Danke für Deine Gastfreundschaft…

…sagte der Kindsvater, als er vor 2 Jahren am 24.12. mit seiner Freundin betrunken aus meiner Wohnung stolperte. Die beiden hatten zu Bescherung und Abendessen meine kompletten Rotwein-Vorräte geleert. Die Kinder waren noch wach, das Wohnzimmer ein Schlachtfeld aus Playmobil und Geschenkpapier, die Küche zeigte beeindruckend, wie das Ende eines Raclettes mit Kindern aussieht.

Wikipedia weiß, was Gastfreundschaft ist: Die Gastfreundschaft ist die freundliche Gesinnung, die einem Besucher bei seiner Beherbergung, Bewirtung und Unterhaltung entgegengebracht wird.
Aha.

In diesem Sinne hat er sich korrekt verhalten, zumindest hat er sich beherbergen, bewirten und unterhalten lassen. Allerdings war das nicht Sinn der Übung, denn er war nicht als Gast, sondern als Vater zum Weihnachtsfest seiner Kinder gekommen. Und weil patchwork modern ist und ich ein (oft auch emotional) zu großzügiger Mensch bin, ist seine Freundin mitgekommen. Wie schön.

Als die beiden weg waren, hab ich die müde nölenden Kinder ins Bett gebracht, aufgeräumt und den letzten Rest vom Schnaps getrunken. Irgendwie hatte ich die naive Vorstellung gehabt, daß er die Kids ins Bett bringt (wenn er schon mal da ist), ich die Küche und die Trulla das Wohnzimmer aufräumt, und wir dann alle zusammen den Rotwein trinken. Statt dessen: Danke für Deine Gastfreundschaft.

Frohe Weihnachten.

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Nachspiel:

Der Kindsvater hat mir später erklärt, dass die Dame den ganzen Abend extrem eifersüchtig war, weil sie immer in der Angst lebt, dass wir wieder zusammen kommen (hallo?) weil wir ja so großartige Kinder haben (aber hallo!). Drum hat er sich betrunken, weil er der ganzen Situation nicht gewachsen war. Wie schön, dass die wahren Leidtragenden der Trennung die Erwachsenen sind, nicht die Kinder, die haben sich wenigstens im Griff. Weihnachten wird seitdem wieder ohne Patchwork gefeiert, dann kommt der arme Mann nicht so durcheinander.

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Danke für Deine Gastfreundschaft…

4 Gedanken zu “Danke für Deine Gastfreundschaft…

  1. […] Weihnachten mit den Kindern beim Ex und seiner neuen Familie zu Hause: wie kann das perfekt sein? Ganz einfach: die letzten 6 Jahre seit der Trennung kam der Kindsvater am 24.12. zu uns. Ich hatte Weihnachtsbaum und Krippe besorgt, Essen vorbereitet, Geschenke gekauft, eine angemessene Choreografie für den Abend ersonnen (erst essen oder erst Geschenke oder erst oder überhaupt Kirche?). Er hat sich da immer vornehm zurück gehalten, kam am Abend zu uns, setzte sich an den gedeckten Tisch, überreichte großzügige Geschenke und ging, noch ehe die Kinder im Bett waren. Einkaufen, Kochen, die ganze Vorbereitung, das Wohnzimmer voller Kartons und Geschenkpapier, halb aufgebautem Lego und fliegenden Helikoptern, die überdrehten Kinder – also die Verantwortung für alles, lagen jedes Mal komplett bei mir. Einmal kam er sogar mit seiner Freundin, ein Patchwork-Versuch, der katastrophal in die Hose ging […]

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