekommen. Bis ich einmal gesagt habe, dass ich das einfach nicht mehr aushalte. Man gerät so schnell in ein Theaterstück, in dem jeder automatisch aufs Stichwort seine Rolle spielt und seinen Text sagt, da wollte ich raus. Ich habs den Kindern erklärt und gesagt, dass ich mir vorkomme wie eine Schimpfmaschine, und ob ihnen das nicht selber auf den Zeiger geht? Da haben wir verhandelt über etwas genauere Essenszeiten (das war mein Problem), und damit sie sich noch besser drauf einstellen können, sollte ich etwa 30 Minuten vor Ende des Kochvorgangs Bescheid sagen. Seither – es ist ein Wunder – klappt es viel viel besser.
    Taschen stecke ich immer in die unteren Fächer bei diesem einen IKEA-Regal, diesem quadratischen, da hat jedes Kind eine senkrechte Reihe u.a. auch für Schulkram, so dass der nicht in gefühlt sieben Zimmern herumfliegt, sondern zentral im Wohnzimmer an einem einzigen Platz stehen muss. Für HA kann man je dort sein Buch abholen. Und wieder reinstellen…

    Ansonsten: ich zwinge mich jeden Abend dazu, daran zu denken, stolz auf mich zu sein. Sei es „nur“ wegen des Brotes. Oder der Wäsche. Oder dem einen geputzten Fenster. Oder der immer noch nicht verhungerten Katze. Oder dem überstandenen Tag.

    Und wenn ich zu einem Termin z.B. mit der Schule fahre, dann sage ich mir immer: ich muss das nicht. Niemand zwingt mich. Niemand. Ich will das Und ich versuche das. Wenn ich nicht ankomme, weil mir unterwegs die Puste ausgeht: so what. Dann ist es eben so. Dann drehe ich um und fahre nach Hause und mache mir einen Tee und rufe die Lehrkraft an, dass ich nicht kommen konnte (was seither noch nie passiert ist, weil ich den Druck rausgenommen habe. Ich kann nicht alles. Ich schaffe nicht alles. Punkt. Die Kinder wissen das, ich weiß das. Und wer das nicht nachvollziehen kann, der ist schneller aus meinem Telefonspeicher gelöscht als er „whatsapp“ sagen kann :).

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  2. bg schreibt:

    Hm, einiges erkenne ich wieder. Aber mir ging noch was anderes durch den Kopf: bist du sicher dass hinter der Müdigkeit nicht noch was anderes steckt? Weil 22 Uhr schlafen bis 6 sind 8 Stunden, das reicht eigentlich. ..hast du mal eisenmangel und Schilddrüse abklären lassen? Als alleinerziehende denkt man ja immer die Müdigkeit ist normal, aber es kann auch mal was anderes sein. (In Kombination mit Schlafstörungen kann es auch mal eine Depression sein).

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  3. Lieschen Müller schreibt:

    Scheiße, Du hast über mein Leben geschrieben! Nur sind die Kids 4 + 7 und ich stehe 5 Uhr auf und gehe spätestens um 21:30 Uhr ins Bett. Am schlimmsten finde ich noch das Gedankenkarussell. Alles muss ich selbst durchdenken, von vorne bis hinten. Da ist niemand, mit dem ich Dinge durchsprechen kann, was wann wie gemacht wird. Urlaube, Ausflüge, Einrichtung, Abläufe, Anschaffungen, Geschenke, Feiern, Feiertage. Ich muss immer alles selber denken. Es macht mich wahnsinnig! Nicht falsch verstehen, ich habe kein Problem damit, allein Entscheidungen zu treffen. Aber es kann mal Band einfach sagen, komm, wir gehen heute mal in den Zoo. Oder machen Picknick im Park. Oder oder oder. Was gibts zu essen? Was nimmt die Kleine mit zum Spielzeugtag? Was bekommt der Große für ein neues Fahrrad? Wo veranstalten wir den Geburtstag? Und dazu immer noch die bange Frage: wie kriege ich das alles finanziell gebacken? Denn im Gegensatz zu vielen Möchtegern-Alleinerziehenden („ich wurde mich ja auch trennen, bla bla bla“), kommt bei uns am Ende des Monats nur ein Teilzeitgehalt rein, kein Vollzeitgehalt oder sogar zwei Gehälter. Hey, bin voll bei Dir! Hab den Weg aus dem Hamsterrad auch noch nicht gefunden! Stolpere auch ständig über Taschen…hihihi…

