Chill mal, Mama!

Was mache ich denn mit anderen Eltern, die mich unterstützen wollen und dann leider unzuverlässig sind? Bedanken? Zart drauf hinweisen, dass das jetzt mal so richtig scheiße kommt?

Alleine mit zwei Kindern und vollem Job, das braucht man einen ziemlich hohen Organisationsgrad. Den habe ich. Ich war schon immer ein Organisationstalent und ich krieg das alles irgendwie hingefummelt. Schule Kita Hort. Schwimmen Turnen Kicken. Kinderarzt Zahnarzt Therapie. Arbeiten morgens mittags abends Wochenende. Babysitter Freunde Papawochenende. Um nur einige zu nennen.

Und dann springt ein Sandkorn in mein Zahnrad und alles läuft schief. Und zwar nicht, weil ein Kind krank ist oder ein Kind zum falschen Bus läuft oder ein Kind trödelt. Nein, weil die anderen Eltern es nicht gebacken kriegen. Sagen kurzfristig ab, schicken Kinder zu spät nach Hause, kommen zu spät zum Abholen, kommen gar nicht.

So hat sich meine damals 6jährige Erstklässlerin mit der Freundin zum Spielen bei mir zu Hause verabredet. Der 5jährige war beim Fußball und konnte den Weg noch nicht. Also der 6jährigen den Schlüssel gegeben, sie ist alleine vom Hort nach Hause, wohin die Freundin kommen sollte und die beiden spielen, bis ich nach ca. 1 Stunde mit dem Kurzen nach Hause komme. So der Plan. Kaum bin ich beim Fußballplatz, ruft mich mein weinendes Kind an „die kommt nicht, ich warte hier seit einer halben Stunde!“. Mist! Die Eltern angerufen, nicht erreicht, den Sohn schnellstmöglich vom Fußballplatz gezerrt, das andere Kind wieder weinend am Telefon, nochmal die anderen Eltern angerufen, Sorgen um das andere Kind gemacht (verloren gegangen?), Sorgen ums weinende Kind zu Hause, genervter Sohn im Schlepptau. Zu Hause angekommen, Kind getröstet, AB abgehört: Absage der anderen Mutter, das Kind kann nun leider doch nicht. AUF DEM FESTNETZ! Großartig, die weiß doch dass ich arbeite, warum ruft die nicht auf meinem Handy an?! Schönen Dank auch, der Nachmittag war hin.

Oder: ich quäle mich nach einer langen Arbeitsnacht um 9 aus dem Bett, um um 10 Uhr mein Kind bei Freunden abzuholen. Die konnten der Übernachtung nur zusagen, wenn ich um 10 abhole, weil die noch was vor haben. Komme ich da an, hocken alle (inkl. Eltern) im Schlafanzug da, lächeln mich freundlich an „ach so, den Besuch bei Oma haben wir verschoben, willst Du auch einen Kaffee?“. Nein, ich hätte gerne noch 1 Stunde geschlafen weil ich gleich weine vor Müdigkeit. Aber schönen Dank auch für die Übernachtung, hab ja immerhin 30 € für den Babysitter gespart.

Oder: Sohn besucht Freund. „Schick ihn bitte um 18 Uhr nach Hause.“ Nach meiner Berechnung müsste er mit der üblichen Trödelei 18.15 Uhr zu Hause sein. 18.30 kein Kind da, es wird dunkel, das Kind ist 7 Jahre alt. Angerufen. „Der ist  gerade los“. „Jetzt gerade? Wir hatten 18 Uhr gesagt?“. „Ich hab ihm um 18 Uhr Bescheid gesagt, aber er wollte noch nicht gehen“.

Ach so, dann geht’s natürlich nicht. WER SIND DENN HIER DIE ERWACHSENEN? Ich habe der Mutter so freundlich wie es mir noch möglich war erklärt, dass ich mich auf sie verlasse, dass ich mir Sorgen mache, dass ich beinahe los gelaufen wäre meine Sohn zu suchen, dass wir Abendessen wollen, dass gleich der Babysitter kommt weil ich arbeiten gehe. Dass ich Gründe habe, warum der Knilch um 18 Uhr zu Hause sein soll und dass sie WENIGSTENS anrufen kann, wenn sie es schon nicht gebacken kriegt. „Oh tut mir leid, dass wusste ich nicht“. Was jetzt, dass ich heute noch arbeiten gehe oder dass man sich an Vereinbarungen hält?

