Ob wahr oder gelogen: Papa über alles!

Du sollst Vater und Mutter ehren.

Dieses biblische Gebot nehmen Kinder nach der Trennung oft besonders ernst: sie ehren und lieben natürlich immer noch beide Eltern. Oft sogar besonders kritiklos und überschwänglich denjenigen Elternteil, bei dem sie nach der Trennung nicht mehr leben. Den, den sie oft am meisten vermissen.

Das ist völlig in Ordnung so und auch erklärbar, denn die Kinder lieben eben beide Elternteile und vermissen natürlich den mehr, den sie nicht so oft sehen.

Wenn nun die Eltern es geschafft haben, sich in Freundschaft zu trennen und einander wohlgesonnen sind, dann ist für alle Beteiligten die Welt einigermaßen in Ordnung. Bis auf die Trennung natürlich. Wenn es aber Unstimmigkeiten zwischen den Eltern gibt, dann kann man gut beobachten, welche riesige Leistung die Kinder in Erfüllung des 5. Gebotes vollbringen: sie ehren immer noch Vater UND Mutter. Den meist abwesenden Vater womöglich noch ein bisschen mehr als die Mutter.

Der wird, so ist es seit den sechs Jahren der Trennung bei uns, kritiklos angehimmelt und dem wird vor allem alles verziehen:

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Nun hat der Vater dieselben 24 Stunden pro Tag zur Verfügung wie alle anderen Menschen auch. Die Frage ist, mit welchen Prioritäten er sie füllt. Da spielt der Job eine wichtige Rolle, die neue familiäre Situation und auch persönlichen Befindlichkeiten des Mannes und da spielen die Kinder eine Rolle. Auch wenn sie nur alle 14 Tage da sind. Dass man den Kindern, die man eh schon nur alle zwei Wochen sieht, eine Freude mit einem Adventskalender macht, das kann man sich merken nach 12 Jahren der Vaterschaft oder eben auch nicht. Macht eigentlich auch nichts, denn die Kinder verzeihen dem Papa ja sowieso. Da wird dann entschuldigend „ach ich Schussel“ gekichert, die Kinder kichern mit, und gut ist. So kann der Vater sich das herrlich zusammen reimen in ein „War ihnen ja eh nicht so wichtig“. Nein, denn die Kinder würden es nie wagen, den geliebten Papa zu kritisieren. Und er ruht sich darauf recht bequem aus.

Nicht nur die Kinder, auch die Mutter soll den Vater und Exmann nicht kritisieren, die Kinder wollen ihr Bild vom geliebten Papa unbedingt aufrecht erhalten. Sollen sie, ich will ihnen nicht im Wege stehen bei ihrer Beziehung zum Vater. Aber darf die Mutter deshalb nicht einmal Fakten und schiere Informationen aussprechen?

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Die Kinder wollen das nicht hören. Sie spüren, sie wittern die unausgesprochenen Kritik am Vater und wehren diese intuitiv ab. Auch bei uns kommt jeden 2. Freitag um 17 Uhr die SMS „ich steh im Stau“. Sobald mir eine Bemerkung über früheres Losfahren des Exgatten rausrutscht, werde ich sofort ermahnt: „Der Papa hat eben so einen wichtigen Job!“. Jetzt aber hallo und erst recht die Klappe halten, sonst gerät meine Kritik ein kleines bisschen fundamentaler (UND MEIN JOB? UND ICH? schreit es in mir). Aber nein, ich soll mir wohl jede Wertung verkneifen, denn wie wir gesehen haben, ist für die Kinder die schiere Information ja schon zu viel des Negativen. Puh!

Und wir können noch eins drauf setzen: muss ich auch lügen?

