Regrettingfatherhood: Ich nehme meinen Mann ernst, darum hab ich ihn verlassen

Jetzt geht’s los, der erste Artikel zu #regrettingfatherhood ist erschienen. Erst hab ich gedacht, ich muss weg, ich kann das nicht lesen. Hab’s dann doch gelesen und mein Verdacht wurde bestätigt: die doofen Kinder halten einen vom echten, wahren, rauschenden Leben ab.

Fitnessstudio, Cocktailpartys und arbeiten bis zum get-no: geht alles nicht mehr mit Kindern. Das ist ja entsetzlich! „Ich will mein altes Leben zurück“, wird da rumgeheult. Dieselben Typen, die in der Firma jede Verantwortung gerne sofort übernehmen, sind nicht in der Lage, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen. Wickeln nur, wenn die Wickeltasche mindestens vom Hipster-Label ist. Zum coolen Open-Air-Konzert werden die Kinder gerne mitgenommen, aber wegen Magen-Darm-Geschiss zu Hause bleiben? Um Himmels Willen, das geht gar nicht.

Auch mein Exmann hatte so ein schweres Los gezogen: den ganzen Tag verantwortungvollste Projekte leiten, wenn er dann mal nach Hause kam, stürmten gleich die Kinder auf ihn zu, und wenn die endlich im Bett waren, saß da ne Frau auf dem Sofa: der hatte überhaupt kein Privatleben mehr! Selbst der A8 musste gegen einen Berlingo eingetauscht werden, weil da der Kinderwagen samt Großeinkauf reinpasste: Höchststrafe! Urlaub auf dem Bauernhof, Leben in familiengerechter Umgebung/Wohnung, Kinderstühlchen am edlen Wohnzimmertisch: das ist alles nicht so einfach, da muss auf verdammt viel verzichtet werden.

Ich habe mehr als einmal versucht, zu erklären, dass die Kinder aller Voraussicht nach nur wenige Jahre Kleinkinder sind, dann folgt oft die Grundschulphase und dann sind es auch schon Teenager. Also: über wie viele Jahre des kargen Verzichtes reden wir hier? Und dass die Kinder uns ein ganz anderes, tolles Leben eröffnen, die großartige Phase des Familienlebens. In der wir unsere Kinder dabei begleiten dürfen, zu wachsen, zu lernen und die Welt zu entdecken. Das ist so unglaublich schön und wertvoll, Mann!

Nein, die Arbeit und der Wert der Arbeit standen stets höher als familiäre und häusliche Tätigkeiten. „Ich habe heute 2 Stunden Schnee geschippt, weißt Du was uns das gekostet hat bei meinem Stundensatz?“ Ja, und ich hab heute unser Baby gestillt, insgesamt deutlich mehr als 2 Stunden, Du Witzbold. So ist das eben, wenn man Familie hat. Für beide. Ganz anders als ein wildes Single-Leben, welch Erkenntnis!

Gutgemeinte Ratschläge lauteten gerne: Du musst nur dies oder jenes tun, um ihn dazu zu kriegen, sich mehr an der Familie zu beteiligen. Aber mein Mann ist doch kein Idiot, ich bin weder seine Mutter noch seine Therapeutin. Ich muss ihn nicht listig manipulieren, damit er zum Familienmensch mutiert. Entweder, er entscheidet sich aus freien Stücken dazu, die Prioritäten anders zu setzen, oder eben nicht. Das ist seine Entscheidung. Er ist auch nicht Opfer der Gesellschaft oder seines Jobs, er hat es selber in der Hand, offensiv andere Schwerpunkte in seinem Leben zu setzen.

Ich habe mehrfach ernst und gründlich darauf hingewiesen, dass unsere Ehe und unsere Familie kaputt gehen, wenn er so weitermacht. Er hat es nicht ernst genommen. Aber ich habe ihn ernst genommen, habe dies als seine bewusste Entscheidung akzeptiert und bin gegangen. Er war völlig erschüttert. Warum ich nicht eskaliert hätte? Warum ich nicht erstmal mit Trennung gedroht hätte, warum ich denn gleich gehen muss. Ich drohe halt nicht. Ich sage, was scheiße läuft, ich versuche es zu ändern, und wenn es sich nicht ändern läßt, ziehe ich Konsequenzen (keine Panik, es war ein Prozess über Jahre und ja, wir waren auch bei einer Eheberatung, wir (ähem: ich) haben echt einiges versucht!).

Zurück zu regrettingfatherhood: in den Monaten nach der Trennung war er wie ausgewechselt. Er hatte Zeit, weil er sich Zeit genommen hat. Er war für die Kinder da, er war für mich da (aber es war zu spät). Er hatte jedes (!) Wochenende die Kinder, er war aufmerksam und präsent, er hat Termine und Projekte verschoben. Guck an: es geht, wenn er will! Er wollte die Familie zurück haben, und auf einmal war er nicht mehr Opfer seines Jobs. Er hatte es in der Hand, und mir wurde klar: er hatte es die ganze Zeit in der Hand! Auch die 6 Jahre davor hatte er es in der Hand. Es war seine Entscheidung, seine ganz eigene persönliche Entscheidung, wie er sich zur Familie und zum Job verhalten hat. Es ist nicht die Firma und nicht die Gesellschaft, die die Männer zwingt, sich von der Familie abzuwenden und andere Prioritäten zu setzen. Warum in diesen Köpfen der Schwenk auf „ich hab jetzt Familie, das ist toll, ich freu mich und das machen wir jetzt zusammen“ nicht gelingt, weiß ich nicht, aber sie sind definitiv nicht Opfer!

Ich habe mich immer geweigert, meinen Mann wahlweise als Opfer der Verhältnisse oder als zu manipulierenden Idioten zu betrachten. Ich habe ihn ernst genommen, und deshalb habe ich ihn verlassen.

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Regrettingfatherhood: Ich nehme meinen Mann ernst, darum hab ich ihn verlassen

80 Gedanken zu “Regrettingfatherhood: Ich nehme meinen Mann ernst, darum hab ich ihn verlassen

  1. Elli schreibt:

    Liebe Sonnige,
    dieser Text ist ja so toll! Ich hab ihn letztes Jahr im Januar gelesen, bin auch in den folgenden Monaten immer mal wieder vorbeigekommen und ein Jahr später les ich ihn schon wieder. So ganz habe ich es noch nicht begriffen, ich hab weder Mann noch Kind. Deine Texte haben mich das ganze letzte Jahr über begleitet und ich hab echt einiges dazugelernt. In diesem Sinne ein sentimentaler Neujahrsgruß: Ich bin ja so froh, dass mich irgendein Internetzufall hierhergebracht hat! Große Liebe ❤ ❤ ❤

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  2. Horst1982 schreibt:

    Regretting fatherhood? Yes, no, maybe!

    Ich als Mann muss jetz auch einmal meine Sicht der Dinge loswerden:
    Meine Frau und ich sind mittlerweile seit 5,5 Jahren zusammen und seit 4 verheiratet.
    Ich war schon immer beruflich sehr engagiert und hatte mehre Hobbies, welchen ich auch mit Leib und Seele nachgegangen bin. Ich habe mir alles hart erarbeitet und habe auch die Früchte meiner Arbeit (schicke Wohnung, Auto,…) etc. genossen. Dies ist mir als Ausgleich und Motivation wichtig. So hat mich meine damalige Freundin, jetzt Frau, kennengelernt. Ich habe da auch nie einen Hehl daraus gemacht.

    Sie wiederum ist eher ein genügsamer Mensch. Ist per se ja auch nicht verkehrt. Vor Ihrer Elternzeit hat sie bei der Stadtverwaltung gearbeitet, also eher ein geregelter Tagesablauf.

    Soweit so gut. Warum ich das alles schreibe? Es ist quasi eine Hinführung zu dem eigentlichen Thema:

    Die ersten Probleme begannen, als ich ihr zuliebe zugestimmt habe, einen Hund anzuschaffen. Es lief die ersten Wochen sehr gut, bis der Hund in seine erste Flegelphase kam. Ab diesem Zeitpunkt war meine Frau nur noch überfordert, rief mich ständig an und heulte in das Telefon, so dass ich vereinzelt sogar nach Hause gefahren bin. Als Kompromiss um den Hund nicht wegzugeben haben wir vereinbart, dass sie ihre Arbeitszeit reduziert um sich besser um ihn zu kümmern. Dies ging ungefähr ein Jahr gut, dann wurde es Ihr wieder zu viel. Am Ende wurde der Hund ständig zwischen uns und ihren Eltern hergeschoben, weil Sie überfordert war.

    Jetzt, zwei Jahre später lebt der Hund bei meinen Eltern, da er mit dem Nachwuchs nicht zurecht kam. Aber an dem grundsätzlichen Zustand hat sich nichts geändert. Vielmehr wiederholt es sich.

    Vielleicht war unser Sohn ein Wunschkind oder ich habe mich (wie damals beim Hund) Ihr zuliebe darauf eingelassen Vater zu werden. Beruflich hat sich auch einiges getan. Die Tage im Büro sind länger, durchschnittlich bin ich von 7 bis 19 Uhr aus dem Haus. Home-Office wird bei meiner Firma nicht geduldet. Reduzierung ist kaum möglich.

    Ich werde den ganzen Tag mit Textnachrichten bombardiert wie schlecht es ihr doch geht, wie stressig das mit dem Kind ist, dass sie nicht mehr kann. Es geht mir nicht gut dabei und es wirkt sich auch negativ auf meine Arbeitsleistung aus.
    Wenn ich ein offenes Gespräch mit ihr suche und frage, wie ich sie unterstützen kann oder konkret etwas mache, werde ich immer nur heruntergeputzt und als dämlich hingestellt. Ich habe bisher all ihren Forderungen entsprochen. Sobald es dann aber darum geht, dass auch sie eventuell etwas an ihrem Verhalten ändern muss, geht es rund. Anstatt auf meine Lösungsvorschläge einzugehen überzieht sie mich mit Vorwürfen. Aber das Geld das ich verdiene nimmt sie und gibt es aus. So viel zum Thema.
    Ich tue was ich kann um Sie bestmöglich zu entlasten: Wenn z. B. das Kind nachts schreit und es sich nicht beruhigen lässt, kümmere ich mich um ihn, damit sie schlafen kann (auch wenn ich dann über mehrere Tage z. T. nur ca. 2-3 Stunden pro Nacht schlafe und tagsüber arbeiten gehe). Ich tue das gerne.

