Waldesruh

Es ist ganz still.

Ich bin ganz still.

Ich habe seit 2 Tagen so gut wie kein Wort gesprochen. Das tut gut, und das ist verdammt selten. Ich bin alleine, mit mir und dem Chaos in meinem Kopf. Das muß sich erst mal legen, bevor da noch irgendwas rein- oder rausgeht. Jetzt ist Sonntag abend, jetzt geht’s langsam wieder.

Ich hatte kinderfreies Wochenende, und ich musste auch nicht arbeiten. Mein letztes kinderfreies Wochenende ist 3 Wochen her und ich habe durchgearbeitet. An dem Montag danach war ich dann so müde, dass mir per facebook Depressionen diagnostiziert wurden sowie der dringende Hinweis, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Dabei war ich nur unfassbar müde.

Morgen gehe ich deutlich entspannter und ausgeschlafener in die neue Woche. Ich habe den ganzen Samstag gebraucht, um die Wohnung wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen: Alle (!) Wäsche gewaschen, aufgeräumt, gesaugt, geputzt, eingekauft. Das muß jetzt ca. 4 Wochen halten, denn das nächste kinderfreie Wochenende werde ich 33 Stunden durcharbeiten (weil ich mal wieder ne tolle Idee hatte und nun muß ich es halt auch durchziehen). Natürlich kann man auch MIT Kindern aufräumen, saugen, putzen, waschen, einkaufen. Aber es ist schlicht und einfach nervig, auch (oder gerade?) mit großen Kindern.

Heute war dann tatsächlich etwas Luft, und ich wollte dringend an die frische Luft. Meine geliebten Spaziergänge am Rhein, kilometerlang am Wasser, vermisse ich nach 12 Jahren Stuttgart immer noch, und so bin ich in den Wald gegangen. Hab mir den Gram von der Seele und das Gift aus den Gedanken gelaufen. Denn es sammelt sich eine Menge an, wenn man tagein tagaus mit Kindern, Arbeitskollegen, Kita-Eltern zusammen ist. Das sind alles wundervolle Menschen (vor allem meine Kinder!), aber eben nicht meine engsten Freunde und schon gar nicht mein Partner. Überall gibt’s Reibungen, Diskussionen, Auseinandersetzungen. Ich muss alles, was sich in meinem Herz und in meinem Kopf ansammelt, mit mir selber ausmachen.

Wenn es dabei nur um mich ginge, hätte ich ein typisches Single-Problem. Ich bin aber alleine mit zwei Kindern, die 9 und 11 Jahre alt sind. Ich muss nicht nur sehr viel organisieren, sondern ich werde permanent emotional gefordert. Nein: ich habe das Gefühl, dass permanent an meiner Seele gezerrt und gezogen wird. Musste ich früher die Tochter 23x am Tag aufs Töpfchen begleiten, so muss ich heute 23x am Tag erklären, warum die 60 Minuten WLAN-Zeit vorbei sind. Warum ich nur die Sachen wasche, die in den Wäschekorb geschmissen werden. Warum es nicht ok ist, Schokoladen-Papierchen in der Sofaritze zu versenken. Warum man gebrauchte Wattestäbchen in den Müll und nicht zurück ins Döschen legt. Warum man den Schulranzen doch besser am Abend vorher packt. Und warum ich keinen Bock habe, angeschrien zu werden, weil der Bus JETZT und nicht in 5 Minuten kommt.

Waren beide Kinder früher bis 17 Uhr in der Kita, ist die Tochter nun auf der hortfreien weiterführenden Schule, um 14 Uhr zu Hause und braucht ein warmes Mittagessen. Der Sohn hingegen geht noch zum Sport und erlebt auf dem Rückweg so viele Abenteuer, dass ich mal wieder kurz davor bin, die Polizei zu rufen (ach, da ist er ja, 120 Minuten nach Ende des Sportkurses, alles gut!).