Bei meinen Kindern kam das Thema auf, dass der Vater viel mehr Zeit mit seinem neuen Baby verbringt als mit seinen großen Kindern. Logisch, das Baby wohnt ja auch bei ihm. Der Sohn war darüber ein wenig traurig, denn er würde auch gerne so viel Zeit mit dem Papa verbringen. Der hat dem Sohn das so erklärt: „Als Ihr so klein wart, habe ich mit Euch auch so viel Zeit verbracht“, was mir die Kinder gleich glücklich erzählt haben. Ich grüble, erinnere mich und kann nur feststellen: das stimmt einfach nicht! Er hat stolz erzählt, dass er wegen des Babys 2 Wochen Urlaub und dann nochmal wochenlang home office hatte. Bei K1 war er eine Woche, bei K2 einen Tag zu Hause. Drei Tage nach der Geburt des Sohnes war er ein paar Tage auf Dienstreise, ich war allein mit einem 20 Monate altem und einem 3 Tage alten Kind. Und so blieb es: er war oft da, aber er war genauso oft weg, und zwar tagelang. Oder er hat es geschafft, zwar im selben Haushalt wie ich und die Kinder zu leben, sie aber eine Woche lang nicht zu sehen: morgens schon weg und abends erst da wenn die Kinder schlafen. Monatelang, Jahrelang.

Seit mein Sohn krabbeln kann, stand er morgens an meinem Bett und hat geweint, weil der Papa nicht da ist. Nein, er hatte nicht mehr Zeit für die Kinder, als sie klein waren. Er hatte nie Zeit, der Job war immer wichtiger.

Dieses „als Ihr kleiner wart, hatte ich für Euch mehr Zeit“ ist eine glatte Lüge, aber der Exmann möchte das wohl gerne glauben und die Kinder wollen das auch gerne glauben. Und ich? Spiele ich das Spiel mit? Darf ich meine Meinung sagen, ohne den Kindern ihre abgöttische Liebe zum Vater abzuquatschen?

Ich bin sehr für Ehrlichkeit mit den Kindern. Und ich bin sehr dafür, dass sie eine gesunde Beziehung zu ihrem Vater haben. Das bringt mich in einen Gewissenskonflikt. Ich kann ganz ruhig und sachlich bleiben und sagen: ich habe das anders in Erinnerung. Mehr nicht. Petra in obigem Tweet kann natürlich sagen „ich schimpfe nicht, ich habe gesagt er kommt später“. Wenn der Sohn Verständnis entfaltet ob der Vergesslichkeit des Vaters, dann halte ich verdammt nochmal die Klappe: was habe ich mit dem Adventskalender des Vaters für die Kinder zu schaffen? Was habe ich in der Beziehung zwischen dem Vater und den Kindern rumzuwurschteln? Nix, und deshalb halte ich den Mund.

Wenn es aber unsere gemeinsam Erinnerung betrifft, dann habe ich wohl das Recht, meine eigene Erinnerung zu benennen. Nach Möglichkeit so, dass die Kinder nicht in den Konflikt kommen, dem Vater oder der Mutter zu glauben. Sondern so, dass es beide Versionen zulässt: meine Erinnerung ist so, und die von Papa ist eben anders.

„Papa hat gesagt, er hat deshalb soviel gearbeitet, weil er uns ein schönes Leben ermöglichen wollte“. Und dafür bewundern sie ihn, denn er wollte ja nur Gutes für die Kinder. Wann das schöne Leben stattfinden sollte, wurde nicht gesagt, die ersten 6 Jahre der Ehe und des Lebens der Kinder jedenfalls nicht. Vielleicht hätte ich noch länger warten sollen, aber ich hatte die Geduld und die Hoffnung verloren, dass sich da noch was ändert. Und bin, mürbe von der Warterei, mit den Kindern ausgezogen, um ohne ihn ein schönes Leben zu haben.

Ich merke schon, ich kann gar keinen einigermaßen objektiven Text über dieses „Vater kritiklos vergöttern“-Thema schreiben, wie ich es eigentlich vorhatte. Ich komme trotz aller Anstrengung immer gleich in eine Wertung und rühre an eigene, verletzende Erinnerungen. Die der Exmann Jahre nach der Trennung immer noch schön redet. Denn es geht ja nicht um die Farbe der Badezimmerkacheln oder um den Nachtisch am Sonntag. Nein, es geht natürlich genau um die Themen, in denen wir so grundverschiedene Auffassung von Familie, Kindern, Prioritäten und Werten hatten und auch heute noch haben, dass es folgerichtig auch zur Trennung kam. Die Kinder lehnen diese Trennung intuitiv ab. Sie wollen Mama und Papa gleichermaßen, sie wollen, ganz biblisch, Vater und Mutter ehren. Wobei ich keine Ahnung habe, ob ich genauso kritiklos verteidigt werde, wenn die Kinder beim Vater sind.

