Mein Wunsch für 2016: ein bisschen Empathie bitte.

Alleinerziehende sind von Armut bedroht. Alleinerziehende sind von sozialer Isolation bedroht. Alleinerziehende bekommen zu 80% keinen Unterhalt für die Kinder. Alleinerziehende leiden unter chronischen Erschöpfungszuständen.

Ich hab Glück, denn ich bin nicht von Armut bedroht. Ich habe eine volle und unbefristete Stelle, der Exmann zahlt Unterhalt für die Kinder und meine Mutter war so nett, mir eine kleine Summe als „Vorschuss“ aufs Erbe zu zahlen. Mit dieser Erbschaft finanziere ich meine Altersvorsorge, mit meinem Gehalt und dem Unterhalt können wir uns eine Wohnung mit Garten, Gitarren- und Bratschenunterricht, Sportverein, tolle Kindergeburtstage, ausreichend Klamotten, 4 Haustiere und einen schönen Urlaub leisten.

Ich hab Glück, denn ich bin nicht von Isolation bedroht. Mit den Kindern bin ich seit 10 Jahren in einer Eltern-Kind-Initiative, die uns ein Hammer-Netzwerk beschert. Spontane Übernachtungen sind kein Problem, Feste, 3tägige Freizeit und zahlreiche Geburtstage sorgen für soziale Kontakte bei Mutter & Kindern en Masse. Außerdem habe ich einen Job, den ich mir komplett flexibel zurechtbacken kann. Denn ich habe mein große Leidenschaft zum Beruf gemacht und leite ein Kulturzentrum. Ich mache coole Konzerte, aufregende Festivals, interessante Lesungen, intelligentes Kabarett und niedliches Kindertheater. Und was mir sonst noch so einfällt. Ich hab ein nettes Team, einen fürsorglichen Vorstand, die öffentlichen Zuschüsse sind gesichert, die Eigeneinnahmen steigen jedes Jahr, ich hab einen unbefristeten Vertrag und ich hab gerade eine Gehaltserhöhung rausgehandelt. Ich lerne tolle Künstler und nettes Publikum kennen, ich bin kulturpolitisch engagiert und kenne die halbe Stadt. Und die halbe Stadt kennt mich, weil ich ständig in irgendwelchen Medien erscheine. Oder weil alle auf die Gästeliste wollen.

Ich habe Glück, denn ich habe regelmäßige Erholungspausen: die Kinder sind alle 14 Tage bei ihrem Vater, und zwar von Freitag 17 Uhr bis Montag Schulbeginn. 3 kinderfreie Nächte und 2 volle Tage. Dazu 2-3x/Jahr eine Woche, die die Kinder mit ihrem Vater Urlaub machen. Manchmal reist meine Mutter aus 400km an, um mich eine Woche zu unterstützen. Alle 2 Jahre fahren wir in Mutter-Kind-Kur, ich nehme jeden bezahlten Urlaubstag und mache jedes Jahr eine Fortbildung, was mir eine weitere kinderfreie Woche beschert, in der ich mich persönlich und beruflich weiter entwickel. Obendrein sind meine Kinder sogenannte pflegeleichte Kinder. Sie haben schon als Babys gerne geschlafen und tun es heute noch, ich kann mich an den letzten von Kinder unterbrochenen Schlaf überhaupt nicht erinnern. Am Wochenende stellen sie sofort auf Ausschlafen um, so dass hier von 10 Uhr kein Mucks zu hören ist. Sie gehen selbständig zu ihren Terminen, können Mittag-/Abendessen alleine zubereiten, sich stundenlang selbst oder miteinander beschäftigen und sich selber ins Bett bringen. Sie akzeptieren seit jeher ohne zu Murren Babysitter und sie sind freundlich, fröhlich und beliebt.

Ich bin alleinerziehend und ich habe großes Glück, denn die klassischen Risiken treffen mich nicht. Ich bin total privilegiert und ich weiß das sehr zu schätzen.