Wir verstehen uns gut und haben eine wunderbare Zeit zusammen, aber 50% der Kommunikation mit den Kindern sind Reglementierung, Ermahnung, Diskussion, Ablehnung. Macht bei zwei Kindern 100%, ganz einfach. Und das heißt nicht, dass wir hier den ganzen Tag streiten und zanken, nein: wir verhandeln, besprechen, diskutieren. Erzählen uns was, träumen zusammen, einer fällt dem anderen ins Wort, einer ist beleidigt, der andere nicht, wir lachen, sind albern, bereichern uns, staunen übereinander, hören uns zu, unterbrechen uns und singen beim Radio mit. Das ist toll mit so großen Kindern, aber es sind eben keine Erwachsenen. In meinem Hirn fährt die ganze Zeit eine zweite Ebene mit: sind die Kinder bzw. das Gespräch noch im Lot? Hör ich da was zwischen den Zeilen? Kommt jedes Kind zu seinem Recht? Besteht für mich Handlungsbedarf?

Ich bin hier die Erwachsene, und zwar die einzige. Die Leitwölfin (tach Herr Juul), die, die alles sieht, lenkt, und im Griff hat. Ich sorge nicht nur für saubere Unterhosen, Mathehefte und Käsebrote, ich sorge mich auch um die Seele meiner Kinder. Die Seele, die sich entwickelt, die Halt sucht, die austillt und chillt.

Es wird nicht einfacher, es wird nur anders. Wenn ich anderen Menschen erzähle, daß die Kinder 9 und 11 sind, dann kommt oft „ach die sind ja schon groß“ / „aus dem Gröbsten raus“. Von wegen! Bezogen auf die Zeit, die sie bei mir verbringen, ist das gerade mal die Halbzeit, Leute! Hier ist noch nix vorbei, von Zielgeraden kann keine Rede sein.

Als die Kinder kleiner waren, waren ihre Bedürfnisse basaler, unmittelbarer. Aber ganz ehrlich: die Frage, ob ich das Kind 23x aufs Klo begleite oder sie einfach nackig durch die Bude flitzen lasse, scheint mir nicht ganz so bedeutend wie die Frage nach der weiterführenden Schule. Nach dem uneingeschränkten youtube-Zugang. Nach der ÜbernachtungsHalloweenParty bei einer Klassenkameradin, die ich nicht einmal kenne.

Das sind viele Gedanken und Sorgen, die ich mir mache, und ich habe keinen Austausch. Es fehlt der Partner, der sich um die Kinder genauso sorgt wie ich. Der Vater der Kinder ist zwar in derselben Stadt und sie sind alle 14 Tage bei ihm, aber er übernimmt keine Verantwortung, vieles sitzt er einfach aus. Anfangs habe ich ihn mit einbezogen, habe ihn gefragt und zu Terminen eingeladen. Er hat entweder nicht reagiert, ist nicht mitgekommen oder er hats einfach vergessen. Also entscheide ich alleine. Inzwischen frage ich nicht mehr, es ist zu frustrierend, ständig ignoriert zu werden. Dabei geht es ja nichtmal um mich, sondern um unsere Kinder, aber ich habe es aufgegeben, mir darüber Gedanken zu machen.

Also: ich bin alleine mit meinen Gedanken und Sorgen um die Kinder, ich habe keinen Austausch. Ich bin die einzige, die tagtäglich ihr Glück, ihre Launen, ihre Schmerzen und alle ihre Gefühle ungefiltert abbekommt und die ihnen hilft, damit umzugehen und die sie unterstützt, sich selbst zu regulieren.

Das. Ist. Sau. Anstrengend!

Meine Seele ist müde, ich kann mich nicht mehr unterhalten. Ich rufe seit Wochen meine Mutter nicht zurück und meine Freundin nicht an. Ich verabrede mich nicht (mit wem?). Ich rede mit den Kindern und sie mit mir, ich gehe zur Arbeit und kommuniziere dort, ich gehe zu Elternabenden und kommuniziere dort. Aber wenn ich mein arbeits- und kinderfreies Wochenende habe, dann bin ich still.