Ich muss SEHR aufpassen, dass ich nicht zynisch, grantig, unleidlich werde. Denn viele dieser Dates gehen schief, weil die anderen Eltern natürlich nicht böswillig, sondern mehr oder weniger gedankenlos agieren, denn sie sind ja nachmittags eh zu Hause, sie sind ja eh zu zweit, sie haben ja eh Zeit und denken deshalb, bei mir wäre es genauso. Ist es aber nicht, und meine Situation ich auch nicht neu.

Aber abgesehen von meiner Situation: Ich finde es respektlos, sich nicht an Vereinbarungen zu halten und mit der Zeit anderer Leute zu lax umzugehen. Und ich finde es ein verdammt schlechtes Vorbild für die Kinder.

Aber das nutzt mir alles nix, ich habe gelernt, dass ich ein tolles Netzwerk habe, weil meine Kinder viele Freunde zum Besuchen und Übernachten habe. Dass ich von meinem irren Organisationsgrad nichts habe, wenn die anderen nicht mitziehen. Aber dass ich natürlich niemanden zwingen kann, meinen Level an Planung mitzumachen. Ich kann höchstens um Verständnis werben und an die Vernunft appellieren. Und überall Puffer einbauen, Tempo rausnehmen, nicht auf die Minute planen, einfach mal ne halbe Stunde länger auf mein Kind warten (wird schon nix passiert sein, schluck). Anders geht’s nicht, denn alleine funktioniert das Ganze überhaupt nicht, und vielleicht ist das meine Aufgabe vom Universum: mich zu entspannen, nachsichtig zu sein, Fehler zuzugestehen. Mir und anderen.

Damit ich mich täglich daran erinnere, hab ich eine Frauenzeitschrift zerschnippelt, mir eine Collage gebastet und ins Esszimmer gehängt.

Chill mal, Mama!

chill mal

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Chill mal, Mama!

16 Gedanken zu “Chill mal, Mama!

  1. […] A propos andere Familien: auch wenn ich nicht alleinerziehend wäre, fände ich es schlicht unhöflich, Termine mit anderen Menschen zu verschieben, zu vergessen oder zu spät zu kommen. Bei meinem Alltag und Organisationsgrad ist es allerdings noch schlimmer. Ich frage mich ernsthaft, warum sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt hat, dass es respektlos ist, mit der Zeit anderer Menschen dermaßen lax umzugehen? […]

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  2. Truddel schreibt:

    Hast du schon mal versucht, den Eltern VORHER zu erklären, wie wichtig das für dich ist? So wie man es mit Kindern auch macht, die Sachen noch nicht wissen können? Vielleicht klappt das besser…

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    1. mutterseele.sonnenschein schreibt:

      Warum muss ich erklären, dass es wichtig ist? Gebietet es nicht die Höflichkeit, sich an Verabredungen zu halten? Warum sollten meine Aussagen optional sein?

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      1. Truddel schreibt:

        Musst du nicht, aber vielleicht hilft es. Wie du selber sagst, für manche Leute ist kommt es nicht so darauf an, ob es was früher oder später wird. Das mag an der Person liegen oder an der Situation in der sie sich befinden… egal. Und diese Leute erkennen nicht, dass das für dich wichtig ist. Das kannst du doof finden, klar. Besondernd doof ist aber, dass es dir Probleme bereitet. Also warum das nicht vorher sehr klar ansprechen? Damit würdest du doch vielleicht beiden Seiten helfen.

        Ob es jetzt die Höflichkeit gebietet, oder warum deine Aussagen optional sind, darüber kann man ja diskutieren. Aber ganz pragmatisch gesehen, und wenn man mal die Emotionen rausnimmt, kann man ja vielleicht schon eine Lösung finden, bevor man sich da geeinigt hat.

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      2. berit schreibt:

        Oje, die Frühstücksfamilie hätte ich sein können. Ich weiß ja nicht wie gut ihr euch und die gegenseitige Situation kanntet aber mein Gedanke wäre gewesen, dass du es vielleicht eher toll findest nochmal kurz zu entspannen und einen schönen Kaffee und vielleicht Croissant zu essen.

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      3. mutterseelesonnig schreibt:

        Ich hoffe mal schwer, dass das deren Hintergedanke war. Allerdings weiß diese Familie, dass ich bis spät nachts arbeite, und sie waren es, die mich sehr eindringlich gebeten hatten, um 10 abzuholen, woran ich mich gehalten habe. Nächstes Mal rufe ich halt nochmal an und frage, ob es bei den vereinbarten Uhrzeiten bleibt.