Und trotzdem ist es wahnsinnig anstrengend, es ist absolut nicht das Leben, das ich mir ausgesucht habe. Ich bin stinksauer, dass ich als Alleinerziehende systematisch benachteiligt werde! Ich zahle nahezu so viel Steuern wie ein Single, versorge aber 3 Personen, von denen 2 unsere Rentenkassen füllen werden, auch die der Kinderlosen. Ich kann zahlreiche Termine nicht wahrnehmen, weil die zwischen 17 – 20 Uhr stattfinden oder am Wochenende. Und es hilft überhaupt nicht, wenn die kinderlose 60jährige Kollegin mich damit „tröstet“, daß sie ja für mich dahin gehen kann. Erstens ist es meiner Karriere nicht gerade förderlich, die Netzwerkarbeit am Boden liegen zu lassen, außerdem werde ich als Familienmensch, der keinen Partner im Background hat, systematisch von Entscheidungen und Mitsprache ausgeschlossen.

Es ist wahnsinnig anstregend, jeden Euro umdrehen zu müssen. Denn obwohl meine Einkünfte stabil und nicht niedrig sind, ist es ein Wahnsinn, was hier rausgeht. Die oben beschriebenen schönen Dinge können wir uns leisten, weil ich entschieden habe, dass es für die Kinder wichtig ist, Instrumente zu lernen, sich zu bewegen, seinen Horizont durch Reisen zu erweitern und weil ich verdammt nochmal einen Garten für meine Kinder haben wollte. Dafür habe ich kein Auto, keine Putzfrau, kein Fitnessstudio. Klamotten für mich sind maximal neue Socken und Unterhosen, ich kaufe beim Aldi ein, schnorre das Grünzeug für die Kaninchen beim Wochenmarkt, gehe überall zu Fuß hin (auch nicht mit dem Bus!) und wir sitzen auf Second-Hand-Sofas. Wir haben keine PlayStation, kein Tablet, keine Wii und kein Internet-TV (echt: nur ARD, ZDF und die Dritten), wir gehen nicht essen, nicht ins Spaßbad und ich heize nur das Wohnzimmer. Ich hab ein ausgeklügeltes System von sparsamen Leben ertüftelt, damit die Kinder eine entspannte schöne Kindheit haben, gefördert werden und sich ausprobieren können. Für den Türkei-Urlaub habe ich ein Jahr lang gespart, davor gab’s 4 Jahre lang Bauernhof in Ulm. Eine Extra-Ausgabe wie „bitte 25 € in die Geschenkekasse von der KiTa“ oder die Erhöhung des SchülerTickets bringt mich ins Schleudern.

Ich bin dankbar für meinen Job (siehe oben), aber es ist wahnsinnig anstrengend: ich stehe um 6.15 Uhr auf, mache Frühstück für mich und die Kinder, um 7.15 Uhr verlassen wir das Haus und ich bin um 7.30 Uhr auf der Arbeit. In einem Kulturzentrum! Da ist keine Sau um die Uhrzeit, aber ich kann verdammt viel erledigen, weil mich keiner stört. Zur prime time (ca. 15 Uhr) gehe ich, kümmere ich um meine Kinder, dann kommt der Babysitter und ich gehe gegen 19 Uhr wieder arbeiten. Habe ein wundervolles Konzert, räume die Theke auf, zahle Gagen aus, schließe den Laden ab, laufe nach Hause und falle gegen 1 Uhr ins Bett. Und um 6.15 Uhr stehe ich wieder auf. Wenn ich keine Veranstaltung habe, habe ich Vorstands-/oder Beirats-Sitzung, gerne auch Elternabend. Wenn ich abends zu Hause bin, mache ich den Haushalt. Wenn ich abends unterwegs bin, bleibt alles liegen. Irgendwo zwischen meinem Job und zwischen 7.30 Uhr und 1 Uhr findet alles statt, was in so einem Familienalltag dazugehört: Kinderarzt, Turnbeutel in den Hort, Elterngespräche, Einkaufen, zum 1. Gitarrenunterricht begleiten,  bei der neuen Freundin abholen, Babysitter organisieren, Geschenke kaufen, Kontostand prüfen, Schulen besichtigen, Stromanbieter wechseln. Wenn ich früh rauskomme, weil die Backstage-Party nicht ausufert, kaufe ich auf dem Rückweg noch beim Rewe ein, der hat ja bis 24 Uhr auf. Das ist alles sicher bei vielen berufstätigen Familienmenschen nicht anders. Der Unterschied als Alleinerziehende ist, daß es niemanden gibt, den man so selbstverständlich mal anrufen kann wenn’s nicht klappt. Freunde zu fragen ist immer eine Bitte. In einer Partnerschaft mit gemeinsamen Kindern wäre es gegenseitige Verpflichtung, füreinander da zu sein und einzuspringen. Konkret: mir hat schon eine Mutter abgesagt, weil sie mal selber einen ruhigen Tag brauchte. Kann ich verstehen. Beim Partner wäre diese Antwort natürlich inakzeptabel. Als Alleinerziehende organisiere ich alles alleine, auch den Plan B. Ich frage, ich bitte, ich bekomme Absagen, oder jemand kommt einfach zu spät und manchmal vergißt auch jemand seine Zusage. Auch das fange ich auf, alles.