Die Eltern bedingungslos zu lieben, alle beide, gehört wohl zu der Natur eines Kindes, und da will ich sie natürlich nicht dran hindern. Aber ich will auch nicht lügen oder Lügen passiv bestätigen durch nicht-Korrektur. Gleichwohl will ich die Kinder nicht in einen Loyalitätskonflikt bringen, indem ich sie mit zwei Versionen einer Geschichte bekannt mache (die vom Papa und meine) und dann ihnen überlasse, was sie glauben, wem sie glauben und wie sie sich ihre Geschichte zusammen reimen. Dafür sind sie, auch wenn sie schon 10 und 11 Jahre alt sind, auch einfach noch zu jung.

Ich will nicht den Kindern gegenüber schlecht von ihrem Vater reden, und ich verbitte mir das auch von jedem anderen. So habe ich schon meiner Mutter den Mund verboten und sie nahezu rausgeschmissen, weil sie sich in Anwesenheit meiner Kinder der Lästerei über meinen Exmann hingab. Das kann sie machen wenn die Kinder nicht dabei sind, aber ich will nicht, dass meine Kinder das hören. Auch wenn meine Mutter meint, „die können das ruhig hören“: Am Ende werden sie nur die Oma hassen, weil die schlecht vom Papa redet. Dabei lieben sie ihre Oma ja auch, und dann haben wir wieder den Salat.

Nein, über den Papa wird nicht schlecht geredet, und ich gebe mir große Mühe, den Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie in einer glücklichen Beziehung voller Liebe gezeugt wurden, dass sie absolute Wunschkinder für uns waren. Denn das entspricht voll und ganz der Wahrheit.Stressig und unglücklich wurde die Ehe erst später, bis es dann zur Trennung kam, aber dass die Kinder überhaupt auf der Welt sind, hat einen guten und glücklichen Grund. Und so kann ich den Kindern schöne und fröhliche Anekdoten aus ihrer Baby- und Kleinkindzeit mit dem Papa erzählen, ohne zu lügen. Dasselbe tut der Kindsvater, er berichtet über die frühe Kinderzeit und biegt sich ob seiner Abwesenheiten seine Wahrheit eben so zurecht, dass er sein Gesicht behält. Eine bis zu einem gewissen Maße verständliche Aktion. Wenn die Sache aber zur offenkundigen Lüge ausartet, fühle ich mich verpflichtet, zumindest klar zu stellen, dass ich das anders in Erinnerung habe.

Doof nur, dass es mich nicht immer in der abgeklärtesten Situation erwischt, so eine Frage der Kinder, und dass diese hingegeigten Wahrheiten des Vaters so sehr an meine verletzte Erinnerung rühren. Bleib da mal ruhig, sachlich und trotz allem so pflichtbewusst dem Expartner gegenüber, dass die Kinder sich entspannt ihre Version der Geschichte zusammen reimen können. Und dass die Kinder ungetrübt weiter beide Eltern lieben und ehren können.

Das ist schon manchmal echt ein emotionaler Kraftakt. Ich werde nicht lügen, und ich finde dafür, dass der Exgatte sich einfach mit (Not-)Lügen und Halbwahrheiten durchschummelt und schönredet, bin ich immer noch ganz schon loyal.

Verdammte Scheiße!

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Nachtrag

Ich habe viele Reaktionen auf diesen Text bekommen. Einige gingen in die Richtung „Irgendwann brechen die Kinder den Kontakt zum Vater ab, sie werden schon wissen wer sie wirklich liebt.“

Ich möchte eins klar stellen: das letzte, was sich meinen Kindern wünsche, ist, dass ihre Beziehung zum Vater zerbricht! Sie lieben ihn und er liebt sie, und ich wünsche beiden Seiten sehr, dass das so bleibt. Und genau daher rührt mein Konflikt: ich möchte die Beziehung von Vater und Kindern gerne unterstützen und fördern, ich möchte die Kinder aber auch nicht anlügen. Ich unterstelle mal, dass der Vater die Kinder nicht bewusst anlügt, sondern dass das in seiner Erinnerung wirklich so war. Oder er es gerne so gehabt hätte. Meiner Erinnerung ist eben eine andere.

