Hurra, ein Abenteuer!

Es ist ja so wichtig, mal aus der Routine auszubrechen! Mal was anderes machen außer Aufstehen, Frühstück, Arbeit / Schule, irgendwie Nachmittag, Abendessen abinsBett. Ein ewiges, zermürbendes Hamsterrad. Auch mal raus, andere Menschen treffen,fremde Gegenden erkunden, Nächte durchquatschen, Tanzen, vielleicht zuviel Wein trinken, die Kinder rumflitzen lassen, zelten, im Dreck wühlen, in der Sonne liegen, die Wolken anstarren.

Wenn wir aus der Routine ausbrechen, breche ich danach leider meistens zusammen. Denn die Routine gibt Halt: alle wissen was zu tun ist, was es zu essen gibt und wo die sauberen Socken liegen. Wenn wir ausziehen, um Abenteuer zu erleben, haben wir meistens zu wenig Schlaf, Taschen voller unsortierter Wäsche, essen komisch, chaotisch oder gar nicht, liegen in fremden Betten oder auf klammen Matratzen. Und ich habe vor allem eins nicht: Erholung.

Mein Alltag ist oft grässlich anstregend. So anstrengend, dass ich an den seltenen kinder- UND arbeitsfreien Wochenenden stundenlang nichts tue. Dann irgendwann anfange aufzuräumen und zu putzen, dann wieder lange nichts tue, dann schlafe, lese, blogge. Schlafe.

Meine Kinder hingegen lieben das Abenteuer, und unser Leben bietet einige davon: wir haben einen Freundeskreis, der gerne ausgiebig feiert. Letztes Wochenende wurden zum Zwecke des Geburtstags ca. 60 Leute von Freitag – Sonntag auf eine Burg geladen. Wir waren immerhin erst Samstag mit dabei, aber in dieser Nacht sind die Kinder natürlich mit den gefühlten 273 anderen Kindern bis 24 Uhr um die Burg gesaust. Übernachtung im 8-Bett-Zimmer mit Schnarchern und nachts-Pinklern. Ich werde bei jedem Blödsinn wach, und wenn’s hell wird sowieso. Also 4 Stunden Schlaf. Ich weiß, ich bin entsetzlich undankbar, denn es ist ja irre großzügig, alle seine Freunde zum Feiern zwei Tage lang auf eine Burg einzuladen. Aber ich brauche halt meinen Schlaf, ganz besonders am Wochenende!

hurra Wochenende
Hurra Wochenende!

Das Kita-Hort-Wochenende steht an: Freitag – Sonntag auf der Schwäbischen Alb. Klar, die Kinder freuen sich tierisch drauf, im Grunde dasselbe Set wie auf besagter Burg, nur mit 120 statt 60 Menschen. An Schlaf wird nicht zu denken sein. Und dann kommt noch das Sommerfest von Freunden, weit weg im Schwarzwald, mit Übernachtung im Zelt – es reißt nicht ab!

Ja, ich bin natürlich froh und dankbar über diesen Freundeskreis. Ich mag die sozialen Kontakte, da sind viele gute Freunde dabei, wo sich viel Gelegenheit zu Gesprächen ergibt. Aber es ist einfach so sackanstrengend! Kann es nicht auch ein Glas Wein am Abend sein? Muss gleich das ganze Wochenende draufgehen?

Die Kinder hingegen lieben diese faktisch erziehungsfreien Zeiten, in denen sie mit einer Meute von Kindern durch die Büsche, Burgen und Zimmer streifen, und ich kann und will ihnen den Spaß einfach nicht verderben. Aber ich würde auch so gerne mal schlafen.

Seit Jahren kaufe ich Tickets für das Heimspiel zu Knyphausen, ein wunderschönes Open-Air-Festival direkt am Rhein, tolle Musik in familiärer Atmosphäre auf dem Weingut. Bis jetzt habe ich die Tickets jedes Mal wieder verkauft, weil ich es einfach nicht schaffe, weil ich an den letzten Wochenenden vor den Sommerferien einfach nicht mehr kann.

Abgesehen davon sind die Kinder nach so einem Wochenende natürlich genauso im Eimer wie ich. Müde, nörglig, dreckig. Wer die müden Kinder Montags von der Matratze kratzt und in die Schule schicken muss, wer die dreckigen Taschen ausräumt, das Zelt lüftet und den ganzen Kram wäscht, ist ja klar. Die Mutter, die eh schon am Zahnfleisch geht. Dann fällt natürlich so ein Wochenende auf eine Papa-Wochenende, womit selbiges quasi ausfällt und ich auf meine dringend benötigte Kinderpause verzichten muss. Denn Ersatztermine gibt’s nicht beim Erzeuger.

