„Nein, ich habe keine Putzfrau“. Antworten für Alleinerziehende

Da geistert gerade was durch’s Netz, z.B. bei Mama arbeitet und der Perlenmama, was mir auch seit Jahren durch den Kopf geht: Sätze, die eine Alleinerziehende echt nicht (mehr) hören kann. Woher sollen die anderen es auch wissen, wie blöd so mancher Satz rüberkommt, die meisten Mitmenschen sind ja gottlob noch voller Empathie und wollen nur helfen. Trotzdem liegen die gutgemeintesten Frage und Sätze manchmal dermaßen daneben, daß mir die Kinnlade runterklappt und ich mich zusammenreißen muß, nicht zynisch oder sarkastisch dazu antworten.

Ich werde mir wohl bald ein T-Shirt mit den Antworten für Alleinerziehende drucken lassen:

ja, meine freien Wochenenden bestehen aus Sex, Drugs & Rock’n’Roll

Nein, ich weiß nicht wo der Vater ist

ja, das sind alles meine Kinder

ja, die müssen so laut sein

ja, die machen nur Freude

ja, ich genieße die Zeit mit ihnen, weil sie so schnell vorbei ist – JEDE SEKUNDE

nein, ich komm nicht mit ins Kino

ja, das ist sauanstrengend und ich weiß, dass DU das nicht könntest

ja, das hab ich mir genauso ausgesucht

nein, ich habe keine Putzfrau

ja, wir haben auch noch Haustiere

und ja, ich freu mich ganz besonders auf die Pubertät!

Wie es zu den Antworten kommt? Das sind die Sätze, die mir so um die Ohren fliegen, zu Anfang gleich der Klassiker:

„Was machst Du eigentlich an den kinderfreien Wochenenden?“

Ich vögel bis ich wund bin, dann mach ich mir die Nägel und geh Tanzen. Oder was würdest Du tun, wenn Du 12 Tage mit den Kindern allein wärst? Nicht einmal, zweimal, nein seit inzwischen 5 Jahren. Ich arbeite übrigens Vollzeit, also mindestens so lange, wie die Kinder in Schule und Hort sind, meist länger, oft abends, manchmal am Wochenende. Und die, die mich das fragen, WISSEN DAS!

Im Alltag schaffe ich es gerade so eben, dass alle was zu essen und saubere Klamotten haben. Alles andere bleibt liegen. Einkaufen, aufräumen, putzen. Kleiderschrank ausmisten, Inliner in den Keller bringen, Winterjacken aus dem Keller holen, Betten abziehen, Altglas wegbringen, Steuererklärung machen, Taschen ausräumen, Taschen einräumen, Kaninchenstall ausmisten, Katze bürsten. Manchmal wundere ich mich, dass nicht Jugend-/Gesundheits- und Veterinäramt zusammen vor der Tür stehen.

by the way, den mag ich auch sehr:

„Habt Ihr keine Putzfrau?“

Wer ist „Ihr“, frage ich mich dann. Ich glaube, Paare machen sich kein Bild davon, wie es ist, alleine und wirklich alleine für alles finanziell verantwortlich zu sein. Mein Gehalt und der Unterhalt reichen für uns. Aber dann kommen die Extras, und wer Kinder hat, weiß was das heißt. Neue Schuhe, neue Klamotten, Kindergeburtstag, Klassenfahrt, Hortfreizeit. Klassenkasse, Monatsticket, Instrumente, Sport. Eis essen, Kino, Kickboard, Fahrrad. Urlaub. Versicherungen? Ausbildung? Zukunft? Altersvorsorge? Alles geht bei Weitem nicht, also abwägen, sparen, kürzen, ausreden, diskutieren. Putzfrau ist gestrichen, sowieso.

by the way, ich finde der hat den Vogel abgeschossen:

„Soll ich mal Deinen Ex fragen, ob er Dir mehr überweist?“

Ernsthaftes Angebot eines KiTa-Vaters, weil ich mich über die Kosten für das Ferienprogramm beschwert haben. Ich könnte fröhlich sagen „au ja, versuchs mal!“, bin aber stumm vor Glück, denn soviel Distanzlosigkeit und Machotum ist mir noch nie begegnet.