    Andererseits finde ich es nicht berauschend, am Abend nach einer Stunde Autofahrt nach Hause zu kommen und ein schreiendes Kind in die Hand gedrückt zu bekommen, nebenher noch den Haushalt zu machen und noch den Papierkram zu erledigen. Wenn man dann mal kurz aufs Handy schaut heißt es gleich, man sei „süchtig“. Und ha, ich hasse Kinderlieder. Wo steht, dass man nur das einem Kind vorsingen darf? Was ist mit Elvis oder so? Solange es das Kind beruhigt.
    Drr Zwang meiner Frau, mich in die Vaterrolle hineinzupressen, erzeugt bei mir genau das Gegenteil. Statt mich näher zu den beiden hingezogen zu fühlen, erdrückt es mich. Ich denke gerade täglich mehrmals über eine Trennung nach. So kann ich definitiv nicht mehr weiter machen. Wir streiten oft schon wegen Kleinigkeiten. Sie sieht sich als Opfer und ich bin der karrieregeile Vater, der seine Familie nur als Deko braucht. Ich arbeite zu viel, aber dann mal auf die Idee zu kommen, dass das Geld welches ich verdiene, uns den von ihr geschätzten Lebensstandard sichert, ist zu viel erwartet.
    Unter diesen Umständen bereue ich es, Vater geworden zu sein. Unser Leben und unsere Beziehung wurde dadurch stark geschädigt.

    Ungeachtet davon liebe ich meinen Sohn über alles.
    Allerdings würde ich mit dem Wissen von heute eine andere Entscheidung treffen.

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    1. Ich lese Deine Ausführungen und finde mich dort selbst wieder. Bei uns war es sehr ähnlich. Ich habe meiner Frau immer mehr abgenommen. Wir hatten sogar eine Haushaltshilfe, die einmal die Woche kam. Besser wurde es damit aber nicht. Auch wenn es oft so aussah, als sei sie überfordert, war dem nie der Fall. Soll heißen: Es gab zwar viel Lärm darüber das sie sich überfordert fühlt, aber hinbekommen hat sie es trotzdem. Es war also ihre persönliche Wahrnehmung.

      Ich denke, mittlerweile wäre die Lösung (wenn es da nicht einen unüberwindlichen Konflikt gegen hätte), in der Beziehung die Führung zu übernehmen. Ich bin immer von einer gleichberechtigten Partnerschaft ausgegangen. Das war aber ab dem Zeitpunkt nicht mehr gegeben, wo das gemeinsam beschlossene Beziehungsmodel (klassisch: Er geht arbeiten, sie kümmert sich um den Haushalt), nicht mehr zur Befriedigung beider gelebt wurde.

      Ich hatte auch immer das Problem, das ich um Vorschläge ihrerseits gebeten habe um die Situation zu verbessern, aber es kam nichts. Selbst die Haushaltshilfe musste ich ihre förmlich aufdrängen. Wie dem auch sei, mein Rat an Dich: Zeige ihr auf der einen Seite, das Du sie liebst. Das dürfte für Dich im Moment das schwierigste sein. Ich kenne das selber. Ich wollte am liebsten weg laufen, und nicht das Gefühl haben, sie dafür auch noch zu „belohnen“. Wie dem auch sei: Mach die Dinge, von denen Du weißt, das sie es als Liebesbekundung empfindet. Dabei ist es nicht wichtig, ob Du es fühlst. Das Gefühl kommt irgendwann ganz von alleine wieder. Liebe sie einfach, in dem Du entsprechend handelst.

      Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite sagst Du ihr klipp und klar was Du erwartest. Zum Beispiel das Du keine Telefonanrufe, oder Nachrichten von ihr während der Arbeitszeit haben möchtest, es sei denn, das Haus brennt ab. Klappt das nicht, was ich mir gut vorstellen kann, gehe nach ein bis zwei Ermahnungen so weit, ihr das Handy für den Tag weg zu nehmen. Hier werden einige vermutlich sagen, das geht zu weit, oder ist Grenzüberschreitend. Allerdings ist das permanente kontaktieren auf der Arbeit von deiner Frau nichts anderes.

      Unterm Strich ist es so: Zeige Deiner Frau, das Du die Führung in der Beziehung übernimmst. Das ist auf seine Art anstrengend, nur kannst Du Dir die Kraft dafür selber einteilen und sie wird Dir nicht einfach geraubt. Setze Grenzen und verteidige sie. Dabei darfst Du aber nie vergessen, das Du deine Frau liebst. Zeige Stärke, ohne dabei zum Tyrann zu werden.

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      1. Wenn ich das lese, bin ich ehrlich gesagt entsetzt. Und das nicht, weil ich das alles nicht irgendwie auch kennen würde. Ich bin eher entsetzt, welche Reaktionen, das bei Euch anderen Männern hervorruft. Die Führung übernehmen, das Handy wegnehmen…ehrlich gesagt, bin ich grad etwas ratlos, was ich darauf schreiben soll – aber ich merke, dass sich da Bilder auftun, die mich einfach nur schütteln machen.

        Habt Ihr eigentlich verstanden, was in Euren Frauen vorgeht? Wenn ich Sätze lese wie „Es gab zwar viel Lärm darüber das sie sich überfordert fühlt, aber hinbekommen hat sie es trotzdem. Es war also ihre persönliche Wahrnehmung.“, denke ich nein. Dann lese ich auch, sie stellt sich doch nur an und schafft das locker. Aber OK, ich kenne Euch nicht und Eure Beziehung nicht, deshalb, kann ich eigentlich nicht (ver-)urteilen, wenn ich es auch trotzdem tue. Was ich in den Beiträgen lese ist, ich habe für sie dies getan, ich habe nen Hund bzw. ne Hauhaltshilfe angeschafft, aber… Was ich nicht lese ist, wir haben uns Zeit genommen füreinander, mit einander geredet, was ihre Wünsche und Bedürfnisse sind und was meine. Was ich nicht lese ist, wir haben geklärt, dass ihre Arbeit zu Hause, den gleichen Wert hat, wie meine im Büro oder wo auch immer.

        Sitzt sie vielleicht zu Hause und fühlt sich allein und will Kontakt zu Euch? Will reden, will Gemeinsamkeit? Fühlt Ihr Euch uncool, weil Eure Frau Euch anruft? Habt Ihr Angst, andere denken, sie würde Euch kontrollieren? ich merke bei den Fragen, die ich da grad schreibe, wie sehr ich in Euren Beiträgen ICH – ICH – ICH lese. Und wie gesagt, ich kenne solche Reaktionen bei mir durchaus auch. Die Frage ist doch aber, wie gehe ich damit um. Ist mir klar, welche Mechanismen da funktionieren.

        Eine gleichberechtige Partnerschaft, eine auf Augenhöhe zu führen, bedeutet permanente Kommunikation, permanentes abgleichen der Systeme zum Gesamtsystem. Es braucht Reden, Verstehen und Verständnis – Empathie. Auf beiden Seiten. Eine gleichberechtigte Partnerschaft ist immer noch gesellschaftlich ein eher ungewohntes Modell, dass heisst es gibt Widerstände und andere, herrschende, tradierte Interpretationen einer Beziehung. Wieviel steckt davon in Eurem Denken? Überprüft das mal! „Ich geh arbeiten, sie bleibt zu Hause.“/“Ich bringe das Geld nach Hause.“ – Das versteckt sich in so patriarchal geprägten Aussagen wie „die Führung übernehmen“ oder „das Handy wegnehmen“.

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      2. mutterseelesonnig schreibt:

        Ich bin erschüttert!
        Führung übernehmen, Handy wegnehmen, Liebeserklärungen als taktisches Manöver etc., was ist denn das für ein würdeloses, verachtendes Verhalten?

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      3. Hallo Michael,

        ja, ich kann gut verstehen was dir da bei meinen Worten durch den Kopf geht. Aber ich verrate dir ein Geheimnis: Die absolut gleichberechtigte Partnerschaft als Beziehungsmodel ist eine Totgeburt. Ok, ich höre jetzt schon den Aufschrei. Aber lass mich erklären, warum ich das glaube.

        Die Grundlage, meiner Ansicht nach, einer jeden Paar-Beziehung ist die sexuelle Anziehung. Wenn es diese nicht gibt, hat man zwar eine Partnerschaft und man kann gut neben einander her leben, jeder hat halt seine Raum und in der Mitte wird dann gemeinschaftlich verhandelt.

        Das ist allerdings auch eine Partnerschaft ohne Leidenschaft. In einer funktionierenden Partnerschaft muss es zwangsläufig Spannungen geben. Die Frage ist aber, wie diese Aufgelöst werden.

        Auch, wenn du in den Texten immer nur das „ICH“ liest, hatte und habe ich meine Partnerin immer im Blick. Ja, manchmal sehe ich sie nicht, das kommt vor. Aber meistens tue ich es. Aus Erfahrung habe ich aber auch gelernt, dass das, was eine Frau sagt was sie will, nicht zwangsweise das ist, was sie tatsächlich will. Die meisten Frauen möchten einen Mann, kein Weichei und kein Matscho, aber etwas dazwischen.

        Für mich ist die Rolle des Mannes immer noch die des Familienoberhauptes. Ich entscheide wo die Reise als Paar letztendlich langgeht und ich verantworte es auch. Im Umkehrschluss bedeutet das aber NICHT das meine Partnerin hier kein Wort mitzusprechen hätte. Aber wenn da solche Dinge kommen wie „Du bist ja nie Zuhause! Ich will das du mehr Zeit mit der Familie verbringst.“ und gleichzeitig „Hast du schon die drei wöchige Karibikkreuzfahrt gebucht?“ läuft hier irgend etwas verkehrt.

        Jedes Handeln hat Konsequenzen. Entweder ich arbeite um diese Kreuzfahrt zu ermöglichen oder aber, ich verbringe mehr Zeit zuhause. Beides geht nicht. Was passiert hier also? Ich entscheide, was mir wichtiger ist, wo meine Werte liegen. Bin ich Familienmensch oder Genussmensch, finde ich evtl. auch ein Kompromiss zwischen Beiden?

        Hätten wir jetzt eine Beziehung in der Form, wie Du sie dir vorstellst hieße es: Ok, ich bin jeden Nachmittag um 15 Uhr Zuhause, dafür gehst du aber arbeiten um den von dir gewünschten Urlaub zu finanzieren. Ich gehe mit Dir jede Wette ein, dass das nicht so sein wird.

        In vielen Paarbeziehungen ist der Mann einfach nur der „Sohn“. Er verhält sich auf jeden Fall so. Wenn die Partnerin einen Streit vom Zaun bricht, wird versucht möglichst schnell zu beschwichtigen, anstatt sich auf das gleiche Energie-Level zu begeben und ihr zu zeigen, das man stark genug ist, das auszuhalten.

        Führung ist eine Sache, die nicht einfach ist. Nicht in der Beziehung, nicht im Berufsleben. Wenn Du führst und Deine Partnerin WILL dir folgen, dann macht man alles richtig.