Ganz still.

Ich laufe höchstens mal durch den Wald, sehe andere Menschen, Paare, Familien, Kinder und bete, daß ich niemanden treffe den ich kenne. Ich will mich nicht unterhalten müssen. Ich will die Klappe halten, mit meinen Gedanken ALLEINE sein.

Wenn dann am Ende des Wochenendes mein Kopf leer spaziert ist, alle Wäsche gefaltet und sogar die Kinderzimmer aufgeräumt sind, dann fällt mir auf, dass ich nicht nur allein, sondern auch einsam bin. Und dass ich verdammt nah an dem Abgrund zur Traurigkeit darüber balanciere. Aber bis ich an diesen Punkt komme, ist schon Sonntag Abend, die Einsamkeit hat keine Chance mehr. Morgen kommen die Kinder wieder und ich freue mich auf sie, ich gehe zur Arbeit und freue mich auf die Projekte, ich bin ausgeschlafen und der nächste 4-Wochen-Ritt geht los. Wenn ich das nächste Mal einen freien Kopf habe, lese ich diesen Text und mach mir mal über meine Einsamkeit Gedanken.

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*****

Nachtrag: dies wurde mein meistgeklicktester Text im Oktober, deshalb habe ich ihn bei der Kellerbande: Best oft Elternblogs verlinkt.

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Waldesruh

30 Gedanken zu “Waldesruh

  1. Bine schreibt:

    Es tut gut zu lesen, dass es anderen auch so geht. Auch ich merke an mir, dass ich verstumme. Dass ich nicht mehr sprechen möchte. Ich bin jetzt seit 11 Jahren mit meinen beiden alleine. Sie haben sich toll entwickelt. Ich könnte stolz auf das Erreichte sein, wenn ich nicht wüßte wie schwer es teilweise war. Alles Gute!

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  2. Cornelia schreibt:

    Es tut so gut, Deine Texte zu lesen!
    In den letzten Tagen hatte ich einen ziemlichen Durchhänger und dann lese ich diese wunderbaren Zeilen, die meine Situation absolut treffend wiedergeben. Dieses ewig-müde Gefühl macht mich stumpf – stumpf für meine eigenen Bedürfnisse, die irgendwo schlummern. Ich würde so gerne über mein Leben reflektieren und schauen, was ich in diesem täglichen Hamsterrad aus Kinderpflege-Putzen-Kochen besser organisieren kann. Doch wenn ich kinderfrei habe muss ich meist arbeiten und wenn nicht, starre ich vor mich hin. Ich bin zu müde zum Reflektieren. Bin froh, nicht reden zu müssen, nichts zu tun. Ziehe mich zurück, schalte das Handy aus und ziehe die Vorhänge zu. Will niemanden sehen und nicht angefasst werden, weil ich von dieser permanenten körperlichen Nähe so satt bin! Ich kenne auch die Einsamkeit, die zu beschreibst und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Die Vorstellung, dass ein potenzieller Partner auch noch Forderungen an mich stellt, ist der Horror. Ich bin im Zwiespalt, weil ich schon gerne einen Partner hätte, aber nicht das Gefühl habe, noch irgendjemandem etwas geben zu können.