„Ich bin ja auch oft alleinerziehend“

sagen schon mal Mütter, deren Männer oft unterwegs sind. Sorry Mädels, aber Ihr seid immer noch zu zweit mit der Verantwortung. Viel und oft alleine mit den Kinder zu sein ist eine organisatorische Glanzleistung, vor der ich mich gerne verneige. Aber Ihr tauscht Euch aus, Ihr wechselt Euch ab, die Sorgen und Entscheidungen des Familienlebens verteilen sich auf 4 Schultern, 2 Herzen und Gehirne. Das ist wirklich was anderes, als alles alleine mit sich oder mit nahe stehenden Menschen auszumachen. Zwei Eltern sind zwei Menschen, die die Kinder vom ersten Tag an bedingungslos lieben, und egal wie toll mein Netzwerk ist: das tut keine Freundin und kein Freund.

„Soll ich Dir mal die Kinder abnehmen?“

Nein, aber wenn Du was für mich tun willst, kannst Du gerne mal feucht durchwischen, damit ich meine Kinder mal wieder durchkitzeln kann. Wir haben einen dermaßen durchgeplanten Alltag, dass ich froh bin, wenn die Kinder und ich mal entspannte, unverplante freie Zeit miteinander haben. Dank der Schule muss aber immer irgendjemand noch Hausaufgabe machen oder einen Löwenzahn samt Wurzel für den Unterricht ausgraben. Dank meines Jobs komm ich heute später und bin morgen abend gar nicht da, am Wochenende schleppe ich die Kinder mit oder verleihe sie an Freunde. Es müssen Sportsachen gesucht und Schwimmsachen aufgehängt werden, die Kinder wollen auf den Kickplatz oder ein Bild malen, ich will mal in Ruhe aufs Klo oder telefonieren. Wo ist die Zeit, die wir zu dritt haben, wo ist der echte Kontakt, die berühmte Qualitätszeit? Ich brauche niemanden, der mir die Kinder abnimmt, ich brauche jemanden, der für mich einkauft, aufräumt, putzt, kocht, die Betten abzieht und die Wäsche macht. Das macht aber keinen Spaß, die anderen Mütter wollen meine Kinder mitnehmen, weil sie es auf der linken Arschbacke absitzen können, wenn sie 1 Kind mehr zu Hause haben. Aber Angebote, um wirklich mit anzupacken? Ist mir in 5 Jahren nicht passiert.

„Wie schaffst Du das bloß? Ich könnte das nicht“

Wetten dass Du es könntest? Ich kann, weil ich muss, was soll ich denn sonst tun? Nicht einkaufen? Einfach weiterschlafen? Kündigen? Die Kinder aussetzen? Der Satz klingt wie Bewunderung, ist aber im Kern total zynisch, denn er suggeriert, dass ich eine Wahl hätte, wie die Perlenmama sehr klug geschrieben hat. Hab ich aber nicht! Hier gibts nix auszusuchen und schonmal gar nicht gibt’s hier was nicht zu schaffen: diese Option entfällt.

„Ich hab neulich am Wochenende Deinen Ex mit den Kindern gesehen. Das ist ja toll, wie der sich um die kümmert!“

Ich bin auch immer wieder zu Tränen gerührt wenn ich ihn sehe! Darum hab ich ich ja auch von ihm getrennt, weil ich es kaum aushalten konnte. Bist Du auch noch von dem Mann begeistert, wenn ich Dir erzähle, dass er ungern Termine plant und noch nie (!) die Kinder angerufen hat? Dass er die Ferien mit den Kindern ausfallen lässt, um mit seiner Trulla nach Malle zu fliegen? Dass die einzige „Flexibilität“ seiner Zeit mit den Kindern ist, weniger Zeit mit ihnen zu verbringen? Dass er mir ein 40Grad-Fieber-Kind nach dem Wochenende zurück bringt und es dann schafft, 12 Tage lang nicht mal anzurufen und nach dem Befinden des Kindes zu fragen? Leuten, die einer Alleinerziehenden von den excellenten Vater-Qualitäten des Erzeugers vorschwärmen, fehlt doch irgendwas – Empathie?