        Die Sache mit dem Handy weg nehmen: Das wäre für mich eine letzte Konsequenz, wenn reden nicht reicht. Du sagst, sie will jemanden zum sprechen haben, sie fühlt sich einsam. Ja, das mag alles sein. Aber wenn ich auf der Arbeit bin, werde ich dafür bezahlt meinen Job zu machen. Alles andere ist unprofessionell. Es ist auch in einer Partnerschaft so: Man hat Bedürfnisse, diese müssen aber nicht zwangsläufig vom Partner gestillt werden und ich rede hier nicht gerade über Sex.

        Meine Freundin möchte z.B. Freitag Abend ausgehen, ich bin fertig von der Woche und möchte nur einen gemütlichen Abend auf der Couch. Zwei mögliche Lösungen: Wir kriegen uns in die Haare und einer verliert (sie bleibt Zuhause oder ich schleppe mich mit, beide haben schlechte Laune) oder aber, sie ruft ihre beste Freundin an und geht mit ihr tanzen, während ich mir eine gemütlichen Fernsehabend mache. Beide bekommen, was sie brauchen.

        Löse dich von dem Gedanken, das der Partner der Bedürfnisstiller ist. Gleichzeitig heisst es nicht, das man nicht zusammen tanzen gehen kann, wenn beide dazu Lust haben. Und Führung in der Partnerschaft übernehmen bedeutet für mich auch genau das: Auf die Bedürfnisse meiner Partnerin zu achten und sie dahin zu führen, das sie erfüllt werden. Nicht aber, sie immer und ständig selbst erfüllen zu müssen und dabei meine eigenen Bedürfnisse zu missachten. Die Qualität einer Partnerschaft ergibt sich nämlich nicht aus der Anzahl und Größe der „Opfer“ die man für diese Partnerschaft erbringt. Sondern in wie fern beide Seiten in der Lage sind, mit ihren Bedürfnissen zurecht zu kommen.

        Gruß
        Marco

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      4. Lieber Marco,

        da ich tagtäglich mit Männern und Frauen habe, die Deine Meinung vertreten, erspare ich mir den #Aufschrei. Die Gleichberechtigte Partnerschaft ist eine Totgeburt, der Mann als Familienoberhaupt das normale. Du denkst Deine Partnerin mit, hast sie im Blick und siehst das als Deine Aufgabe als Führender. Ach ja und Frauen, wünschen sich einen richtigen Mann. Dann fange ich dochmal von hinten an: Was ist denn ein „richtiger“ Mann? Welches Standard-Modell schwebt Dir denn da vor? Natürlich gibt es gleichberechtige Partnerschaften, sogar zu Hauf und sie sind harte Arbeit und nicht nur das abspulen traditioneller Partnerschaftsmuster und hegemeonialer Männlichkeit.

        Nun – ich verrate Dir ein Geheimnis, Partnerschaft basiert nur bedingt auf Sex, der ist schön basiert aber biologisch nur auf dem Fortpflanzungstrieb, dann beginnt der andere Teil (der wiederum den Sex nicht ausschliesst). Ja, ich weiss, alle mögliche Werbung und Medien erzählen uns was anderes und wir dürfen andauernd lesen, wieviel Sex eine glückliche Partnerschaft braucht, welche Praktiken ihn oder sie befriedigen. Sorry, das ist der gnadenlose Versuch den Menschen, wahrscheinlich primär den männlichen Menschen, auf dem Niveau der Pubertät und Adoleszenz zu halten. Sex ist gut und schön – aber wenn das der Schlüssel zur Partnerschaft wäre und die einzige Möglichkeit wirklich Nähe zu schaffen, dann wären wir kaum Beziehungsfähig. Sex hat mit dem Alltag wenig zu tun. Da geht es um aussergewöhnliche Endorphinausschüttung, das ist ein neurologisches Belohnungssystem, damit wir überhaupt Lust auf Sex haben. Und auch der sexuelle Reiz den der oder die Andere in uns auslösen, sind biochemische Prozesse, die alle anderen Systeme zurückfahren. Wie gesagt mit Alltag und Partnerschaft hat das häuslich wenig zu tun. Das ist so, als wenn Du Dir Deine Kompetenz für den städtischen Autoverkehr über den Geschwindigkeitsflash auf dem Nürburgring holst. Im Gegensatz kann eine gute, gleichberechtigte Partnerschaft auch die Grundlage für wirklich guten Sex sein

        Das Männlichkeitsbild, dass Du vertritts, wurde übrigens im 19. Jahrhundert erfunden, um, ergänzt um die arbeitsteilige Gesellschaft der Industrialisierung, den Mann besser in die Fabriken schicken zu können und in den Krieg. Die Haus und Familiengemeinschaften davor waren deutlich komplexer. Wobei die Hinführung auf dieses Familienbild schon davor über Jahrhunderte durch den Maskulinismus der Kirche vorbereitet worden ist.

        Was dieses Männlichkeitsbild mit den Männern unserer Gesellschaft macht, zeigt dass es kaum ein Wahrnehmung für Selbstverletzendes verhalten bei Jungen gibt und dass Männer drei mal so häufig Selbstmord begehen oder wegen Mord oder Totschlags im Gefängnis sitzen.
        In der Biografiearbeit wird deutlich, dass Männer die Verlierer dieses Machtanspruches sind. Nach ihrer Fokussierung auf die Ausübung von Vorherrschaft, fallen sie mit dem Ende des Arbeitslebens in ein Sinn-Loch und sterben evtl. auch dadurch früher. Für Männer in der Biografiearbeit ist ihre Biografie immer eine Erfolgsgeschichte und Probleme, Versagen etc. sind immer das Resultat einer fiesen höheren Macht. In Gruppen von Männern kommt dazu noch die konkurrierende Darstellung ihrer Biografien. Frauen berichten ihre Biografien eher selbstabwertend und sehen sich selbst als „schuldige“, wenn Versagen oder ein Problem auftritt. Letzteres halte ich auch nicht für großartig gesund, aber für deutlich verantwortungsbewusster.

        Übrigens ist auch der Mammutjägermythos, der ja gern als Grundlage für ein traditionelles Männlichkeitsbild herangezogen wird, inzwischen als eben solcher entlarvt, weil die Jagd keine maskulin-muskelorientierte Veranstaltung war, sondern ein hochkooperative Leistung zu der herangezogen wurde, wer qualifiziert war, egal ob Mann oder Frau (das kann die Anthropologie heute inzwischen belegen).

        Das was Du also beschreibst, sind Muster, die wir gelernt haben und die es umzulernen gilt, wenn es um eine gleichberechtigte Partnerschaft geht. Das heisst auch, an der einen oder anderen Stelle die Führung zu verweigern und bewusst gemeinsam eine Lösung zu suchen, den anderen mit in die Verantwortung zu nehmen. Wie gesagt, das ist ein hartes Stück Arbeit. Ich kann schon verstehen, wenn man sich dann lieber auf die vermeintliche männliche Führungsrolle zurückzieht. Macht es doch einfacher und es ist klar, wer dann schuld ist, wenn was nicht läuft.

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      5. Alexandra schreibt:

        Hallo Horst, ich wollte Dir nur kurz mitteilen, dass nicht alle Geschlechtsgenossinen so sind! Ich kenne zwar viele meiner Freundinnen die auch ihre Männer so lange erpresst oder überredet haben bis sie dem Kinderwunsch einfach nachgegeben haben, einige haben den Männern die Kinder auch untergeschoben, aber so sind wir nicht alle! Aber ich kann sehr gut verstehen wenn Männer dann ihre Vaterschaft bereuen und nur darum geht es doch bei „Regrettingfatherhood“. Zumal wenn euch die Kinder dann noch entzogen werden und ihr nur noch bezahlen müsst. Wenn ich hier lese was einige Frauen für Ansprüche haben wundere ich mich das überhaupt noch geheiratet wird und das nicht alle Männer in einen kollektiven Zeugungsstreik treten.

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      6. @MUTTERSEELESONNIG: Während der erste Teil mit der Führung und dem Handy durchaus meiner Überzeugung entspricht, hast du den Teil mit der Liebe falsch verstanden, was ich verstehen kann. Diese Beziehung ist, ich gehe mal davon aus, aus Liebe entstanden. Manchmal geht diese Liebe verloren. Der „Trick“ das Gefühl wieder zu finden, in dem man sich einfach so Verhält, dient nicht dazu dem Partner etwas vorzutäuschen, sondern dazu, sein eigenes Gefühl wieder zu finden. Es ist ein wenig wie, wenn dir Laufen spass macht. Irgendwann kommst du nicht mehr dazu, weil der Alltag es nicht zulässt und dann ist der innere Schweinehund da. Irgendwann gehst du aber trotzdem laufen, auch wenn du keine Lust hast. Und dann stellt sich das Gefühl wieder ein. Das funktioniert tatsächlich auch bei der Liebe.

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      7. Hallo Michael,

        es tut mir leid, aber du fällst mit dem was du sagst, in ein absolut eingefahrenes Muster. Ich habe nie gesagt, das Sex der Schlüssel zu einer funktionierenden Beziehung ist. Es geht um die sexuelle Anziehung, die Spannung zwischen den Geschlechtern. Das ist etwas anderes.

        Ich möchte jetzt nicht auf die Detail eingehen, das du geschrieben hast, sondern zusammenfassend etwas dazu sagen. Du bist mit deinen Ausführungen auf dem Holzweg. Nicht, dass das was du sagst nicht richtig wäre. Offen gestanden kann ich da gar nicht viel zu sagen, da mir da das Fachwissen fehlt.

        Womit du auf dem Holzweg bist ist, das ich nach einer Beziehungsform verlange, wie wir sie vor 100 Jahren hatten oder sie noch in extrem islamischen Familien geführt wird.

        Mein Problem mit Deinen Ausführungen ist, dass es absolut an dem, was ich meine, vorbei geht. Du liesst ein paar Schlüsselwörter wie „Sex“, „Führung“ und „Familienoberhaupt“ und sortierst diese Fleißig in deine schon vorhandenen Schubladen ein.

        Was ich will, ist etwas neues. Etwas, das es in unserer Gesellschaft so als Vorbild nicht zu geben scheint. Basierend auf gegenseitigen Respekt, Liebe aber auch Konsequenz und Durchsetzungsvermögen. Und wenn du mir jetzt sagst, Handy weg nehmen sei nicht Respektvoll, ja, da gebe ich dir recht. Die wünsche des Partners permanent zu ignorieren aber auch nicht. Und wenn das Handy weg nehmen zu viel ist, dann schaltet man sein eigenes eben aus oder setzt die Partnerin für eine Zeit auf Ignorieren.

