Mein Wunsch zum Muttertag #muttertagswunsch

 

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„Was wünscht Ihr Euch wirklich zum Muttertag?“ fragte Anne Attersee vom Blog Einerschreitimmer neulich auf Twitter fröhlich in die Runde. Oh Graus, entfuhr es mir innerlich, dieser entsetzliche Muttertag, für mich eher Tag des Rollenklischees. Seit ich Kinder habe, werde ich buchstäblich auf Kindergarten-Niveau an diesen Tag erinnert: in KiTa, Hort und Schule werden die Kinder von engagiertem Personal dazu angehalten, süßlich-niedliches Einheits-Zeugs zu basteln. Was bei der Tochter noch ansatzweise hübsch war, verlor 2 Jahre später beim Sohn den Reiz, als er das nahezu baugleiche Herz mit Mama-Schriftzug anschleppte: die Erzieherinnen lassen sich ja nicht jedes Jahr was Neues einfallen. Später in der Grundschule fand das Grauen für mich den Höhepunkt, als mein 1.Klässler mir stolz ein Gedicht überreichte, in dem er sich reimend für die Hausarbeit, für das Kochen und Bügeln bedankte. Ich habe überhaupt kein Bügeleisen, das Kind hat mich noch nie Bügeln sehen! Die Lehrerin hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Kinder zu fragen, was sie an ihrer Mutter lieben, nein, sie hat den Kindern einen Kitsch-Klischee-Text diktiert, der aus dem letzten Jahrhundert kommt. Muttertag? Nein danke!, heißt es seit dem für mich.

Und dann diese Frage auf Twitter: „Was wünscht Ihr Euch wirklich zum Muttertag?“ Mein erster Gedanke war: „Willst Du echt wissen, was ich mir wirklich als Mutter wünsche? Was ich wirklich brauche?“ Mir war sofort klar, dass meine Wünsche eher politischer Natur sind, denn einmal Ausschlafen bringt bei mir keine Linderung. Keine Pralinen, keine Blümchen, keine Herzen, keine Gedichte, keinen Wellness-Tag, das bringt mir alles nichts. Ich will keine Einmal-Aktion und dann gehen wir wieder zur Tagesordnung über. Und von meinen Kindern schon mal gar nicht, die überschütten mich täglich mit ausreichend Liebe, und wenn es mir bis jetzt nicht gelungen ist, ihnen ein wenig Respekt vor meiner Arbeit nahe zu bringen, dann werden mir ausgemalte Herzchen auch nicht mehr helfen.

Nein, ich wünsche mir zum Muttertag nichts von den Kindern, sondern etwas von denen, die das Geld verteilen, das sie monatlich von mir bekommen: Liebe Kommunal-/Landes- und Bundesregierung, ich brauche kein Frühstück ans Bett, ich brauch Steuerklasse 3! Ich will schnell und unbürokratisch an eine Haushaltshilfe kommen, wenn ich krank bin. Ich will bezahlbaren Wohnraum, kurze Wege in der Stadt und ein kostenfreies Schulticket. Ich will Grün und Luft, ich will Gärten und Spielplätze für die Kinder in der Stadt. Ich will jetzt eine finanzielle Grundsicherung für Familien und später fürs Alter eine massiv höhere Anrechnung der Erziehungs- und Familienzeit. Ich will für jedes Kind ein Instrument und das Bronze-Schwimmabzeichen, unabhängig vom Geld- und Zeitbudget der Eltern. Ich will, dass für jedes Kind getrennter Eltern ein angemessener Unterhalt gezahlt wird, entweder vom zahlungspflichtigen Elternteil oder vom Jugendamt, und zwar bis zum Ende der Ausbildung der Kinder. Wer nicht zahlt, wird sofort straffällig und verurteilt, mindestens in dem Maße eines Steuerhinterziehers. Ich will, dass meine Kinder bis zum 8. Schuljahr ein gesundes und leckeres Mittagessen in der Schule bekommen. Ich will, dass die geplante Hartz4-Kürzung für Alleinerziehende sofort vom Tisch gefegt wird. Ich will die gesellschaftliche Anerkennung meiner Erziehungsleistung und ich will bitte nie mehr nach 17 Uhr nach einem geschäftlichen Termin gefragt werden, da ist nämlich Familienzeit!