Ich bin erschöpft. Erschöpft von kurzen Nächten und frühem Aufstehen, erschöpft von den 1000 Dingen, die gleichzeitig in meinem Kopf sind, erschöpft von dem permanenten Spannungsgrad, unter dem ich stehe. Es wird erst besser werden in 7-8 Jahren, denn die Schule wird so lange noch bleiben und die abendlichen Termine genauso. Aber ich will doch die Zeit mit den Kindern nicht runterzählen, ich wollte sie doch genießen?!

Meine Kinder sind toll, und wenn ich mich so umschaue, sind sie das, was andere als pflegeleicht bezeichnen. Aber sie sind Kinder. Sie wollen reden, meine Tochter mit fast 11 mehr denn je zuvor. Und der 9jährige will toben, rocken, schmusen, der braucht Körperkontakt, mehr als je zuvor. Die Kinder brauchen nicht nur Maultaschen und saubere Unterhosen, sie brauchen mich mit allen Sinnen. Sie brauchen mich präsent, zuhörend, verständnisvoll, ermutigend, fürsorgend, fröhlich, tröstend, engagiert. Das ist viel, und das ist als Alleinerziehende noch viel mehr. Ich bin hier die einzige, die Vorbild ist, Streit schlichtet, abwägt, diskutiert, Grenzen setzt, Reibungsfläche bietet, auffängt und festhält. Das ist oft so viel mehr als ich kann, und oft befürchte ich, dass ich den Kindern nicht gerecht werde. Ich spüre förmlich, wie sie an meinen Nerven zerren. Wenn sie kreischend und Türen knallend in ihren Zimmern verschwinden, könnte ich mich leise weinend in den Wäschekeller legen, weil ich es nicht ertrage. Tue ich natürlich nicht. Ja ja, ich bin und bleibe authentisch und sage natürlich, wann auch ich mal nicht mehr kann. Aber das ist Pipifax gegen das, was hier manchmal auf mich einstürmt. Die Tochter steht am Tor der Pubertät und macht das schon sehr gut, das zickige Gefühlschaos vs. das liebe Mädchen. Der Sohn hat nach einem epileptischen Anfall und zahlreichen Wutanfällen eine Therapie gemacht die er mit summa cum laude abgeschlossen hat. Er hat gottseidank immer noch ein umwerfendes Temperament, gleichzeitig ist er hier der geerdeste von allen, aber es war ein langer Weg.

Ich bin erschöpft, meine Seele ist erschöpft, weil ständig an ihr gezerrt und gezogen wird, sie aufs Äußerste strapaziert wird und kaum zur Ruhe kommt.