        Mein Problem ist auch nicht, das du und andere eine Partnerschaft haben möchten, die absolut ausbalanciert ist. Jeder kann und darf doch so Leben, wie er es möchte. Aber was haben unsere Jungen denn für ein Vorbild? Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo es hieß „Man darf Mädchen nicht hauen.“ um bin fast täglich mit Biss und Kratzwunden aus dem Kindergarten gekommen, weil ich mich nicht wären durfte.

        Und wenn du glaubst, das hat mein Frauenbild geprägt, dann muss ich dir sagen, dass das zum Teil stimmt, das lasse ich aber an anderer Stelle. Ich bin aber auch jemand, dem es sehr auf das zwischenmenschliche und das miteinander ankommt. Liebe und Verständnis ist der wichtigste Punkt bei allen Formen von Beziehungen.

        Löse dich einfach mal von dem, was du glaubst zu wissen was ich will. Ich will keine Wiederauferstehung der „alten“ Zeiten. Damit verstehst du das, was ich will, völlig falsch. Mir schwebt ein neues Männerbild vor, das noch ein paar Teile von dem vor 100 Jahren hat, aber auch viele Teile des heutigen Männerbildes.

        Letztendlich muss jeder selber rausfinden, was für ihn funktioniert.

        Gruß
        Marco

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      8. Nicolas K. schreibt:

        Wir halten fest: viele Männer sind mit der Rolle die sie ausfüllen MÜSSEN (damit sie ein Eigenheim, eigenes Auto und 2 mal Urlaub pro Jahr bekommt) unglücklich oder überfordert. Bestätigt von einigen Frauen hier und belegt unter anderem durch die 3x höhere Selbstmordrate. Gleichzeitig lese ich hier mehrfach das die Frauen den Männern Zitat „Kinder unterschieben“, diese zu Kindern „überreden“ oder „erpressen“. Es soll hier doch darum gehen warum Männer ihre Vaterrolle bereuen. Wäre es da nicht besser sich darauf zu konzentrieren statt Nebenkriegsschauplätze um entzogene Handys aufzumachen? Und wenn es schon darum gehen soll wie „böse“ dieser Vorschlag ist: es ging darum das der arme Mann wenigstens stundeweise seine Ruhe benötigt um für SIE arbeiten zu können, das ist Selbstschutz und Schutz des Familieneinkommens. UND eine Ultima Ratio die er selbst nicht anwenden möchte! Und mal andersherum gefragt, wie viele Frauen bestrafen oder erpressen ihre Partner mit Schweigen? Gibt es es nicht soetwas wie „Gleiches Recht für alle“ in einer gleichberechtigten Partnerschaft?

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  3. Sehr schöner Artikel! Ging mir genauso… zig Ausreden, zig Rechtfertigungen, warum er sich nicht mehr in d. Familie einbringen kann… dann kam der Tag: er konnte seinen Dienstplan selbst gestalten, wir lernten freie Wochenenden, gemeinsame Abende, Initiative seinerseits kennen… und dann ist er gegangen. Die Kinder 11 und 10, die Tür hinter ihm zu und er bei der neuen mit einer 3jährigen. Mir stellt sich die Frage: habe ich zuviel gefordert? Oder hat er jetzt verstanden und macht seine Fehler da wieder gut? Bei ihr? Ihrem Kind? Ich bewundere jede Frau, die stark genug ist Konsequenzen zu ziehen…

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  4. Ich habe es nicht geschafft mir alle Kommentare durchzulesen, aber ich stehe auf der anderen Seite des Artikels. Ich bin ein Vater, der sich getrennt hat. Allerdings gehöre ich nicht zu der Fraktion, die ihre Elternschaft bereuen. Ich habe selber drei Kinder und, wie hier auch beschrieben, tatsächlich ein innigeres Verhältnis zu meinen Kindern, als zu der Zeit, als ich noch in meiner Beziehung steckte. Obwohl ich schon immer Familie haben wollte, habe ich mich eingesperrt gefühlt. Meine Frau hat mich als 4. Kind gesehen und ich war, wie ich zugeben muss, oft nur Körperlich anwesend. Das hat sich seit der Trennung vor zwei Jahren geändert. Ich habe meine Kinder im Moment noch jedes 2. Wochenende und die Hälfte der Ferien. Ich möchte ebenfalls das paritäte Elternmodel. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich finde es allerdings interessant, das es ein scheinbar häufiges Muster ist, das sich in einer Familie ergibt. Es scheint mir, als ob sich beide Elternteile nicht gesehen oder Wertgeschätzt fühlen. Aber ich glaube auch, dass das zu kurz greift und zu einfach ist. Ich würde mich gerne mit Euch unterhalten, wenn denn jemand Lust hat. Einfach zum „Erfahrungsaustausch“.

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    1. anni schreibt:

      Schau mal meine Antwort auf Boris Beitrag oben. Mich würde interessieren, warum du so warst? Nur körperlich anwesend? Eingesperrt gefühlt? Als 4. Kind gesehen?

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      1. Hallo Anni, ich habe mir Boris als auch deinen Beitrag durchgelesen und ich denke, das Boris hier ein paar Dinge so sieht, wie ich es auch tue. Für mich war der „Deal“: Du bleibst zuhause, ich gehe arbeiten. Für mich ist die Kinderbetreuung ein Job, den ich in keinster Weise unterschätze. Meine Ex-Frau war scheibar ebenfalls öfter überfordert. Ich habe immer versucht ihr unter die Arme zu greifen. Allerdings hatte ich das Gefühl, ihr nichts recht machen zu können. Unterm Strich, denke ich, liegt es an beidseitiger mangelhafter Kommunikation. Das du deinen Mann dazu Verdonnerst, bei seiner Tochter zu schlafen, ist zwar aus praktischer Sicht verständlich, aber ich glaube auch nicht Zielführend.

        Ich für meinen Teil habe mich immer weiter aus dem aktiven Familienleben verabschiedet und war froh, wenn ich mich nicht mit meiner Frau auseinander setzen musste. Ein Beispiel: Mein Gedächtnis ist im besten Fall sub-optimal. Ich habe oft etwas vergessen, was mir als Absicht unterstellt wurde. Auf der anderen Seite wurde ich aber von ihr auch ständig erinnert, eben weil sie Angst hatte, ich würde etwas vergessen. Seit dem ich wieder alleine bin, ist mein Gedächtnis deutlich besser geworden, einfach weil es sein muss und keiner mehr da ist, der mich ständig erinnert. Es ist da einfach das Training.

        Was deinen Mann angeht… ich kann dazu wenig sagen. Ich habe selten etwas für mich alleine gemacht, schon vor den Kindern nicht. Wenn ich dann mal etwas machen wollte, gab es eine menge Reiberreien. Auf der anderen Seite habe ich immer, ohne zu murren, zugesehen, das sie ihre Freiräume bekam, wenn sie sie wollte. Aber das ist meine eigene, subjektive Sicht.

        Was könnte man hier machen? Wenn beide Seiten willens sind, sich um das Kind zu kümmern, fairer Weise würde ich hier 2/3 die Mutter, bzw. dem Elternteil das Zuhause ist, in der Verantwortung sehen. Die restliche Zeit muss dann aber auch Komplett auf dem anderen Vater, bzw. Elternteil liegen. Wir Männer machen Dinge nun einmal anders. Aus Erfahrung weiß ich, das dies dann von den Damen Kritisiert wird: Warum hast du das nicht so oder so gemacht, etc. Wir haben keine Chance, unsere Kinder wirklich kennen zu lernen, weil wir ständig unter den Argusaugen der Mutter stehen, der wir es in diesem Fall auch nicht recht machen können. Und auch hier: meine subjektive Sicht.

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      2. Alexander (ein Mann und Vater) schreibt:

        Hallo Marco,

        ganz meine Meinung und ich hatte es weiter oben auch geschrieben: Kinder gehören nicht der Mutter! An die Frauen, lasst es die Männer so machen wie sie es für richtig halten, ihre Meinung ist exakt genau so viel wert wie die eure wenn es um die Kinder geht!

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  5. Julia schreibt:

    Versteh einer die Männer… Habe ich nie. Bis ich auf diese Seite gestoßen bin (http://christian-sander.net/index.php/gluecklich-sein/beziehung-aufbauen). Am Anfang nur: Häh, echt jetzt?! Aber nachdem ich alle Artikel gelesen habe und sogar dieses E-Book gekauft habe, hatte ich die Erleuchtung. Getestet und es „funktioniert“. Bzw. ich versteh jetzt meinen Mann und auch meine Ex-Freunde endlich.
    Fazit: Lieber eher trennen, bzw. Beziehungspause, als erst wenn es viel, viel, viel, viel zu spät ist. Denn nur diese echt Konsequenz (nicht nur meckern, reden, streiten, reden, diskutieren) lässt die Männer ihre Frau und ihre Kinder wieder vermissen. Die Liebe spüren. Na ja, ich kann das jetzt nicht so gut beschreiben. Schau euch mal die Seite an. Hat mir extrem geholfen!

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    1. Alexander (ein Mann und Vater) schreibt:

      Hallo Julia,

      und was ist mit den Männern die nach der Trennungszeit (bewusst getrennter Urlaub) die Frau freudig zu Hause erwarten und nach nur 20 Stunden wiedersehensfreude seinerseits fängt SIE wieder mit „meckern, reden, streiten, reden, diskutieren“ an!?

      Schiebt nicht immer alles auf die Männer!!!

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  6. […] Susanne Mierau schreibt so liebe voll über ihren Mann als den „erfahrenen Vater an ihrer Seite“, und darum beneide ich sie unendlich. Mein Mann konnte sich nie so recht zu dem Status „erfahrener Vater“ durchringen, er hat sich immer eher im Status „huch, ich hab Kinder, wie ulkig!“ gehalten. Sich an den Kindern zu orientieren, an ihrem Rhythmus und Bedürfnissen, fand er eher spießig. Frauen im Bekanntenkreis waren dann cool, wenn man ihnen „gar nicht anmerkt, dass sie Mütter sind“. Es wurde viel darüber lamentiert, was man alles verpasst, jetzt wo man Kinder hat, welchen Urlaub man nun nicht mehr machen kann, welche Festivals man nicht besuchen kann und welche Autos man nun fahren muss. Das Spiel um Platz 3 der WM 2006 fand in Stuttgart statt, das legendäre Sommermärchen. Auf unserem Balkon haben wir die Jubelschreie aus dem Stadion gehört, beim public viewing auf dem Schlossplatz waren Millionen Menschen. Und ich habe mir den ganzen Abend angehört, dass wir das wegen unserer Kinder verpasst haben, „die ganze Welt schaut auf Stuttgart und wir hocken zu Hause!“. Ja, denn K1 war 16 Monate alt und ich war im 5. Monat schwanger und hatte den Ischias eingeklemmt, weshalb ich das Kleinkind nicht schmerzfrei alleine ins Bett bringen konnte, sorry! Hätte es vor 6 Jahren den Begriff Regrettingfatherhood schon gegeben, er wäre das beste Beispiel g… […]

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    1. anni schreibt:

      Schau mal meine Antwort auf Boris Beitrag oben. Genauso wie du deinen Mann beschreibst, ist meiner auch: dass man nicht mehr dauernd essen gehen kann, dass man nicht in Ruhe essen kann sondern dauernd was machen muss, dass man nicht mehr bis 12 schlafen kann…

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  7. Alexander (ein Mann und Vater) schreibt:

    >Jetzt geht’s los, der erste Artikel zu #regrettingfatherhood ist erschienen. Erst hab ich gedacht, ich >muss weg, ich kann das nicht lesen. Hab’s dann doch gelesen und mein Verdacht wurde bestätigt: >die doofen Kinder halten einen vom echten, wahren, rauschenden Leben ab.