Dass sie ihm kritiklos alles verzeihen und ihn vergöttern, ist für mich schlecht aushaltbar, aber das ist mein Problem und soll nicht das Problem der Kinder sein. Wenn sie älter werden, werden sie ihn differenzierter sehen – und mich auch. Und ich hoffe, dass sie dann immer noch zu beiden Eltern einen guten und liebevollen Kontakt haben.

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Ob wahr oder gelogen: Papa über alles!

18 Gedanken zu “Ob wahr oder gelogen: Papa über alles!

  1. Ich kann es verstehen,dass Dich das so aufregt.Mein Ex und auch seine Eltern sind genauso und versuchen auch noch,mich ständig schlechtzureden…
    Ich würde an Deiner Stelle aber nicht ständig den Mund halten.Wenn Du Dich über Dinge aufregst,die Dein Ex tut,dann ist das doch Dein gutes Recht.Wenn er zB immer zu spät kommt,darfst Du ja wohl sagen,dass Dich das nervt.Du machst ihn ja nicht runter damit.Ich finde,dass Du da nicht so viel Rücksicht nehmen musst,denn es ist ja ein Unterschied,ob ich jemanden komplett schlecht mache oder ob ich bestimmte Verhaltensweisen kritisiere.Das wird ja wohl erlaubt sein.Da müssen Deine Kinder durch,finde ich…Ansonsten ist das eine Art Co-Abhängigkeit

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  2. Damals war meine Ma alleinerziehend. Heute bin ich es selbst. Daher schreibe ich aus eigener Erfahrung. Ich tat ich meiner Ma lange unrecht. Das unbekannte Wesen – Vater der göttliche….

    Doch die Scheinwelt eines Kindes ist unergründlich. Die tiefe Sehnsucht nach der heilen Welt, tief in uns verankert. Es ist fast so wie, Schokolade ist während der Diät strengstens verboten! Genau dann, gelüstet uns nach ihr – wie gut – wie süß, etc… Es ist das gute Recht Deines Kindes. So weh wie es jetzt vielen Müttern tut. Doch sie gehört zur Lebens-Erfahrung der Kinder (leider) dazu. Sie lehrte mich im Loslassen & Vertrauen.

    Heute ist die Zeit gekommen… Mit meiner Ma darüber zu sprechen und ihr zu erklären, warum.

    Gewünscht hätte ich mir mehr Verständnis. Diese Unterstützung für Frauen in ähnlichen Situationen, will ich für 2017 gerne weiter geben.
    Herzlichst, Susan
    http://www.susanrodriguez.de

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  3. Ganz schwieriges Thema. – Vielleicht helfen die Prämissen ein wenig weiter, denn ich finde zuallererst wichtig, dass die Kinder sich in ihren Gefühlen sicher sein dürfen. Lieben sie ihren Papa und läuft da alles so halbwegs, dann wäre es wirklich übergriffig und verkehrt, die Beziehungsebene der Eltern beizumischen, denn diese Konflikte haben in der Beziehung zwischen Papa und den Kinder nichts zu suchen.
    Trotzdem tue ich mich schwer mit diesen Forderungen, „das Ansehen des Partners/der Partnerin hochzuhalten“ – ich denke immer, dass es ja Gründe zur Trennung gegeben hat und nicht selten liegen diese Gründen ja in Fragen des Beziehungsverhaltens. Ich bin ein wenig allergisch, wenn wir Mütter / Frauen auch dann noch dazu angehalten werden, aktiv den Schein zu wahren.
    Solange es kein Schein ist – alles prima!

    Aber: wenn die Kinder ganz ähnliche Konfliktlinien mit ihrem Vater erleben wie die Mutter während der Ehe/Beziehung, die sie vielleicht erstmals ungefiltert erleben, weil die Mutter als Moderatorin weggefallen ist: wenn sie vergessen werden, versetzt werden (als Beispiele), wenn sie erleben, dass Bezug, Resonanz und all das (im Augenblick) nicht (mehr) spürbar ist bei ihrem Vater – wie dann anders damit umgehen als mit Wahrheit?
    Ich empfinde es als enorm wichtig, den Kindern ihre Gefühle zu lassen, und wenn überhaupt, dann ihnen Brücken zu bauen, die sie dann selber betreten dürfen.
    Aber Ansehen extra hochhalten?
    Für was?
    Was gebe ich den Töchtern denn dann mit? Dass man alles, aber auch wirklich alles aushalten muss, erklären kann? Das grenzt für mich sehr an Lüge, und daran, der nächsten Generation schon wieder völlig falsche Maßstäbe zu geben.
    Wäre es nicht gesünder ihnen zu zeigen, dass sie ihre Grenzen sehr wohl wahren dürfen, und sich weder in feste Zeitkorsette pressen lassen müssen (Umgang…), noch jedwedes Verhalten akzeptieren müssen, nur weil es der Papa ist und in jedem Trennungshandbuch steht, man dürfe alles, aber NIEMALS etwas Schlechtes über den Partner sagen?