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„Nein, ich habe keine Putzfrau“. Antworten für Alleinerziehende

11 Gedanken zu “„Nein, ich habe keine Putzfrau“. Antworten für Alleinerziehende

  1. Anni schreibt:

    Was ist das denn hier für Trittbrettfahrerei?
    Du kopierst den Namen eines erfolgreichen Blogs (mit dieser kleinen Änderung, die es nicht besser macht), klaust sogar das Thema dieses Beitrags und dann kommentierst du auch noch fröhlich auf der fbseite des originalen Blogs herum (wo ich dich dann finden konnte).
    Namensklau, Ideenklau? Wie schräg …
    Übrigens kannst du eine Abmahnung erhalten, weil du kein Impressum hast.

    Das hier ist echt unverschämt ! Entweder du bist eine Stalkerin der originalen Bloggerin oder irgendwie nicht ganz bei Verstand?!?

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    1. mutterseele.alleinerziehend schreibt:

      Liebe Anni,
      es gibt zahlreiche Blogs, Facebookseiten und Bücher mit diesem Titel. Warum ich einen kleinen Buchstaben geändert habe, erklärt sich aus meinem ersten Beitrag auf diesem Blog. Diese Namenshäufung ist kein Ideenklau, sondern zeigt, dass ich und wir mit diesem Thema nicht alleine sind. Von anderen Bloggerinnen unter ähnlichem Titel erhalte ich positive Resonanz und Vernetzungsanfragen.
      Der Artikel „Nein ich habe keine Putzfrau“ ist auf Inspiration anderer Bloggerinnen zum Thema entstanden, was ich beschrieben und verlinkt habe. Dabei habe ich sicherlich nicht alle Blogerinnen und Beiträge zu dem Thema erfasst, sondern einige übersehen.
      Das ist kein Ideen-/Namensklau und es tut mir leid, wenn dieser Eindruck entsteht. Ich freue mich, wenn sich Frauen mit ähnlichen Themen zusammen tun, sich vernetzen und vielleicht sogar zusammen arbeiten.
      Das mit dem Impressum war mir nicht klar, mein Blog ist ja noch ganz frisch, da danke ich Dir für den Hinweis, ich werde das in Kürze überarbeiten.
      Herzliche Grüße!

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  2. Julia schreibt:

    Vielleicht ist anderen gar nicht bewusst, WAS Dir helfen kann. Ich hätte auch angenommen, die Kinder zu nehmen, sei eine Unterstützung. Auf ein solches Angebot kannst Du doch halb scherzhaft antworten, dass Dir Einkaufen viel eher helfen würde. Ich z.B. würde den Wink verstehen.

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    1. mutterseele.alleinerziehend schreibt:

      Du hast völlig recht, und deshalb schreib ich das ja: als Anregung. Denn das kann ja wie gesagt kein Mensch ahnen, was wir wirklich brauchen, drum erklär ich es immer wieder, mit einer Engelsgeduld. Allerdings haben mich die zwei Leute, die in 5 Jahren wirklich mal für mich eingekauft haben (weil ich wochenlang krank war), nie wieder gefragt ob sie was für mich tun können. Und betteln mag ich dann auch nicht.

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    1. mutterseele.alleinerziehend schreibt:

      Meinst Du mit Ehefrau jemanden, der mir im klassischen Sinne „den Rücken frei hält“? Bei dem Rollenbild gruselt’s mich aber!
      Ich hätte gerne jemanden, mit dem ich die Verantwortung, die Liebe und den Haushalt teilen kann. Und wenn Verantwortung und Liebe teilen mangels Partner nicht geht, dann wenigstens ne Haushaltshilfe, aber die kann ich mir nicht leisten.

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