    …dazu wollte ich noch gesagt haben: das steht so nicht in dem Artikel! Dieser beleuchtet gut die Gründe wieso Mann in der Doppelrolle zwischen „geh Arbeiten, biete uns das Haus im Grünen“ und „wechsel die Windeln und wisch das Erbrochene weg“ auch GENAU WIE VIELE Frauen nun auch langsam überfordert sind. Da steht auch gut das es vor allem junge Eltern sind die die Mutter/Vater Rolle bereuen wenn sie sich noch nicht genügend hatten austoben können. Und noch viele andere sehr valide und durch Studien belegte Punkt. Zum Artikel der das ganze ausgelöst hat, von mir ein dickes „Daumen hoch!“

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  8. Alexander (ein Mann und Vater) schreibt:

    Ich als Mann habe mich von dem Artikel angegriffen gefühlt. Auch wenn es in meiner Ehe ganz anders läuft. Aber er ist einseitig und der Mann bekommt keine Möglichkeit seine Sicht der Dinge zu schildern, gar sich gegen die Angriffe zu verteidigen. Das aber nur zum Einstieg, ich möchte schildern wie es bei uns läuft und welche Beobachtungen ich zu Vätern gemacht habe die lieber einen A8 als einen Pampersbomber haben wollen.

    Ich bin mit meiner Frau in wenigen Tagen 11 Jahre lang verheiratet. Geheiratet haben wir um gezielt (und mit medizinischer Hilfe) Kinder bekommen zu können. Hier stand also von Anfang an eine GEMEINSAME Entscheidung kinder haben zu wollen UND auch wie diese dann zusammen versorgt werden sollen. Wir haben sicher nicht im Vorfeld geklärt wer an welchem Tag das Kind abholen muss, aber es war klar wie es grob laufen sollte. Meine Frau wollte jeweils ein Jahr mit den Kindern zu Hause bleiben und danach wieder Vollzeit arbeiten gehen können. Anfangs stand noch mein Wunsch auch ein halbes Jahr zu Hause bleiben zu dürfen, aber mir wurde anfangs die Kompetenz abgesprochen für ein Kleinstkind angemessen sorgen zu können. Diesen Konflikt habe ich dann nicht dadurch gelöst das ich einfach meine Frau vor die Tür gesetzt habe, sondern ich habe mich mehrfach deutlich bei Ihr beschwert wie sie mich diskrimininert, ihr klar gemacht das meine Meinung was das Kind essen, anziehen oder spielen soll exakt so viel wert ist wie ihre und dann habe ich (lange) auf eine Einsicht gewartet die dann aber auch nach und nach kam. Heute sind unsere Kinder 7 und 10, wir arbeiten beide Vollzeit, sie als Ärztin, ich als Software Berater. Die Kinder wurden in Kindergrippe/Kindergarten und Schulhort immer bestens betreut (ca. von 8-16 Uhr) und hatten dort das „Dorf“ um sich was es redensartlich braucht um Kinder aufzuziehen. Was sie dort lernen in der Gemeinschaft könnten wir ihnen allein zu Hause nie bieten. Die Hausarbeit wird ca. 40/60 geteilt, ich koche und sie mäht auch mal den Rasen. Sie macht etwas mehr für die Familie, ich habe dafür 11 Jahre lang etwas mehr Geld nach Hause gebracht was es ermöglicht hat viele Arbeiten an Handwerker auszulagern was wiederum dem Zeitbuddget für die ganze Familie zugute kam. Und das ist für mich der Normalzustand. So erlebe ich (im Osten) die Ehen unserer Freunde. Nicht alle sind Akademiker aber das Muster ist überall ähnlich. Aber ich kenne auch den A8 (ok, es ist eine Mercedes E Klasse) Fahrer. Mit Ende 39 noch ungebunden, denn jedes mal wenn eine Frau ihn in einer Beziehung nach Kindern fragt ist er weg. Seine größte Angst ist es, dass die Frau in einer Beziehung mit ihm, ihm einfach das Kind vor die Nase setzt und er damit irgendwie auskommen muss. So wie er es von seinen Kollegen aus dem westlichen Teil der Republik kennt und so wie es schon zwei seiner Ex Beziehungen mit seinen Nachfolgern gemacht haben…

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      Vielen Dank für Deinen Beitrag und für Deine Gedanken.
      Das hier ist mein persönlicher Blog, kein Forum, in dem ich meine Ehe / Trennung zur Diskusssion stelle unter Einbeziehung aller Beteiligten. Deshalb erscheinen hier meine Texte und Eure Kommentare dazu, nicht mehr und nicht weniger.
      Mein Exmann und ich haben uns ebenfalls gemeinsam und aus freien Stück für die Kinder entschieden, ich habe dem Mann nicht die Kinder „vor die Nase gesetzt“.
      Es ist gut, daß Ihr es nach Diskussionen geschafft habt, Euch die Familien-/Erwerbsarbeit zu teilen, bei uns hat das leider nicht geklappt, aus genannten Gründen.

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      1. Alexander (ein Mann und Vater) schreibt:

        Ich hatte den Artikel auf Huffington Post gelesen, da hat er dann schon eine Reichweite wie in einer Tageszeitung und war damit dann doch mehr als nur eine private Erzählung und ging schon arg weit in Richtung „Männerkritik“…

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  9. Danke für den Einblick in deine Geschichte und schön, dass du offenbar schon ein wenig (Galgen-)Humor dazu entwickelt hast.
    Zu dem ganzen Thema #regrettingfatherhood und motherhood habe ich auch eine provokante Meinung. Wären diese Väter und Mütter nicht wegen der Kinder unzufrieden, würden sie einen anderen Grund finden, warum ihr Leben nicht perfekt ist.
    Jammern ist immer der einfache Weg, aber an seinem Märchenschloss muss man im realen Leben nunmal selber bauen.
    Liebe Grüße
    Judith

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  10. Ohje, noch ein Heulartikel von einer Frau die den Falschen geheiratet und zum Vater ihrer Kinder gemacht hat? Es gibt auch Männer die gute Väter wären, aber so ein Typ Mann wird von Frauen ja gerne links liegen gelassen. Aus evolutionärer Sicht hat der Vater nichts falsch gemacht, im Gegenteil.

    Von daher: kein Mitleid für selbstgemachte Leiden.

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      Ich habe jemanden zum Vater meiner Kinder gemacht? Nee, wir haben die Kinder bei vollem Bewusstsein zusammen gemacht. Links von mir lag auch in dem Moment kein besserer, blöd!

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  11. Tobias schreibt:

    Mich würde interessieren, in welcher Form dein Ex-Mann sich in die Familie einbringen wollte, bevor das Kind geboren wurde. War er mit 50/50 oder zumindest einer aktiven Beteiligung einverstanden oder hat er auch schon vorher klar gemacht, dass seine Karriere für ihn an erster Stelle stehen wird und die Familie lediglich ein nettes Beiwerk ist?

    Die Aufgaben- und Rollenverteilung sollte vor der Geburt des Kindes ausführlich besprochen und ausgehandelt werden. Wenn Frau schon vorher weiß, dass ihr Mann sich nicht aktiv einbringen wird, kann sie sich auch vorher entscheiden, ob sie auf Kinder verzichtet, den Hauptteil der Erziehung leistet oder sich lieber einen anderen Mann sucht. Natürlich kann es auch anders kommen als vorher geplant, aber wenn beide wirklich 50/50 wollen, wird es genug Gespräche geben, wie man das überhaupt organisiert (Stillen, Elternzeit, Wer bleibt wann zuhause wenn das Kind krank ist…) und dann weiß Frau zumindest, dass ihr Partner es ernst meint. Wenn man erst anfängt, die Aufgabenverteilung zu diskutieren wenn das Kind da ist, ist es schon viel zu spät.

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      So gründlich, wie Du es vorschlägst, haben wir das vorher nicht besprochen und ausgehandelt, die Gründe möchte ich hier jetzt nicht aufführen. Aber möglicherweise war dies mit eine der Ursachen dafür, dass es nicht geklappt hat.

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  12. […] 5. Ich bin unzufrieden, obwohl mein Mann mir hilft. In dem Artikel zeigt die Autorin auf, welche Konsequenzen es nach sich ziehen kann, wenn es innerhalb der Familie mit eigenen Kindern ein Fehlverhältnis in Sachen Familienarbeit gibt: “Die Frau kümmert sich neben ihrem eigenen Job um Kinder und Haushalt, während der Mann leider aufgrund seiner Jobsituation nur wenig helfen kann.” Dabei geht es auch darum, dass die Aussage “der Mann hilft im Haushalt” von vornherein problematisch zu betrachten ist, denn die Aussage “Die Frau hilft im Haushalt” hört man nur recht selten. Dieser Text bezieht sich übrigens auf diesen Artikel: Regrettingfatherhood: Ich nehme meinen Mann ernst, darum habe ich ihn verlassen. […]

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  13. teppchen schreibt:

    Ein guter Artikel! Mein Lieblingsspruch war immer: „Ich hab auf der Arbeit genug Probleme, ich will wenigstens Zuhause nichts davon hören.“ So kann man sich auch aus der Verantwortung ziehen. Und wenn ich dann mal eingefordert habe, dass Mann mir auch mal zuhört und es in meinem/unserem Leben und dem unserer Kinder nun auch mal unschöne Dinge gibt, die ich nicht alleine ausfechten wollte, hieß es: „Stell dich nicht so an, ich muss mich auch den ganzen Tag beweisen.“…Was soll man dazu noch sagen? Dann kann man auch gleich alles alleine machen. Aber dann brauche ich nicht noch jemandem, vor dem ich die Entscheidungen, die ich dann gefällt habe, auch noch rechtfertigen muss.