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  3. Julia schreibt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin nun auch mittlerweile fast 6 Jahre allein mit meinen beiden Jungs und die Müdigkeit steckt in jeder meiner Poren. Ich kann das Gefühl für alles allein verantwortlich zu sein und auch noch die Sorgen der Kinder auffangen zu müssen sehr gut nachvollziehen. Mein „Großer“ mit seinen 9 Jahren ist ein „besonderes“ Kind, dass häufig Probleme im Sozialbereich hat und oft mit großer Traurigkeit seinen kleinen Bruder beobachtet, der Freundschaften spielend schließen kann. Sowas zu einem (fast-)Fulltime-Job und den Ansprüchen des Vaters an die Kindererziehung und Schulbahn, über die man immer wieder heftig diskutieren muss, schlauchen wahnsinnig. Allerdings – wenn Freunde mir sagen „Dein Leben will ich nicht haben“ werde ich bockig. Ich habe halt nur das eine und finde die Vorstellung, dass mein Leben gruselig sein soll furchtbar. Und immer häufiger frage ich mich, wenn ich für mich beschließe, dass mein Leben gut ist, so wie es ist – ist es das dann nicht auch?

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  4. Ich bin jedes Mal, wenn ich so einen Text wie oben lese, dankbar für Familienstrukturen durch Oma, Opa, Tante und Onkel.
    Einen Vater der auf Zuruf sich kümmert, auch wenn ich mit vielem Alleine bin und dieses
    “ Ich möchte mal alleine sein“ gut nachvollziehen kann.

    Mir bleibt nur dir die nächsten Monate und Jahre immer mal wieder ein bisschen Auszeit zu wünschen um die Akkus ein bissl nachladen zu können.

    Eines kannst du dir sicher sein, du bist nicht alleine…. es gibt zu viele denen es so geht.

    Claudia

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  5. Marion schreibt:

    Du schreibst mir aus der Seele… Das schlimmste ist, dass das Umfeld nicht im entferntesten nachvollziehen kann, wie es einem damit geht. Ich war 6 Jahre mit meinen Kindern (heute 10 und 18) allein (meine Tochter war gerade geboren) und dann in einer schönen, liebevollen Beziehung mit einem Mann, der sich wie ein Vater gekümmert hat und auch bei uns gewohnt hat. Ich dachte ich hätte es geschafft… Nun hat mich dieser Mann ohne Abschied nach fast 5 Jahren verlassen. Ich bin jetzt noch in ein tieferes Loch gefallen als beim letzten Mal. Weil ich jetzt weiß wie Familie sich anfühlt… Und keiner meiner Freunde oder die Familie versteht warum ich so leide. „das wird schon wieder“, „stell Dich nicht so an.“ „Du schaffst das, Du bist so stark“ „die Kinder sind doch schon so groß, das ist doch kein Problem mehr“ Vielleicht lasse ich sie alle mal Deinen Text lesen… Die Einsamkeit, die Du nur am Rand streifst… Das ist für mich fast das schlimmste… Ich wünsche Dir viel Kraft!

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  6. Oh ich würde dich gerade am liebsten in den Arm nehmen und mit dir zusammen schweigen. Meine ist 14(bald) u Kinderfrei hatte ich noch nie. Und auch jetzt noch, ist es so wie du schreibst. Gefühlt mehr als mit Kleinkind. Und die Einsamkeit daneben raubt mir oft die Luft, allerdings fehlen Zeit und Energie um daran was zu ändern. Wann immer du mal raus willst… meine Tür würde dir offen stehen.

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  7. Ist so was eigentlich genetisch einprogrammiert? Bonbonpapierchen in Sofaritzen stecken? 🙂
    Bei dem Punkt mit den Wattestäbchen bin ich mir noch nicht ganz sicher, was schlimmer ist: zurück in die Dose oder fallen lassen, wo man steht …
    Aber worüber sollte ich schreiben, wenn es anders wäre 😉
    Liebe Grüße,
    Verena

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  8. Wie wahr – wie wahr!!!! Auch ich fühle mich oft sehr sehr einsam. Auch nur alle 3-4 Wochen für 5-8 Stunden Kindfrei. Manchmal gehe ich mit einer Freundin essen – neuerdings verkrieche ich mich. Es ist und bleibt schwer – auch oft finanziell. DANKE für den tollen Artikel. Er macht irgendwie Mut!!!