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  4. CS schreibt:

    Ja – vieles ist bei uns auch so: 4 Kinder, beide Eltern berufstätig, Mann viel unterwegs, ich häufig mit Kindern, Alltag, Arbeit tagelang allein. Keine Großeltern, die einspringen könnten. Bei uns haben die Kinder Wochendienste – auch die Kleinen. Und bei den Sport- und Freizeitaktivitäten gilt: alles nur in fuß- oder fahrrad-Entfernung – für die größeren mit dem Bus erreichbar. Wettkämpfe am WE: Kinder häufig mit den Trainern mitschicken – man muss als Eltern nicht überall zuschauen. Schule – Kindergarten: immer in der Nähe, keine besonderen Angebote auswählen, weil sie pädagogisch vielleicht reizvoller sind. Dafür werden die Kinder früh selbstständig und finden Freunde in der Nachbarschaft.
    Und trotz des ganzen Stresses möchte ich hier mal dazu aufrufen: versucht die Zeit mit Euren Kindern trotzdem zu genießen. Denn auch wenn der letzte Satz in dieser Kolummne lautet – Jeden. Verdammten.Tag – stimmt er nicht ganz. Die Kinder werden so schnell groß! Wie schnell ging für uns die Babyzeit, Kleinkinderzeit, Tagesmutterzeit, Kindergartenzeit vorüber! Alle vier Kinder sind schon in der Schule – und mittlerweile schon verdammt selbstständig. Die Großen gehen schon viel ihre eigenen Wege. Und mit der großwerden fällt jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr ein wenig Druck weg. Das kann ich spüren – und sehen: denn die Wäscheberge werden tatsächlich kleiner, wenn die Großen nicht mehr jeden Tag im Matsch spielen und anfangen, auf ihr Äußeres zu achten. Ich muss nicht mehr stillen, wickeln, füttern, tragen, helfen, rund um die Uhr alle ständig im Auge behalten…..man war das anstrengend……aber ich trauere dem nach! Und ich weiß: in 10 Jahren werde ich Jeden.Verdammten.Tag mit den Kindern im Haus vermissen.

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  5. Peezet schreibt:

    Liebe Mutterseele, ja oft ist es wirklich zum Verzweifeln. Ich arbeite vier Tage die Woche von neun bis 18 Uhr, Kind ist von 8.30 bis 18.30 in der Kita, Oma tot, Verwandtschaft nicht in der Stadt und der Vater kein Thema. Und klar, die Restzeit gehört nicht ganz, aber fast zur Gänze dem Kind. Es will ja auch zum Kinderturnen, zum Schwimmkurs, etc. Doch gerade, wenn in der Mitte der Woche die Wohnung immer mal wieder ins Chaos zu kippen droht, denke ich mir manchmal: Sollte ich jetzt einen Unfall zu Hause haben, müsste ich meine Tochter bitten, zu versuchen, mich ins Treppenhaus zu zerren, denn den Rettungskräften möchte ich den Anblick des Chaos ersparen :-). Aber weißt du, was toll ist? Auch wenn’s weder dir noch mir aktuell weiterhilft: Zu wissen, dass ich damit nicht allein bin. Ich saß gestern Abend wieder total platt auf der Couch, nachdem das Kind endlich eingeschlafen war, dann fand ich deinen Text, las ihn und musste trotz all der bitteren Wahrheit lauthals lachen, spätestens beim Wäsche-Kreislauf (nicht jeden Tag, aber doch sehr oft wird gewaschen; manchmal weiß ich gar nicht, warum wir Schränke haben). Es gibt Tage, da kann ich mir gegenüber sehr großzügig sein, über all die noch unerledigten Dinge hinwegsehen und es gibt Tage, da macht es mich wahnsinnig, dass es kein Ende nimmt, dass eigentlich immer etwas gar nicht so unwichtiges zu erledigen wäre.

    Mittlerweile wissen manche Freunde auch, dass es kein Scherz ist, wenn sie mich fragen, was sie mir zum Geburtstag schenken sollen, und ich dann sage: Einmal Fensterputzen bitte oder Sachen zum Recyclinghof fahren, einmal aufräumen bitte. Selten, aber ab und an bekomme ich diese Dinge nun auch geschenkt. Zeit geschenkt.

