An Tagen wie diesen…

…läuft’s irgendwie nicht so rund. Ja klar, ich bin seit 2 Wochen erkältet und alles tut weh, ich arbeite (mal wieder) zu viel, es müsste mal gesaugt oder besser: geputzt werden, die Wäsche liegt rum und Brot ist alle.

Und dann: „Mama, ich möchte gerne mit Dir Geschenke basteln“ (HILFE!) und „Ich will Geige lernen“, „Fahren wir noch zur Skateranlage?“, „Kochst Du heute Abend was Leckeres?“, „Ich will mit Dir backen“, „komm wir toben!“, „warum haben wir noch keine Weihnachtsdeko?“

An solchen Tagen nagt es besonders heftig an mir: ich werde den Kindern überhaupt nicht gerecht. Ich wage die Behauptung, dass es in der Weihnachtszeit besonders schlimm ist, denn die ist auch von den Kindern schon mit Bergen von Erwartungen erfüllt: Deko, Backen, Nikolaus, Adventskranz, Backen, Singen, Baum, Tralala.

Und ich? Ich bin hier allein verantwortlich für selig machende Kindheitserinnerungen. Toll, ich fahre das ganze alltägliche Jahr lang ja schon am Limit mit Arbeit, Haushalt, Kindern, Schule, Hort, Katzen und Kaninchen. Da kann ich im Dezember nicht auch noch eins drauflegen an häuslicher Besinnlichkeit. Und wenn ich dann noch krank werde, erst recht nicht.

Die Bedürfnisse der Kinder sind allerdings das ganze Jahr da, nicht nur im Dezember. „Ich will ein Gemüsebeet anlegen“, „Ich will eine Bude im Garten bauen“, „Ich möchte ein Experimentierkasten und alles ganz genau erforschen“, „Zeigst Du mir nochmal wie man strickt?“, „ich will einen Rock nähen“

Diese Kinder sind großartig, denn sie sind kreativ, neugierig, entdeckungsfreudig, weitreichend interessiert. Und ich? Ich hab keine Geduld für Experimentierkästen, ich kann keine Buden zusammen zimmern, ich weiß nicht wann man Blumenkohl sät und wie man den Faden in diese blöde Nähmaschine friemelt. Genau genommen hab ich keine Ahnung von Haus und Garten, ich müsste mir erstmal ein Buch kaufen oder einen  VHS-Kurs  belegen. Ich sehe im Internet Bilder von zauberhaften Feengärten und mir kommen fast die Tränen, weil das so schön aussieht und genau das richtige für meine Kinder wäre. Aber ich hab keine Zeit, und wenn mal ich Zeit habe, bin ich zu müde.

Was mich aber noch mehr trifft: die Kinder wollen es MIT MIR zusammen machen. Mit mir zusammen erleben, entdecken, arbeiten, basteln, kreativ sein. Sie lieben es, mir was abzuschauen, von mir zu lernen, mit mir zusammen zu entdecken und sich über das Ergebnis zu freuen. Und ich kriegs nicht hin, weil ich das alles gar nicht weiß und nicht kann. Es macht mich fertig, daß ich diese Erwartungen nicht erfüllen kann, dieses Bedürfnis nach Nähe, nach gemeinsamen Tun nicht stillen kann. Ich ertappe ich mich dabei, wie ich hoffe, dass wenigstens die Institutionen da was bieten: Basteln in der Schule, Adventsgärtlein im Hort, wie schön. Dann erleben sie das alles eben ohne mich, weil ich mal wieder wie erschossen auf dem Sofa liege.

Und ja: ich habe das Gefühl, es ist bei  uns noch blöder, weil ich alleinerziehend bin. Hier ist kein zweiter Erwachsener am Start, der nochmal eine anderes Bündel an Kompetenzen mitbringt, aus denen die Kinder schöpfen können. Der mir ein bisschen von der Verantwortung abnimmt, allein zuständig zu sein für selig machende Kindheitserinnerungen.

An Tagen wie diesen, an so einem 10. Dezember, mit Schnupfen und Kopfweh, ohne Weihnachtsdeko am Fenster und das Konto knietief im Dispo, da hadere ich ganz schön mit meinem Schicksal.

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An Tagen wie diesen…

12 Gedanken zu “An Tagen wie diesen…

  1. Anja Wenneker schreibt:

    Liebe Nicole,mach dich nicht verrückt mit Weihnachten,das ist nur Äußerlichkeit!Du bist gut so wie du bist,deine Kinder lieben dich-das ist wichtig!Ich wünsche dir mehr Gelassenheit und Freude,mehr innere Ruhe ,weniger Selbstzweifel und ganz viel Kraft(pust…..pust…pust…).Fühl dich lieb in den Arm genommen und wenn du wen zum Reden brauchst,dann melde dich einfach.Liebe Grüsse.Anja Wenneker

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  2. Caro schreibt:

    Du machst das großartig. Punkt!