Ich hab ein riesiges Netzwerk und (fast) keine Freunde. 30 Familien in der Kita, alles nette Freunde, alle da wenn man sie einlädt. Und keiner da, wenn ich nicht einlade. In den ersten 2 Jahren nach der Trennung hat mich kein (!) Mensch aus diesem tollen Netzwerk mal auf ein Glas Wein eingeladen und gefragt, wie’s mir geht, schade. Keiner zum Herz-ausschütten. Menschen von vor den Kindern kenne ich in dieser Stadt leider nicht, ich war 2 Monate nach Ankunft schwanger und obendrein arbeitslos, sämtliche Kontakte sind aus dem Kita-Umfeld. Auf der Arbeit bin ich von morgens bis abends mit aufregenden Menschen zusammen. Aber von den Kollegen bin ich die einzige, die Kinder hat. Und ich bin Chefin, da ist nix mit Herz-ausschütten. Die Künstler kommen und gehen. Die anderen Kulturschaffenden arbeiten auch alle abends. Die Gäste kommen und gehen. Manche laden mich ein, mitzukommen zu anderen Konzerten, Lesungen, irren Events. Mein Kontingent an abends ausgehen ist mit den üblichen Terminen leider erschöpft. Ich sowieso auch. Meine Freunde von früher sind weit weg, 400 km. Ich bin hier, verdammt nochmal, ganz schön einsam!

Die Kinder sind regelmäßig beim Vater, sie lieben ihn und wenn sie dort sind, kann ich mich 100% drauf verlassen dass es ihnen gut geht. Das ist schön. Ich lege so viel Abendtermine wie möglich in die kinderfreien Wochenenden, um mir und den Kindern zuviel Babysitter zu ersparen. Gleichzeitig muss ich aufpassen, dass wenigstens 1 freier Tag für mich übrig bleibt. Mein Job verläuft saison-artig, deshalb habe ich oft wochenlang kein freies Wochenende, mit oder ohne Kinder. Der Exmann ist durchaus flexibel mit seinen Terminen, das heißt dass er in den 5 Jahren nur eine Sorte Flexibilität gezeigt hat: weniger Kinderzeit. Wenn er Montag früh zum Kunden muss oder Freitag abend noch einen Coaching-Termin hat, ist das Papa-Wochenende eben kürzer. Wenn ich ablehne, haben wir wochenlangen Streit und er wirft mir wutentbrannt vor, daß ich ihn nicht unterstütze.  Urlaub macht er mit den Kindern, wenn ich ihm ganz genau sage, wann. Wenn ich das nicht tue, macht er keinen Urlaub mit ihnen und merkt es nicht einmal. Er kommuniziert nicht mit mir, er sagt im Vorfeld nicht, was er mit den Kindern am Wochenende plant und wurde schon einige Mal überrascht, weil die Kinder inzwischen zahlreiche eigene Termine haben. Er hat noch nie seine Kinder angerufen, er hat noch nie einen zusätzlichen Termin angeboten, ich habe seit Jahren nicht mehr nach Flexibilität in meinem Sinne gefragt, weil ich die Absagen leid war. Wenn ich versuche, ihn in das Leben der Kinder einzubinden, lehnt er ab oder reagiert gar nicht erst. Er weiß nicht, warum der Sohn nicht ein Jahr früher eingeschult wurde und nicht, wie ich die Tochter auf die Waldorfschule gekriegt habe, obwohl er zu jedem einzelnen Termin von mir eingeladen wurde. Vom Mütterthron braucht mir keiner was zu erzählen, ich habe es aufgegeben, ihn in das Leben der Kinder einzubinden um den Kindern Vaterentbehrung zu ersparen. Er lebt in derselben Stadt wie seine Kinder, 15 Minuten mit der Bahn, er könnte teilhaben und sie könnten ihn als Teil ihre Lebens erleben. Aber so ist es nicht. Wenn er kein Kinderwochenende hat, scheint er sie zu vergessen. Ich stehe seit 5 Jahren fassungslos davor, mir würde es das Herz raus reißen. Umgekehrt vermissen die Kinder ihn tierisch, was ich immer so loyal wie nur irgendwie möglich auffange. Inzwischen ziehe ich mich aus der Beziehung zwischen dem Vater und den Kindern komplett zurück. Wenn er etwas wissen will, kann er fragen. Was er nie tut.