    Das gilt auch für ungetrennte Kinder, die Mütter erleben, die den ganzen Tag damit befasst sind, die Fassade anzupinseln. Irgendwann fallen die alle von der Leiter, klappen zusammen und das war das Ist es das wert? Ich finde nicht.

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    1. Ein sehr offener und bewegender Post.

      Ich bin gedanklich sehr bei Pia: Es ist einerseits richtig, dass die Beziehung von Mann und Frau mit der Beziehung der Kinder zu ihrem Vater nichts zu tun haben. Andererseits sind wir keine Maschinen, sondern Menschen mit Gefühlen. Wenn mich als Mutter etwas verletzt, dann möchte ich das ausdrücken dürfen, natürlich als Ich-Botschaft. Damit diskreditiere ich nicht andere Personen, sondern zeige auf, was das (die Situation, das Verhalten usw) mit mir macht. Das scheint mir ein wichtiger Aspekt im Umgang mit den Kindern zu sein. Ich möchte, dass meine Kinder lernen, dass ihr Verhalten etwas bei anderen Menschen auslöst, und das sollte ihnen möglichst nicht egal sein. Meine große Tochter merkt das schon jetzt sehr deutlich in ihrer Clique und greift ein, wenn sie spürt, dass eine der Mädels ungerecht behandelt oder eben mit zweierlei Maß gemessen wird. Und das ist hier das Thema.

      Mir fällt dazu eine Begebenheit aus meiner Kindheit ein: Eine Freundin hatte einen Bruder. Der betrieb Leistungssport und besuchte die Kinder- und Jugendsportschule. Hatte an jedem WE Wettkampf, durchgetaktete Tage, Wochen, Monate. Diesem Bruder wurde wirklich alles nachgesehen, der bekam alles gemacht, durfte sich benehmen, wie er wollte, bekam zu essen, was er mochte, denn: Er war ja nur selten da und betrieb einen sehr wichtigen Sport, dem alles untergeordnet werden musste. Meine Freundin dagegen musste im Haushalt helfen, ihr Zimmer alleine in Ordnung halten, ihre Wünsche fanden einfach nur sekundär, sprich: praktisch gar nicht statt. Sie hatte das sehr genau gespürt und ein entsprechend angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter. Und hat irgendwann genau das Gegenteil von dem getan, was von ihr erwartet wurde.

      Du verstehst die Analogie? Ich würde gerne dazu ermutigen, offen zu sein und ein Bild zu vermitteln, das zeigt: Jeder in der Familie hat Bedürfnisse, auch die Mutter, und es ist wichtig und richtig, auch ihre Gefühle zu berücksichtigen.

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  4. Ron schreibt:

    Ich als Scheidungskind kann nur sagen, dass schlimmste ist, wenn Kinder angelogen werden. Dies bekommt man mit. Mal früher, mal später – auch die Kleinen…
    Mit 10 / 11 Jahren verkraftet auch ein Kind die Wahrheit. Wichtig ist nur, dass zum einen derjenige Elternteil mit der „Hauptverantwortung“ als Rückhalt bzw. Stütze da ist. Und zum anderen sollte man den/ die Ex nicht versuchen schlecht zu reden – auch dies bemerken die Kinder –> und merken sich dies.
    Versuche neutral bei den „Lobeshymnen“ zu bleiben – aber wichtiger ist, bleibe deinen Kindern gegenüber bei der Wahrheit. Notfalls Stück für Stück in kleinen Dosen.
    Und erfreue dich daran, dass irgendwann die Kinder zu dir stehen und der ehemals vergötterte Ex auf den realistischen Boden der Tatsachen herabgehoben wird. Und am schlimmsten ist, wenn sich die Kinder von Elternteilen distanzieren – zumindest sagt mein leiblicher Vater dies.