Das waren jetzt nur die drängendsten Punkte, die mir spontan eingefallen sind, und ich hab sie gleich mal getwittert. Sie wurden sofort verbreitet und es kamen weitere Wünsche hinzu. Da kam die Idee: Lasst sie uns sammeln, lasst uns ALLE Wünsche von Müttern und Vätern sammeln und sie an die regierenden Menschen übergeben!

Mit Christine Finke vom Blog Mama-arbeitet und mit dem Projekt family unplugged habe ich sofort begeisterte Mitstreiterinnen für diese Idee gewonnen:

Wir laden alle Mütter und Väter dazu ein, ihre politischen und gesellschaftlichen Wünsche aufzuschreiben! Ihr habt vom 1.-8. Mai Zeit, einen Text mit Euren Wünschen auf Eurem Blog zu schreiben und hier in den Kommentaren zu verlinken (bitte erwähnt und verlinkt in Eurem Text auch diesen Text hier). Wenn Ihr kein Blog habt könnt Ihr Eure Wünsche auch einfach direkt in die Kommentare schreiben. Nach dem 15. Mai werten wir alle Texte aus, fassen die geballten Wünsche von Müttern und Vätern zusammen und übergeben diese unserer Regierung. Über diese Übergabe und alle anderen Aktionen halten wir Euch hier auf dem Blog auf dem Laufenden.

Kleines Bonusprogramm: flutet am Vatertag (5. Mai) und Muttertag (8. Mai) das Netz auf facebook, twitter und wo Ihr Euch sonst noch rumtreibt, mit Euren Wünschen unter den Hashtags #muttertagswunsch und #vatertagswunsch. Dann sind wir sind nicht mehr zu übersehen.

Übrigens ist das zwar eine Idee einer Alleinerziehenden, aber das geht ALLE an, die Mutter oder Vater sind! Und by the way: auf wikipedia steht ja, dass der Muttertag ganz ursprüglich aus der Frauenbewegung kommt. Dann wurde er von der Blumenindustrie benutzt, später von den Nazis. Wir bringen ihn jetzt zu seinem Ursprung zurück und stellen politische Forderungen. Und weil’s inzwischen  auch den Vatertag gibt und weil Familie und Kinder keine Frauensache sind, sollen die Väter bitte auch mitmachen: Statt Blümchen + Bollerwagen!

Vielen Dank fürs Mitmachen, wir werden etwas verändern!

muttertagswunsch

 

update: die Medien berichten über die Aktion, eine kleine Presseschau findet Ihr hier.

 

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Mein Wunsch zum Muttertag #muttertagswunsch

102 Gedanken zu “Mein Wunsch zum Muttertag #muttertagswunsch

  1. Anne schreibt:

    Ich wünsche mir

    – einen finanziellen oder organisatorischen Ausgleich für Kitastreiks
    – ein faires Steuer- und Rentensystem, vor allem für Alleinerziehende
    – wirkliche Wahlfreiheit für die Eltern, wie sie die Kinderbetreuung aufteilen wollen, was nur in Verbindung mit geschlechtsunabhängigen Löhnen oder ausreichend finanzieller Unterstützung in den ersten JAHREN geht, um auch ein deutliche höheres Gehalt auszugleichen
    – eine langfristige Lösung für die Haftpflichtproblematik der Hebammen.
    – Wiedereinführung des Betreuungsgeldes
    – qualitativ hochwertige Kitas und Schulen

    Danke für diese Initiative!

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  2. Sam schreibt:

    Ich habe noch keine Kinder und ich wünsche mir, dass ich irgendwann zwei Streifen auf dem Schwangerschaftstest nicht mit Karrierepulverisierung oder gar Arbeitslosigkeit verbinde.
    Kündigungsschutz für Eltern auch NACH der Elternzeit und reale Existenz von Kinderbetreuung ohne Schliesszeiten die die Eltern zwingen ihren Jahresurlaub getrennt zu verbringen. Wo wir bei Urlaub sind: Verbot der Preisverdoppelung von Reisen zu Schulferienzeiten, wäre auch schön!

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  3. Ann Reimers schreibt:

    Ich wünsche mir und alle andere Frauen eine Rente nach ein ganzes Arbeitsleben wovon es möglich ist ein Leben wo das Geld ein Monat lang reicht. ich wünsche mir ausserdem das die minijobs abgeschaft werden und das sofort.

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  4. Heike Schmitz schreibt:

    Ich wünsche mir, das es mir ermöglicht wird nach meiner kindererziehungsbedingten Teilzeitarbeit wieder in die Vollzeitarbeit zu wechseln. Ich möchte nicht mehr deswegen am Existenzminimum leben und zudem die Altersarmut vor mir zu haben.

