Kleingeld

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Meine Tochter hat in den vergangenen Tagen an einem liebevoll selbst gebauten Straßenstand viel altes Spielzeug und Bücher verkauft. Heute wollte sie bei der Bank das Kleingeld in Scheine einwechseln. Wir sind also zu der Bank gelaufen, wo sie ihr Girokonto hat. Der freundliche Mann an der Kasse sagt, er kann das Geld zählen, dann wird es dem Konto gut geschrieben und dann kann sie es abheben. Wir reden hier von ca. 40 €. Ich habe erstaunt nachgefragt: die wechseln nicht einfach das Geld? Das ist doch hier ’ne Bank, wieso wechseln die kein Geld? Die buchen es erstmal ein und wir müssen es dann wieder abheben? Wieso?

Ist so, sagt der Mann an der Kasse. Ach so. Hm, kurz überlegt ob ich in der Tageskasse auf’m Job das Kleingeld meiner Tochter eintausche, aber sie soll das mitunter kompliziert anmutende Bankwesen ruhig mal kennen lernen. Also gut, zählen Sie das Geld, schreiben Sie es dem Konto gut und wir heben es dann ab.

Der Mann nimmt die Münzen. Dann nimmt er ein DIN A4 Blatt und fängt an, das Formular auszufüllen. Name des Kindes. Kontonummer. Datum. Und noch viele weitere Felder, es dauert ewig. Ich frage scherzhaft, ob er noch die Geburtsurkunde vom Kind braucht. Er mag aber wohl keine Scherze. Schade.

Ich muss an zwei Stellen unterschreiben. Dann nimmt er eine große Schere und schneidet das Formular in der Mitte durch. „Willkommen im digitalen Zeitalter, jetzt wird gebastelt, kleben Sie noch Hasenöhrchen dran?“ frage ich lachend. Ich kann’s mir nicht verkneifen, weil ich nicht glauben kann was hier passiert. Er ist findet es aber immer noch nicht witzig.

Er gibt mir eine Hälfte des Formulars, die andere füllt er samt Münzen in einen Plastikbeutel und verschweißt diesen. Er schaut mich an. Ich schaue ihn an. Und? Wieviel ist es?

„Wir zählen das Geld, es wird im Laufe des Tages dem Konto gut geschrieben, Sie können es wahrscheinlich sogar schon heute mittag abheben“.

SCHON heute mittag? Jetzt ist es 9 Uhr, das geht ja flott! Wieso können wir das Geld nicht jetzt mitnehmen? Ach so, weil das bis zu 10 Werktage dauern kann, aber er macht heute mal eine Ausnahme. Wir Glückspilze! Ich erinnere mich dunkel an meine Kindheit, wo wir mit unserem Kleingeld zur Bank gelaufen sind, das Geld in einen großen Apparat geschüttet haben und dann stand da irgendwann eine Zahl und wir haben das Geld „in groß“ gekriegt. Ohne Papier, Schere, Konto, Plastikbeutel.

Ich mache noch eine Bemerkung über die Elfen, die im Keller sitzen und unter sklavenhalterischen Bedingungen das Geld zählen, dann verlasse ich samt Kind böse murmelnd die Bank.

Nach der Arbeit gehen wir wieder hin. Der Mann, der Apparat, die Elfen, wer auch immer, hat das Geld gezählt, es sind 42,36 €. Die Tochter hebt stolze 40€ in Scheinen von ihrem Konto ab. Operation geglückt.

Zu Hause fragt sie mich, ob ich ihr für einen Zehnerschein Münzen geben könnte, die machen sich besser in ihrer schicken neuen Geldkassette. WAAAS??!? schreit es in mir, DU WILLST JETZT MÜNZEN? Natürlich schreie ich mein Kind nicht an, ich breche innerlich kirre lachend zusammen. Dann überlege ich kurz, ob ich sie zurück zur Bank schicke und das Theater rückwärts spule. Da würde er staunen, der Elfenmeister in seinem Kassenhäuschen, und vielleicht würde er dieses Mal sogar verschmitzt lächeln.

Ich gebe ihr seufzend die Münzen und denke an den Text von Christine Finke: Sysiphos war eine Mutter.

 

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6 Gedanken zu “Kleingeld

  1. J schreibt:

    Waaas, am selben Tag könnt ihr das abheben?! Bei meiner Bank dauert das mehrere Tage! (Keine Ironie.) Wir mutmaßen, die schicken das nach China, um es von kleinen Kindern zählen zu lassen.
    Und das mit der Plastiktüte ist ja noch Service – bei der Bank meines Mannes sollte man die Münzen selbst in diese Papierstücke sortiert rollen.
    Und: Bankangestellte haben keinen Humor. Tatsache.

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  2. limalisoy schreibt:

    Komischer „Service“… Bei uns gibt es dafür auch eine Maschine ohne Schnickschnack und Klimbim…
    Mir ist aber völlig schleierhaft, warum der „nette“ Herr nicht auf deinen göttlichen Humor angesprungen ist – man muss doch auch mal über sich selbst lachen können, ohne zu den Elfen in den Keller zu gehen!
    Liebe Grüße
    Yvonne

    Gefällt 1 Person

  3. Ach das klingt ja wirklich anstrengend. In meiner Bank wirft man die Münzen noch immer in einen Geldzähler, der Spuckt dann eine Quittung aus, mit dieser muss man an den Schalter und dann kann man sich aussuchen ob man’s aufs Konto haben möchte oder in Scheinen. Aber wenn man’s sich in bar auszahlt muss man eine Gebühr von 2,irgendwas€ bezahlen und deswegen entscheiden wir uns immer fürs Konto. Das ist dann aber auch wirklich innerhalb von Minuten drauf.

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