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  14. Vater_sein-dagegen_sehr... schreibt:

    Nun muss ich doch einmal nachschreiben. Meine Frau ruiniert nicht unser Familienleben. Sie hat bestimmte Bedürfnisse, ich habe bestimmte Bedürfnisse und unser Sohn hat die seinen. Familie ist ein Abenteuer, bei dem hinterher, wenn man sich ernsthaft darauf einlässt, nichts mehr so ist, wie vorher.

    Was die Zwänge der Karriere angeht – hm – auch das halte ich für eine Frage der eigenen Souveränität und Kongruenz. Was ist mir michtig, was sind meine/unsere Prioritäten. Erfüllt der Arbeitgeber diese oder ist es Zeit sich einen neuen zu suchen. Wir – in dem Fall meine ich uns Männer – tun allzuoft so, als wäreder Job, die Karriere eine Einbahnstrasse. Als wolltennur wir etwas von unseren Arbeitgeber*innen. Das mag in einzelnen Fällen so sein – ich habe durchaus für Irritationen gesorgt, als ich bzgl.eines auf 17.00 Uhr angesetzten Team-Meetings erklärt habe, dassich gern komme,dann aber meinen 1,6 Jahre alten Sohn mitbrächte. Wohlgemerkt,ich habe nicht um Erlaubnis gefragt, ich meine Bedingung in den Raum gestellt und oh wunder, es war kein Problem. Ich habe daran gelernt, dass es hilfreich sein kann, mich darauf zu besinnen, dass mein Arbeitgeber auch etwas von mir will. Ich finde, es geht nicht darum, herauszufinden, wer mehe Anspruch hat, Opfer sein zu dürfen. Sondern nicht mehr nur zu reagieren, weil die Bedingungen ja so schlecht sind. Es geht darum (wieder) Gestalter*in der eigenen Lebens-/Familienwirklichkeit zu werden. Das wiederum kann nur funktionieren, wenn wir nicht permanent auf die Defizite des/der Anderen schauen, sondern uns unseren eigenen (vermeintlichen) Zwängen stellen,um sie zu überwinden – wo es geht.

    Ich habe lange daran gekrankt, der Ernährer der Familie sein zu müssen, zumindest war das ein Imperativ, den ich mit mir rumgeschleppt hab (meine Erziehung und der Vergleich mit anderen meines Alters,in meinemFreundeskreis). Irgendwann ist mir das bewusst geworden und ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen. Dann wurde klar, dass das nicht ihre Anforderung an mich ist und das wir das zusammen schon hinbekommen,auch wenn wir ggf.mal weniger haben.

    Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitert meiner Meinung nicht daran, dass es unmöglich ist, sondern daran, dass wir unter den Lebensbedingungen und Möglichkeiten unserer Gesellschaft immer noch in überalteten Rollenklischees festhängen und dass wenn das eine auf das andere trifft, etwas bricht. Das ist dann oft die Familie. Wenn ich mir die statistischen Zahlen von Selbstmorversuchen und Gewalttaten von Männern anschauen, das gesellshaftlich tabuisierte selbstverletzende Verhalten von jungen und die Tatsache, dass die Gemeinsamkeit sexueller Übergriffe, egal ob in Köln, bei den Regensburger Domspatzen oder Zwangsprostitution fast immer ausschliesslich eine ormvon Männlichkeit ist, wird klar, woran wir (Männer) dringend arbeiten sollten.

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  15. *seuftz* Zum Glück sind nicht alle Mütter und Väter so stringent (dämlich) wie die Autorin. Dann hätten wir viel weniger Familien:

    Das Leben mit Kind ist eine krasse Umstellung. Eine Umstellung ist immer ein Prozess. Und wenn es Missstände gibt und jemand unverhältnismäßig viele Aufgaben hat, muss derjenige sie krachen lassen. Denn so lange die Aufgaben brav erledigt werden, stört den Chef / Partner das gemecker wenig. Erst wenns nicht mehr läuft, wird das Problem wahrgenommen und aktiv an einer Lösung gearbeitet.

    Wir Väter haben ein Rollenproblem: Auf der einen seite sind wir noch immer in der Rolle des Ernährers. Wir können zwar inzwischen Babyurlaub nehmen – und davon machen wir regen Gebrauch – aber wir sind und bleiben in der monetären Realität und in der Erwartungshaltung der meisten Frauen die Hauptverdiener. Wir haben den rollengerechten Anspruch, im Job immer 110% zu Leisten und die Karriereleiter rauf zu müssen. Dazu kommt, dass wir grandiose moderne Papis sein wollen: Immer mit auf dem Klettergerüst, wir schminken uns mit unseren Töchtern und Söhnen, kümmern uns mit um die Schulaufgaben und tauschen uns mit anderen Eltern aus. Das Problem: Mann kann nicht beide Rollen in der Form erfüllen, wie es die Rollenprototypen vorsehen.

    Fragt man uns, was wichtiger sei, Job oder Familie, antworten wir wahrheitsgemäß: Die Familie. Nur wir handeln oft nicht danach.

    Denn wenn wir auf der einen Seite den/die uns fremde(n) Chef(in) haben, vor der/dem wir uns beweisen müssen, um als Performer gesehen zu werden, um mehr Gehalt zu bekommen, um den Traum vom Eigenheim erfüllen zu können und auf der anderen Seite die uns liebende Mutter, die meckert aber zu uns hält… Dann lassen wir es lieber dort krachen, wo wir mehr Mitgefühl und Verständnis erwarten. Dass es bedeutet, eben das nicht zu tun, wenn einem die Familie wichtiger ist, ist eine Lektion, die gar nicht leicht zu lernen ist. Meist erst durch einen handfesten Streit oder eine drohende Trennung. Man reagiert immer da, wo der Druck am größten ist. Damit der Druck in der Familie dem gefühlten Druck im Job ebenbürtig wird, muss einiges passieren. Erst dann wächst ein Verständnis dafür, dass die Rolle des Karrieremenschen oft nicht mit Familie vereinbar ist: Dass man Abstriche machen muss. Erst wenn man das Lebt, erkennt man, wie und dass Abstriche möglich sind. Dass Mann das Leben und das selbstverständnis der eigenen Rolle aber tatsächlich ganz anders aufbauen muss, als gedacht. Frauen haben es hier leicht: Manche Männer erwarten, dass die Partnerin arbeitet. Dass sie die Familie zu gleichen teilen trägt, erwartet fast kein Mann. Dass sie die Hauptverdienerin ist, ist nicht Normalität, sondern unwahrscheinlicher Ausnahme(glücks)fall und eine in vieler Frauen Augen komische Familienkonstruktion. Dann wird ein Mann „ausgehalten“. Wir erleben in Familien ein Rollenproblem: Wir müssen in unseren Beziehungen die neuen Rollen entwerfen, ausgestalten, zusammenstreiten und gemeinsam entwickeln. Ein „du ziehst nicht mit und ich bin raus“ ist da keine passende Antwort.

    Liebe Grüße
    Boris

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    1. anni schreibt:

      Genau so ist mein Mann auch. Unsere Tochter ist 2,5. das erste Jahr hab ich mich hauptsächlich um sie gekümmert. Sie ging um 6 ins Bett, er kam um 7 heim…solange bis ich nicht mehr konnte, da sie sehr schwierig war als Baby. Ich habe um Hilfe gebettelt, monatelang, aber ich war immer alleine zuständig. Sie hat ihn so selten gesehen, dass er sie dann am Wochenende gar nicht mehr halten durfte und ich somit auch wieder zuständig war. Mein betteln war für meinen Mann nervig und einschrÄnkend. Ich hab ihm ja dauernd angerufen und geweint. Ich wollte ja bestimmen, wann er von der Arbeit heim kommt. Dass ich nur Hilfe brauchte, hat er nicht verstanden. Nach einem Jahr Tag und Nacht zuständig (nachts monatelang halbstündlich bis stündlich gestillt) könnte ich nicht mehr. Ich hab gedroht abzuhauen, wenn er sich nicht kümmern würde. Er hat sich 2 Monate elternzeit genommen und hat gedacht danach wäre dann alles gut. Aber dann hat der Streit angefangen, weil ich ihn quasi gezwungen habe Aufgaben zu übernehmen – allem voran: bei ihr zu schlafen. Damit ich mal wieder schlafen konnte, und das hat sogar funktioniert. Sie fing an durchzuschlafen, aber nurbwenn mein Mann dabei liegt und ich nicht. Auch heute noch. JedenFalls, wir sind am Dauerstreiten, da er sich eingeschränkt fühlt, weil er mit ihr im Familienbett schlafen MUSS (sagt er immer), weil er nicht dreimal die Woche zum Fußball kann, weil er abends nächster Arbeit bei der Hausarbeit helfen muss, anstatt fernzusehen, weil er nicht mehrere Wochenenden im Jahr wegfahren kann wie früher, weil ich ihn manchmal abends noch rufe, wenn wir beim ins Bett bringen noch was brauchen (hinlegen mache immer ich), weil ich rummotze, wenn er dauernd länger arbeiten „muss“, weil wir uns absprechen müssen, wenn wir Termine machen/haben (ich arbeite auch wieder), weil er nicht mit seinen Single Kollegen mithalten kann, aber will. Aber wenn ich ihn frage, was ihm wichtiger ist, Familie oder Arbeit, sagt er immer Familie, aber er handelt immer anders, er versetzt mich lieber, als zu sagen, dass er nicht kurzfristig länger arbeiten kann. Wenn.ich frage was ihm wichtiger ist, sein Kind oder Freizeit, antwortet er immer das Kind, aber er beschwert sich täglich über zu wenig Freizeit. Was soll das???? Bitte erkläre es mir. Mein Mann kann es nicht. Für uns Frauen ändert sich auch alles, wir verzichten auch auf Geld, Karriere, Freizeit und sogar unsere eigenen Körper. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, einfach länger zu arbeiten und mein Kind zu versetzen. Nein sagen hilft wahre Wunder….ich hab dafür kein Verständnis mehr. Und ehrlich gesagt, ich kann die Trennung der Autorin verstehen.

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      1. Alexander (ein Mann und Vater) schreibt:

        @Anni

        meine Beobachtung ist, dass Männer sich so verhalten wenn sie unfreiwillig in die Vaterrolle gedrängt werden. Ich schrieb dazu auch weiter oben schon etwas. Ich weiß nun nicht wie das bei euch lief, aber ich sehe einen sehr deutlichen Unterschied bei Familien die sich gezielt auf gemeinsame Kinder einlassen und Männern die entweder von der Frau das Kind vor die Nase gesetzte bekommen (sie verhütet nach 2 Jahren einfach nicht mehr und er muss die Konsequenzen – Kind oder Trennung – gezwungen mittragen) oder die quasi erpresst werden Vater zu werden. Wenn sie ein Kind möchte, er aber nur die Beziehung retten und daher ihr zuliebe bei der Zeugung hilft ist das etwas ganz anderes als wenn er weiß worauf er sich einlässt und „Ja“ dazu sagt.