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  9. bg schreibt:

    Hm, das mit der Depression war wohl ich…es war nur hilfreich gemeint. Die lebensumstände als alleinerziehende können sehr leicht zu einer Depression führen. Manchmal merkt man es selbst gar nicht und ein Blick von außen kann helfen. Das ist doch nichts schlimmes. Tut mir leid wenn du das in den falschen Hals gekriegt hast.

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    1. mutterseelesonnig schreibt:

      Ich weiß nicht mehr, wer es war, aber es kam mehrfach, auf twitter und facebook. Der Montags-Text war eine Momentaufnahme, es ist nicht immer so bei mir, aber oft. Es hat mich gerührt, daß Menschen sich so um mich sorgen! Aber meine Müdigkeit kommt von der Arbeit, vom verdammt frühern Schulbeginn und von der Last der inzwischen 6 Jahre allein, an diesen Fakten kann meine Therapeutin (die ich ja längst habe) auch nichts ausrichten. Vielen Dank für Dein Mitgefühl!

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  10. SonnabendSonntag schreibt:

    Ich denke immer, ich lese hier nichts von den üblichen Dingen, die mich an den kinderfreien Wochenenden so umtreiben. Nämlich von den unerledigen und ungelösten Dingen, die weit übers Waschen und Aufräumen hinausgehen. Dinge, die ich noch nie zuvor in meinen Leben machen musste. Dinge, für die man eine zweite Hand bräuchte. Dinge, die man aus Geldmangel nicht mal eben machen lassen kann, sondern wo man irgendwie improvisieren muss oder sich das mit Hilfe von Youtube-Tutorials irgendwie ranschaffen muss. Da ist meine Liste ellenlang. Und falls man dann doch eine Person zum Helfen braucht, muss ich man auch fragen, wen man mit größeren Projekten belasten kann und darf. Nachbarn, Freunde oder die eigenen Eltern deswegen anreisen lassen? Ich denke oft, dass ich in solchen Momenten merke, wie isoliert ich schon bin, weil ich immer so müde bin und daher meine Sozialkontakte gar nicht richtig pflegen. Und es ist ja auch peinlich, sich nach Wochen zu melden und gleich um Hilfe zu bitten…

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  11. Nicole schreibt:

    Ich liebe diesen Text, ja den ganzen Blog… ich bin so dankbar, endlich mal jemanden „gefunden“ zu haben, der nahezu unter exakt denselben Bedingungen lebt. Ich bin ebenfalls 6 Jahre alleinerziehend und das mit zwei „großen“ Kindern, die einen kleinen Altersabstand haben. Nur hab ich 2 Mädchen. Ich find deinen Blog so beruhigend. Endlich jemand der nicht heuchelt und dafür voll und ganz zu seinen Unzulänglichkeiten steht. Vielen lieben Dank dafür!

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  12. Marianne schreibt:

    „…..die ihnen hilft, damit umzugehen und die sie unterstützt, sich selbst zu regulieren….“ – genau das gelingt nicht immer. Dann kommt das schlechte Gewissen hinzu, weil ich eben auch nicht alles richtig mache und oft dastehe und mir nur eins wünsche – Hilfe.

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  13. halloliebewolke schreibt:

    Sehr berührende Gedanken, für die ich Dir danken möchte!
    Mir geht es ähnlich wie „Mama arbeitet“, und meine (etwas „andere“) Tochter ist noch im „23 Mal aufs Klo begleiten“-Alter. Ich mag mir manchmal also gar nicht vorstellen, wie unser Leben in zwei oder fünf oder fünfzehn (ohgottohgott!) Jahren aussehen mag.
    Aber weißt Du was?
    Nur allein für die Tatsache, in diesem „Alleinerziehenden-Universum“ nicht alleine zu sein, sondern, zumindest zu lesen, dass andere ähnliche Gedanken, Sorgen, Nöte und auch schöne Momente haben, macht mich genau eins: glücklich!
    Alles Liebe!