    Vielen Dank nochmal für deinen tollen Text.
    Ich denk an dich.

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  6. Respekt! Ganz ehrlich! Ich weiß echt nicht, wie man als Alleinerziehende das alles so schaukelt…Dein Beitrag regt natürlich auch zum Nachdenken an über die eigene Situation, über die man (frau) sich doch allzu oft beschwert. Und das wegen belangloser Dinge und unbequemen Kleinlichkeiten, die erst deswegen zum Thema werden, weil es Einem sonst wohl zu gut geht. Mir geht es oft so, dass ich mich wegen irgendwas aufrege, obwohl ich null Grund dazu hätte. Die Beschreibung Deines Alltags hat mich gerade mal wieder wachgerüttelt. Danke dafür und nochmal: Hut ab!!
    Viele Grüße! Claudia

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  7. Ohja, das ist so realistisch geschrieben und kommt mir alles bekannt vor. Ich arbeite zwar im Home-Office, aber der Rest ist / war genau so. Meine Kinder sind schon größer und ich habe auch einen Mann, der tatkräftig mitmacht, wenn er daheim ist. Also bessere Voraussetzungen, die Arbeit verschiebt sich aber nur. Danke für das, was du da geschrieben hast.

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  8. Ebun schreibt:

    Oh! JA!!!
    Haargenau so. Das Taschendrama hier jede Woche. Papazeit immer nur für maximal 24 Stunden. An 3 Tagen der Woche mindestens 4x das Haus verlassen und irgendwen rumjuckeln müssen, Donnerstag 5x. Jeden Dienstag 2 Kinder direkt nach der Schule bei den Bonusgroßeltern abkippen, dann bis zum Abend mit dem Mittleren zur Autismustherapie unterwegs. Jede Woche auf eine andere Abholzeit durch den KV einstellen, aufpassen wie ein Luchs, dass dem die Laune nicht abhanden kommt, weil es sonst die Kinder ausbaden. Nach deren Rückkehr den Frust über die unbefriedigende Papazeit aushalten.
    Immer wieder Gespräche bei der EB zur Verbesserung des Umgangs (leider überwiegend fruchtlos, da dem Narzissmus entgegen steht), beim JA (Hilfeplangespräche), bei Lehrern zur Sicherstellung des Unterstützungssystems in der Schule, Frust über dauerkranke Schulbegleitung und fehlende Vertretung, nachmittags dann regelmäßig den Sohn nach enormer Kompensationsleistung vor dem Overload und die Geschwister vor seinen Druckabbauversuchen schützen. Ausgleichen, für Entspannung sorgen. Für mich bleibt nur irgendwie wenig übrig…. blöd, wenn man selbst auch autistisch ist. Rächt sich dann mit erst irre spät einschlafen können und oft bleierner Kraftlosigkeit am Morgen.
    Auch toll, wenn der KV noch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit betont, wie schlecht es ihm ginge, weil ich mich quasi an seinem Geld bereichere (wir reden dabei übrigens von gesetzlich ermitteltem Kindesunterhalt), oder sich theatralisch über die Unzumutbarkeit von selbst zu übernehmenden Fahrten an den Umgangstagen beschwert. 160km im Monat. _räusper_
    Entspannungsterrorismus, wenn die Kinder endlich das Haus verlassen haben (oft genug nur von 9-19 Uhr). Oder doch erstmal aufräumen? Das Wäscheschwein jagen? Nen Kaffee trinken? Dann klebt man an der Couch fest und zack sind mehrere Stunden wertvoller Freizeit (hahaha!!!) weg. Wieder ständiges auf die Uhr gucken. Wenn ich mich ausnahmsweise mal fit genug fühle, um mit der Freundin auf Tour zu gehen, wieder die Uhr im Nacken. Bloß nicht zu weit nach Mitternacht ins Bett, sonst reicht der Schlaf nicht bis zur Rückkehr der Kinder am Mittag.
    Arbeit dankenswerterweise im Homeoffice, was Termine wahrnehmen erleichtert. Gleichzeitig hab ich aber nie frei. Selbst am WE morgens und abends kurz schauen, ob dringend etwas gebraucht wird.
    Richtig super dann noch, wenn Bekannte fragen, ob man nach nunmehr fast 4 Jahren denn nen Mann kennengelernt hätte? Mit so nem gefühlten Unterton à la „jetzt wird es aber langsam Zeit!“ Wenn es nicht so absurd wäre, müsste ich schallend lachen. Auf die Gegenfrage, wo ich noch Tagstunden für Partnerpflege und Verliebtheit zubuchen kann, kommt dann meist nix mehr.

