Der Montag

Freitag – Sonntag: durchgearbeitet, ich hatte ein Festival.

Montag, 8.15 Uhr: ich habe kinderfrei und werde wach, weil das Nachbarskind durchs Treppenhaus poltert und laut „tschüss“ ruft

8.25 Uhr: ich werde nochmal wach, weil die Kollegin anruft. Vibrationsalarm, aber ich werde trotzdem davon wach. Ich gehe nicht dran, nichts kann so wichtig sein

9 Uhr: ich gebe den Versuch auf, nochmal zu schlafen. Trinke im Bett Kaffee, höre Radio, lese das Internet leer, fühle mich wie überrollt.

10.30 Uhr: ich fahre zur Arbeit, weil ich das Lastenrad noch ausladen muss. Ein Kollege hat Urlaub, die Kollegin von heute morgen hat inzwischen eine SMS geschickt, dass sie krank ist. Ich leite die Mails der Abwesenden auf mich um,  trinke mit dem Hausmeister Kaffee, wir bequatschen das Wochenende. Ich arbeite im Büro, erledige das Nötigste, bin entsetzlich müde und will gerade nach Hause und in Ruhe heiss duschen, aber

15 Uhr: meine Tochter ruft an. Sie hockt vor der Schule, in die der Vater sie heute morgen mit dem Auto gebracht hat. Drum ist auch niemanden aufgefallen, dass ihr Busticket nicht da ist, Portemonnaie auch nicht. Sie kommt nicht nach Hause, ich habe kein Auto, beim Ex geht die Mailbox dran. Mein Hausmeister leiht mir sein Auto, ich hole das Kind ab, bringe sie nach Hause, bringe das Auto zurück zur Arbeit, laufe nach Hause. 45 Minuten unterwegs für nix.

16 Uhr: zu Hause, der Sohn kommt vom Hort. Die Kinder spielen, machen Hausaufgaben. Ich bin müde. Ich räume die Wochenend-Tasche der Kinder aus und wasche einfach alles. Ich gucke schon lange nicht mehr, ob die Sachen sauber oder dreckig sind, ich frage mich ich schon lange nicht mehr, ob die Kinder echt das ganze Wochenende dieselbe Unterhose anhatten. Ich räume die Küche auf, bringe Altpapier raus, räume die Spülmaschine aus, die Waschmaschine ein, staubsauge, mache Abendessen.

Ich überlege, wann ich aus diesem Hamsterrad mal rauskomme, wann ich über meine Zeit mal frei verfügen darf, wann mich mal jemand ablöst. Die Antwort ist einfach: keiner und nie, also die nächsten 10 Jahre zumindest nicht. Urlaub? Die Sommerferien sind gerade erst vorbei, ich hab eh keine Kohle mehr. Mutter-Kind-Kur? Ich will nicht weg, ich will hier mein Leben besser hinkriegen und keine Unterwassergymnastik im Schwarzwald machen. Kinderfreie Woche? In weiter Ferne, und keine echte Linderung. Eine Woche Ausnahmezustand tut’s nicht, das weiß ich inzwischen. Mir fällt nichts ein, ich bin so müde.

19 Uhr: wir essen, quatschen. Ich räume die Küche auf, ich suche die Vesperboxen in den Schulranzen. „Die sind beim Papa“. Schön, die ungefähr 25. Vesperbox, die einfach von uns geht. Was der Ex, der Hort, die Schule wohl mit diesen ganzen Vesperboxen machen? Wir gucken zusammen kika.live. Ich frage mich, wann das aufhört, dass abends im Wohnzimmer Kika läuft. Ich habe kein eigenes Zimmer, mein Bett und mein Schreibtisch stehen im Wohnzimmer .Ich habe ja auch gefühlt kein eigenes Leben. Ich bin so müde.

20.30 Uhr: die Kinder gehen ins Bett, ich hänge Wäsche auf. Gehe mit dem Sohn schmusen, wir reden noch ein bisschen. Ich gehe mit der Tochter schmusen, wir reden noch ein bisschen. Abends reden ist so schön. Ich bin so müde.

21.10 Uhr: Ruhe in der Wohnung. Ich decke den Frühstückstisch und füttere die Katzen. Mir fällt ein Druckfehler in einer Karte ein, die ich heute freigegeben habe und die morgen gedruckt wird. Ob ich das morgen noch retten kann oder jetzt noch schnell eine Mail an die Druckerei schicke? Der Sohn ruft mich, er hat Bauchweh, ich tröste ihn.

21.20 Uhr ich sitze auf dem Sofa und will gerade durchatmen, da kommt der Sohn aus dem Bett, er hat Kopfweh. Er findet die Schule doof, er will nicht so früh aufstehen. Wir reden ein bisschen, ich tröste ihn, er will in meinem Bett schlafen. Ich hole seine Decke und Kuscheltiere, er schläft in meinem Bett ein.