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  16. Abrakadabra schreibt:

    Sehr unterhaltsam, Ich kenn da eine Mutter, die kann das aber auch gut (Das Familienleben ruinieren) und die gleichzeitig alle Qualitäten missachtet die hier so wehement gefördert werden… Angeblich hat Mann da nicht genug Ambitionen , das Auto ist nicht Prestigeträchtig genug, die Mietwohnung ist scheiße…. Es wär lustig, wenn’s sich nicht so scheiße anfühlte…

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  17. Vater_sein-dagegen_sehr... schreibt:

    Gut und berechtigt, Dein Artikel. Wir führen viele der Diskussionen zu Hause auch immer wieder. Da git es ganz unterschiedliche Aspekte und wenig schwarz/weisses. Meine Frau arbeitet weniger Stunden (30 – hat sie schon bevor wir uns kannten),ich habe meistens so um die 40 h.Die Begeisterung meiner Frau für ihren Job ist geringer als meine für meinen. Da entsteht eine erste Baustelle. Der Fokus meiner Frau liegt mehr auf Familie, auch als Ausgleich für den Stress bei der Arbeit. Gleichzeitig hat sie einen hoen Anspruch, wie wir das Kind fördern müsstenoder es zu wenig tun oder oder oder… mein Anspruch ist entspannter. Ich mute meinem Sohn Langeweile zu oder binde ihn in das ein was ich tue. Was die Hausarbeit angeht gibt es ein Ungleichgewicht – natürlich auch dadurch, dass meine Frau kürzer arbeitet. Oft höre ich dann, sie müsse immer,…ich würde nie. Ich finde das unfair. Wir machen viel gemeinsam,ich wasche fast immer ab….Und jetzt kommen wir an die eigentliche Baustelle. Meine Frau koch kreativ und gut, also kocht sie meistens. Im Laufe der Zeit ist mein Kocheinsatz weniger geworden – warum? Ich glaube,weil ich nicht unkommentiert kochen konnte. Müsste da nicht noch… – Also ich würde… Da ist jetzt aber viel… Das hat mir die Lust genommen. Kann sie mich nicht einfah machen lassen? Ähnliches passiert bei der Kinderbetreung, dem Umgang mit unserem Sohn. Ich kümmere mich und schwupps steht sie daneben und sagt, was ich anders/besser machen soll. Zieh ich ihm eine Hose an,wäre eine andere besser und erst, wenn ich begründet habe,warum es diese Hose sein soll, darf ich sie auch verwenden. Ich erinnere mich an die ersten Male,als meine Frau dienstlich ein paar Tage unterwegs war. Das Vertrauen, dass ich das alleine schaffe, war eher gering. Dabei gab es vorher nichts,was ich nicht gemacht habe, die großen Windelunfälle waren eher mein Problem und die ersten Wochen nach der Geburt, war ich – abgesehen vom Stillen, Alleinversorger (krankheitsbedingt) unseres Sohnes. Nebeneinander steht also das, was von mir als Mann erwartet wird und das, was mirnicht zugetraut wird. Ich bin übrigens derjenige, der sich um Kitaplätze,Termine, Papierkram, Ämter usw. kümmert und derenige, der allein die Bohrmaschine (meiner Mutter) bedienen soll. Als Handwerker darf ich also wieder allein rumturnen. Worauf will ich hinaus? Mir geht es darum, dass die Problemmengegelage kopmplexer ist als es auf den ersten Blick scheinen mag. Da treffen Erwartungshaltungen, von Partner*innen, Familie und geselschaftliche Anforderungen aufeinander. Welches Rollenverhalten habe ich gelernt? Kenne ich meine Imperative? Was leitet mich, was sind meine Ängste? Was davon sehe ich und kann es reflektieren und ändern? Wir reden hier über nichts weniger als die Emanzipation der Männer von einem traditionellen und inzwischen retradierten Rollenbild, das uns mehr einengt und wegnimmt, als es uns als „Machthaber“ in den gesellschaftlichen Strukturen gibt.In Gesprächen mit Vätern erlebe ich immer wieder diese Hilflosigkeit ggü.der Situation zu Hause. Dort geht es dann nämlich zumeist schon nicht mehr um die Möglichkeit der gemeinsamen Reflexion, sondern um die Beziehungsebene. Du tust nichts…/ich muss immer alles…/Du verstehst mich nicht… – Vielleicht bedeutet Väterarbeit Räume zu schaffen in denen Männer sich austauschen können, lernen können und damit dann auch in die Familie zurückgehen. Das braucht Zeit, die im Alltag manchmal einfach nicht da ist.

    Vor ein paar Tagen, hatte ich ein Gespräch mit einem Pensionär. Es ging um ein Stelle,die mir angeboten worden war und die Überlegung, diese anzunehmen oder nicht. Eine Karrierefrage und die nach dem Geld, dass wir egentlich gut gebrauchen könnten. Dieser ältere Freund sagte mir, dasser sich nach seiner Pensionierung irgendwann seinen Sohn um Entschuldigung gebeten habe, dass er zu wenig Zeit für ihn hatte und dass er das sehr bereut.

    Mir ist wichtig, dass klar ist, ich will hier nicht die Situation der Mütter herabreden, das Problem dass Mütter in Beziehungen haben kleiner machen. Mir geht es darum, zu verstehen, was da tatsächlich, soziostrukturell passiert und an welchen Bedingungen etwas geändert werden muss.

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    1. 50/50 schreibt:

      Hammer. Jetzt kommen wir ins Gespräch. Leute: Ich bin sehr dankbar für diese Plattform des Dialogs.

      Mal gucken, wie sich das hier weiter entwickelt. Ich freu mir gerade nen Keks über diese Offenheit und Klarheit.

      Vielleicht ist das ja ne echte Alternative zu Streit oder Schweigen in den eigenen vier Wänden?

      Ein Kind braucht ein Dorf. Vielleicht trifft ähnliches auch auf eine vitale Beziehung/Familie zu.

      Jetzt muss ich erstmal sortieren und setzen lassen, was ihr hier sorgfältig und ruhig dargelegt habt. Das geht im Beziehungsalltag leider nicht immer 😉 ihr wisst, was ich meine.

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      1. Mucki_Mama schreibt:

        @Vater_sein-dagegen_sehr…
        Danke für deine ausführlichen Gedanken & Gefühle! Unsere Beziehung ist gut und intakt und ich kann meinem Mann eigentlich nicht vorwerfen, dass er sich um die Familie nicht kümmert – und doch haben wir immer wieder Diskussionen um die Gestaltung unseres noch relativ frischen Lebens mit Kind….
        Einige Punkte, die du beschreibst würde er glaub ich sofort unterschreiben! 😉
        Ich werde versuchen es mir zu Herzen zu nehmen! Danke! 😇

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      Was denn genau? Dass man nicht Opfer der Verhältnisse ist, sondern selber die gesellschaftlichen Verhältnisse gestalten und verändern kann? Oder welchen Aspekt meinst Du?

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      1. Jenny schreibt:

        Gab es in dir auch für die bedauernden Mütter diese Häme, die du über die bedauernden Väter ganz zu Anfang ausschüttest? Das konkret meine ich.

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      2. mutterseele.sonnenschein schreibt:

        Nein, denn mit diesen Müttern habe ich keine gemeinsamen Kinder. Mein Text handelt von meinem persönlichen Erleben mit dem Mann, mit dem ich Kinder bekommen habe. Mit dem ich aber keine gemeinsame Elternschaft entwickeln konnte aus genannten Gründen.

        Wenn Frauen ihre Mutterschaft bedauern, tut mir das für sie sehr leid. Ich kenne allerdings persönlich keine.

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  18. A. Nonymous schreibt:

    Es gibt da einen schönen Spruch:

    In einer Ehe erwarten Männer, daß sich die Frau nicht ändert und sie tut es doch und die Frau erwartet, daß der Mann sich ändern und er tut es nicht.

    (oder so ähnlich, ich finde das Zitat gerade nicht).

    Du hast einen Mann geheiratet der einen A8 fährt und sein Leben in Beruf und Erfolg sieht. Was hast Du erwartet das er tut wenn Du ein Kind bekommst?
    Wenn Du ein Mann willst der sich um die Kinder kümmert, hättest Du einen heiraten müssen, dem sein Privatleben wichtiger ist als Geld, Erfolg und Beruf. Die gibt es, aber so einen wolltest Du ja nicht.

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      Nicht ich habe das Kind bekommen: WIR haben das Kind bekommen. Und dass Audi fahren und Familienleben sich ausschließen, habe ich wirklich nicht gewusst, das war ich wohl echt naiv.

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      1. supersansa schreibt:

        Die Frage ist: warum habt IHR das Kind bekommen – wenn der Typ Dir zuliebe von Vornherein nur widerwillig mitgezogen hat, war kein 50:50 zu erwarten. Aber wenn er vorher den „Au ja, wir machen das!“-Möchtegernpapi gegeben hat und dann die berühmte Verhaltensstarre an den Tag gelegt hat, hätte ich mich an Deiner Stelle auch ordentlich ver… gefühlt.
        (Ich kenne einige Paare, wo die Frau das Kind wollte und der Mann dann ihr zuliebe mitgemacht hat; wenn das allen klar ist und die Frau damit leben kann, dass die Kinder in erster Linie ihr Job sind, kann das durchaus funktionieren.)

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  19. 50/50 schreibt:

    VORSICHT, HIER SCHREIBT EIN MANN

    Schade, dass 50/50 einfach nicht machbar scheint und dann nach einer Trennung wechselseitig abgerantet wird. Unsere Gesellschaft ist auf Makroebene im Eimer. Ob Matri oder Patri, ich will das alles nicht. Kenne es genau andersrum und obendrein als Patchworkpapi. Das hat mich 10 Jahre, meine eigene Familienplanung und die erste Karriere gekostet. Alles für ungut, es ist vorbei und abgehakt.

    Mal ganz ehrlich – viele von uns wissen doch (aus einer Scheidungs- oder Trennungsfamilie heraus) garnicht, was Ihre Rollen sind. Geschweige denn, wie man sie neu verhandeln könnte. Im Endeffekt wird man gezwungen, sich zwischen Karriere und Familie zu entscheiden oder ordentlich Federn zu lassen und früher oder später quasi zwangsläufig auf einer oder beiden Fronten mehr oder weniger zu scheitern. Der Artikel oben liest sich, als ob Mami und Papi wirtschaftlich ziemlich gut dastehen. Wenn sowas wie Fitnessclub noch drin ist und man noch bloggen kann, wenn der Hauptverdiener weg ist …
    Wie auch immer … ohne Neid bleibt da nur dieses Gefühl, dass es nirgendwp mehr so richtig klappt. Auch wenn die Kohle stimmt.