Apropos Erzeuger: der Kindsvater fand schon zu glücklichen Ehe-Zeiten mein Bedürfnis nach Routine eine Zumutung. Zu Ehe-Zeiten waren die Kinder so klein, dass sie beide noch Mittagsschlaf gemacht haben. Gleichzeitig! Zwei Stunden! Mit diesem Mittagsschlaf intus waren es die fröhlichsten und ausgeglichensten Kinder, die man sich so vorstellen konnte. Aber der Vater meinte immer, „man muss die Kinder auch mal belasten“. Der Mittagsschlaf wurde verzögert oder gestrichen, abendliche Bettzeiten rausgezögert. Wegfahren, aus der Routine ausbrechen, Abenteuer erleben: ganz wichtig! Vor allem zwei Kleinkinder, die am besten in den gewohnten Parametern funktionieren, unbedingt aus selbigen herausreißen: ganz wichtig! Um dann abends zwei Nervenbündel nicht mehr ins Bett zu kriegen. Der Mann war oft die ganze Woche nicht da, wir drei waren herrlich entspannte Gewohnheitstiere, bis am Wochenende das Abenteuer kam und ich anschließend die halbe Woche brauchte, um uns drei wieder einzunorden.

Ich hatte eigentlich nie den Eindruck, dass ich besonders partyscheu bin. Aber in meinem jetzigen Leben bin ich sehr auf regelmäßige Erholung und ausreichend Schlaf angewiesen. Und die Kinder, ob damals klein oder wie jetzt: 9 und 11, sind immer noch im Wachstum und brauchen genauso ihren Schlaf. Die Schule fängt hier um 7.45 Uhr an, wir müssen die ganze Woche lang um 6.30 Uhr aufstehen, ich muss oft abends arbeiten. Kinder müssen nicht belastet werden, die sind jeden Tag mit dem Abenteuer Leben beschäftigt. Meine noch obendrein mit den 14tägigen Papa-Wochenenden, was mir persönlich ja schon mächtig schwer fallen würde. Aber sie meistern es tapfer, denn sie lieben ihren Papa und genießen diese Wochenenden, das sollen sie auch unbedingt, aber es ist anstrengend für sie, das merke ich.

Ich freue mich über jede Einladung, über jedes Gespräch, über Austausch und Freunde. Und überlege inzwischen bei jeder Einladung trotzdem sofort, ob ich das überhaupt schaffe, oder ob ich lieber alleine schweigend zu Hause bleibe und um 21 Uhr  ins Bett gehe.

Werde ich langsam wunderlich?

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Hurra, ein Abenteuer!

5 Gedanken zu “Hurra, ein Abenteuer!

  1. Ich fand das auch sehr gut beschrieben… die Krabbe kommt nun auch in das Alter, wo man sie bei solchen Aktionen nicht mehr einfach schon als erste ins Bett bringen kann. Daher fällt bei mir die Entscheidung meist leicht: Ruhe ist im Zweifelsfall wichtiger als Trubel. Trubel kann ich nachholen, wenn alle fit oder älter sind – Ruhe braucht man akut.

    Die sozialen Kontakte leiden dann allerdings tatsächlich.

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  2. Ich kann das glaube ich gut nachvollziehen mit dem Wunsch nach sozialen Kontakten und Unternehmungen für die Kinder einerseits und dem Bedürfnis nach Ruhe und einigermaßen ausreichendem Schlaf andererseits. Vor allem, wenn im Alltag schon so vieles Kraft verbraucht wird und man auch abends und am Wochenende arbeitet. Welche Lösung kann es geben? Es ist ein Dilemma. Ich entscheide mich oft für die Ruhe.

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  3. teppchen schreibt:

    Glaub mir, du wirst nicht wunderlich 😉 Ich überlege auch bei jeder Einladung, ob ich sie annehme oder nicht, je nachdem, was in der Woche drauf so alles ansteht. Denn wenn am Wochenende der Schlaf zu kurz kommt, zieht es sich durch die ganze Woche, so empfinde ich es zumindest. Und wenn man so ziemlich alles alleine wuppen muss mit Kind, Haus und Arbeit ist es einfach wichtig, dass man gesund und bei Kräften bleibt! In diesem Sinne wünsche ich dir ein ruhiges Wochenende mit viel Schlaf 🙂

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  4. Du beurteilst das alles wunderbar differenziert, kein schwarz oder weiß; Du weißt das Positive daran zu schätzen und benennst exakt das negative, belastende. Das ist noch keine Lösung, aber es hilft bei der Entscheidungsfindung. Die ist garantiert nicht leicht, denn Du bist zwischen den Vor- und Nachteilen hin und her gerissen.
    Gleichzeitig scheint es, als ob diese Wochenend-Abenteuer in Deinem Innern durch die echt blöde Erfahrung mit Deinem Ex verankert sind. Du setzt es in direkten Bezug.
    Ach, was kann man da wünschen? Es ist wie es ist, aber so ist es ja nicht gut. Ich kann Dir nur virtuell Kraft schicken und Dir wünschen, dass Du eine möglichst gute Balance findest zwischen Abenteuer und Freunden auf der einen und der so dringend benötigten Erholung auf der anderen Seite!

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  5. lernbegleiterin schreibt:

    Ich finde es super, dass Du Dein Bedürfnis nach Ruhe, Erholung und Schlaf plus Vermeidung zusätzlicher Routinen so gut in Worte fassen kannst. Es zeigt eben, was bei Dir gerade wichtig ist. Ich versuche derzeit auch darauf zu achten und für mich zu sorgen. Deshalb wird die Übernachtung der Kitafreundin meiner Tochter (5) noch eine ganze Weile auf sich warten müssen. Schlaf muss sein, insbesondere wenn er sowieso schon so wenig ist. In diesem Sinne – Gute Nacht 🙂

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