21.56 Uhr: ich schreibe diesen Text und bin wirklich sehr müde!

Und das war erst der Montag, um 6.15 Uhr klingelt der Wecker. Gute Nacht.

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Der Montag

14 Gedanken zu “Der Montag

  1. DasTapfereSchneiderlein schreibt:

    Eine Freundin schickte mir den Link zur Textscheune und dann bin ich bei dir gelandet.
    Leider ist mir dein Alltag sehr vertraut. Ich würde dich gerne einfach in den Arm nehmen und dir Kraft schenken. An deiner Situation lässt sich arbeiten, es kann besser werden.
    Was du beschreibst, hatte ich auch vor fünf Jahren, da war mein Sohn vier. Mir wurde eine Depressive Erschöpfung diagnostiziert und ich dachte nur – für so etwas habe ich keine Zeit.
    Ich war dann auf einer Mutter-Kind-Kur, die furchtbar war, da es 90% verhaltensauffällige Kinder mit schreienden und schlagenden Müttern gab. Ich wollte nur meine Ruhe! Die Therapieanwendungen waren Gesülze und Geschwafel von Menschen ohne jeglicher Ahnung von meinem Alltag, von dem Ärger mit dem Vater meines Kindes ganz abgesehen.
    Gottseidank traf ich eine Mitpatientin, eine mir heute sehr liebe Freundin, die Heilpädagogin ist. Sie hat mir viel an dem Verhalten meines Sohnes aufgezeigt und mir damit vor Augen geführt, dass ich schon gar nicht mehr auf mein Kind reagieren konnte.
    Ich habe daran gearbeitet. Sehr hart. Ergotherapie für den Kleinen, eine Psychologin für mich (die von der Krankenkasse nicht bezahlt wird, denn Alleinerziehende bekommen kein BurnOut – sie haben sich ja schließlich noch nicht umgebracht und sie sind ja nur Mütter und das sind andere auch). Die Depression spürte ich körperlich erst viel später, aber es wurde besser! Langsam! Und ich arbeite immer noch daran.
    Das Wichtigste ist, du musst nicht alles schaffen! Lass auch mal was liegen! Schaffe dir kleine bewusste Freiräume, wie eine Tasse Kaffee in der Sonne auf dem Balkon oder hinterm Haus.
    Gib deinen Kindern kleine, regelmäßige Aufgaben im Haushalt, die dich entlasten. Wir müssen nicht alles alleine machen. Gib den Kinder die Chance selbständig zu werden. Unsere Kinder werden älter und verständiger. Es ist den Kindern nicht gedient, wenn ihre Mütter ausfallen.
    Nutze das nächste Vaterwochenende deiner Kinder und arbeite nicht! Tu´ etwas für dich! Auch wenn es schwer fällt. Lass die Wäsche und den Abwasch warten. Tanke die letzten Sonnenstrahlen! Geh wandern oder lies ein Buch – was immer dich auf andere Gedanken bringt.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Fühl´ dich umarmt.

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  2. bg schreibt:

    Ich höre aus deinen Zeilen ziemlich viele Anzeichen einer Depression heraus. Auch wenn viele Umstände schwierig sind gibt es viele Ansatzpunkte. (Gleiche Situation wie du, eigene Erfahrung). Sprich mit deinem Hausarzt oder Therapeuten. Von allein wird das nicht. ..alles gute für dich

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  3. Dagmar Widmaier schreibt:

    Ja, genauso ist das. Klar werden die Kinder
    älter, aber Probleme genauso wie beschrieben ,mit Berufsentscheidung dank G8 mitten in der Pubertät! bleiben einfach. Ich habe noch einen 15jährigen Sohn zuhause, der Dank! früherer Einschulung und ohne Sitzenbleiben mit gerade 17 Jahren sein Abi machen wird und dann? Freiwilliges Solziales Jahr! Wieder Lückenstopfen für eine verdammt fehlgeleitete Politik? (für kaum Geld in einer sozialen Einrichtung arbeiten?), weil dort das Personal (nicht leistungsgerecht bezahlt) fehlt? Ja, und von all diesen Entscheidungen sind die Väter natürlich befreit. Mir platzt auch regelmäßig die Hutkrempe. Danke , ich fühl mich verstanden.

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  4. Kretzschmar schreibt:

    Eine Mutter-Kind-Kur war wirklich einer Erlösung. Drei wunderbare Wochen nur Zeit für mich und mein Kind. Man sollte medizinisch nicht viel erwarten, einfach nur die Zeit genießen. Das hat mich für eine ganze Zeit entspannt. Und es war uns beide ein schönes Erlebnis.