Ich bin erschöpft vom alles alleine entscheiden und damit auch vom alles alleine verantworten. Ich würde es mit Kußhand begrüßen, die Verantwortung für das Seelenheil meiner Kinder auf mehr als nur meine schmalen Schultern zu legen.

Ich bin total privilegiert, und trotzdem bin ich immer wieder komplett erschöpft. Ich bin Anfang 2015 aus der Umlaufbahn geflogen: 3 Monate krank. Mir war schwindelig und schlecht, wochenlang. Viele Ärzte, schwierige Sache, Tinnitus für Fortgeschrittene sagte die Chinesin. Ich konnte nur noch vor meinem Kaninchenstall sitzen und die Fellnasen anstarren, sonst nix. Ich habe mich erholt und es mit Physio- und Psychotherapie langsam wieder in den Griff gekriegt. Ich bin irgendwann wieder arbeiten gegangen, in Kur gefahren, jetzt bin ich langsamer und vorsichtiger geworden. Die Belastung ist geblieben. Ich werde das schaffen, so wie ich alles schaffe. Und natürlich mit einem Lachen, denn hey: ich bin Rheinländerin!

Ich weiß, dass ich privilegiert bin und die Möglichkeiten habe, mich zu erholen und die Zeit mit den Kindern zu genießen. Ich bin nicht der Typ, der heult, jammert und wehklagt. Aber wenn es mir nicht gut geht, wenn ich erschöpft bin und am Ende, dann freue ich mich über Empathie, Mitgefühl und Verständnis. Und nicht über gutgemeinte Durchhalteparolen wie „Aber er zahlt doch Unterhalt!“, „Aber Du hast doch so tolle Kinder!“, „Aber Du hast doch so einen coolen Job!“.

Ein bisschen Verständnis bitte. Einfach mal „Du Arme, das ist aber auch viel was Du da zu tragen hast“. Das ist mein Wunsch für 2016.

empathie

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Mein Wunsch für 2016: ein bisschen Empathie bitte.

20 Gedanken zu “Mein Wunsch für 2016: ein bisschen Empathie bitte.

  1. Rheinisch Määdche schreibt:

    *Wow, das ist unfassbar treffend und ehrlich(bin erst jetzt auf Deinen Blog gestossen), vielen Dank für Deinen Beitrag! Unter vielen Leuten und doch allein, wenn man mal etwas sagt/andeutet „warum sagst Du denn nichts, ich hätte doch…“ Blablabla, ja nee, is klar. Als ob ich permanent jemanden bitten, fragen, belabern möchte. Warum bietet sich eigentlich keiner einfach an oder hält sich an das, was gesagt/gewünscht wird? Wie geht es Dir, nachdem fast ein Jahr vorbei ist? Herzliche Grüße von einer Ex-Düsseldorferin nun auf dem Land

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  2. limalisoy schreibt:

    Auch ich habe mich aus freien Stücken dazu entschieden, meine Kinder fortan allein großzuziehen, anstatt ein Leben mit familiären Spannungen zu führen. Auch mir wird immer nachgesagt, du schaffst das schon alles… Ja, ich schaffe das, aber zu welchem Preis? Ich habe eine akute schwere Depression hinter mir und habe mich wirklich ins Leben zurückgekämpft. Aber es ist verdammt hart, wenn die Schultern so arg belastet werden und ich das Gefühl habe, dass ohnehin alles an mir hängt. Ich habe tolle Kinder und bin sehr stolz auf sie. Doch was mich permanent ärgert, ist der erzieherische Blick aus der anderen Richtung. Nie wird gesagt: Ich bin froh, dass die Kinder eine Mutter wie dich haben, denn du gibst ihnen das Richtige mit auf den Weg. So oder so ähnlich … Stattdessen wird jeder „Makel“ am Kind kritisiert. Für alles, was anderen am Kind nicht gefällt, bekomme ich den erhobenen Zeigefinger. Ich müsste, ich sollte usw. Scheint wohl nicht ganz klar zu sein, was man erzieherisch so leistet, wenn man einem Beruf nachgeht, seinen Haushalt ordentlich führt, die Kinder regelmäßig zu Vereinen und Freunden etc. kutschiert und sich auch sonst den Allerwertesten aufreißt, um seinen Kindern das Bestmögliche als Ein-Eltern-Familie zu ermöglichen. Besonders schlimm ist es an Tagen, wenn man selbst kränkelt. Denn wie sagt es eine aktuelle Werbung gerade so schön: „Mama kann sich nicht krankschreiben lassen“. Man ist immer für jedes Bedürfnis ein Ansprechpartner und erst nachdem die Kinder schlafen, wieder man selbst (oder eben nicht, weil die Kraft dafür nicht ausreicht)…
    Danke für den tollen und ehrlichen Beitrag, er spricht mir aus der Seele!
    Viel Kraft und Geduld weiterhin, Yvonne