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  5. Traumtänzerin schreibt:

    Puh, schwieriges Thema. In Ihrer Haut möchte ich echt nicht stecken. Trotzdem frage ich mich gerade, ob Ihre Kinder den Blog lesen? So berechtigt Ihr Bedürfnis nach einem Ventil ist und so gerne ich Ihre Beiträge auch lese, ich bin mir nicht sicher, ob ich gerne im Internet in einem nicht-anonymen Blog lesen wollen würde, wie nahe Familienmitglieder wirklich übereinander denken…..
    Alles Gute Ihnen und den Kindern!

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  6. Ich hab lange überlegt ob ich was dazu sagen mag.

    Bei mir war die Devise immer, kein schlechtes Wort über den Vater gegenüber dem Kind.
    Ich gehöre auch zu denen die immer sehr viel Entschuldigt hat über die Dinge die der Vater alle nicht leistet. Nicht heute nicht früher. Ich habe immer versucht den Vater in einem guten Licht stehen zu lassen.
    Die besondere Situation bei uns ist ja noch das es nicht mein leibliches Kind ist. Die leibliche Mutter starb als Maus ein Jahr alt war. Ich lerne den Mann mit dem Kind sechs Monate später kennen.
    Ich fand es so wichtig das sie ein gutes Verhältnis hat zu ihm, auch wenn seine Präsenz nur sehr unzureichend war.

    Heute im Rückblick würde ich das wieder so machen, aber das Kind hat mir inzwischen Vorgehalten das ich zu viel Verständnis für den Vater habe.
    Das ihr klar ist das er sich nur um sich kümmert und sie da hinten runter fällt.
    Wir haben letztens eine Situation gehabt da blieb uns beiden nix anders übrig als zu sagen“ er ist ein Arschloch“. Und es hat ihr und mir gut getan das auch so festzustellen.

    Je älter mein Kind wurde um so mehr wurde ihr bewusst das das alles nicht zusammen passt.
    Wieso hat Daudi immer Zeit, aber der Vater nicht?,
    Warum machen wir immer die tollen Sachen zusammen? und ich nicht mit Papa
    Warum war sie nie mit ihrem Vater im Urlaub?
    Warum kann er sich nicht liebevoll kümmern?.
    Warum ist alles anderen wichtiger?
    Es gibt für alles eine Erklärung und die gebe ich ihr, aber eine Ehrliche und die war, das ihr Vater die Notwendigkeit darin nicht sieht sich so um sie zu kümmern, das mein Anspruch aber ein anderer ist in der Kindererziehung.

    Und das ich darum mich um all dieses kümmere, dafür haben wir aber weniger Geld zur Verfügung.

    Ich bin mir ganz sicher das deine Kinder das auch irgendwann begreifen, jetzt noch nicht, aber das wird ganz sicher kommen.
    Und ganz ehrlich, natürlich darfst du erwähnen das es dich nervt das sie bei Papa nur das gute Sehen. Und ich finde auch du kannst die Kinder mal fragen was denn passieren würde wenn du jetzt auch, wie der Papa nur noch arbeitest damit ihr euch viel leisten könnt?
    Und vielleicht wie sie sich ihr Leben beim Vater vorstellen können.
    Ob sie denn gut alleine zurecht kämen?
    Dabei geht es nicht darum den Vater anzuklagen sondern aufzuzeigen.
    Da muss man auch mal die finanziellen Verhältnisse offenlegen und aufzeigen wo das Geld herkommt und wofür es verbraucht wird.
    Ich glaube es tut Kindern auch gut mal die Fakten zu kennen. Natürlich Altersgerecht.

    Eines habe ich nie gemacht. Das Kind belogen bezüglich ihres Vaters.
    Und das musst du mitnichten. Würde ich auch auf keinen Fall tun.
    Jeder hat eine eigene Wahrheit und Wahrnehmung, und keine davon ist Falsch
    Genau wie der Vater glaubt das er so viel tun muss, genau so ist es für dich richtig für die Kinder zurückzustecken.