    Ich liebe meine Kinder so sehr. Und versuche gedanklich eine Blase als Schutz vor den Meinungen anderer Leute zu erschaffen. Dann kann ich das Hamsterrad besser annehmen und es laugt mich nicht ganz so aus. Noch überwiegt der Kampfgeist. Aufgeben ist keine Option!

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  9. Astrid König schreibt:

    Hallo
    Mir geht es genauso, 2 kinder 14 und 12. Sagst was kommt ein stehen, ich mache es dann selbst. Ich stehe morgens um 4:30 auf und bin dann abends um 21:00 echt fertig….Und Taschen, Rucksäcke liegen hier auch rum
    Da beide aktive Sportler sind, leben wir auch im Auto grins. Oft stehe ich auf den Parkplatz und telefoniere mit Freunden, damit ich es in Ruhe machen kann ohne gestört zu werden los.
    Ich drücke alle AEG denen es genauso geht. Routine nervt und zieht einen runter…Da müssen wir alle raus.
    Liebe Grüsse A

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  10. Manchmal. Wenn das Kind hier dann krank zu hause ist und nur meine Nähe will. Dann entsteht so etwas wie eine Parrallelwelt. Ich weiß, dass ich eigentlich alles andere auch noch machen müsste, „kann es aber nicht“ (Ausrede). Dann wabbern wir so durch den Tag.
    Ist er dann wieder gesund, ersticke ich fast am Alltag. Das, was dann in der Parallelwelt so leicht erschien, weil man ja nur so vor sich hin lebt (nie länger als 24h krankes Kind), ist dann erdrückend. Wäscheberge, der Fußboden… Und das schlimmste: Ich komme dann nie zum arbeiten! Dabei wäre gerade das so wichtig.

    Sorry für mein Gedankenchaos!!! Mit anderen Worten: Ich verstehe dich!

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  11. Puh. Über diese Alltagsroutinensache habe ich auch schon oft nachgedacht. Und wie das Chaos ausbricht, wenn man mal den Kreislauf unterbricht, die tägliche Routine schleifen lässt. Grausam ist das. Erwachsensein hat sich früher immer irgendwie anders angefühlt – und jetzt ist es eine einzige Routine-Schleife.

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  12. pass auf dich auf, es ist scheiße. Ja, klar gibt es vielleicht Ecken wo man dinge noch tweaken kann, wo man den eigenen Anspruch entweder senken kann oder aber sagen kann – NEIN, den Teil von mir geb ich nicht auch noch auf aber auch das braucht Energie, und Zeit und Diskusssionen. Ich habe das Privileg, dass ich nur zeitweise allein war mit 2 kids und insofern nur teilweise verstehe, wie anstrengend es sein muss (Gatte war so viel auf Dienstreise dass er ca. den halben monat weg war, für ca 4 Jahre) WIchtig ist, dass du auf dich selbst achtest, denn wenn dein Brunout da ist hilft nix mehr. Und vielleicht ist es auch fürs Erziehen wichtig (gerade auch von der Tochter 😉 ) dass sie dich dabei sehen wie du dir kleine AUszeiten nimmst. Seufz….keine Kritik, kein Mitleid von mir… nur Achtung und Sorge – und dabei kenn ich dich nicht mal. (Taschen sind ätzend)

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  13. Mitgefühl hast Du auch von mir! (Leidensschwester)
    Kleine Meditationen helfen…machmal…kurz…mir das Karussell im Kopf anzuhalten oder darüber die Kontrolle zurück zu bekommen.
    Und verliere nicht Deine Träume!!!! Die sind Deine Ziele für die Du das alles machst 🙂
    Wie wäre es wenn wir ein Crowdfundingprojekt starten, für einen großen Hof, für 3 bis 5 Alleinerziehende Mütter mit Kindern? Ich wäre dabei! Schick Dir Zuversicht und dank Dir für den Post.