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  14. Lotta_Leben schreibt:

    „Es wird nicht leichter – nur anders“, das ist doch mein Spruch 😉 Und den sage ich gerne seid 18 Jahren jedem, der eben meint, wenn die Kinder älter werden würde es automatisch leichter. *seufz* Als Mutter von drei Kindern, die gleich alt sind kommt alles gerne mal hoch3 und so potenziert alt, verbraucht und unendlich müde von den Sorgen und der Verantwortung fühle ich mich häufig. Kinderfreie Tage, überhaupt Kontakt zum Vater gab es nicht und da ich auch beruflich mit Kindern und Jugendlichen arbeite, auch so gut wir keine Kontakte mit Erwachsenen. Ja, es ist auch schön, mit den (erwachsenen) Kindern und ich bin unendlich dankbar, dass es heute so gut läuft mit uns, wie es wohl niemand damals für möglich gehalten hätte.
    Solidarität hilft und wir schaffen das – irgendwie!!!

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  15. Reina schreibt:

    Dieses „immer müde“ ist so treffend festgestellt, und mir ist durch die Beschreibung noch einmal ganz klar geworden, warum es für eine allein erziehende Frau so schwer ist, einen neuen Partner zu finden, denn dann ist sie da die absolute Zerreißprobe. Ein Mann nimmt meist weniger Arbeit ab als er macht. Das ist zumindest meine höchstpersönliche Erfahrung und mag auch mit an meiner Sozialisation liegen, in welcher sich die Aufgabe für unseren Bruder darauf beschränkte, den Müll raus zu tragen, während wir Mädchen Dinge bügeln mussten, die ich schon als Kind nicht für bügelwürdig hielt und Kartoffeln schälen und..undund. Und das steckt in mir drin, dass ich dass auch nicht einforder(t)e. Nun gut, wäre ein neuer Mann im Haus, dann wären sie auch noch weg, diese heiligen kleinen Oasen der Stille. Und wenn die Kinder dann größer werden, also bei Dir in so in ein paar bis mind. 10 Jahren noch, dann werden sie allmählich größer die kleinen Oasen, und Du willst sie nicht mehr missen (meine Kinder sind jetzt 18 und 23 und ich will die Freiheiten, die damit verbunden sind nicht mehr missen). Also Mann gerne ja, habe ich jetzt auch, aber zusammenwohnen, da gehen bei mir alle Alarmglocken an, auch weil ich mich selber kenne, was ich dann doch alles mache, weil es in mir drinsteckt und weil ich es ja auch jahrelang für die Kinder getan habe. Für Enkel freu ich mich fast schon wieder drauf, aber nicht für einen Mann. Komisch, es gibt Frauen aus „intakten“ Verbindungen, die mich gut verstehen bis fast beneiden. Wenn die Kinder älter und „fast“ groß sind, kann „alleinerziehend“ zu einem Synonym für „Freiheit“ werden, bis dahin ist es ein langer, beschwerlicher und zuweilen sehr sehr einsamer und für viele ein sehr karger Weg.

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  16. Ich erlaube mir ein bisschen Neid. Ich habe kein gottverdammtes kinderfreies Wochenende, nie, seit fast 7 Jahren nicht, davor erst Recht nicht, da hatte ich ja Familie im klassischen Sinne. Ach, was wäre ich gerne mal alleine. Herrin meiner selbst. Nur kurz, für einen Tag oder zwei. Und immer alles aufzufangen, die ganzen Befindlichkeiten von 3 Kindern, das ist sauanstrengend. Für mich bleibt kaum Raum.

    Gerne gelesen, weil ich das alles so gut nachvollziehen kann. Und weil du das so gut aufschreibst.

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  17. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Außer Dir unser Gästebett in bester zentraler Lage anzubieten, falls Du mal raus möchtest. Und die Kinder lassen wir die Kohlen im Keller sortieren – da sind sie beschäftigt.

    Gefällt 1 Person

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