    Du machst das alles Toll und du solltest dir einfach öfter selber auf die Schulter klopfen

    Claudia

    Gefällt 1 Person

  7. Vieles kann man unter Schönfärberei verbuchen, weil man von Eltern generell nur schwer erwarten kann, sich der Wahrheit zuliebe vor den eigenen Kindern in ein schlechtes Licht rücken. Interessant wird es imho, wenn es um handfeste Lügen geht. Und Lügen werden von Kindern nicht so leicht verziehen, sofern sie denn die Lüge erkennen. In meinem Bekanntenkreis hat ein Vater seinen Kindern über lange Zeit erzählt, wie wenig Geld er zur Verfügung hätte und wie viel Unterhalt ihre Mutter von ihm verlangt. Als es der Mutter mit den Vorwürfen durch die Kinder zu bunt wurde, hat sie dann der Großen mal die Papiere auf den Tisch gelegt, wo die Zahlen und Einkommensverhältnisse klar ersichtlich waren. Eine Aktion, die die Mutter nie vorhatte und immer vermeiden wollte – vor allem das Unterhaltsthema wollte sie nie vor und mit den Kindern besprechen. Allerdings ist auch die Frage, wie sehr man dafür aushalten muss, dass der andere Elternteil nicht nur sie schlecht dastehen lässt, sondern die Kinder auch noch bewusst anlügt. Naja, das Ende vom Lied ist, dass zumindest die große Tochter den Kontakt zum Vater nicht vermeidet, aber auch sehr viel lässiger damit umgeht, wenn er sich nicht bei ihr meldet oder ihr mal wieder absagt.

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  8. bleib dabei. das ist ein guter umgang für die kinder und du selbst kennst ja die wahrheit – wem nützt im moment die aufklärung wies wirklich war? weder dir noch den kindern und gerechtigkeit im sinne von einem „ja du hast recht mit deiner sicht.“ wirst du nicht erfahren, mit glück später. und die kinder? sie werden irgendwann lernen (und es sich selbst erlauben) den schutz des vaters aufzugeben und kritischer werden mit ihm.

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  9. Christine schreibt:

    Ich bin ja nun noch verheiratet, trotzdem ist es hart dass ich bei den Kindern immer die böse bin und der Papa der Heilige – nun ja, wenn man den Papa noch mag ist e wohl leichter.

    Allerdings bin ich auch ein Scheidungskind und muss dir leider sagen dass ich das Desinteresse meines Vaters erst im im späten Teenageralter, in Gänze aber erst seit ich selbst Kinder habe durchschaut habe. Meine Mutter hat niemals schlecht über ihn geredet, was ich ihr heute hoch anrechne und gleichzeitig kaum nachvollziehen kann welche Disziplin sie das gekostet haben muss.

    Nun ja, meine Kinder haben einen ganz wunderbaren Opa, meinen Stiefvater, dem wir so viel zu verdanken haben, ebenso die Oma, die sich regelmäßig die Beine ausreißt für die 4 Enkel und mein leiblicher Vater – er ist nah an der Rente, der wichtige Job braucht ihn nicht mehr und er ist alleine. Ganz ohne Wertung.

    Ich kann dir den Tipp geben die familiäre Hierarchie die die Kinder so selbstverständlich leben einfach bestehen zu lassen und die bösen Worte und Gefühle rauszulassen, da wo es deine Kinder auch tun – bei der Mama 🙂

    LG

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  10. boerseimersten schreibt:

    „Nein, über den Papa wird nicht schlecht geredet“ – nein, nur ein Blog geschrieben, aber wie sollen das die Kinder, wie soll das überhaupt jemals jemand erfahren?

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    1. mutterseelesonnig schreibt:

      Ich schildere hier meine Erinnerungen und Eindrücke und speziell in diesem Text beschreibe ich meinen Konflikt, den Exmann trotz seiner sehr subjektiv eingefärbten Aussagen gegenüber den Kinder gut dastehen zu lassen und loyal zu ihm zu bleiben.

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    1. Anna schreibt:

      Das kann ich nur bestätigen. Mir wurde auch viel Zurückhaltung abverlangt, aber die Kinder kommen irgendwann selbst auf ein klares Bild. Das ist dann ein schöner Moment als Mama, aber leider oft auch ein bitterer für die Kinder.

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  11. Claudia schreibt:

    Ich finde das bewundernswert und hoffe sehr das die Kinder später mit abgeklärter Neutralität auf ihre Eltern zurückblicken.
    Ich kann mir kaum vorstellen wieviel Beherrschung dich das kosten muss. ((()))

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