    Und ja, es ist ein Riesenstiefel allein erziehend zu sein.
    Du darfst Dir dafür fünfmal täglich mindestens auf die Schulter klopfen.

    Deine Kinder lieben Dich und das völlig zurecht.

    Ich wünsche Dir von Herzen eine endlich erkältungsfreie Zeit und jemanden,
    der für Dich bäckt, Dich umsorgt und mal all das für Dich macht, was Du für Deine Kleinen tust.

    Umarmung unbekannterweise!

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  3. Semiha schreibt:

    Bitte, steck den Kopf nicht in den Sand!
    Ich bin auch alleinerziehend und alles, was du nicht schaffst – Garten, Hobbys, Basteln, etc – schaffe ich nur mit meinen Eltern und Geschwistern und Großeltern.
    Und noch was; ich zB hab ne Mama die sich oft Zeit für sowas genommen hat (und es jetzt wieder tut) und ich habe… keine große Erinnerung daran. Das ist sehr erschreckend für uns beide, aber daran merkt man (sagt Mama) wie unterschiedlich Erinnerungen haften bleiben.

    Solange du deine Kinder liebst und sie das wissen, reicht es auch, wenn du sie fest in den Arm nimmst. Liebe misst man im Herzen, nicht durch Handlungen! 😊

    P.S.: ich hasse Weihnachten & Weihnachtsdeko. Das gibt es bei mir einfach nicht & meine Kinder leben damit (oder eben ohne) ganz gut!

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  4. Pikantje schreibt:

    Die beste Kindheitsweihnachtserinnerung ist die, dass meine gestresste Mutter den Keksteig vor Wut an die Fensterscheibe schmiss, nachdem wir drei Kinder sie mit Geschwisterstreitigkeiten an den Rand des Wahnsinns getrieben hatten. Noch heute erinnern wir uns gerne daran und lachen herzlich darüber.
    Weihnachtsdeko in Form von Lichtern und Kerzen solltest du jedoch unbedingt nachholen, im Kerzenschein sieht fei staubige Wohnung viel besser aus!

    Frohes Fest!

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  5. Ich verstehe dich. Hier ist die Lage anders aber in dieser Situation doch ähnlich. Gerade heute habe ich einen Brief an meinen Sohn veröffntlicht, weil ich Angst habe ihm nicht gerecht werden zu könnne.https://wheelymum.wordpress.com/2015/12/15/brief-an-meinen-sohn/ Aber gerade dass wir uns solche Gedanken machen, sollte uns zeigen, dass wir unsere Kinder lieben. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist doch das genau das Wichtigste. Akute Hilfe ist schwierig. Vielleicht sich von den Vorhaben verabscheidenen und die kleinen Momente bewusst genießen. Irgendwie. So gut es geht. Ich drücke dich!!!

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  6. rage schreibt:

    Ich bin nicht alleinerziehend. Daher kann ich nur mutmaßen, wie es wäre, auf dem Konto, im Alltag diese Einschnitte zu erleben… Ich mag es mir gerade nicht ausmalen. Ich habe großen Respekt vor dem, was du so „gerade eben“ das ganze Jahr hindurch leistest!!
    Die Gedanken im Hinblick auf die Weihnachtszeit, die Bedürfnisse der Kinder das ganze Jahr hindurch, kenne ich jedoch auch als nicht alleinerziehend. Das Gefühl nicht hinterher zukommen. Immer einen Schritt hintenan zu hängen und wenn man dann halbwegs auf den Forscherdrang des einen Kindes eingestellt, aber nur auf ein Minimum vorbereitet ist (es reicht allerallerhöchstens für ein Zehntel der Basics), da ist die Kreativität des Kindes schon wieder einen Riesenschritt weiter. Das ist… anstrengend. Frustrierend. Energieraubend. Vor allem hinterlässt es Traurigkeit und Selbstzweifel. Zumindest bei mir.
    Und wenn dann noch all die anderen tollen Mamas kommen, die berufstätig, selbständig und alleinerziehend sind, die die tollsten kreativen Einfälle und Aktionen für ihre Kids in peto haben… ich muss da immer auch mal wieder schlucken.
    Aber irgendwann habe ich entschieden, möglichst nur noch auf uns zu schauen. Was tut uns gut? Was tut mir gut? Denn wenn es mir gut geht, ich Energie habe, dann kann ich Bedürfnisse der Kinder viel besser anpacken und umsetzen.
    Ich gestehe mir zu krank zu sein. Als ein Zeichen des Körpers: Auszeit! Das den Kindern zu vermitteln ist wichtig. Auch für ihre eigene Gesundheit und Ausgeglichenheit. Kinder verstehen das in der Regel.
    Und was von diesen Weihnachtsbedürfnissen ist wirklich von mir? Deko, Nikolaus, Lieder singen und trallala? Mag ich Deko? Brauch ich Deko für dieses Gefühl? Was brauche ich für dieses Weihnachtsgefühl? Brauche ich das Weihnachtsgefühl überhaupt?
    Diese Fragen haben mich viele Dinge reduzieren lassen. An Besitz, an gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Ich fühle mich ein wenig freier und entspannter. Dinge haben sich so geändert, dass sie hierher passen. Ich bin jetzt auch seit anderthalb Wochen krank. Und das erste Mal, wirklich das erste Mal habe ich das Gefühl, ich habe Zeit fürs Kranksein ohne dass alles mögliche an ToDoListen und Planungen zusammenbricht. Die gibt es nämlich nicht mehr so richtig.

