Dinge die ich ohne meine Kinder nie erlebt hätte #1

Nicht Feuchttücher kaufen und nicht Laterne laufen. Dinge die ich ohne meine Kinder nicht erlebt hätte, sind die, wo ich mir Zeit genommen habe. Über meinen Schatten gesprungen bin. Was Verrücktes ausprobiert habe. Ein Abenteuer erlebt habe. Mein Leben bereichert habe. Oder einfach nur was Fieses gegessen habe.

#1: Wir fahren mit dem 92er zur Endhaltstelle

2015-11-02 14.39.51Wir leben in einer Stadt in Kessellage. Die City ist unten, dann kommt der Halbhöhenrand und dann kommen Wald, Luft, Land. In diesem Rand wohnen wir, und gegenüber ist unsere KiTa. Die Kita fährt jeden Donnerstag mit dem Bus in den Wald.
Jeden (!) Donnerstag. Meine Kinder sind in der Kita seit sie 18 Monate alte sind, jetzt sind sie 9 und 10 (ja, eine KiTa mit Hort). Das sind eine Menge Donnerstage, und noch nie sind wir mehr als 5 Haltestellen mit dem 92er gefahren. Zeit das zu ändern!

Es sind Herbstferien, die Sonne scheint, wir stehen an der Haltestelle und stellen fest: der Bus fährt 75 Minuten bis zur Endhaltestelle!

Zu Anfang ist der Bus so voll, dass wir nicht zu dritt zusammen sitzen können. Wir setzen uns mehrfach um, wir haben ja Zeit, und so schaukeln wir aus der Stadt hinauf in den Wald.

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Dort ist schlagartig die Sonne weg und es ist so neblig, dass wir nix mehr sehen. Eine Fahrt wie durch den verbotenen Wald für meine beiden Harry Potter-Leser. Die Fahrt ist wirklich lang, es geht durch Dörfer und Vororte, wir sehen Fachwerkhäuser, Industriegebiete, kleine Dorfplätze.

„Mama sind wir noch in Deutschland?“ fragt irgendwann der Sohn, dem nach einer Stunde schlecht wird. Er will aus dem Bus raus. Eigentlich eine nette Idee, aber der Bus fährt nur 1x pro Stunde. Der Sohn liegt auf meinem Schoss, die Tochter döst und ich rechne aus, dass wir in 17 Minuten da sind. Dank google.maps weiß ich, dass der Bus im Kreis fährt und wir natürlich noch in der Zivilisation enden werden.

Nicht nur das2015-11-02 16.05.44: der Bus endet, wo die wunderschöne historische Seilbahn beginnt! Die Kinder sind begeistert, der Sohn wieder fit und wir fahren mit der hölzernen Bahn den Berg hinauf zum Waldfriedhof.

Der ist wirklich toll. Ruhig. Weitläufig. Verwunschen. Ehrfürchtig laufen wir durch die Reihen mit den Gräbern und lesen, wer dort liegt. „Mama, das ist eine ganze Familie!“. Die Vorstellung, dass wir irgendwann wieder alle zusammen sind, gefällt den Kindern. „Du wartest dann auf uns“.  Natürlich werde ich das tun.

„Da liegen auch Ausländische!“ Ein Buddhist, schätzungsweise. 2015-11-02 16.32.47Wir sehen noch Gräbern von Menschen, die 1846 geboren wurden, da muss richtig gerechnet werden, und Gräbern von Menschen, deren Nachnamen wir kennen.

Irgendwann wird es kalt und fahren  zur Talstation zurück. Jetzt nur noch mit der U-Bahn in die City zurück, und – nein „Mama da ist ein Spielplatz!“. Stimmt, da ist echt ein Spielplatz, und sie sind wohl doch noch nicht zu groß dafür. Es wird noch eine Viertelstunde geklettert, gerutscht, gefangen und gerannt, die 75 Minuten im Bus waren ja auch bewegungs- und sauerstoffarm.

Es wird dunkel, wir fahren mit der Bahn in die Stadt, steigen um in den Bus und kommen 3 Stunden nach Abfahrt zu Hause an. Und erzählen seitdem allen aus unserer KiTa, daß WIR bis zur Endhaltestelle gefahren sind!

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