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  3. Geht das nicht allen Eltern so? Als ich noch zwei Kinder hatte – arbeitete mein Mann 60 Stunden und mehr, Wochenende Fehlanzeige. Geld war trotzdem nie da – da er einfach zu wenig verdiente und ich keinen Job fand, den ich mit den Kiga-Zeiten hätte arangieren können.

    Nun haben wir vier Kinder – aus dem Gröbsten raus – und endlich könnte es uns besser gehen.Nun ist mein Mann seit Jahren krank. Nun bin ich Alleinverdiener…. und muss noch meinen Mann zu zig Terminen bringen.

    Sehe den Unterschied zwischen Alleinerziehend und Familie nicht – höchstens man hat einen Mann, der nur 36 Stunden arbeitet und genug Geld mit heim bringt.

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    1. supersansa schreibt:

      Bisschen spät, mein Kommentar – nein, man kann die Situation von „klassischen“ Elternpaaren und Alleinerziehenden nicht vergleichen. Habe beides hinter mir. Selbst bei wenig Geld und mit einem Partner, der viel unterwegs ist, ist man doch nicht so mutterseelenallein wie als Alleinerziehende(r). Von der finanziellen Seite ganz zu schweigen, viele Väter putzen sich auch finanziell ab.

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  4. Valerie schreibt:

    Ich finde es ganz toll wie du das alles schaffst schade das es derzeit niemanden gibt der dir den Rücken stärkt und dich in den Arm nimmt. Ich war ein paar Monate Alleinerziehend und kann sehr gut nachvollziehen wie du dich fühlst es ist ein Balanceakt zwischen Arbeit und Kindern und am Ende des Tages ist man zu erschöpft um die Zeit für sich noch effektiv zu nutzen. Ich hab das Glück einen verlässlichen und liebevollen Partner an meiner Seite zu haben aber er ist nicht der leibliche Vater und darum sind es eben alles bitten und wird nie selbstverständlich sein. Familie hab ich hier keine, Kontakt zum Erzeuger besteht nicht insofern bin ich rund um die Uhr Mutter das ist schön aber manchmal kommt man auch an seine Grenzen. Kopf hoch, du wirst deine starke Schulter schon irgendwann finden und bis dahin Versuch stark zu sein und koste jede Minute auf und lass bewusst deine Sorgen los

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  5. bettyblue schreibt:

    Obwohl ich nicht Alleinerziehende bin, bin ich es doch irgendwie. Klingt kompliziert, ist es auch. Jedenfalls kann ich das mit der Einsamkeit leider sehr gut nachvollziehen, und das mit der Empathie, sowie auch vieles anderes was Du beschreibst. Ich schicke Dir hier eine mentale Umarmung, will dafür auch nicht auf eine Gästeliste. Wenn Du jemanden brauchst der Dir zuhört oder mit Dir gemeinsam jammert, mail mir einfach. Die Zeit nehme ich mir für Dich! Keine Ahnung warum, ist son Bauchding. Weiterhin viel Kraft und Energie für 2016, für mich klingt es übrigens dennoch als ob Du alles richtig machst. Sei nicht so streng mit Dir selber und ich denke auch das Du sicher sein kannst das Deine Kinder sich holen was sie brauchen. Aber das weißt Du sicherlich längst selber 🙂
    Früher half mit immer “ ist alles nur eine Phase “ Heute denke ich oft “ egal wie ich es mache, irgendwas wird mein Kind mir eh später vorwerfen, 1000% ig ist unmöglich“
    In diesem Sinne, weitermachen und in den Arm nehmen lassen.