    Was mich sehr freuen und befrieden würde:

    Wie können wir ab hier ressourcenorientiert wirken? Wie können wir unseren Kindern und Kindern in unserem Umfeld aus dieser Situation heraus solche Erfahrungen ersparen? Oder zumindest mit positiven Familienvisionen gegensteuern? Nachwievor wünsche ich mir persönlich dringend Familienleben. Nur auf garkeinen Fall mehr ohne ein 50/50 Gefühl im Rücken und mit geöffneter Exceltabelle plus Ausheulen über das böse andere Geschlecht im Netz nach dem Crash. Ohne Alternativenentwicklung. Da bleibe ich lieber Single, auch wenn das bitter ist.

    Das muss doch auch anders gehen? Freue mich über Feedback und Ideen/Beispiele.

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      Vielen Dank für Deine Anregungen. Du bist herzlich eingeladen, auch die anderen Beiträge auf meinem Blog zu lesen. Da wirst Du meine Ideen zu positiven Familienvisionen und erfülltem Berufsleben finden. Übrigens auch, dass Fitnesstudio bei mir nicht drin ist und natürlich habe ich Zeit fürs Bloggen, ich guck ja kein Dschungelcamp mangels Privat-Internet-TV 😉

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      1. 50/50 schreibt:

        Schön wenn wir anfangen, in Dialog zu treten anstatt in der rosanen und der blauen Ecke zu tuscheln. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind wir alle nicht zufrieden mit der Situation. Lass Euch das bitte gesagt sein von einem Mann, der sich ähnliche Vorwürfe anhören musste und die Sache aus seiner Sicht ganz anders (auch mit Abstand) empfindet.

        Gern hätte ich hier jeweils die Männerseiten gehört. Aber das wäre ja dann schon wieder Paarberatung. Was ja nicht mehr geht, weil Ihr Eure Männer verlassen habt bzw sie Euch. 🙂

        Vielleicht ist das ja auch so die richtige Lösung und wir treffen uns nur noch zur Paarung und regeln Finanzen und Kind-Kindfrei-Zeiten? Dann können alle für sich machen, wie sie wollen 😦

        Werd mich mal durchlesen und den einen anderen Kommentar hinterlassen. Danke für Deine Vorarbeit und Dein Angebot hier!

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  20. Debunk schreibt:

    Meine Erfahrungen sind zu 100% deckungsgleich – Rosinenpicker-Ex-Mann, bei dem Haus, Frau und Kind notwendiges Dekor und Vorzeige-Objekte waren, aber jegliche Alltagstätigkeit hinsichtlich Familienarbeit zu viel war. Dagegen wurden allen Tätigkeiten, die Cash und beruflich Profil brachten, sehr viel Zeit eingeräumt. Ich hatte dummerweise noch einen drauf gesetzt, und ihm als jahrelang unterbezahltes, mitarbeitendes Familienmitglied bei seiner Bereicherung mitgeholfen, und noch die ganze Chose Familienarbeit + Kind mitgeschmissen.
    Auch ich habe viel zu viel Energie darauf aufgewendet (inkl. Konsultation Therapeutin), ihn zu einer zeitgemäßen Änderung zu bewegen. Hätte ich gleich bleiben lassen können.
    Nach Trennung dann Turnaround des Verhaltens – ach, da geht doch was!

    Ich denke, es gibt diesen Typus Mann, der extrem narzistisch ist und vor allem seinen eigenen Interessen nachgeht – er ist ein schlechter Partner für die heutige, gebildete, unabhängige Generation von Frauen mit paritätischem Ansinnen, und bringt den „Anlernlingen“ Kinder wenig authentisches Interesse entgegen.
    Er ist nicht immer von vornherein als solcher zu identifizieren – mein Ex ist z.B. viral als Frauenversteher unterwegs, pflegt ein sozial korrektes Image mit Spenden-Engagement und Bla und Blubb, versucht aber z.B. gleichzeitig den afrikanischen Putzmann unschön im Stundensatz zu drücken, um den Profit des Unternehmens zu erhöhen. Bei solchen Fassaden-Männern fällt frau schlichtweg rein, weil frau womöglich aus ihrer eigenen Lebenswelt nicht genügend Erfahrung hat, mit derartigen Charakteren.
    Trotz alledem gibt es m.E. frühzeitig Anzeichen, die bei entsprechender Kenntnis dekodiert werden können.

    Ich denke nicht, dass alle Männer als authentische Familienmenschen geeignet sind, und ich möchte das auch respektieren. Die, die lieber A8 fahren, als Berlingo, sollen das tun.
    Wir Frauen müssen womöglich auch die jüngeren Frauen-Generationen stark darauf hin schulen, dass sie bei der Partnerwahl aufpassen, und die Narzisten früh genug aussieben. Wenn erst einmal Kinder im Spiel sind, ist der Kollateralschaden bei einer Trennung für alle groß.

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  21. Grossartiger Text. Auch wenn er mich (zum Glück) nicht betrifft, denke ich, dass er sehr treffend geschrieben ist. Und ich bin wieder froh, dass der Vater meiner Kinder immer für sie da ist. Bei uns ist es sogar meistens anders herum: ich arbeite und der Papa ist zu Hause mit den Kindern. Wir treffen gemeinsame Entscheidungen, wer wann arbeiten geht. Die Familie geht immer vor. Für uns beide. Das ist schön und ich bin dankbar.

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  22. machmirdiewelt schreibt:

    Danke für diesen Text. Leider bestätigt er das Klischee, hoffen wir doch immer wieder, dass das Leben anders aussieht. Und das tut es ja zum Glück auch an vielen Stellen. Viele Väter – v.a. jene, die grade mitten im Streit um das Sorgerecht feststecken – werden das nach Lektüre dieses Textes sicher wieder unermüdlich hervorheben, Deine Situation als Ausnahme bezeichnen oder aber aus den wenigen Zeilen die Ursache der Misere herauslesen können: Dein Verhalten :-(( Ach, Mensch, ist das absurd, was hinterher ganz plötzlich alles möglich wurde, dieser Wandel vom Vorher zum Nachher, ist ja erschreckend!
    Trotzdem alles Gute!! Mit vielen Grüßen aus der Rosa-Hellblau-Falle.

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  23. Monalisa79 schreibt:

    Ich sitze hier und denke: Wow, hätte ich schreiben können … Bis auf den Satz: ich habe ihn verlassen. Dazu fehlte mir bisher der Mut. Ich habe Angst davor, dass er seine 3 Kinder noch weniger begleitet, wenn er nicht mehr hier ist…

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      Du musst tun, was Herz & Hirn Dir raten. Meine Kinder sehen ihren Vater jetzt öfter als vorher, weil ich bei den Wochenenden ja nicht dabei bin. 2 Tage 100% Papa, 2x im Monat, mehr als je zuvor.

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  24. Ein richtig toller Text! Ich finde deine Einstellung (so simpel und logisch es auch am Ende klingt) wirklich bemerkenswert.
    Nicht viele haben den Mut und die Kraft einfach zu gehen und dann auch zu ihrer Entscheidung zu stehen, selbst wenn sich im Nachhinein etwas ändert.

    Liebe Grüße, Biene

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  25. oh ja, wie bei uns. Meine ersten bei Söhne, sind auch mit so einem Exemplar gesegnet. Gut zu sehen, dass es auch anders geht – unsere zwei jüngsten haben einen Papa, der für die Familie alles stehen und liegen lässt. Es geht also scheinbar doch!

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    1. Schön, da hat das Baby mitgetippt und abgeschickt. Ein digital nerd schon mit 9 Monaten… Ich bin nicht Söhne, sondern Stephi und bitte an dieser Stelle um Entschuldigung, dass das vierhändige tippen noch zu Schreibfehlern und überstürztem Abschicken führt.

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  26. Toller Artikel!
    Ich habe Glück, auch wenn mein Mann mich ab und an Mal als Ventil benutzt, weil ihm alles zu viel wird, ist er ein toller Mann und ein großartiger Familienvater. Sofern sein Job es ihm ermöglicht, ist er da und zwar für unsere Tochter in erster Linie, was richtig ist, und abends, wenn die Kleine schläft, für mich. Und wir sehen uns nun länger als vor der Geburt von Mäusezähnchen.
    Seine Anforderungen alles perfekt, aber mindestens gut zu machen, bringen ihn auch schon mal an seine Grenzen. Dann wird er auch mal ungerecht. Aber wenn er sich wieder eingekriegt hat, entschuldigt er sich meistens und würdigt das was ich täglich tue. Ich weiß, dass das nicht normal bzw. selbstverständlich ist und deswegen danken und loben 😉 wir uns gegenseitig für die guten „Jobs“, die wir machen.

    Deine Geschichte habe ich in ähnlicher Form schon oft im Bekanntenkreis beobachtet. Ich hätte genauso entschieden wie Du. Schade, dass manche Herren die Situation erst erkennen, wenn das Schiff den Hafen verlassen hat. Erschreckend finde ich auch, dass für den Akt der Zeugung noch Verantwortung übernommen wird, aber das Leben mit den Kindern und allem was dazu gehört, als störend empfunden wird und vieles ausschließlich den Müttern überlassen wird.

    Alles Liebe und viele Grüße, Stefie

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  27. Oh, ist das ein toller Beitrag. Bei mir war es ähnlich – nach der Geburt war der Papa NIE zu Hause. Tagsüber Arbeit, abends Sport. Mama macht das schon. Nach der Trennung, 9 Monate später: Wechselmodell, 50/50 Aufteilung der Kindeszeit, völlig paritätisch, bis heute klappt das hervorragend. Plötzlich geht es. Meine Theorie: sie können halt gut delegieren, und wenn niemand mehr zum delegieren da ist, übernehmen sie die Verantwortung.

    Darf ich deinen Artikel zitieren, wenn ich mal selber drüber schreiben sollte?

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    1. 1234 schreibt:

      Wenn der Papa sich aber gleich soweit verdrückt, dass er kaum zu erreichen ist für die Kids, hat er sich wohl dann ehr noch weiter aus der Verantwortung gezogen! Dennoch schlägt ihm von allen Seiten die Bewunderung um die Ohren, was er nicht für ein toller Papa ist. Alle 2 Wochenende fährt er EXTRA 1,5 Stunden um seine Kinder zu holen und dann das komplette Program abzuspielen… Aufregen und einmischen inklusive, aber immer schön aus der Ferne, was draus machen darf ich dann alleine…

      Gefällt 1 Person

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