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  14. Eva schreibt:

    Bei mir kommt noch das ewige Spülen hinzu, seit im Sommer die geschenkte Spülmaschine den Geist aufgab. Weil sich 2 von 3 weigern, ins eklige Spülwasser zu greifen, und sich dauernd deswegen streiten, spüle immer.ich. Damit sie alle 3 nur abtrocknen.
    Ansonsten bin ich total dankbar, dass ich bedingt durch Schichtdienst auch mal unter der Woche frei hab. Und immer abwechselnde Arbeitszeiten. Lieber fange ich schon 6-7h an, dann bin ich oft schon mittags zu Hause. Dafür sind die Kids dann morgens alleine. Fanden sie besser, als nachmittags bis 17h alleine zu sein- was mir auch lieber ist, weil ich dann in eine verwüstete Küche zurückkehre, und dann hab ich direkt miese Laune….weils einfach niemand mal für einen erledigt!
    2 Freundinnen von mir haben sich mal den Schlüssel unter der Fußmatte ergaunert und haben meine Wohnung komplett auf Vordermann gebracht- ich kam nach Hause und habe Rotz und Wasser geheult!!!!!! Sowas Schönes!!!!– Mir sind schon 2 gebrauchte Brotbackmaschinen kaputt gegangen. Was ich schrecklich finde. So muss das Brot dauernd gekauft werden. Tonnenweise Brot und Toast. Das Einkaufen nervt auch. Ohne Auto mit 3 Teenagern. Wobei diese das auch oft übernehmen. Ich deale dann 😉
    Von den WäscheBergen möchte ich gar nicht reden.
    Egal. Ich WILL mich nicht darin ergeben. …versuche zu variieren, lade zu uns ein, gönne mir 1x /Woche Yoga. Gehe auf ein Bier raus. Sitze immer an verschiedenen Stellen am Tisch. Mache irgendwas morgens anders. Zuerst Duschen, dann Zähne putzen. Benutze einen Radiowecker. Lasse die Kinder kochen.
    Ja….mag vielleicht lächerlich klingen, aber ewige Routine war mir schon immer unangenehm. Aber niemand zwingt mich dazu! Obwohl ich echt bescheidene Mittel habe, gelingt es mir irgendwie, nicht in Routine zu ersticken.
    Die Anstrengung des Alltags allerdings kann ich auch selten gut kompensieren.

    Ich drück Dich virtuell!
    Gruß, Eva

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  15. Respekt an alles, was du leistest, und dass du trotzdem auch die positiven Dinge siehst.
    Wie wäre es, wenn du dir mal für das Brot, den Tisch und die Wäsche an jedem verdammten Abend jeden Tag ein anderes Lied auflegst? Ich könnte mir junge drum von Emiliana Torrini oder feeling good von Michael Bublé vorstellen. Vielleicht ändert es die Laune an dem ein oder anderen Tag..?!

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  16. janny schreibt:

    Du sprichst mir so sehr aus dem Herzen!!!!! So ähnlich sieht mein Leben auch aus!! Und kaum einer hat Verständnis, warum ich mich an den jungsfreien Tagen zu Hause „verkrieche“ und nicht einfach rausgehe, Party mache, unter Leute gehe… Ich habe einfach keine Kraft. Und außerdem muss ich alles was unter der Woche liegen geblieben ist, irgendwie auch aufarbeiten… Unser Alltag ist sooo ähnlich… Meine Jungs sind gerade 7 und 8 Jahre geworden. Meine Motivation war immer: Ein paar Jährchen noch, dann wird´s besser. Aber wenn ich Dich hier so lese, dauert es wohl noch etwas länger und wenig Besserung in nächster Zukunft…
    Einfach irgendwie durchhalten und weitermachen… Haben wir eine andere Wahl?!?
    Danke für diesen Beitrag!!!

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  17. Kein Erziehungsfehler – das geht wohl fast allen so. Zumindest hier ist es ähnlich, was Medien und Essen angeht.
    Es ist so ein unglaublicher Teufelskreis. Irgendetwas passt in unserer Gesellschaft einfach nicht. Egal ob alleinerziehend oder anders lebend, viele Eltern drehen sich ständig im Kreis, rackern sich ab und kommen doch nur selten einen Schritt weiter.
    Ich drücke dich und pass auf dich auf.

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