    Lange Rede kurzer Sinn: Deine Situation ist eine schwierige. Sie mag in manchen Momenten alles von dir fordern. Aber sei nicht zu streng mit dir. Sei freundlich mit dir. Mein Motto fürs nächste Jahr wird vielleicht die Sanftmut. Auch mit mir selber. Vielleicht ein Anstoß? Herzliche Grüße.

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  7. Sockenfee schreibt:

    Ich verstehe Dich Bis ins letzte Detail. In diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen, wenigstens die Weihnachtszeit sollte still und einfach mal schön werden. Aber allein das WAS man für und mit den Kindern tut, verhindert dies. Ich brauche Listen, um mir zu merken wann bei welchem Schul/Sport/sonstigen Event Frikadellen/Plätzchen/Getränke gewünscht sind. Wann auch meine Anwesenheit unabdingbar ist. Das Elternevent beim Mannschaftssport-zweimal kurzfristig verschoben, wie soll ein selbständiger Vater sowie flexibel unterbringen in einem Terminplan der ihn ohnehin in Panikattacken treibt? Mama, nein die will und kann nicht Handball spielen, die quält sich seit Wochen mit Schmerzen durch die Gegend uns hofft, die verschwunden von selbst weil für eigene Arzttermine keine Zeit ist. Kinder und kranke Großeltern gehen vor. Der heissersehnte Chemiebaukasten vom letzten Weihnachtsfest wurde einmal benutzt mangels elterlicher Begleitung. … Letzte Woche habe ich die im Kindergarten verbliebenen und schmerzlich vermissten Freunde des Erstklässlers zum Lebkuchenhaus basteln geladen. Meine totale Erschöpfung danach und seine überschäumende Glückseligkeit haben mich noch deprimierter gemacht.

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  8. Fühl dich mal gedrückt. Ich war selber mal alleinerziehend. Heute trage ich diesen Status nur noch, da mein Freund nicht bei mir lebt und auch nicht immer hier ist. Ich fühle mich aber nicht mehr alleinerziehend. Aber ich kenne diese Momente. Ich kenne diese Weihnachten wo einfach nichts so ist wie die Kinderaugen es sich wünschen. Aber auch dieses Jahr war bis Sonntag noch nichts gemacht daheim. Wir waren massiv in Verzug und ohne meinen Freund wäre es nie gekommen und das ist der Realismus den ich in mir habe, denn ohne ihn hätte das Geld nicht gereicht. Mein bisschen Studiengeld reicht dafür nicht, um strahlende Kinderaugen ständig zu zaubern. Deine Gedanken zeigen aber das du eine gute Mama bist, denn deine Gedanken gelten ihnen.

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  9. Ich drück dich! Ich bin zwar nicht Alleinerziehende, aber vieles sieht bei mir ähnlich aus. Ich arbeite zu viel, der Papa auch. Es ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen und alles perfekt machen zu wollen, allen Wünschen gerecht zu werden, wenn einem die Energie ausgeht und die Akkus so leer sind, aber niemals richtig aufgeladen werden können. Manchmal stehe ich auch vor diesem riesigen Berg und denke: „Wie sollst Du das alles schaffen, also auch über das nötigste hinaus?“ Meine Mutter hat früher auch nicht mit mir gebastelt und so weiter, aber es gab eben noch Omas, Tanten und viele andere Kinder. Irgendwie war das einfacher, glaube ich!

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  10. Allein, dass Du Dir solche Gedanken machst, zeigt, dass Deine Kinder froh sein können, so eine Mutter zu haben. Und übrigens, bei uns hängt auch noch keine Weihnachtsdeko und mit Experimentierkästen habe ich auch nichts am Hut und mein Kind hat einen Schokokalender, keinen in Stunden selbst Gebastelten ;-). Gute Besserung!

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