Der #muttertagswunsch in Berlin

Ich krieche trotz Schulferien um 6 Uhr aus dem Bett, trinke Kaffee, decke meinen Kindern den Frühstückstisch, küsse die schlafenden Nasen und fahre mit der S-Bahn zum Flughafen. Heute ist der große Tag!

Meine Kinder sind groß genug, um alleine aufzustehen, zu frühstücken und in ihre Ferienprogramme zu gehen. Und ich bin als Bloggerin mit meinem gerade mal 1 Jahr alten Blog groß genug, um mich mit Christine Finke und Lisa Ortgies von family unplugged in Berlin zu treffen, um dem Familienministerium unsere Muttertagswünsche zu überreichen. Wow!

Was bisher geschah:

Anfang Mai 2016 fragte Anne Attersee vom Blog Einer schreit immer „Was wünscht Ihr Euch zum Muttertag?“. Mir war sofort klar, dass ich eher politische Wünsche habe, die meine Situation als Alleinerziehende entspannen: keine Pralinen, kein Frühstück ans Bett, keine Massagen. Sondern eine gerechtere Steuerklasse. Ein Haushaltshilfe wenn die Kinder krank sind. Ermäßigte Mehrtwertsteuer auf Kinderklamotten. Verlässliche Betreuungszeiten. Und noch viel mehr. Mein Netzwerkhirn hat gleich weiter gerattert: damit dürfte ich ja nicht die einzige sein. Und diese oder ähnliche Wünsche haben nicht nur Alleinerziehende, sondern alle Familien. Also habe ich flugs Christine Finke und Lisa Ortgies kontaktet, die waren gleich bei der Sache und wir haben eine konzertierte Aktion gestartet: eine Woche vor Muttertag einen abgestimmten Text und Punkt zehn vor 8, vor’m Tatort, auf facebook & Twitter gepostet: die Aktion Muttertagswunsch! Die Aktion wurde sofort aufgegriffen, es wurde gepostet und gewünscht was das Zeug hält, und zwei Stunden später waren wir auf Twitter mit dem #muttertagswunsch in den topic trends und haben Anne Will überholt.

Bis zum Muttertag entstanden hunderte Tweets und Retweets, 98 Bloggerinnen haben eigene Texte verfassst, die wiederum gepostet, kommentiert, verlinkt und verbreitet wurden: wir hatten echt eine fette Welle losgetreten. RTL hat bei uns im Wohnzimmer gedreht („Mama Du mußt aufräumen!!“), zahlreiche print- und online-Medien haben berichtet und am Muttertag landeten wir damit sogar in den Tagesthemen. Zwar war dieser Bericht inhaltlich dezent daneben, aber es ist angekommen, daß sich was tut bei den Familien im Lande:

Wir sind Familie, wir sind viele und wir sind laut!

Es wurde im Anschluß etwas stiller, wir haben die Texte & Tweets ausgewertet und das Ergebnis in einem offenen Brief an Frau Schwesig, unsere Familienministerin zusammen gefasst. Die hatte auch irgendwann geantwortet und uns nach Berlin eingeladen, und dann kam der gespielte Witz: wir fanden keinen Termin, die Kinder funkten uns dazwischen! Mach mal einen Termin mit zwei Alleinerziehenden, die insgesamt fünf Kinder und ihr Jobs haben und mal kurz nach Berlin jetten sollen. Dazu die Kolleginnen von family unplugged, auch mit Jobs und Kindern gesegnet. Christine wählte die Variante „ich nehm die Kinder einfach mit und bleib ein paar Tage in Berlin“, ich bin fix hin & her geflogen und brauchte nur eine Freundin für die Bereitschaft vor Ort für den Fall von Knochenbrüchen oder Kotzeritis (diese Bereitschaft hätte dann besser Christine in Berlin gebraucht…).

Bei strahlendem Sommerwetter trafen wir uns vor dem Familienministerium, img_6421und obwohl wir uns zu dritt noch nie im real life gesehen hatten, war es wie ein Wiedersehen, toll! Lisa, Christine und ich sprudelten über vor Ideen, die gute Frau vom Radio, Ulrike Jährling, hatte ihren Spaß bei der Aufzeichnung der O-Töne. Frau Schwesig war verhindert, aber Frau Mackroth, Leiterin der Abteilung Familie, hatte Zeit für uns, sehr viel sogar, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Wir haben unsere Forderungen übergeben, uns sehr angeregt über jede einzelne unterhalten, konnten lebhafte Beispiele aus dem echten Leben beisteuern und die ein oder andere politische Ansicht mit Realität untermauern oder widerlegen.

Wir haben natürlich gemerkt, dass es für ein Bundesministerium nicht einfach ist, uns einfach zuzustimmen und zu versichern, dass das alles umgesetzt wird. Da gibt es politische Partner und Bedarfe von allen Seiten, da gibt es Leute, die was verlieren und die was gewinnen, wenn man was ändert, und da muss auf alle Rücksicht genommen werden, sonst hat am Ende niemand was davon. Aber wir haben deutlich gemerkt, dass das Ministerium inhaltlich voll bei uns ist und sich große Mühe gegeben wird, den Familien im Lande zuzuhören und das Leben mit Kindern immer weiter zu entlasten. Besonders freut mich, dass wir klar machen konnten, dass wir keine Randgruppe sind: die Masse der Familienblogger zeigt, dass wir wirklich viele sind, und das Bloggen gibt vielen Familien die Möglichkeit, sich politisch zu äußern, auch wenn man keine Zeit hat, auf Demos zu laufen oder Sitzstreiks vor dem Ministerium zu veranstalten. Eltern haben wenig Lobby, weil sie mit ihren Kindern, Jobs, Haushalt etc beschäftigt sind, aber Bloggen geht irgendwie immer. Und deshalb sind wir eine starke Stimme, wir werden immer mehr und vor allem: wir werden die Aktion immer wieder wiederholen! Wir wollen das politische Klima zu Gunsten von Familien verändern, da hilft u.a. Hartnäckigkeit.

img_6417

Und zack: war 13 Uhr, wir hatten nicht mal mehr Zeit für einen Kaffee, ich musste zum Flughafen zurück, saß um 15 Uhr im Flieger und stand um exakt 17 Uhr im Hort, um meinen Sohn abzuholen. Als ob ich nur mal eben um die Ecke gewesen wäre.

Abends haben wir uns eine Pizza beim Italiener nebenan gegönnt, auf die Niederungen des Haushaltes hatte ich an dem Abend echt keinen Bock mehr. Dann platt ins Bett gesunken und am Sonntag drauf den wundervollen Beitrag im Radio RBB gehört, vielen Dank!

Es war eine tolle Aktion, es war ein aufregende Welle und ich bin dankbar, dass so viele mitgemacht haben! Wir machen weiter, alle zusammen, wir müssen ja was ändern!

*****

Das: pm-ubergabe-berlin-09092016 ist die Pressemitteilung von family unplugged zu der Übergabe der Forderungen. Die Forderungen, findet Ihr hier in dem offenen Brief an Frau Schwesig.

Advertisements
Der #muttertagswunsch in Berlin

6 Gedanken zu “Der #muttertagswunsch in Berlin

  1. Einfach toll, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Und wir müssen gemeinsam weitermachen, damit wir Eltern endlich gehört werden. Ich freue mich so, dass eure Aktion so toll geklappt hat. Alles Liebe von Laura

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s