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  5. Eva schreibt:

    Hi 🙂
    Das gibt’s doch nicht, wohnst Du bei uns?
    So vergehen bei uns die Tage auch sehr oft. Habe angefangen, einfach wenns geht, nur noch Gutes nachmittags zu machen. Also quatschen, mit den Kindern schmusen, stricken, essen, Tee kochen, etwas Backen, bzw es die Kinder machen lassen, bald den Kamin auch wieder anmachen ….
    Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber trotz dass die Arbeit mich auch anstrengt, ziehe ich doch sehr viel gute Energie daraus. Sie macht mir unheimlich viel Spaß.
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, Gutes und Schönes.
    liebe Grüße !
    Ps. Nimm einfach Butterbrot -Tüten aus Papier, Ende im Gelände 😉

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  6. Anna schreibt:

    Crowdfunding! Ganz offiziell Geld sammeln. Eine Organisation, am besten je Bundesland oder Großstadt, Landkreis oder oder oder gründen, die genau solche Hilfen vermittelt. Putzhilfe, Krankenhilfe, Fahrdienst, Kinderbetreuung usw.
    Es gibt sicher z. B. Menschen deren Kinder inzwischen erwachsen sind und die selbst erfahren haben, was es bedeutet alleinerziehend zu sein….. jedenfalls habe ich den Kopf voller Ideen, lediglich die Umsetzung als auch Alleinerziehende macht mir Kopfzerbrechen.

    Seid alle gedrückt, die ihr täglich alles für die Familie gebt und so stark den schwierigen Umständen die Stirn bietet!
    Anna

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  7. jettehalbesachen schreibt:

    Ach du Liebe – so viele Blumen kann ich gar nicht schicken, wie ich möchte. Und wenn wir alle zusammenschmeißen und dir ein Carsharing-Abo ermöglichen oder eine Putzfee, die einfach mal alles macht, inkl. Wäsche? Ich weiß, es geht ums grundsätzliche, aber den Ex kann ich nicht ändern, die Anforderungen auch nicht – aber ich würde gerne helfen… Fühl dich gedrückt und von vielen warmen Gedanken unterstützt!

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  8. Ich habe gestern so mit dir mitgelitten, dass ich vor dem Einschlafen noch lange gegrübelt habe, ob man nicht was für dich tun könnte, also was ganz Direktes, so wie: Wir schmeissen alle zusammen und du fährst mal zwei Wochen weg während wir uns um deine Kinder kümmern; aber das würdest du gar nicht annehmen, oder? (ODER?)
    Klar, lang- oder hoffentlich mittelfristig hilft es natürlich auch, deine und eure Bemühungen um mehr Öffentlichkeit für diese Themen (DANKE einmal an dieser Stelle dafür!) zu unterstützen (Muttertagswunsch: Check).
    Aber, gibt es was, was ich, was wir, das Netzwerk für dich tun kann?
    Liebes Netzwerk, any ideas?
    LG Andrea

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    1. mutterseelesonnig schreibt:

      Ach, das ist so lieb, vielen Dank! Ich habe ehrlicherweise auch keine Ahnung die Kinder müssen ja zur Schule und ich habe auf der Arbeit einen Hammer-Herbst vor mir, ich kann hier halt grad nicht weg. Weihnachten wird alles besser…

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  9. Es gibt Momente, in denen ich an Deinen Blog denke, z.B. die letzten Wochen als ich den tiefen Wunsch hatte, wieder Ordnung in unser Leben zu bringen und u.a. mit einem Kleinkind neben mir den Keller aufgeräumt habe. Ich habe das in einem Affentempo gemacht, weil mein Kind immer wieder zwischen meine Beine lief und drohte, die Geduld zu verlieren. Ich wollte doch etwas für mich, uns schaffen. Das war sehr, sehr stressig, wie fast alles, was ich mit Kind nebenbei mache, weil gerade keiner da ist, der mir den Rücken frei hält. Man kann sein Kind nicht in alles pädagogisch einbeziehen und möchte es manchmal auch nicht, auch weil die Zeit fehlt oder weil es dann anfängt, mit dem Staubwedel erst auf dem Boden und dann auf dem Tisch zu wischen. Auch wenn es vielleicht nicht hilft: Ihr Alleinerziehenden leistet so unendlich viel, müsst so oft im Multitasking-Modus sein. Ich wünsche mir, dass es irgendwann mal gezielte, wirklich hilfreiche Erleichterungen für Alleinerziehende, für alle Mütter gibt, wie z.B. ein wöchentliches Kontingent an kostenlosen Stunden, in denen sie ihr Kind kurzfristig flexibel in liebevolle Betreuung abgeben können, in Zeiten, in denen sie nicht „arbeiten“, sondern Tausend andere Dinge des Lebens erledigen müssen. Die Idee stammt nicht von mir. Ich habe woanders im Rahmen des Muttertagswunsches darüber gelesen und fand sie super.

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