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  6. Andrea schreibt:

    Ich wünsche euch ein gutes neues Jahr und das du auf dich achtgibst . Vieles in dem Text spricht mir aus der Seele obwohl ich noch mit meinem Mann zusammenlebe doch ich organisiere , Pläne alles. Im Sommer werden wir meine Kids und ich in eine kleine Wohnung ziehen und ich habe eine Riesen Angst davor was mich dann erwartet aber ich weiß das es für mich , meine Gesundheit und die Kids die richtige Entscheidung ist .Wir werden das schaffen. was mir am meisten zu schaffen macht und du auch beschrieben hast ist das keiner von meinen Freundinnen übrig geblieben ist durch die kids . Auch ich habe durch Schule , Kiga viele Bekannte doch niemand fragt nach . Ich wünsch dir viel Kraft auf eurem Weg und freu mich mehr von dir zu lesen .

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  7. R.M. schreibt:

    Was mir bei der Schilderung wirklich leid tut, ist, dass bei all den hunderten von Kontakten kein echter Freund dabei war/ist. Das ist wirklich bitter.

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  8. Stjerne schreibt:

    Ich kann das sowas von nachfühlen! Habe drei Kids im Alter von 6, 4 und 2 Jahren, Pflegedienstleitung, der Große hat autistische Züge mit Entwicklungsstörung. Der Papa ist nicht Planbar. Ich wünsch dir viel Kraft! Konnte so manche Parallele zu mir erkennen. Aber 2016 wird gut! 😉

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  9. Wenn du nicht am andren ende der republik leben würdest, dann würde ich einladen. Nicht auf ein glas wein (mag ich nicht 😉), aber hier steht immer ein sektchen bereit! Sollte es dich mal in den norden verschlagen, komm vorbei 😃.
    Ich finde es bewundernswert wie du eine vollzeitstelle, zwei kinder und alles alleinerziehend so (zumiindest von außen gesehen) toll unter einen hut bekommst. Ich wünsch dir für 2016 vielleicht ein bisschen mehr Unterstützung, wer weiß, vielleicht kommt diese ja auf einmal und ganz überraschend, woher auch immer.
    Alles gute für euch!

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  10. Ja, das gilt für alle Eltern, finde ich, natürlich für die Alleinerziehenden im Besonderen. Durchhalteparolen helfen nicht immer, die sagt man sich ja auch oft genug selbst. Einfach mal ein bißchen Empathie, mal die Frage „Wie geht es Dir?“, „Was brauchst Du, was wünschst Du Dir?“, das tut uns allen gut.
    Ich wünsche Dir, dass Dein Wunsch für 2016 in Erfüllung geht.
    Alles Liebe!

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  11. Ich wünsche Dir von Herzen ein richtig gutes Jahr 2016! Ein sehr nachdenklich machender Text, den möglichst viele lesen sollten. Seit ich selbst die Erfahrung gemacht habe, wie es ist, ein Kind zu bekommen und für es da zu sein und was die an einen gestellten unendlichen Anforderungen (vom persönlichen Umfeld, Institutionen, Arbeitgeber) in diesem Zusammenhang eigentlich bedeuten, ist es mir ein Rätsel, wie Millionen Alleinerziehende in Deutschland ihren Alltag allein mit Kind/Kindern bewältigen. Sie sind so stark, dass man sie aus meiner Sicht regelmäßig vergisst, weil es ja irgendwie klappt und bei vielen dank ihres Organisationstalents unvorstellbar gut. Sie sollten „jammern“ und dabei auch gehört werden und Hilfe bekommen, denn es ist ihr verdammtes Recht angesichts der Belastungen, die sie tagtäglich tragen!

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