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  5. Ich wünsche mir ein Bildungssystem, das die Kinder als Menschen in den Mittelpunkt stellt. Und die Abschaffung von Hausaufgaben und Hilfslehrertum der Eltern.Das Ganze in einer gebundenen Ganztagsschule mit maximal 22 Schulstunden, d.h. viel Zeit zum Spielen, für Sport etc.

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  6. Christine Dreibus schreibt:

    Ich wünsche mir, mehr Anerkennung für das, was wir Alleinerziehende leisten….ich wünsche mir eine Halbwaisenrente in Höhe der UnerhaltsPflicht nach der Düsseldorfer Tabelle oder eben Steuerklasse 3…ich wünsche mir speziell für Frauen, deren Partner verstorben ist oder sich völlig zurückgezogen hat viel mehr staatliche Hilfe und Unterstützung bei der Organisation von Auszeiten für uns Mütter, um diesen Anforderungen gerecht zu werden und den ständigen Druck der alleinigen Verantwortung auszuhalten….ich wünsche mir bezahlbare Familienurlaube (ja!! auch wir Alleinerziehende sind Familien) in den Ferien und FerienAngebote auch für Kinder ab 12 Jahren, die bezahlbar sind….ich wünsche mir keine Ausgrenzungen mehr und keine schiefen Blicke, wenn ich mit meinen Kindern alleine unterwegs bin….ich wünsche mir Lehrer und Erzieher, die feinfühliger sind und überdenken, ob die Familiensituation durch so nette Hausaufgaben, wie „was arbeiten Deine Eltern“ und „Familienstammbäume“ wirklich dann auch noch durch Aushängen in der Klasse jedem bekannt gemacht werden muss….

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  7. D.Knoll schreibt:

    Ich wünsche mir zu Muttertag, das Kinder & Jugendliche ernsthaft Rechte in unseren Gesetzen erhalten!
    Das Kindswohl soll dem Elternrecht mindestens gleichwertig gestellt sein!
    & ich wünsche mit mehr Gelder für das soziale Helfersystem (damit politische Freiheit) und für die Betreuungseinrichtungen…

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  8. S. Zettl schreibt:

    Ich will, dass ´meine Zeiten, die ich für mein Kind zuhause war, in der Rentenversicherung stärker berücksichtigt werden. Ich wünsche mir, dass ich eine Vollzeitstelle bekomme. Ich brauche eine Wohnung in der Stadt, die bezahlbar ist. Ich will eine Stadt, die grün und kinderfreundlich ist. Ich will schnell und unbürokratisch Hilfe, wenn ich krank bin, wenn ich eine Kur benötige. Ich will, dass meine Zeiten in der Rente stärker berücksichtigt finde, wenn ich Angehörige betreue. Ich will Ferienprogramme, die nicht nur für Grundschulkinder gelten oder wo ich noch Geld zustecken muss (fragt sich nur woher nehmen, denn obwohl ich verdiene, verdiene ich Zuviel für Bezuschussungen, aber Zuwenig, um es mir leisten zu können). Ich will Arbeitgeber, die mir flexible Arbeitszeiten anbieten und nicht zu hören zu bekommen: „Dann suchen Sie sich mal einen Zweitjob“.

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  9. Claudia Khom schreibt:

    Ich wünsche mir einen Job der mich vorwiegend vormittags arbeiten lässt. Das ist mit meinem Beruf als Krankenschwester kaum möglich. Da meine 4 Kinder ab nachmittags wieder zu Hause sind (Schule, Kindergarten) kann die Arbeitszeit nicht länger gehen und wer nimmt schon jemanden der 4 Kinder hat?! Jeder potentielle Arbeitgeber sieht nur: „Kinder können krank werden“. Mitgefühl Fehlanzeige.

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  10. Marla schreibt:

    Ich wünsche mir Unterhalt für meine Kinder und Arbeitszeitreduzierung mit Lohnausgleich bei Krankheit und Betreuungspflichten: Arztbesuche Elternsprechtage Ausbildungsplatzsuche Ferien und Brückentagen etc.

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  11. Corina Neumann schreibt:

    Ich brauche keine Blumen….Ich wünsche mir Mitarbeiter in den Jugendämtern und im Gericht welche nicht nur das umsetzen der geltenden Rechts sehen sondern jeden einzelnen Fall gesondert ansehen. Ich will glückliche Mama und Kinderseelen.

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