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  3. Sehr geil geschrieben, ehrlich … ich hab in mir auch gespürt, wie die Wut bei den Nacherzählungen hochgekommen ist und gemerkt, wie ich doch ein wenig mit dir mitleide. Aber ich finde es MEGA, dass du
    a) alles weitgehend alleine rockst (Thumbs up)
    b) ein tolles großes Netzwerk hast
    c) 2 wundervolle kids hast, die selbstständig und selbstsicher dank dir werden
    d) diese Collage gebastelt hast!
    Aufreger gibt es viele, die Kunst ist es, wieder runter zu kommen und einfach mal zu chillen!

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  4. Arle Na schreibt:

    Verstehe ich gut. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich auch schon Termine – oft sehr kurzfristig – abgesagt. Einfach weil ich nicht mehr konnte: Mit drei Kindern, Medizinstudium und nem Mann, der Vollzeit im Schichtdienst tätig ist. Das ist fast wie alleinerziehend (war ich beim ersten Kind auch).
    Nach einer anstrengenden Woche freut man sich auf den Samstag, Papa hat endlich auch mal ein freies Wochenende, Kinder bekommen Besuch… Klingeling: Papa muss einspringen – Krankheitsbedinger Ausfall auf Arbeit. Ich? Allein? 6 Kinder? Ja, ich hab den anderen Eltern abgesagt…

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  5. Susi_Haaserl schreibt:

    Ich bin eigentlich nicht so durchgeplant, lass gerne mal den Tag so laufen wie er kommt, wenn es halt nicht drauf ankommt… ABER normalerweise kommt es drauf an. Normalerweise müssen zwei Kinder in die Schule und pünktlich, ich muss ins Büro, arzttermine, abholen, woanders hinbringen, Elternabende, etc etc… Da braucht es einen gut durchdachten Kalender mit Plan B bis F in der Hinterhand. Nicht eingehaltene Umgangstermine mit dem Vater sind da leicht mal eine mittlere Katastrophe … Aber vom Sozialsuperpädagogen, der die Kinder und mich nur einmal gesehen hat musste ich mir vorwerfen lassen, ich sei zu streng mit dem Terminplan. Der hat Ahnung… Ist ja auch nicht derjenige, der dann Kind von der Schulaufführung abholt weil Vater es hat stehen lassen…
    Alleine mit Kindern heißt einfach, dass ohne Plan nix geht! Und dass Plan B manchmal so viel kostet, wie ich in den Stunden, die ich zur selben Zeit arbeite, verdiene…
    Du musst mal wieder mehr raus, entspanne Dich doch mal, schön wär’s

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  6. Sehr schön geschrieben. Erlebe ich auch des Öfteren und ärgere mich ebenso darüber. Das mit dem „Chill mal“ klappt ja leider nicht immer. Und Kritik kommt dann gern mal als Meckern rüber, und das geht nicht, weil man die Netzwerke ja trotzdem braucht.

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  7. Das kenne ich auch, dass man sich mit anderen Müttern verabredet und dann kommen sie nicht oder später oder sagen kurzfristig ab. Ich schiebe das meist auf deren Überlastung, aber mich ärgert es auch ab und zu. Interessant, dass Du mal darüber geschrieben hast, dann können alle mal in sich gehen und darüber nachdenken, dass Zuverlässigkeit nicht ohne Grund eine Tugend ist 😉 und man besser nur Dinge zusagt, die man dann auch erfüllen kann.

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    1. Truddel schreibt:

      Ich bekomme auch öfters abgesagt. Wegen Krankheit, Wasserrohrbruch, Überlastung. Wenn es einfach so wäre, würde ich mich auch ärgern. Einmal ist statt der Mutter der Vater gekommen, weil der Mutter nicht klar war, dass ich mich durchaus absichtlich mit ihr verabredet habe, und nicht mit dem Vater, mit dem ich keine gemeinsamen Themen habe. Ist zwar ein anderer Fall, aber eine originelle Erklärung.
      (Liest du hier mit? Ja, DU warst das 😉

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  8. Oje, da krieg ich die Wut beim Lesen. So etwas nervt mich auch extrem, da ich selber sehr gut organisiert bin und z.B. so gut wie nie zu spät zu irgendeinem Termin komme. Manche Menschen sind einfach total unempathisch… Weiß auch nicht, was ich Dir raten soll – „Chill mal Mama“ trifft es wohl ganz gut. Wenn das nur immer so einfach wäre…

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